english summary: "Erdstalls" are menmade underground tunnels and chambers of Medieval origin with mysterious narrow "crawlways". 1000s have been found in Germany, Austria and parts of Czech Rep., mostly below farmhouses. No apparent purpose has yet been found!
Liebe Leser,
im Folgenden Zusammengetragenes und Gedanken zu einem der größten ungelösten Rätsel des Mittelalters! Zu dem Thema gab es unlängst im "Klub Logischer Denker" in Wien einen Vortrag des Archäologen, Professors für Paläontologie an der Uni Wien und Vorsitzenden des Arbeitskreises für Erdstallforschung, Prof. Otto Cichocki (siehe Link unten), der für mich Ausgangspunkt war, endlich einen Post zu diesem spannenden wie rätselhaften Thema zu verfassen (und selbst einen Erdstall zu besuchen).
Was sind Erdställe?
Erdställe sind von Menschen geschaffene unterirdische Tunnel, Gänge und Kammern mit nur einem Zugang, sehr eng und unverkleidet, ohne jegliche Ausmauerung und Stützen, die keinem ersichtlichen Zweck dienen. Das Wort kommt nicht von (Tier)Stall, sondern von Stelle, auch Stollen hat den gleichen Ursprung. Um 1900 war auch der Begriff "Hausloch" noch gängig, der heute vollkommen verschwunden ist. In Bayern nannte der Volksmund sie „Schratzelloch“ (abgeleitet von Zwergen, die der Sage nach diese Gänge angelegt haben sollen).
Die Gänge sind meist 30-50m lang (der bislang längste gefundene misst ca. 100m) und nur 60cm breit und fast mehr als 1,4m hoch, sodass man nicht aufrecht darin gehen kann. Die Breite ergibt sich aus der optimalen manuellen Vortriebsleistung (den Raum, den ein Mensch zum effizienten arbeiten braucht), das heißt wären sie breiter, würde es insgesamt länger dauern und wären sie schmäler, könnte der Arbeiter nicht weit genug ausholen mit seinem Grabwerkzeug. Diese 60cm sind "Standard" und bei anderen Tunnelanlagen seit der Antike (z.B. etruskischen oder römischen) unverändert. Die niedrige Höhe ergibt sich wohl aus dem Umstand, dass die Gänge nicht abgestützt sind, d.h. je höher, desto größer die Einsturzgefahr.
In den Wänden der Gänge (seltener in den Kammern) gibt es ab und zu kleine, kaum mehr als faustgroße Nischen, Lichtnischen genannt, in denen früher Öllampen oder Kienspäne für eine spärliche Beleuchtung gesorgt hatten (nur während der Grabung oder auch danach? Man weiß es nicht). Diese könnten auch als primitive Sauerstoff-Messgeräte für die Mineure gedient haben. Ging die Flamme aus, war der Sauerstoff zu knapp und der Minenarbeiter musste den Bereich verlassen! Teilweise gibt es Bauhilfsschächte, die nach Fertigstellung der Anlage immer verfüllt und mit Mauern abgestützt wurden. An den Enden der Gänge finden sich manchmal kammerartige Erweiterungen und "Sitznischen". Gelegentlich gibt es auch senkrecht oder schräg nach oben führende schmale Luftröhren (10-15cm Durchmesser), die von unten nach oben getrieben wurden, um die Ventilation zu verbessern.
Während sich Lichtnischen auch bei anderen Tunnelanlagen seit der Antike finden, haben Erdställe eine weitere Besonderheit: "Schlupfe" (von durchschlüpfen), enge (ca. 40cm im Durchmesser, selten >45cm) Durchlässe, manchmal sogar "Kriechröhren" von ca. 1m Länge, die einen Bereich des Erdstalls mit einem anderen verbinden (vertikal oder horizontal) und die nur kriechend zu passieren sind. Man hat bis jetzt keinen Erdstall gefunden, der nicht mindestens einen Schlupf hat!
Heute unterscheidet man 4 Typen von Erdställen je nach Form und Art der Verzweigung, zum Beispiel besitzen Erdställe vom Typ C einen Rundgang, während Typ A ein Hauptgang mit horizontalen Durchschlupfen und Seitengängen ist und Typ B-Erdställe auf mehrere Ebenen verteilt sind mit vertikalen Schlupfen. Aber letztlich ist jeder Erdstall anders und man hat bis jetzt noch nicht zwei baugleiche gefunden.
https://www.volksbildungswerk.at/fileadmin/bilder/Vereine/Erdstaelle_und_kuenstliche_Hoehlen.pdf
Andererseits wiederholen sich immer wieder die gleichen Elemente, die Schlupfe (die immer um die 40-45cm abmessen), die "Sitzbänke", die spontanen Richtungswechsel, als ob es eine Gilde von Erdstallbergleuten gegeben hatte.
Man könnte Erdställe auch definieren, in dem man sagt, was sie nicht sind! Es sind vermutlich keine Bergbau- oder Prospektionsstollen. Da sie oft im Löß gegraben wurden, erscheint ein Berbauaspekt eher unwahrscheinlich, da in diesem Sedimentgestein keine Mineralien zu erwarten sind.
Es sind vermutlich auch keine Lagereinrichtungen, da man so gut wie keine Lagergüter gefunden hat, auch nicht in eingestürzten Erdställen. Außerdem schafft die hohe Luftfeuchtigkeit in den Stollen keine guten Lagerbedingungen. Überhaupt sind Erdställe (heute zumindest) ausgesprochen fundleer (abgesehen von Tonscherben), was eine Zuordnung und Datierung so schwierig macht (denn eine Höhlung selbst lässt sich nicht datieren).
Es sind auch keine Verbindungsstollen, Wassergänge oder Brunnenzuführungen. Die teilweise verzweigten Gangsysteme sind auch nie miteinander verbunden, auch wenn im Nachbarhaus auch ein Erdstall gegraben worden war (sodass jegliche Interpretation als Verkehrsweg ans Absurde grenzt).
Verbreitung
Erdställe findet man in Bayern, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Mähren. In den Kalkalpen gibt es keine, da das Gestein hier zu massiv ist. Die meisten Erdställe sind in Löß, Lehm, Sandstein, Mergel oder verwittertem Gneis (Flins) gegraben, also stabiler, aber dennoch (relativ) gut bearbeitbarer Untergrund. In diesem mitteleuropäischem Raum sind rund 1500 solche Anlagen bekannt, aber es gibt Erdställe, wenngleich von anderer Art auch in Frankreich, Spanien und Irland. Die Häufung der Erdställe auf der Karte unten hängt aber eher mit regionalen Bemühungen bestimmter Erdstallforscher zusammen, die in bestimmten Regionen gewirkt hatten und weniger mit der tatsächlichen (unbekannten) Verteilung. Denn in Erfahrung zu bringen, wo ein Erdstall ist, ist nicht gerade leicht - viele Besitzer wollen davon nichts wissen (es ist ihnen selbst unheimlich) und sie oder ihre Vorfahren haben das Wissen um "Geheimgänge" unter ihrem Haus verloren, oder wollen nichts darüber preisgeben.
Aber gerade in letzter Zeit kam es zu einer Art Popularisierung. Es werden mehr Erdställe gemeldet als früher und manche Besitzer posten sogar stolz ihre unterirdischen Funde (Beispiel)! Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass Erdställe extrem verbreitet waren und keine seltenen Phänomene!
https://www.erdstallforschung.de/Erdstall.html
Alter
Vereinzelt hat man mit Radiokarbonmethode und Dendrochronologie in Bodenschichten gefundene Holzkohle- und Kienspanreste analysiert und ist zum Ergebnis gekommen, dass die meisten Erdställe zwischen 1100 und 1450 n.Chr. angelegt worden sind, mit einem "Peak" im 13.Jhd. . Danach verloren sie offenbar an Bedeutung. Vereinzelt werden auch Alter von bis zu 8000 Jahren angegeben, aber das ist Unsinn und mit unzuverlässigen Datierungsmethoden erhoben worden (oder auf Basis von z.B. neolithischen Funden in manchen Gängen, aber das hätte auch passieren können, wenn jemand im Mittelalter bei einer Erdstallgrabung zufällig auf ein bronzezeitliches Gräberfeld aus einer früheren Besiedelungsperiode stößt, was nicht ganz unwahrscheinlich ist).
Überhaupt gibt es einen Zweig der Erdstallforschung, der stark in Richtung Esoterik geht und wo sich die Autoren im Spekulieren regelrecht zu übertreffen versuchen. Bekanntestes Beispiel ist der ehem. Archäologe und mittlerweile komplett ins Absurde abgedriftete freiberufliche Erdstallforscher Heinrich Kusch, der in seinem letzten Buch behauptet, die Erdställe hätten ein „frequenzgesteuertes Transportsystem“ gebildet, mithilfe diesem die Menschen bis ins Mittelalter Handel mit verschiedenen unterirdischen Völkern getrieben hätten, unter anderem einem "reptiloiden Volk von Drachenwesen“. Seine Bücher verkaufen sich trotzdem (oder gerade deswegen) gut!
Zurück zu den Fakten! Leider hat man bis jetzt auch noch kaum schriftliche Aufzeichnungen aus dem Mittelalter über die Erdställe gefunden. Der Begriff selbst findet sich erstmals 1449 in einem Abgabenverzeichnis der Herrschaft Asparn an der Zaya, also zu einer Zeit, als die Hochblüte des Erdstallbaus längst vorbei war. Erwähnt ist dort z.B. Methl Huendl, der für einen 3 1/2 Joch großen Acker "auf den erdstelln" sechs Pfennig an die Herrschaft zu zahlen hatte.
Da sie auch eher ein exotisches Thema sind, könnten eventuelle Erwähnungen auch übersehen worden sein. Fallweise wird berichtet, wie sich Menschen im Rahmen von kriegerischen Auseinandersetzungen in Erdställen versteckt haben (und dann meistens ausgeräuchert worden sind), aber das sind höchstwahrscheinlich Nachnutzungen und lassen keine Schlussfolgerungen über die primäre Funktion der Erdställe zu. Noch dazu wissen wir nicht einmal, wie diese Gangsysteme im Hochmittelalter überhaupt genannt worden sind.
In einem Erdstall
Ein Teil der Erdställe von Althöflein (im Weinviertel Niederösterreichs, ca. eine Autostunde nördlich von Wien) kann man besichtigen. Sie bilden die größte Erdstallanlage im deutschsprachigen Raum und stammen vermutlich aus dem 10. bis 12. Jhd. Derzeit kennt man 4 einzelne Erdställe von insg. 270m Länge. Sie wurden in ca. 3,5m Tiefe in einen Hügel aus Mergel gegraben, an dessen Spitze sich eine Wehranlage aus dem 9. Jhd. befindet, die später in eine katholische Kapelle umgebaut wurde. Angeblich gab es früher Verbindungsgänge, die von der Kapelle bis zu den Erdställen reichten (aber die wurden verfüllt, da sich Risse am Fundament der Kapelle gebildet hatten durch Absenkungen). Und angeblich wurden sie zuletzt im 2.Weltkrieg benutzt, als sich Frauen 10 Tage lang dort vor den Russen versteckt hatten und von den Männern mit Brot versorgt wurden (als sie vermeintlich Wein holen gingen).
Für die Führung wurden wir mit Overalls, Helmen und Lampen ausgestattet.
Der heute (für die Besucher) zugängliche Teil der Erdställe führt über einen ca. 60cm hohen Einstieg seitlich der Treppe zum Weinkeller (die Weinkeller befinden sich unter den Erdställen und wurden erst im 17.Jhd. gebaut). Wenn gerade keine Führung stattfindet, ist er mit einem dicht sitzenden Holzdeckel verschlossen (was für den Erhaltungszustand am besten ist, wenn nur die Luft innerhalb der Erdställe zirkuliert).
In einem Gang, der hinten in einen Quergang mündet. Die Gänge haben ein Rundgewölbe, sind meist nur ca. 130-140cm hoch und unverputzt, man sieht noch die originalen Bearbeitungsspuren (und leider auch Vandalismus von Besuchern, die seit 1980 hierher kommen können).
Ein vertikaler Schlupf, der nach unten führt, der aber verfüllt wurde (vermutlich aus Sicherheitsgründen).
Eine endständige Kammer mit "Sitzbank". Man sieht, dass die Decke teilweise eingestürzt ist und der Mergel zutage tritt, während der Rest der Wände eine natürlich Schwärzung aufweist (das sind angeblich keine Rußablagerungen, sondern eine Patina).
Links und rechts führen hier Belüftungsgänge zu benachbarten Erdställen.
Blick in einen der Belüftungsgänge.
Diese bis zu 9m langen Gänge konnten unmöglich von Menschen gegraben worden sein, da sie nicht gerade sind, sondern gebogen und nur 15cm im Durchmesser haben. Man vermutet, dass sie einen Meter tief, von jeder Seite aus vorgetrieben wurden und dass man danach Tiere (z.B. Dachse) reingesetzt hat, die dann ihrem Instinkt und ihrer Witterung gefolgt sind und die Gänge fertiggegraben haben! Man hat Roboter mit Kameras durchgeschickt, die tatsächlich Bißspuren gefunden haben.
Theorien zum Zweck der Erdställe
Es gibt diverse Erklärungsversuche, aber keiner davon ist wirklich schlüssig - letztlich tappt man noch immer völlig im Dunklen, das macht auch das Faszinierende aus! Das Graben eines Erdstalls war Schwerstarbeit (der Vortrieb in einer beengten Zwangshaltung, die schlechte Luft, Kälte, Feuchtigkeit, der Staub und das spärlichen Licht), also musste es einen triftigen Grund haben, warum Tausende gegraben wurden! Und die Schlupfe und Kriechgänge anzulegen, war noch eine zusätzliche Erschwernis, aber anscheinend nötig für die Erdställe, denn ansonsten hätte man darauf zumindest bei einigen verzichtet.
Hier ein Überblick über die derzeitigen Theorien:
Fluchttunnel/Verstecke: In einer Gedichtsammlung von Ende des 13. Jahrhunderts wird erzählt, wie ein Bauer bei einem Überfall Frau und Kind in einem „Schlupfloch“ versteckt (der Begriff Erdstall kam wie gesagt erst später auf). Dagegen spricht aber, dass man es in den verwinkelten, engen Erdställen nicht lange aushält, schon allein wegen der Kälte (es hat das ganze Jahr über kaum mehr als 10 Grad C. dort). Viele hatten keine gute Sauerstoffversorgung und aufgrund der Schlupfe wären sie für Alte und Schwangere nicht in Frage gekommen. Dieser Umstand konnte aber auch im Fall einer Verteidigung gegen (ortsfremde) Invasoren nützlich gewesen sein. In eingestürzten Erdställen hat man aber bis jetzt noch nie menschliche Überreste gefunden (was zu erwarten wäre bei solch einer Nutzung). Außerdem haben auch die größten Erdställe keinen zweiten bzw. Hinterausgang, was bei einem Versteck natürlich praktisch gewesen wäre, denn durch den einzigen Zugang sitzt man somit in einer Todesfalle. Im Volksmund wurden zumindest einige Erdställe "Schwedenhöhlen" oder "Schwedenlöcher" genannt, was auf eine Nutzung als Versteck während der Schwedenkriege hinweist. Aber auch hier wäre es nur eine Nachnutzung von bereits bestehenden Anlagen, ähnlich wie die Bezeichnung "Schwedenkreuze" für die mysteriösen Granitkreuze im Waldviertel sicher nichts mit den tatsächlichen schwedischen Söldnern zu tun haben kann, da die Steinkreuze um Jahrhunderte älter sind.
Steinplatten, die man über vertikalen Schlupfen gefunden hat, deuten allerdings darauf hin, dass diese ein Hindernis (für Eindringlinge?) gewesen sein könnten. Vereinzelt finden sich auch Spuren von Holzverriegelungen (Nischen für Holzbalken, etc.), aber die wenigsten Erdställe haben solche.
Seit Ende des 12.Jhd. zirkulierten Untergangsprophezeihungen wie der Toledobrief von 1186. Bestimmte Sternkonstellationen wurden von Astrologen gedeutet als Vorzeichen für schreckliche Erdbeben, verheerende Stürme und das Ende der Menschheit. Wurden die Erdställe gegraben zum Schutz davor? Aber einige Erdställe sind schon vor den ersten Weltuntergangsprophezeiungen angelegt worden.Bergbau: Waren zumindest einige der Erdställe Prospektionsstollen? Immerhin gab es in Mitteleuropa einzelne reichhaltige Silberfunde. So löste der Silberfund von 1168 bei Freiburg ein erstes "Berggeschrey" aus (ähnlich einem Goldrausch). Arbeitslos gewordene Bergleute könnten durch die Lande gezogen sein, um ihre Dienste anzubieten. Dass die Bauern selbst (oder ihre Knechte) unter ihren Häusern einfach so losgegraben haben, um ihr Glück zu versuchen, kann ausgeschlossen werden. Dazu sind die Gänge zu einheitlich und professionell gebaut (mit Rund- oder Spitzbögengewölben zur Minimierung der Einsturzgefahr, verfüllten Bauhilfsschächte, etc.). Aber warum dann die Schlupfe, die jeder Erdstall hat und die aus Bergbausicht keinerlei Sinn ergeben und die Bauzeit nur drastisch verlängern?
Kultstätte: Einiges, z.B. die spärlichen Funde, spricht dafür, dass Erdställe kaum betreten wurden. Das spricht gegen eine Verwendung als Zweckbau jeglicher Art. Manche Forscher meinen, es könne sich um "Leergräber" gehandelt haben. Wenn im Zuge von Ortswechseln die Körper der toten Verwandten weit entfernt lagen, so konnte doch ihr Geist in den Leergräbern nahe bei den Hinterbliebenen sein. Andere deuten die Erdställe als eine Art "Wartesaal für Seelen", um die Zeit bis zum Jüngsten Gericht zu überbrücken. Diese Theorie stützt sich darauf, dass die Erdställe etwa zu der Zeit aufgegeben wurden, als die Kirche begann, die Lehre vom Fegefeuer zu verbreiten. Aber dafür all die Mühen und jahrelanges Graben?
Auch die Waldenser, Albigenser und andere von der Kirche geächtete und mit Inquisition verfolgte Orden und antiklerikale Gruppierungen sind mit den Erdställen in Verbinndung gebracht worden. Immerhin konnten die Waldenser so im Geheimen ihr Bibelstudium betreiben. Viele von ihnen kannten die Bibel auswendig und wo in der Öffentlichkeit hätten sie diese studieren sollen? Dagegen spricht aber, dass viele Erdställe schon längst gebaut waren, bevor die Waldenserbewegung erstarkte (Anfang des 13.Jhd.s). Ähnliches gilt für die geheimnisvollen Adamiten, die im 14.Jhd. in Österreich auch als "Grüblingsleute" erwähnt wurden. Warum? Trieben sie ketzerische Rituale in den Erdställen?
Man sollte auch nicht vergessen, wie abergläubisch die Menschen im Mittelalter waren, da gab es Zwerge, Erdweibln, Erdmännlein und Wichtelmänner, die allesamt under der Erde hausten und in der Regel klein waren. Hatte man die Erdställe gebaut als Wohnungen für diese, um es sich mit ihnen gut zu stellen und so bessere Ernten zu erhoffen? Auch der Name Schratzelloch deutet ja darauf hin. Im Zuge der Christianisierung brauchte man diese guten Geister nicht mehr und so verkamen auch die Erdställe. Dagegen spricht aber, dass in keiner alten Sage Erdställe jemals erwähnt wurden.
Die Schlupfe erinnern zu guter Letzt an das Durchschlupfbrauchtum, das sich vereinzelt bis heute erhalten hat, zumindest als Aberglaube. In der Nähe der Ysperklamm ist ein Durchschlupfstein zu bewundern (und Ausprobieren für Mutige), der bis ins 19.Jhd. noch benutzt worden sein soll, um beim Durchzwängen das Böse abzustreifen. Und heute noch gibt es Kirchen mit Schlupfsteinen (Beispiel), wo dieser Brauch noch ausgelebt werden kann bei Rückenleiden, Kinderwunsch,...!
Welche Theorie hältst Du für am plausibelsten?
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erdstall
https://erdstall.de/
https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/02/raetselhafte-gaenge-wer-loest-das-geheimnis-der-erdstaeller
https://www.volksbildungswerk.at/fileadmin/bilder/Vereine/Erdstaelle_und_kuenstliche_Hoehlen.pdf
Erdstallmuseum Althöflein, Am Kapellenberg, A-2143 Althöflein
P. Lambert Karner: Künstliche Höhlen aus alter Zeit, 1903 (DinA4-Faksimile von 2018)
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