Liebe Leute,
"taktische Armbrust", spinnt er jetzt komplett?
Nun ja, nur weil ich gefühltermassen seit Jahren keinen post mehr zum Thema Selbstverteidigung geschrieben habe, heisst das nicht, dass das kein wichtiges Thema wäre.
Was ist eine "taktische" bzw. Repetierarmbrust?
Im Gegensatz zu herkömmlichen Schußwaffen (also denen, wo ein Geschoß durch eine kleine Explosion angetrieben wird) haben Armbrüste zwar den Vorteil, dass sie nicht den gleichen, strengen Gesetzen unterliegen, aber den Nachteil, dass sie sperriger sind und die Kadenz bzw. Schussfolge bei ihnen doch etwas mangelhaft ist. Jeder weiß, dass eine Armbrust nach jeder Schußabgabe neu gespannt werden muss und dass das wesentlich mühsamer ist als etwa bei einem Bogen.
Dabei ist eine Armbrust auf einer Distanz von 5-10m sicher eine tödliche Waffe, die trotzdem überraschenderweise frei erwerbbar ist (d.h. man braucht kein Waffenbesitzdokument für den Erwerb, nicht einmal den sog. "kleinen Waffenschein" in D.).
Daher ist es gleichsam eine Revolution im Design einer Armbrust, wenn eine ein Magazin mit 6 Pfeilen hat und diese mit einer einfachen, schnellen Bewegung nachgeladen werden können (entfernt ähnlich wie bei einem Unterhebelrepetierer)!
Seit kurzem gibt es ein solches Gerät zu kaufen: Es ist die AR-6 STINGER II "Tactical" der österreichischen Firma Steambow. Nein, die haben nichts mit der Spieleplattform Steam zu tun, und schon gar nichts mit der Hive-Vorgängerblockchain! Das "Steam" kommt daher, da ihr erstes Produkt eine luftdruckunterstützte Armbrust war, die mit Pressluft per Knopfdruck gespannt werden kann.
Bestellt hatte ich sie schon im Sommer, erst jetzt ist sie angekommen!
So sehen die Einzelteile vor dem Zusammenbau aus...
... und so, nachdem das Ding zusammengebaut ist (was ziemlich unkompliziert vonstatten geht), mit ausgezogenem Hinterschaft (und schon eingelegten Pfeilen):
Hier im gespannten Zustand, auf der Terasse (im Wohnungsinneren würde ich keine Armbrust spannen, solange kein Notfall herrscht - man sollte immer erst unmittelbar vor der Schußabgabe spannen). Man sieht den abschußbereiten Pfeil im Spalt zwischen Unterteil und Magazin.
Eigenschaften:
- Magazin, das 6 Pfeile fasst
- Picatinny-Schiene oben (zur Anbringung von Zieloptik (wers braucht)) oder Licht (verboten!) und unten (für flexible Anbringung des Vordergriffs)
- Der AR-15 Hinterschaft bildet eine Schulterstütze, die das Zielen und die stabile Haltung stark verbessert, ausserdem macht es das Spannen durch die Hebelwirkung kinderleicht
- Offenes Visier mit integriertem Leuchtkorn
- Auswechselbare Wurfarme, der mitgelieferte Standardarm liefert 55 lbs, der separat erhältliche Wurfarm "PRO" 90 lbs (ist aber schwerer zu spannen)
- Gewicht: 1,15kg
- Maße: 56x44cm (lxb)
- Kosten: ca. 300€ (inkl. Ersatzsehne, 6 Übungspfeilen, Werkzeug für den Zusammenbau und Spannhilfe)
Diese Art Munition gibt es:
Übungspfeile (blau)
Gewicht: 9,2g (im Set sind 6 Pfeile schon dabei)
Bodkinpfeile (schwarz)
Gewicht: 10,5g, gehärtete, hohl geschliffene Stahlspitze
Jagdpfeile bzw. Broadheads (rot)
Gewicht: 10,25g
Jagdspitze mit einer Klinge aus rostfreiem Stahl, 1mm dick, mit einer Schnittbreite von 16 mm
(Anmerkung: Die Jagd mit der Armbrust ist in Europa in der Regel verboten).
Soweit die Theorie, jetzt zur Praxis:
Als Zielobjekt wählte ich einen Butternusskürbis, den ich auf eine hochkant aufgestellte Blumenkiste drapierte, dahinter eine Pfeilfangmatte. Die Schußdistanz war ca. 6m
Wie man sieht, sind sowohl der Übungspfeil als auch der Bodkinpfeil glatt durchgegangen und wurden dann erst durch die Pfeilfangmatte dahinter aufgehalten, in die sie nur schwach eindringen konnten.
Bemerkenswert war der Jagdpfeil, der zwar nicht so weit durchgegangen ist wie die anderen, aber durch seine breite Klinge die Integrität der Kürbishülle angeknackst hat, wie man an dem Riß erkennt. Ziemlich beeindruckend!
Auch von einem der "Übungspfeile" möchte ich nur ungern getroffen werden!
Es folgte ein "Speedtest", bei dem ich mehrmals hintereinander versuchte, möglichst schnell den nächsten Schuß anzubringen. Waren zwar nur 6m Entfernung, aber es funktionierte ganz gut (die meisten anderen Löcher stammen von einem Compoundbogen, mit dem ich im Sommer geschossen hatte (auf weit längere Distanzen).
Die Geschoßenergie bzw. kinetische Energie lt. Hersteller ist 18-21J (mit dem PRO-Wurfarm)
Zum Vergleich: eine Glock 19 hat über 400J, bereits ab >0,5J fällt eine Waffe unter das Waffengesetz und ab einer Geschossenergie von >7,5 Joule muss ein WBK (Waffenbesitzkarte (Öst., D.)) vorhanden sein.
Hier noch ein Video, wo die STINGER II genau erklärt wird:
Hier ein anderes Video, vom "Slingshotmaster" Jörg Sprave, wo er verschiedene Armbrüste speziell für die Eignung bei der Heimverteidigung getestet hatte:
Fazit:
Die AR-6 Stinger II ist für eine Armbrust extrem führig und das Nachladen der Pfeile geht wirklich schnell und gut. Auf kurze Distanz kann man auch ohne viel Übung dank des Pistolengriffs und des offenen Visiers gut zielen. Die Wirkung der Pfeile ist tödlich - das Ding ist keinesfalls ein Spielzeug!
Meines Erachtens nach eine sinnvolle Bereicherung des Notfall-Arsenals für Extremsituationen (insbesondere wenn man keinen Zugang zu Schußwaffen hat).
Bezugsquellen:
https://gogun.de/Armbrust-Bogen/
https://ueberlebenskunst.at/survivalshop/
https://www.steambow.at/produkt-kategorie/stinger/ (Lieferung nach D. nur mit Altersnachweis!)
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