... oder anders ausgedrückt: ich versuche mal ein spoilerfreies Review des neuen Bond-Films zu schreiben. Zur deutschen Synchronisation kann ich allerdings nichts sagen, weil ich ihn lieber auf englisch angesehen habe.
Altmodisch?
Es ist schon irgendwie komisch, einen fast zwei Jahre alten Film im Kino zu sehen. Die Entscheidung des Studios war aber richtig. Dieser Film braucht die große Leinwand um richtig zu wirken.
Die Kulissen und Drehorte sind so spektakulär wie man es erwartet. Allein schon für die Bilder lohnt es sich, den Film anzusehen. Das Superschurken-Hauptquartier ist wieder einmal "over the top", wobei (Mini-Spoiler) der Innenausbau noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Das Tempo ist wirklich hoch. Der Film hat trotz seiner Laufzeit von zweidreiviertel Stunden keine wirklichen Längen. Die ruhigeren Stellen dienen bloß zum Atemholen, bevor es wieder rund geht. Insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam und die Zeit vergeht schnell.
Peng Bumm Zack
Die Action-Sequenzen sind schon ziemlich klasse gemacht. Kameraführung, visuelle Effekte, Sounds, Beleuchtung, Choreografie - da passt alles. Man verliert auch nie den Überblick in den Kampfszenen, der Film ist in dieser Hinsicht absolut massentauglich. Sehr brutal geht es schon zu, aber es ist kein Splatter-Film. Die Action-Szenen sind eher mörderisches Ballett als realistische Mord- und Totschlag-Darstellungen. So erwartet man es von einem Bond und genau das bekommt man auch.
Über Realismus brauchen wir ohnehin nicht zu reden. Es ist ein Bond-Film, das sagt doch wohl alles. Logik, physikalische Machbarkeit, physiologische Möglichkeiten, die Naturgesetze an sich - das sind alles solche bürgerlichen Kategorien, die einen James Bond kalt lassen. Er ignoriert sie einfach. So will man es sehen und das bekommt man auch. Bei dem hohen Tempo kommt man ohnehin nicht wirklich zum Nachdenken und freut sich einfach über einen gelungenen Bond-Film.
Insgesamt sind sie diesmal sogar um etwas mehr Realismus bemüht. Keine Sorge, sie übertreiben dabei nicht unnötig. Natürlch haben die Waffen auch diesmal keinerlei Rückschlag. Natürlich trifft Bond mit jedem Schuss und die Gegner schießen ständig daneben. Natürlich fallen die Gegner beim kleinsten Treffer tot um aber James Bond kann eine Menge einstecken. Natürlich überlebt James Bond es, wenn direkt neben ihm eine Bombe explodiert. Aber, und jetzt kommt's: nach der Bomben-Explosion ist er diesmal fast zwei Minuten lang schwerhörig, weil seine Ohren klingeln. Das ist ihm früher nicht passiert.
Bond Nr. 25
"No time to die" ist ein eigenständiger Film, den man ohne Vorkenntnisse ansehen kann. Dem langjährigen Fan werden aber viele offene Fragen beantwortet, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Zum Beispiel (Achtung, kein echter Spoiler aber im Zweifel überspringt diesen Absatz lieber):
Warum hat James Bond nicht mindestens hundert Kinder, für die er Alimente bezahlen muss? Okay, die meisten seiner Partnerinnen wurden abgemurkst, bevor sie ein Kind austragen konnten. Aber trotzdem, wahrscheinlich ist er steril, oder? In diesem Film bekommen wir die Antwort.
Bond-Girls?
Dies ist der erste Bond-Film nach der Me-Too-Debatte und das hat sich sehr positiv ausgewirkt. Die Frauen in diesem Film (also diejenigen, die einen Namen haben) sind keine "willigen Gespielinnen" sondern haben einen starken Charakter. Überhaupt gibt dieser Bond-Film den Figuren mehr Tiefe als man gewohnt ist. Erwartet nicht zu viel, aber für einen Bond-Film ist das schon ein riesiger Fortschritt. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht, einen Bond zu sehen, bei dem die Frauen gleichwertige Rollen besetzen. Das Franchise hat dadurch deutlich gewonnen.
Mein Fazit
Ich sage es ganz offen, bei einem Bond geht es mir um seichte Unterhaltung. Diese Erwartung wurde erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Übertroffen in dem Sinne, dass mich einige Szenen auch emotional erreicht haben. Der Film ist nicht so distanziert wie seine Vorgänger. Von meiner Seite eine klare Empfehlung, der Film lohnt sich.
tl;dr
Angucken, der Film ist gut.