Liebe Hive-Gemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,
Liebe Geldmengenausweiter,
momentan hört man es wieder vermehrt in der Presse:
Schuld sind natürlich die Zentralbanken, weil sie so viel Geld drucken.
Die Annahme, dass mehr Geld im System zwingend zu höheren Preisen führt, geht zurück auf den Nobelpreisträger und Ökonom Milton Friedman (ja ich weiß, das ist kein richtiger Nobelpreis...).
Seine ökonomische Theorie nennt sich Monetarismus und ist leider immer noch in vielen Lehrbüchern die vorherrschende Theorie.
Da die Ökonomen gerne mit Formel arbeiten, werde ich dies heute auch tun.
Der ganze Monetarismus basiert im Prinzip auf folgender Formel:
Schauen wir uns das Ganze an einem Beispiel an:
Angenommen es gibt 100 Waren/Dienstleistungen (=Y), die alle durchschnittlich 10€ kosten ( P = 10€).
Nehmen wir zusätzlich an es gibt nur Bargeld und zwar 200 Stück 1€ Münzen (M = 200€).
Dann ergibt sich daraus, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit den Faktor 5 haben muss.
Hier tauchen bereits die ersten Probleme auf.
Man tut so als gäbe es nur Zentralbankgeld und der Privatsektor könnte kein Geld erschaffen.
Tatsächlich wird der Bankensektor und private Schultitel von den klassischen Ökonomen und Monetaristen gerne vergessen.Man tut so als bräuchte man zum Kaufen Geld.
Zum kaufen braucht man aber kein Geld, nur zum Bezahlen und das ist ein gewaltiger Unterschied.Man vergisst auch gerne die Einflüsse, die von außerhalb und innerhalb einer Volkswirtschaft auf die Preise wirken können.
Man tut so, als wäre das Angebot von Waren und Dienstleistungen relativ konstant bzw. würde es relativ konstant wachsen.
Tun wir nun aber so, als wäre die Wirklichkeit so, wie sie sich die Monetaristen vorstellen und verdoppeln die Geldmenge.
In der Welt Milton Friedmans geht das nur über die Zentralbank und zwar per Helikopter.
Also zurück zu unserer Formel:
Nicht vergessen, die Geldmenge hat sich nun verdoppelt.
Jetzt haben wir natürlich ein Problem, denn unsere Formel stimmt nicht mehr.
Die Monetaristen gehen davon aus, dass sich die Produktionskapazität nicht so schnell anpasst und das Kaufverhalten der Leute (= die Geldumlaufgeschwindigkeit) auch nicht so schnell ändert.
Also bleibt nur noch eine Variable übrig, der Preis.
Sobald sich die Preise verdoppeln, stimmt die Formel wieder.
Warum das Ganze Unsinn ist:
1. Die Geschichte hat gezeigt, dass Friedman falsch lag.
Seit der Finanzkrise hat sich die Bilanz der EZB und damit die Menge an Zentralbankgeld dramatisch erhöht.
Die durchschnittliche Inflation bleibt aber stabil unter den angepeilten 2%.
Wer jetzt anführt, dass ja das ganze Geld in die Aktienmärkte fließt, dem kann ich nur sagen, dass erstens Zentralbankgeld das Bankensystem nicht verlassen kann und zweitens möchte ich auf Japan hinweisen.
Die betreiben QE schon seit den 90ern.
Die Aktienmärkte sind bis heute nicht auf alte Höhen zurückgeklettert.
Bei uns und in den USA sind die Aktienmärkte zwar seit der letzen Finanzkrise extrem stark gestiegen, würde aber die Annahme - höhere Zentralbankgeldmenge = höhere Aktienkurse - stimmen, müsste dies auch auf Japan zutreffen.
2. Die Annahme, dass die Geldmenge ohne Nachfrage einfach so wachsen könnte ist falsch.
Deshalb musste ja Milton Friedman zum Hubschrauber greifen.
Die Menschen erzeugen ständig neues Geld und vernichten es wieder.
Bei jeder Kreditaufnahme oder beim Kauf mit der Kreditkarte entsteht neues Geld. Werden die Kredite getilgt bzw. die Kreditkartenrechnung bezahlt, verschwindet dieses Geld wieder. Die Zentralbank hat darauf überhaupt keinen Einfluss.
Auch wenn die Zentralbank QE betreibt und Anleihen aufkauft, dann gehören immer zwei dazu. Der Verkäufer muss auch bereit sein, seine Anleihe zu verkaufen.
Er muss bereit sein, ein Wertpapier das Zinsen abwirft in Zentralbankgeld zu tauschen, welches keine Zinsen bringt.
Auch kann die Zentralbank die Geschäftsbanken nicht zu Kreditvergabe zwingen und genauso wenig kann eine Geschäftsbank die Kunden zur Kreditaufnahme zwingen.
Als in den 70ern das allgemeine Preisniveau aufgrund der Ölkrise extrem stark anstieg, stieg auch die Nachfrage nach Geld stark an. Die Firmen mussten höhere Rohstoffpreise bezahlen und die Arbeiter verlangten höhere Löhne.
Die Unternehmen brauchten also mehr Kredite und damit erhöhte sich die Geldmenge.
Steigende Preise führten zu einem Anstieg der Geldmenge und nicht umgekehrt, wie es die Theorie der Monetaristen sagt.
Aktuelle Situation:
Da in den USA gerade ein Hilfspaket von 900 Milliarden USD beschlossen wurde und die Bürger entweder $600 oder $2,000 bekommen, könnte man hier natürlich von Helikoptergeld sprechen.
Die Frage ist aber wohin geht das Geld?
Viele Amerikaner mussten sich mangels Einkommen während der Krise stark verschulden.
Sie sind mit ihren Rechnungen, Mieten und Hypothekenzahlungen im Rückstand und haben ihre Kreditkarten maximal belastet.
Das heißt der größte Teil dieser Hilfsgelder wird wohl nicht in den Konsum fließen, sondern zur Schuldentilgung und damit zur Abwendung einer Pleitewelle eingesetzt werden.
Ich sehe deshalb keine große Inflationsgefahr.
Aber ich bin kein Hellseher.
Milton Friedman hat immer gesagt:
Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon in the sense that it is and can be produced only by a more rapid increase in the quantity of money than in output.
Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen.
Inflation ist in der Regel ein Produktionsproblem.
Erst wird zu wenig produziert und dann steigen die Preise.
Es kommt also in der jetzigen Situation darauf an, wie schnell die Produktion wieder auf das alte Niveau zurückgeführt werden kann.
Waren werden ja noch genug produziert.
Die Dienstleistungen, die momentan nicht mehr angeboten werden dürfen, sind ja zum Glück nicht lebensnotwendig.
Aber natürlich ist die jetzige Situation für die Anbieter dieser Dienstleistungen eine Katastrophe und sie verdienen jede Hilfe.
So wie auch diejenigen Hilfe verdienen, die durch die Coronakrise unverschuldet in die Pleite oder Arbeitslosigkeit getrieben wurden.
Sollte allerdings die Produktion von Nahrungsmittel, usw. zusammenbrechen, dann gibt es eine richtige Katastrophe.
Hoffen wir, dass dies nicht passiert.
Frohe Weihnachten
Stephan Haller