english summary:
Germany plans a sugar tax on beverages similar to the UK model, to reduce obesity and ease health insurance costs. However, experience from the UK shows manufacturers switch to erythritol (E968), a sweetener recently associated with higher risks of heart disease, thrombosis, and mortality. Critics call the policy paternalistic, socially unfair, and counterproductive.
Liebe Leser und Zucker-Konsumenten,
ab 2028 soll in Deutschland eine Steuer auf Zucker in Getränken eingeführt werden1, nach englischem Vorbild. 5-8g Zucker pro Liter Getränk kosten 26 Cent, ab 8 Gramm pro Liter werden 32 Cent fällig. In Österreich wird sie wohl eher nicht kommen, hat darüber auch schon berichtet. Ziel ist es nach Angaben der ReGIERung, das zunehmende Auftreten von Adipositas bei Kindern und JUgendlichen zu bekämpfen, dadurch die Krankenkassen zu entlasten und gleichzeitig Steuereinnahmen zu lukrieren. Win-win-win für alle? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein!
Die geschätzten Einnahmen von 450 Mio.€ sollen angeblich direkt in Präventionsprogramme münden (haha, wers glaubt).
Doch die Regelung wird scheitern, das ist jetzt schon klar, wenn man in die UK schaut, wo sie schon seit 8 Jahren in Kraft ist. Was ist dort passiert? Die Hersteller haben die Zuckermenge in den Getränken reduziert (um Umsatzverluste durch den Preisanstieg zu vermeiden) und durch Zuckerersatzstoffe wie E968 ersetzt. Nicht nur ist die Fettleibigkeit in den UK nicht verschwunden, eher im Gegenteil, sie wächst jährlich (UK hat nach wie vor eine der höchsten Adipositas-Raten in Westeuropa), und der Ersatzstoff, der nun die Süße liefert, bringt zusätzliche Gesundheitsrisken!
E968 oder Erythritol/Erythrit (meso-1,2,3,4-Butantetrol)2 ist ein nicht nahrhafter Zuckerersatzstoff, der in vielen „zero-calory“ Soft-Drinks, z.B. Red Bull Zero enthalten ist. In der EU wurde Erythrit 2003 vom damaligen Scientific Committee on Food (SCF) als sicherer Nahrungsmittelzusatz eingestuft (ohne Langzeitdaten zu haben!), 2006 wurde Erythritol als „neues Nahrungsmittel“ zum generellen Einsatz freigegeben und 2015 wurde die erlaubte Menge von Erythrit erhöht auf 1,6% des jeweiligen Getränks3. Erst 2023 wurde die „empfohlene Menge“ des Konsums von Erythrit verringert, denn es wirkt abführend, wenn zuviel davon konsumiert wird.
Aber bei Durchfall bleibt es leider nicht. Die Studienlage hat sich seither geändert. In einer 2023 in nature publizierten Metaanalyse4 wird aufgezeigt, dass Erythrit das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse und Thrombosen erhöht.
Der Verdacht, dass Erythrit tatsächlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet und nicht „sicher und effektiv“ ist bzw. "nebenwirkungsfrei" (wie Karl Kautabak sagen würde), wurde auch in einer langjährigen Kohortenstudie5 von Lim et al. aus 2024 bestätigt, in der sich ein erhöhten Risiko für die Gesamtsterblichkeit und die kardiovaskulären Mortalität gezeigt hatte. Auch das Krebsmortalitätsrisiko war positiv mit Erythrit assoziiert.
In einer neuen in-vitro Studie6 von Berry et al. zeigte sich, dass Erythrit oxidativen Streß in Gehirnzellen verursacht, eine mögliche Ursache für das beobachtete erhöhte Schlaganfallrisiko!
Ein Gesetz einzuführen mit dem Anspruch, die Krankenkassen zu entlasten und dass Herstellern Anreize setzt, anstatt Zucker einen Stoff zu verwenden, der das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht, ist ein Meisterstück an Unfähigkeit und das in gleich mehrerer Hinsicht.
Eine Zucker-Steuer ist auch sozial ungerecht, da sie Arme mehr trifft als Reiche. Gerade Arme bzw. intellektuell Herausgeforderte (es gibt eine Korrelation zwischen beiden) sind im Schnitt dicker und haben einen höheren Zuckerkonsum (weil Impulskontrolle und IQ zusammenhängen). Und die, die es sich leisten können, werden ihr Verhalten wegen der Zuckersteuer nicht ändern. Wobei die Inflation ohnehin so hoch ist, dass für Viele die 26-32c nicht ins Gewicht fallen würden (wie gesagt, die Hersteller könnten auch ausweichen auf Ersatzstoffe, sodass gar kein Lenkungseffekt da wäre).
Zudem ist sie paternalistisch und ein Eingriff in die Selbstbestimmung (aber das hat die linke Regierung noch nie von einem Gesetz abgehalten, siehe den Zwang zu Wärmepumpen oder Dieselfahrverbote). Solche Steuern (im engl. auch "Sin-Taxes" genannt) sind eine "slippery slope", wo für die notorisch geldknappen Regierungen kein Halt abzusehen ist - alles unter dem Feigenblatt der Gesundheit. Erst Zuckersteuer, als nächstes Fleisch-Steuer? Oder Schilift-Steuer (um die Unfallkrankenhäuser zu finanzieren)?
Die Sorge um die Gesundheitskosten scheint auch deswegen geheuchelt, weil Studien belegen, dass ohnehin Raucher früher sterben als Nicht-Raucher und Adipöse früher als Normalgewichtige und entsprechend die Rentenkassen weit weniger belasten. OK, vor ihrem vorzeitigen Ableben haben Raucher/Fette vermutlich höhere Gesundheitskosten als "Gesunde", aber jeder stirbt an irgendetwas und auch Krebs ist teuer in der Behandlung - Fette erleben altersbedingten Krebs gar nicht mehr und so spart der Staat doppelt! Um Gesundheitskosten einzusparen, müsste man eine Steuer auf Obst, Gemüse und Fitness-Studios einführen!
Wenn es der Regierung tatsächlich darum ginge, die Ursachen des Übergewichts zu bekämpfen, dann müsste sie zusätzlich bedenkliche Zuckerersatzstoffe verbieten und vor allem gegen hochprozessierte Nahrungsmittel vorgehen, die voll mit Pflanzensamenölen (seed oils) sind und die wenig Nährstoffe, aber dafür umso mehr Chemie enthalten. Eine Steuer auf Raps-, Soja-, Maiskeim- und Sonnenblumenöl - das wäre ein Riesenschritt für die Gesundheit! Das wäre aber ein ganz anderer Kampf, und den scheuen die Politiker zugunsten von billigem und nachweislich schwachsinnigem Aktionismus.
Quellen:
(1) https://www.swr.de/leben/gesundheit/aerzte-fordern-zuckersteuer-um-die-krankenkassen-zu-entlasten-100.html
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Erythrit
(3) https://sciencefiles.org/2026/04/30/ersetze-fettleibigkeit-durch-schlaganfall-warum-die-zuckersteuer-vorhersehbar-keine-entlastung-der-gesetzlichen-krankenkassen-bringen-wird/
(4) https://www.nature.com/articles/s41591-023-02223-9
(5) https://www.mdpi.com/2072-6643/16/18/3099
(6) https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/japplphysiol.00276.2025
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