Vor 60 Jahren und 2 Tagen wurde die Nordseeküste von einer starken Sturmflut getroffen. Während anderswo die Krisenstäbe zusammentraten, wurden die Warnungen in Hamburg nicht ausreichend ernst genommen. Während anderswo Polizei, Feuerwehr, technisches Hilfswerk, Bundeswehr und Nato-Streitkräfte gemeinsam die Bevölkerung warnten und die Flutschutzanlagen sicherten, verloren die Behörden in Hamburg nach dem Zusammenbruch der Kommunikations- und Verkehrsverbindungen vollständig den Überblick. Das Wasser lief bis zu einer Höhe von 5,70m auf. Es brachen mehrere Deiche, deren Bombenschäden bis dahin nur notdürftig ausgebessert waren. Es gab 315 Tote.
Mein Vater leistete damals seinen Wehrdienst in Hamburg. Er hat oft von der Sturmflut erzählt.
Heutzutage sind die Deiche besser gepflegt, es gibt moderne Kommunikationsmittel und brauchbare Wettervorhersagen. Inzwischen wohne ich selber in Hamburg, allerdings bewusst in einem Gebiet, das nicht flutgefährdet ist. Für heute Nacht ist eine Sturmflut angekündigt, die bis zu 5,40m hoch auflaufen kann. Eine Gefahr besteht eigentlich nur für Sachschäden. Hauptsächlich durch den Wind, aber natürlich auch für die Trottel, die ihre Autos trotzdem auf dem Fischmarkt geparkt haben.
Es wird so eine Art Jubiläumsflut. Ich könnte verzichten.
Ja, ich weiß. Wind gibt es im Süden auch und Flussdeiche können ebenfalls brechen. Wer aber jemals einen Orkan an der Küste erlebt hat, wird den Unterschied verstehen. Hoffen wir mal, dass auf den Halligen und den Inseln alles gut geht.