Finster is!
Ich sitze zuhause, kein Strom, nur ich, meine Gedanken und die Tasten, die wieder glühen.
Passend zum Thema. Denn als Wieslaw Kielar (der das Buch Anus Mundi schrieb) - als 290er „Gefangener“ Insasse – mir fehlt hier das richtige Wort – im KZ Auschwitz ankam, war es auch dunkel. Dunkel um sein Leben, seine Zukunft. Eine Fahrt in den Tod.
In einer beeindruckenden Inszenierung – oder besser gesagt, einer tiefgehenden Lesung – zeigte Mag. Philipp Kaplan, übrigens nicht nur Inhaber, sondern auch Barchef, Tontechniker und vieles mehr in diesem kleinen, aber feinen Theater mitten in Wien, Ausschnitte und Bilder von Anus Mundi. Sein Leben. Seine Reise. Bilder aus der dunkelsten Zeit des Dritten Reiches.
Aufzeigen! Darüber sprechen! Es nach außen tragen!
Dazu brachte Moritz Weiß auf der Klarinette jüdische Musik zu Gehör – ein bewegender Moment, der dem Abend noch mehr Tiefe verlieh.
In den Trümmergesprächen mit John Herzog vom ÖJC gab es dann einen intensiven Meinungsaustausch. Hochkarätige Gäste teilten ihre Perspektiven – eine Diskussion, die berührte, die aufwühlte, die zum Nachdenken brachte.
Und egal, aus welcher Perspektive man es betrachtete, in einem Punkt waren sich alle einig:
Wir sind Menschen. Und irgendwo haben wir alle noch ein Herz.
Peter Mahler, direkte Abstammung von Mahler, erzählte mit spürbarer Emotion die Geschichte seiner Familie. Ein Leben zwischen Angst und Flucht. Einerseits waren da die Täter, andererseits die, die alles verloren. Sein Vater floh in die USA.
Erwin Leder, Schauspieler und bekannt aus Das Boot, brachte es klar auf den Punkt:
„Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen das weitertragen. Es darf nie wieder passieren.“
Die Podiumsgäste:
Erwin Leder, Peter Mahler, Philipp Kaplan, Hana Beran, Claudia Puhr, Olena Trubochova, Moritz Weiß, Brigitta Schwarzer, Dieter Reinisch.
Die Gespräche an diesem Abend waren mehr als Worte. Sie waren Brücken. Ein Fundament des Friedens.
Und das Beste? Diese Brücke wurde symbolisch von den Gästen aus LEGO gebaut.
Jeder Stein – ein Zeichen des Miteinanders. Ein Symbol dafür, dass Frieden etwas ist, das wir gemeinsam erschaffen müssen.
Eine Brücke miteinander, ein Leben füreinander.
Und die Entscheidung, über diese Brücke zu gehen: Freiheit.
Freiheit zu entscheiden, wohin die eigene Reise führt.
Welche Türen du öffnest, welche Wege du gehst.
Immer wieder predige ich das – und ganz ehrlich?
Wir können verdammt nochmal dankbar sein, dass wir heute die Wahl haben. Gerade in unseren Breitengraden.
Wachsam sein!
Dieses Wort begegnet mir immer wieder. Und ja, es stimmt.
Wir müssen wachsam sein, dass so eine Grausamkeit nie wieder geschieht.
Es lebe die Freiheit!
Übrigens: Der Abend endete nicht mit der Veranstaltung. In der gemütlichen Bar des Pygmalion Theaters wurde noch bis spät in die Nacht philosophiert. Über Geschichte. Über das Leben. Über das, was wirklich zählt.
Das Theater selbst? Klein, fein und definitiv einen Besuch wert.
Solche Geschichten gehören erzählt, gehört, gesehen – nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt.
Danke, John und Peter, für diese eindrucksvolle Inszenierung.
🔗 Mehr über das Pygmalion Theater erfahren: www.pygmalion-theater.at
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English Version:
Darkness.
I’m sitting at home, no power, just me, my thoughts, and my keyboard clicking away.
Fitting, considering the topic. When Anus Mundi arrived at Auschwitz as prisoner number 290 – I’m missing the right word here – darkness surrounded his life and future. A journey to death.
In a moving performance – or rather, a deeply impactful reading – Mag. Philipp Kaplan, not just the owner but also bartender, sound technician, and much more at this small yet remarkable theater in the heart of Vienna, presented excerpts and images from Anus Mundi’s life and journey. Glimpses of the darkest era of the Third Reich.
Raise awareness! Speak out! Bring it to light!
Moritz Weiß added a touching musical component with traditional Jewish melodies on the clarinet – a moment that resonated deeply.
During the "Trümmergespräche" (Rubble Talks) with John Herzog from the ÖJC, a thought-provoking exchange of ideas took place. Esteemed guests shared their perspectives – a discussion that was stirring, unsettling, and insightful.
And despite different viewpoints, there was a shared consensus:
We are all human. And somewhere deep down, we all have a heart.
Peter Mahler, a direct descendant of Mahler, shared his family’s emotional history. A life between fear and escape. On one side, the oppressors. On the other, those who lost everything. His father fled to the USA.
Erwin Leder, actor known from Das Boot, was crystal clear:
"We must not be silent. We must carry this forward. This must never happen again."
The panel guests:
Erwin Leder, Peter Mahler, Philipp Kaplan, Hana Beran, Claudia Puhr, Olena Trubochova, Moritz Weiß, Brigitta Schwarzer, Dieter Reinisch.
The discussions that evening weren’t just about words. They were bridges. A foundation for peace.
And the most striking moment? A symbolic bridge built out of LEGO by the guests themselves.
Each brick—a sign of unity. A reminder that peace is something we must build together.
A bridge between people, a life alongside one another.
And the decision to cross that bridge? Freedom.
The freedom to decide where your journey leads.
Which doors to open, which paths to take.
I say this often – and honestly?
We should be damn grateful for the freedom we have today, especially in our part of the world.
Stay vigilant!
I keep coming across this phrase. And yes, it’s true.
We must stay vigilant so that such atrocities never happen again.
Long live freedom!
By the way: The evening didn’t end with the event itself. In the cozy bar of the Pygmalion Theater, discussions continued late into the night. About history. About life. About what truly matters.
The theater itself? Small, intimate, and absolutely worth a visit.
These stories need to be told, heard, and seen – not just here, but worldwide.
Thank you, John and Peter, for this powerful production.
🔗 Learn more about the Pygmalion Theater: www.pygmalion-theater.at
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p.s. Es war ein sehr emotionaler Abend. Verzeiht bitte, dass die Fotos in der Reihenfolge nicht ganz stimmen.
pps. Kleiner Funfact: Das Licht ging nach dem schreiben des Blogpost wieder. Was wollte mir das Universum bei diesem tragischem und nicht ganz leichtem Thema wohl mitteilen?
Fotocredits: Werner Schmid