Liebe Leser,
der Wiener Wehrmann in Eisen ist eine Holzskulptur des Bildhauers Josef Müllner, die am 6. März 1915 auf dem Schwarzenbergplatz aufgestellt wurde. Jeder durfte (gegen eine Spende) einen Nagel in die Figur einschlagen. Der Erlös der Aktion diente der Unterstützung von Witwen und Waisen der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten. Crowdfunding gab es damals noch nicht, und Schulden wollte der Staat offenbar auch nicht so bereitwillig aufnehmen wie heute. In Summe wurden angeblich 500.000(!) Nägel in den hölzernen Ritter eingeschlagen und 700.000 Kronen gesammelt. Nach dem Krieg wanderte der Wehrmann in Eisen zunächst in ein Depot der Stadt Wien und dann in das Museum eines Soldatenvereins. Es gab nach seinem Vorbild eine Reihe von ähnlichen Aktionen zum Spendensammeln (sog. Kriegsnagelungen), er ist aber als Einziger erhalten geblieben.
Übrigens, der aus dem 15.Jhd. stammende "Stock im Eisen" am Stephansplatz/Ecke Graben ist ein Baumstumpf, der auch über und über mit Nägeln besetzt ist, hat aber einen ganz anderen Hintergrund.
Als 1934 das Äußere Burgtor in ein Heldendenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs umgewandelt wurde, erinnerte man sich wieder an ihn. Zur Finanzierung wurde die Figur aus dem Museum geholt und wieder auf dem Schwarzenbergplatz aufgestellt. Benagelt wurde diesmal nicht die Figur selbst, sondern nur der neue Sockel. Nach der Eröffnung des Heldendenkmals im September 1934 wurde der Wehrmann wie ursprünglich 1917 geplant, unter den Arkaden beim Rathaus, neben dem MUSA, aufgestellt.
Die Nische mit dem Spruch des deutsch-nationalen Dichters und Priesters Ottokar Kernstock stammt aus 1918, die Inschrift lautet:
Der Wehrmann Wiens gemahne an die Zeit
da unerschöpflich wie des Krieges Leid
die Liebe war und die Barmherzigkeit
Detail:
Quellen:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wehrmann_in_Eisen
https://magazin.wienmuseum.at/der-wehrmann-in-eisen