Liebe Hive-Gemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,
Liebe Taliban,
wenn ich mich recht erinnere, war es Nassim Taleb, der gesagt hat, dass sich die radikalste Minderheit immer durchsetzt.
Sprich die Taliban.
Bevor wir uns aber mit so etwas Bösem wie den Taliban beschäftigen, wollen wir uns an meinem Mittagessen erfreuen, das ich jeden Freitag vom Wochenmarkt hole.
Zurück zu den (geistigen) Taliban.
Ein ehemaliger Kollege von mir, kürzlich pensionierter katholischer Religionslehrer, echter und ehrlicher Umweltschützer und eine Seele von Mensch, war damals dabei, als sich die Grünen formiert haben.
Allerdings hat er bald entnervt aufgegeben.
Natürlich wegen der Taliban bei den Grünen.
Auch hat er damals friedlich jedes Wochenende im Tränengasnebel in Wackersdorf ausgeharrt.
Niemals wäre er aber auf die Idee gekommen, jemanden zu missionieren oder ihm etwas verbieten zu wollen.
Er richtete seine Kritik nie gegen den einfachen Bürger, sondern immer gegen die Politik und ihre Freunde von den Großkonzernen.
Niemals hat er geschrien, beleidigt, geschimpft oder gar gehasst.
Vergleiche ich nun das angenehme Wesen dieses Mannes mit der Art einer Greta Thunberg, dann sehe ich, dass Nassim Taleb recht hat.
Selbstverständlich gibt es überall Taliban.
Gerade die letzten 1.5 Jahre dürften gezeigt haben, wie viele Taliban es auch bei uns gibt.
Auch in der libertären Szene setzen sich leider immer die Taliban durch.
Warum hört man heutzutage praktisch nichts mehr von Roland Baader (außer vielleicht seine völlig misslungene Geldtheorie, die vor allem den Bitcoin-Taliban gefällt)?
Das wohl einflussreichste Buch für die libertäre und rechtskonservative Szene vor allem in den USA ist unzweifelhaft Atlas Shrugged von Ayn Rand.
Über 9 Millionen Kopien wurden bisher davon verkauft.
Ich persönlich finde ja ihren Roman The Fountainhead viel besser, aber das liegt wohl daran, dass ich Bautechnik studiert habe (Es geht in dem Buch um einen Architekten).
Ich bin mit den Büchern Ayn Rands das erste mal kurz nach der Finanzkrise in Berührung gekommen.
Damals war ich öfter übers Wochenende in Atlanta und habe als Coach bei Investmentseminaren von Phil Town gearbeitet (auch dies hat sich schnell als Sekte herausgestellt und ich habe schnellstmöglich einen Rausschmiss provoziert. Die Bezahlung war aber nicht schlecht).
Viele von den anderen Mitarbeitern waren streng gläubige evangelikale Christen, die Ayn Rand vergöttert haben, obwohl Ayn Rand Religion gehasst hat.
Die Romane fand ich sehr gut geschrieben, aber mit der von Ayn Rand gegründeten Philosophie des Objektivismus konnte ich nicht so viel anfangen.
Auch der Objektivismus war eine Religion.
Ich hörte mir die Podcasts ihres geistigen Erben Leonard Peikoff an und las auch seine Bücher.
Zusätzlich beschäftigte mich mit dem Chef des Ayn Rand Instituts Yaron Brook und hörte auch seinen Podcast (immer auf den Flügen oder beim Putzen).
Natürlich schaute ich mir auch zahlreiche Interviews von Ayn Rand selbst an.
Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr wurde ich abgestoßen.
Dass Ayn Rand und ihre Philosophie bei der christlichen Rechten in den USA so gut ankommt, wundert mich nicht.
Dass gerade ihre Philosophie bzw. ihre Anhänger von zahlreichen Milliardären gefördert wird, wundert mich auch nicht.
Ayn Rand bezeichnete die Palästinenser als:
Über die nordamerikanischen Indianer dachte sie Folgendes:
"Any white person who brings the elements of civilization had the right to take over this continent," Ayn Rand proclaimed, "and it is great that some people did, and discovered here what they couldn't do anywhere else in the world and what the Indians, if there are any racist Indians today, do not believe to this day: respect for individual rights.”
Quelle
Über Umweltschutz dachte sie Folgendes:
If it were true that a heavy concentration of industry is destructive to human life, one would find life expectancy declining in the more advanced countries. But it has been rising steadily.
[...]
Anyone over 30 years of age today, give a silent “Thank you” to the nearest, grimiest, sootiest smokestacks you can find.
Quelle: Return of the Primitive
Noch besser sind aber die Erzählungen aus dem Buch ’It usually begins with Ayn Rand’ von Jerome Tuccille
Nach ihrem Erfolg mit Atlas Shrugged, wurde Ayn Rand endgültig zum Sektenguru.
Zweimal wöchentlich hat sie in ihrem Salon Hof gehalten.
Leonard Liggio soll sich dort erlaubt haben, nicht zu rauchen.
Ayn Rand liebte aber ihre Zigaretten:
“I like to think of fire held in a man's hand. Fire, a dangerous force, tamed at his fingertips. I often wonder about the hours when a man sits alone, watching the smoke of a cigarette, thinking. I wonder what great things have come from such hours. When a man thinks, there is a spot of fire alive in his mind--and it is proper that he should have the burning point of a cigarette as his one expression.”
Selbstverständlich erwartete sie von ihren Anhängern die selbe Hingabe an die Zigarette:
Shortly afterward there was a meeting at which he found himself denounced for not smoking cigarettes.
Cigarettes were pro-life and pro-man since they were manufactured by productive capitalists for human enjoyment; to be against tobacco on the grounds that it was destroying your lungs was to be against the creative efforts of industrialists who had gone through all their trouble for consumers who didn't appreciate what was being done for them. It was a paradigmatic case of ingratitude at the least; an argument could even be made that it was immoral
Zitiert aus ’It usually begins with Ayn Rand’
Auch Murray Rothbard war eine Zeit lang unter ihren Anhängern.
Er erlaubte sich aber eine Frau zu haben, die praktizierende Protestantin war.
Ayn Rand hasste Religion.
Ayn Rand stammte aus der UdSSR.
Sie wurde als Alisa Zinovyevna Rosenbaum in der Sowjetunion geboren, die Apotheke ihrer Familie wurde während der Oktoberrevolution zwangsenteignet und sie mussten zwischenzeitlich aus St. Petersburg nach Osten fliehen.
Später hatte sie es aber nicht mehr so schwer.
Sie konnte studieren und durfte in die USA reisen, wo sie dan blieb.
Dass nun jemand, der die Bolschewiki erlebt hat, selbst zu einem wird, muss man wohl nicht verstehen. Ich finde es amüsant.
Persönlich finde ich, dass Ayn Rand komplett geisteskrank und potthässlich war, aber ich bin wohl auch nur ein Taliban.
Wenn es um häßliche Russinnen geht, die schreiben, dann empfehle ich Emma Goldmann
Natürlich hat Ayn Rand auch viel Richtiges angesprochen.
Die Frage die ich mir immer stelle, ist aber, ob jemand mehr Schaden angerichtet hat, als er genutzt hat.
In meinen Augen überwiegt bei Ayn Rand ganz klar der Schaden.
Lassen wir nun zum Abschluss ein paar weniger kritische Zeitgenossen von Ayn Rand sprechen.
Robert Anton Wilson und Karl Hess:
Noch mal Karl Hess zu Ayn Rand und Emma Goldmann:
Schönes Wochenende.