Liebe Leser,
viele User hier machen gerne Fotos (ich auch), ohne aber großartige fotografische Kenntnisse zu haben. Was absolut OK ist. Ich bin leider auch kein Experte, und nehme nie im raw-Format auf oder mache Belichtungsreihen, um dann am Computer noch akribisch die Fotos zu perfektionieren. Nein, fotografieren soll Spaß machen, ohne dass man Stunden mit der Nachbearbeitung verbringt.
Hier aber ein paar Tipps, wie man (aus meiner Sicht) mit relativ wenig Aufwand seine Schnappschüsse noch ordentlich verbessern kann! Echte Fotografen mögen mir den laienhaften Zugang verzeihen.
1. Die Kamera
Solange sie das scharf stellen kann, was gewünscht ist, ist die Auswahl der Kamera meiner Meinung nach nicht das Entscheidende. Die meisten der einigermassen aktuellen Smartphones sind ausreichend für schnelle Aufnahmen unterwegs. Eine gute bzw. treue Farbwiedergabe und eine höhere Auflösung des Sensors (damit man auch Ausschnitte noch gut darstellen kann), sind natürlich vorzuziehen. Wer sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigt, der kommt um die Anschaffung einer digitalen Spiegelreflex- oder Systemkamera ohnehin nicht herum, aber bei diesem post geht es nicht um die Hardware.
2. Das Motiv
Das Bild entsteht eigentlich schon vor dem Drücken des Auslösers - im Kopf, als Idee. Das kann man aber nur schwer beschreiben oder erlernen. Wichtig ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, dann findet sich so manches gute Fotomotiv, an dem man sonst achtlos vorbeigegangen wäre. Auch eine Baustelle kann geniale Motive liefern, wie dieser post von zeigt.
Ein buntes Haus am Wasser umgeben von Bäumen? Ergibt ein stimmungsvolles Bild.
Löwenzahn, der aus einer Mauer spriesst.
Scheinbar unwesentliche Details, wie ein Türklopfer, Kerzen in einer Kirche oder ein aufgewickeltes Tau auf einem Schiff.
Starke Gegensätze, wie diese "Geishas" im modernen Straßenalltag (Asakusa, Tokyo).
Oder bestimmte, witzige Momente wie dieser heroische Einsatz eines (vermuteten) Vaters für seine Tochter (Bratislava)
oder dieser freche Vogel, der Reste von einem Frühstück stibitzt (Singapur).
3. Die Bildkomposition
Es gibt bestimmte, ewiggültige Grundsätze, die man einfach kennen sollte. Z.B. dass symmetrische Bilder angenehm wirken, auf einer unbewussten Ebene. Auch ist in der Natur oft der "goldene Schnitt" (das Verhältnis von 61,8% zu 38,2%) anzutreffen und Bilder, bei denen die Bildteile danach ausgerichtet sind, wirken besonders harmonisch. Daraus hat sich die Drittelregel abgeleitet, d.h. oft ist es besser, das Hauptmotiv seitlich (oder nach unten/oben) zu versetzen, als es in der Mitte zu platzieren. Mehr darüber hier.
Bei diesem Bild oben habe ich einmal die Statue in die Mitte gerückt und einmal in die Seite. Welches Ergebnis findet Ihr besser?
4. Perspektive
Warum immer Fotos so aufnehmen, als wenn man das, was man normalerweise mit dem Auge sieht, 1:1 kopiert? Die Kamera bzw. das Smartphone ermöglichen viel interessantere Perspektiven, speziell bei Motiven in Bodennähe wie Blumen oder Pilze.
Diese Echte Schlüsselblumen (Primula veris) sind zwar nett...
... aber ich finde, aus Bodennähe photographiert, sehen sie weit eindrucksvoller aus.
Unter Perspektive ist in der Fotografie natürlich auch das gezielte Einsetzen von Perspektivlinien gemeint, um das Auge des Betrachters zu führen. Das würde aber hier den Rahmen sprengen.
5. Hintergrund
Du kannst nicht nur das Motiv selbst, sondern auch den Hintergrund aussuchen, durch einfaches Wechseln des Standorts.
Zum Beispiel diese Weidenzweige:
Von "hinten" photgraphiert, kommen sie viel besser zur Geltung!
6. Nutze das Licht/Gegenlicht
Jede Tageszeit erzeugt ihre eigene Stimmung. Schaut Euch mal eine bestimmte Landschaft zu Mittag an, und dann wieder am späten Nachmittag/frühen Abend. Das macht einen Riesenunterschied!
Der gleiche Eschentrieb, einmal mit der Sonne im Rücken...
...und hier im Gegenlicht aufgenommen. Welche Variante findest Du spannender?
Weidenkätzchen im Abendlicht.
7. Der Bildausschnitt
Oft ist es besser, einen Teil des Bildes nachher wegzuschneiden, um den Fokus auf bestimmte Dinge zu legen, oder um den Charakter eines Motivs zu betonen.
Man sollte auch beachten, dass im Hintergrund keine störenden Elemente vorhanden sind!
Stromleitungen sind (für mich) ein No-Go, die müssen weg. Da kommen die Magnolien gleich besser zur Geltung!
Auch wichtig: Der Horizont sollte unbedingt genau waagrecht sein, sonst wirkt ein Bild im schlimmsten Fall unruhig oder irgendwie falsch, wie hier:
Besser:
Dazu gibt es bei den meisten Programmen ein "Gerade-ausrichten-Werkzeug", mit dem das kinderleicht geht.
Noch besser: Die Horizontlinie auch nach unten zu versetzen (Drittelregel, siehe 3.):
8. Nachbearbeitung
Beim Bildausschnitt optimieren und beim Horizont begradigen sind wir aber schon beim endlosen Thema der Nachbearbeitung. Dazu nur 3 Dinge:
1: Grundsätzlich haben digital aufgenommene Fotos "werksseitig" nicht die optimale Schärfe, daher schärfe ich ALLE Bilder immer nach (zumindest wenn kein "impressionistischer" Charakter des Bildes angestrebt wird, z.B. eine Stimmung im Nebel). Dazu benutze ich das Programm Photoshop Elements von Adobe, das ist relativ unkompliziert zu bedienen. Mit "unscharf maskieren" werden Fotos den Tick schärfer, den man (ohne reinzuzoomen) zwar nicht sofort sieht, aber der Gesamteindruck ist besser. Man muss sich nur ein bisschen mit den Optionen spielen.
2: Auch haben die meisten Bildbearbeitungsprogramme eine Option zur automatischen "Bildoptimierung", bei der z.B. zu dunkel gewordene Aufnahmen automatisch aufgehellt werden. Das ist praktisch und zeitsparend, wenn man es nicht manuell machen will (und zu 95% ausreichend für meine Zwecke). Für echte Fotografen ist das vermutlich ein Alptraum 😀.
| Vor der Optimierung/Schärfung | Nach der Optimierung/Schärfung |
|---|---|
3: Zu guter Letzt speichere ich noch die Fotos in einer Auflösung, sodass sie nicht größer als ca. 3MB werden. Für die Darstellung auf einem Computer ist das mehr als ausreichend, und die Fotoserver, die Hive nutzt, kompromieren Fotos in Übergröße ohnehin (ich glaube die Grenze ist bei 3,5 oder 4 MB).
Hier ein Foto, so wie ich es ursprünglich in Tokyo, im Vorbeigehen, aufgenommen hatte...
..und nach Horizontbegradigung, Wählen des Bildausschnittes (Person im goldenen Drittel, störende Hinweistafel am linken Rand weg), Bildoptimierung und Nachschärfen:
Anderes Beispiel, ein Sonnenuntergang in Griecheland, vorher...
und nachher (Bildausschnitt anpassen und Aufhellen):
Das Thema ist eigentlich unerschöpflich, aber ich hoffe, für den eine oder anderen von Euch war etwas Hilfreiches dabei.
Was sind Eure Methoden und Herangehensweisen, wie bearbeitet Ihr Eure Fotos, und mit welchen Programmen?