Mit den Rädern auf eigene Faust durch dieses farbige Land mit ihrer Indio Bevölkerung, vielen Maya Ausgrabungen, tropischen Wäldern, bemerkenswerten Märkten und angeblich auch voller Banditen.
Wir fahren in der gleichen Aufstellung wie letztes Jahr nach Myanmar, die beiden verrückten Radler Gasda und Kame, die immer perfekt gestylte Greta, unser “Arzt” Pauli, mein Zdenek und ich. Die drei Prager Teilnehmer landen in Guatemala-Stadt vor uns und übernachten im Zentrum, wir bleiben in einem Hostel neben dem Flughafen.
Die ersten Meter auf mittelamerikanischem Boden
14.3. Guatemala City – San Vincente, 40 km, 500HM
Morgen radeln wir zu Guatemalas erster Attraktion, dem** Pacaya Vulkan**. Dieser 2.552 m hohe, aktivste Vulkan Mittelamerikas liegt nur etwa 30 km außerhalb der Stadt, was nach einem kurzen Trip aussieht. Die ersten 10 km geht es auch schön bergab, vorbei am Amatitl-See, aber dann schüttelt die Straße den Asphalt ab und stellt sich auf die Hinterbeine. Wir keuchen auf dem groben Schotter den steilen Hang empor, Greta, die scheinbar immer noch nicht die leichten Gänge auf ihrem Rad entdeckt hat, quält sich eine Weile, bis sie absteigen und schieben muss. Ihr ausgestreckter Daumen fängt ein Pick-up, sie überredet auch mich, mitzufahren, wir wuchten die Räder auf die Ladefläche. Nach 15 km werden wir auf dem Bergpass abgeladen. Si, Volcano, Lava roja. Wir sind hier richtig.
Pacaya arbeitet
Es ist etwa anderthalb Stunden zu Fuß zur roten Lava, man kann aber auch auf einem Pferd reiten. Zdenek und Pauli würden würden sich nie auf etwas setzen, was von vorne und von hinten gefährlich und in der Mitte unbequem ist, so gehen wir alle zu Fuß.
Soooo nah!
Schwarze Hänge und Schwefeldämpfe am Pacaya
Momentan ist der Vulkan recht aktiv, Steinbrocken fliegen aus dem Schlot und von der Seite strömt glühende Lava heraus. Deshalb dürfen wir nicht ohne den lokalen Führer hin, er hält uns für Gringos, Amerikaner, und die werden wir in den Augen der Guatemalteken die ganze Zeit hier bleiben. Wir klettern die Lavahaufen bis zu dem Punkt hoch, wo die flüssige rote Lava aus der Bergflanke heraus quilt, sich langsam ins Tal schiebt, bröckelt, die Feuerbälle kullern den Hang hinunter. Es wird heiß, auf einem langen Spies könnte man gut Steaks grillen, die wir leider nicht haben. Wir springen auf dem Lavaschutt hinab und wirbeln Wolken aus schwarzem Staub auf, bald sehen wir wie Köhler aus. Wir sind begeistert!
San Vincente
Übernachtung ist im Dorf San Vincente geplant, wo es ein kleines Hotel gibt. Wie es aussieht, bin wieder ich zum Quartiermeister auserkoren, so gehe ich mit meinen paar spanischen Vokabeln die Konditionen für die Übernachtung aushandeln. Ausschlaggebend ist die warme Dusche, die wir alle notwendig haben. Das warme Wasser kommt aus einer genialen Vorrichtung, einem Durchlauferhitzer, der direkt in dem Duschkopf untergebracht ist und abenteuerlich verkabelt ist. Hoffentlich sind Stromschläge nicht einkalkuliert.
Die Dusche funktioniert wirklich
und die Stromuhr auch
Das Suchen nach etwas Essbarem ist nicht so einfach, aber endlich lassen sich zwei Tanten in einer geschlossenen Garküche überreden, für uns Tortillas und Bohnenbrei zu kochen. Das wird in Guatemala unsere tägliche Nahrung, vor allem zum Frühstück. Die pürierten schwarzen Bohnen sind essbar.
15.3. San Vincente – Antigua, 42 km, 1000 HM
In der Früh sehe ich vor der Abfahrt, dass Zdenek seine Zahnbürste im Bad vergessen hat. Vermisst du nichts?, frage ich ihn. Er fasst sich am Kopf, läuft zurück ins Zimmer und zieht unter dem Kissen seine Armbanduhr hervor. Da bekomme ich einen Lachanfall, das habe ich nicht erwartet.
Leider sieht es mancherorts so aus
Heute haben wir eine kurze Etappe nach Antigua vor uns, der ehemaligen Hauptstadt, die 1527 von den spanischen Kolonisatoren gegründet wurde. Ein Erdbeben hat sie im Jahr 1773 zerstört und zur Hauptstadt wurde Guatemala. Antigua hat seinen historischen Charakter mit rechteckigen Straßen und bunten einstöckigen Häusern und katholischen Kirchen entlang gepflasterter Straßen bewahrt. Die entwickelte Infrastruktur und zahlreiche spanische Sprachschulen mit vielen ausländischen Kursteilnehmern garantieren diesem UNESCO-Denkmal eine anhaltende Geldquelle.
Markt in Santa Maria del Jesús
Schön angezogene Frauen
Wir befinden uns in einem bergigen Hinterland, das von Indianerstämmen bevölkert ist, Nachkommen der berühmten Maya. Ein steiler Feldweg führt zum Dorf Santa Maria del Jesús. Die Landschaft ist ziemlich trocken, es gibt viele aufgegebene Bauernhöfe zum Verkauf auf dem Weg. Auf dem Markt von Santa Maria balancieren Indio-Frauen in bunten Röcken und Spitzenblusen ausladende Körbe mit Gemüse auf den Köpfen, auf dem Rücken oder auf der Brust ein Kind in einem Stoffstreifen angebunden. Sie laufen in reich verzierten Trachten aus selbst gewebten Wollstoffen. Papaya, Mango, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Bananen und eine Reihe von Melonen werden angeboten.
Antigua
Antigua begrüßt uns mit sehr holprigem Pflaster, als ob die Mayas die Straßen gepflastert hätten, die noch kein Rad gekannt haben. Kame und Gasda wollen gleich weiter radeln, Zdenek, Pauli und ich übernachten hier, uns sich etwas umzuschauen und das abendliche Flair der schönen Stadt zu genießen. Treffpunkt morgen in Atitlan.
Schönes Antigua
Schmuck zur Osterprozession
Die Straßen sind voller Menschen, wir sind in eine Osterprozession geraten. Alle Teilnehmer in bunten bestickten Trachten herausgeputzt, etliche Musikkapellen sorgen für den passenden Sound. Vorne tragen etwa 40 Männer im wiegenden Schritt einen in lilafarbenen Gewändern gehüllten riesigen Altar mit der Heiligen Maria. Alle Straßen sind verstopft, egal wohin wir gehen, keine Möglichkeit dem Rummel zu entkommen, es wird dunkel und wir haben noch kein Hotel. Am Stadtrand finden wir etwas, wir sind die einzigen Gäste. Kaufen uns Fahrkarten für morgen früh, wir wollen mit einen Minibus 50 km weiter fahren, damit wir noch einen Abstecher zu den Maya-Ausgrabungen von Iximché machen können. Das Fahrrad auf dem Dach ist teurer als unsere Fahrkarte.
16.3. Antigua – Atitlán, 70 km, 1200 HM
Der Weg nach Patzén verläuft durch Wälder, wo es angeblich Banditen gibt, aber der Wald sieht ganz unschuldig aus. Der Bus setzt uns an einer steilen Abzweigung ab, ein staubiger Weg soll zu den Maya-Pyramiden von Iximché führen, was übersetzt Maisbaum bedeuten soll. Nach 13 km mit wenig Steigung sind wir da.
Bunte Fernbusse
Auf einer Landzunge über dem Fluss sitzen ausgegrabene Stufenpyramiden und ein Altar für Menschenopfer. Es wird auch heute noch verwendet, aber das Blut fließt nicht mehr. Kein Tor, kein Zaun, kein Eintritt, und wo wir schon in Fahrt sind, erklimmt Zdenek gleich den ersten Hügel mit dem Rad. Schreie eines Wächters vermiesen ihm die Akrobatik über die Steinmauern, was Zdenks Interesse an der Maya-Kultur stark sinken lässt. An den Pyramiden machen bunt gekleidete Indios Picknick.
Dia Mayastadt Iximché
So groß war sie einmal
In einer Stunde sind wir wieder auf dem Asphalt, die Straße windet sich schön bergab, bis der Abstieg verdächtig wird. Laut Karte müssen wir einen dünnen blauen Strich überqueren, also einen Bach. Nach einem 15 km teilweise sehr steilen Abstiegs kann ich sehen, was mir hinter dem Bach blüht. Direkt hinter der kleinen Brücke klettert das Sträßchen mit 20%er Steigung erbarmungslos nach oben. Ich bin entschlossen alles zu radeln, aber dann muss ich doch schieben. Gegen Ende des Anstiegs bin ich fertig, halte aber stets Ausschau nach den Banditen. Aber die Gestalt oben ist Pauli. Der Aufstieg vom Bach war saftige 1.200 m hoch.
Supermarket
Kaffee ist geerntet
Noch den Atitlan-Seeumrunden, ca. 30 km. Vom Hafen San Lucas muss man nach Santiago Atitlán über eine Halbinsel, weitere 300 Höhenmeter! Die Straße führt durch Kaffeeplantagen, es ist Erntezeit, in den Gräben stehen große Säcke voller Kaffeebohnen zum Abtransport vorbereitet, in den Plantagen wimmelt es von Indios. Ein Polizeiauto fährt seit San Lucas langsam hinter uns her und er lässt uns nicht aus den Augen. Wahrscheinlich könnten wir von den Indios bedroht werden, obwohl sie so freundlich zu uns sind und uns bereitwillig ihre Ernte zeigen. Wer weiß? Erst in den engen Gassen von Santiago Atitlán überholen sie uns und winken aus dem Fenster, um sich zu verabschieden.
Santiago Atitlán
Patchwork auf Indio-Art
Wir steigen in dem vereinbarten Hostel ab, unsere zwei Verrückten Radler kommen erst in der Dämmerung an, sind fast 3.000 Höhenmeter geradelt, Grete ist per Anhalter gefahren. Zum Essen gibt es Fleisch, dazu immer automatisch Tortillas, die uns aber nicht schmecken. Pauli ist sehr vorsichtig bei der Nahrungsaufnahme, (ob er sich das von seiner Frau, die Ärztin ist, abgeguckt hat?), vermutet in Vielem kulinarische Gefahren. Dagegen Greta testet systematisch ihren Verdauungstrakt mit Salaten, Eis und ungewaschenen Früchten. Trotzdem bekommen sie die Darmprobleme gleichzeitig.
17.3. Santiago Atitlán – Chichicastenango, 38 km, 850 HM
Die Serpentine auf der anderen Seeseite müssen wir hoch
Wir müssen auf die andere Seite des Sees gelangen, mieten ein Boot, die Räder werden im Bug aufgeschichtet. Von Panajachel am Nordufer ragen die Hügel steil direkt vom See. Es soll während der Hippiezeit ein Drogennest von alternativen Gringos gewesen sein.
Panajachel
Auf dem Markt in Sololé, 400 Meter über dem See schauen wir uns den Markt an. Die Indio Frauen tragen hier gewebte, dezent karierte Röcke, darüber Schürzen aus Spitze, viele Männer stecken in rot gemusterten Pantalons und Sombrero auf dem Kopf.
Die Straße geht weiter den Hügel hinauf, ich strample und lasse die Gedanken schweifen. Dabei fällt mir ein, dass ich in der Früh beim Packen meinen Hüftgürtel nicht in die Satteltasche gelegt habe. Wie viel Euro, Dollar und Quetzals hatte ich dort? Und die zwei Kreditkarten! Nur den nassen Reisepass habe ich rausgenommen und zum Glück in die Dokumententasche gesteckt. Zurückradeln geht nicht, das hätte einen zusätzlichen Tag gekostet, und meine Freunde würden nicht wissen, wo ich bin. Es ist auch fraglich, ob die Indiofrau im Hostel zugeben würde, dass sie Geld gefunden hat. Also weiterradeln, es wird schon!.
Manchmal sieht man seltsame Bauten
Auf einem Bergpass angekommen, wo eine unübersichtliche LKW-Raststation ist. Auf beiden Straßenseiten sind auf 500 m Länge Schuppen und Kochzelte, von stinkenden Lastern belagert. Hier ist die Abzweigung nach Chichicastenango.
Viele Kirchen werden gebaut
Oft sind sie schön angemalt
Die Straße führt unschuldig entlang des Bergrückens, schlängelt sich dann aber in eine dunkle Schlucht. Auf ihrem Grund gibt es eine 10 m lange Gerade, so dass man gar nicht so schnell umschalten kann, und schon geht es nach oben, 3 km 22% Steigung. Es geht nicht ohne Schieben. Für Chichi habe ich in der Früh eine Herberge mit dem schönen Namen* El Telefono* gefunden. Dort treffen wir uns alle. Ein vierstöckiges schmales Häuschen, in jeden Stock nur zwei Zimmer und ein kleiner Balkon, alles mit Hühnerleitern verbunden. Es sieht ein bisschen Hippie aus.
Unsere Hippie-Unterkunft in Chichi
Von der Terrasse hat man einen schönen Blick auf den berühmten Friedhof, der vom Dorf durch eine Schlucht getrennt ist. Seine bunten und stuckverzierten Gräber leuchten in der untergehenden Sonne. Deshalb sind wir nach Chichicastenango gefahren. Allerding soll man nur in Begleitung von Einheimischen hingehen, angeblich gibt es dort Überfälle. Wir verzichten auf diesen Nervenkitzel und genießen den Anblick nur vom Balkon. Mein Hüftgürtel ist wirklich in Santiago liegen geblieben, so ist die Indio leicht zu etwas Geld gekommen. Sei es ihr gegönnt. Ob sie mit Euro was anfangen kann? Und die Kreditkarten habe ich mit meinem Handy blockiert. Ja, auch so kann Entwicklungshilfe ausschauen! Wir zählen Zdenks Geld, werden in einer Bank rechtzeitig wechseln müssen. Hauptsache, wir sind gesund, zumindest körperlich, wenn der Kopf schwächelt, ha ha.
Der Friedhof von Chichi
18.3. Chichicastenango – Sacapulco, 80 km, 990 HM
Auf nach Santa Cruz del Quiché. Dort wollen wir die nahegelegenen Ausgrabungen in Utatlán besichtigen, die von den Spaniern verbrannt und ausgeplündert wurden. Obwohl man Eintritt zahlen muss, gibt es nicht viel zu sehen, die Hügel sind nicht ausgegrabene Pyramiden, sie sind mit langnadeligen Pinien bewachsen. Auf einem Platz vor den Pyramidenresten machen Indios Feuer, ein Schamane führt eine Zeremonie über einer schwangeren Indoifrau durch, Hunde und kleine Kinder laufen umher.
Häuser für die Toten. Ein typischer Friedhof
In Santa Cruz raten uns die Einheimischen davon ab, durch die Berge über San Andrés auf einer staubigen Piste zu fahren, es soll dort kein Essen oder Unterkunft geben, dazu ist es eine Sackgasse. Die zwei Verrückten Gasda und Kame probieren es trotzdem, wir treffen sie morgen in Ucpantan.
Adobe – trockene Lehmziegeln
Und so wird gemauert
In Sacapulco finden wir das ausgemachte Hotel, die Indio-Bedienung kann wahrscheinlich noch weniger Spanisch als wir, weil sie nach unserer Bestellung von ensalada tomata kichernd in die Küche gelaufen sind, wo sie weiter unter fröhlichem Gequatsche Tortillas machen.
19.3. Sacapulco – Uspantán, 24 km, 1215 HM
Das Hotel liegt am Fluss, darüber führt eine große Metallbrücke mit der Fahrbahn aus Blech. In der Nacht rumpeln Lastwagen über die eiserne Konstruktion, dazu lärmen betrunkene Indios auf der Straße. Zum Frühstück keine Chance, etwas anderes als den Standard zu bestellen, so essen wir Tortillas, Frijoles und huevo vuelto, was Bohnen und gewendete Eier, also Omelet, sind.
Markt im Schatten des Baumes. Hier wird Trockenfisch angeboten
und hier kunstvoll ausgeschnittene Melonen
Der Hauptplatz macht einen guten Eindruck, in der Mitte mit einem riesigen Ceiba Baum, dem Nationalbaum Guatemalas mit breiten Ästen und großen Blättern. Darunter breiten die Frauen ihre Waren aus, viele haben schöne farbige Quasten auf dem Kopf und in den langen Zöpfen eingeflochtene Bänder.
Die Frauen mit den Schönen Quasten auf dem Kopf
Hinter der Metallrücke schlängelt sich die Straße steil in die Höhe, 600 HM? Zdenek will mir helfen und mich schieben, ich habe aber genug Kraft, mich zu verteidigen, wehre ich mich mit “Nein, nein! Allein, allein!”. Es fehlt mir die Puste, darüber zu diskutieren, ob es für mich sinnvoll ist, ohne seine Hilfe bergauf zu hecheln, er meint es gut und will sich um mich kümmern, und ich lehne es so schroff ab. Nach ein paar Versuchen fährt er davon, und ich kann in meinem Tempo fahren, ohne dass mir jemand sagt, wie ich schalten soll, wann ich etwas trinken oder essen soll. Ich will es selbst schaffen und nicht zu Hause sagen zu müssen: Ja, ich war auf dem Fahrrad in den Bergen, aber ich wurde jeden Hügel hinaufgeschoben, so ein Held bin ich.
Eine typische Pension
Auf dem Berg sieht man ein paar Häuser, hoffentlich werden sie dort Melonen verkaufen, die sind bei der Hitze der beste Durstlöscher, sie sind aber verfallen, dahinter öffnet sich ein Bergpanorama, der eigentliche Bergpass ist weitere 500 m hoch. Die Landschaft ist ziemlich ausgetrocknet und es ist heiß. Lieber nicht die Serpentinen nach oben schauen, die Augen auf die Straße heften und weiterstrampeln. Oben steht ein Strohschuppen, diesmal ist es eine Erfrischungsstation. Auf der Bank wartet Zdenek mit einer Limonade auf mich. Ich schaue auf den Höhenmesser, es waren 950 Höhenmeter auf nur 11 km. Ich habe dafür drei Stunden gebraucht.
Tonwaren auf dem Markt
Wir fahren die grünen Täler hinunter, aber es gibt noch mehr Hügel, die sich im Dunst vor uns abzeichnen. Ich schaffe noch einen 300 n hohen Gegenanstieg, dann werfe ich die Flinte ins Korn, in meinem Fall das Fahrrad in einen Pick-up, nach 15 km bin ich in Uspantán. In der vereinbarten Unterkunft liegt eine halbtote Greta. Wenn ich sage, dass ich zum Markt gehe, springt sie aber lebhaft aus dem Bett, sie will mitkommen. Kame und Gasda sind über die Berge gekommen und fahren gleich weiter nach Cobán.
Frische Kokosnüsse
Die engen Gassen sind teilweise überdacht, es gibt viele Comedors, Garküchen, die mit einem kleinen Ofen, einer Pfanne und ein paar Plastikstühlen ausgestattet sind. Und einem auf volle Lautstärke aufgedrehtem Fernseher. Es ist ungewöhnlich sauber auf den Straßen, der Beton ist frisch gekehrt. Auf dem Hügel hinter den Häusern läuft ein Rudel streunender Hunde, sie behandeln Menschen mit Respekt und gehen ihnen aus dem Weg. Zum Abendessen bestellt Greta ihren obligatorischen Salat, ich weiß nicht, ob sie damit den vergangenen Durchfall heilen will oder an einem neuen arbeitet.
Friedliche Straßenköter. Sie bellen nur nachts, dafür aber ununterbrochen
20.3. Uspantán – Chisac, 40 km, 500 HM
Es hat in der Nacht viel geregnet, überall gibt es Pfützen. Gasda und Kame schickten eine SMS, sie sind erst in der Dunkelheit nach Cobán gekommen, weil es auf der Straße ein Problem gegeben hat, Treffpunkt heute Abend in Chisac, 70 km hinter Cobán. Das Wetter ist nicht toll, so dass es uns nicht stört, die 50 km nach Cobán mit dem Minibus zu fahren. Räder aufs Dach, der Schaffner verlangt 25 Quetzals.
Ein riesiger Erdrutsch
Bergab klappt das Schieben noch
Der Weg führt durch mit Regenwald bewachsene Hügel, der Nieselregen und tief hängende Wolken unterstreichen nur den düsteren Eindruck. Vor San Christabal halten wir in einer Autokolonne, die Fahrer gestikulieren und rufen sich was zu. Alle Passagiere aus unserem Bus steigen aus. Warum? Ein Stück Berg ist auf einer Länge von etwa einem Kilometer ins Tal gerutscht. Der Asphalt ragt gut 20 m über dem Abbruch. Ein behelfsmäßiger schlammiger Pfad führt über das schmierige Geröll. Der Fahrer kreuzt seine Hände vor seinem Gesicht, finito. Also holen wir unsere Räder vom Dach, der Fahrer spricht eindringlich mit uns, etwas in dem Sinne, dass es keine gute Idee ist, mit Rädern darüber zu marschieren. Aber wir haben keine andere Wahl.
Immer wieder Schlamm auskratzen
Zuerst schieben wir, bald geht es weiter nur mit ausgehängten Bremsen, weil so viel Schlamm auf den Felgen klebt, dass sie sich nicht mehr drehen. Alle paar Meter mit einem Stock auskratzen. Als der Pfad beginnt sich bergauf zu schlängeln, haben wir mit Greta genug. Gerade schiebt sich ein weißer Pick-up vorbei, eine seltene Gelegenheit den Daumen auszustrecken. Ja, wir dürfen uns mit den Rädern auf die Ladefläche setzen. Sie ist leer und bis jetzt war sie ganz sauber. In der Kabine sitzen zwei feine Herren in Anzügen. Zusammen schauen wir uns von der anderen Seite die Verwüstung an. Sie sind Journalisten, so wissen sie, dass der Berg schon vor zwei Monaten abgegangen ist.
Kostenlose Komplettwäsche
Sie setzen uns am Stadtrand von Cobán ab, wollen kein Geld nehmen, auch nicht als Entschädigung für das versaute Auto. An einer Tankstelle frage ich nach der Waschanlage und bitte um eine Komplettreinigung. Zwei Männer im Blaumann spritzen von den Rädern in ein paar Minuten ist der Ganze Dreck weg. Auch sie wollen kein Geld nehmen, so frage ich, ob sie *Niňos *haben und gebe ihnen für sie mindestens Päckchen mit Bilder-Pflaster. Mit Mickey Mouse. Und es geht weiter.
Die Absteige in Chisac ist basic, das ganze Haus hat nur drei Zimmer. Die Chefin sagt * si, dos bicicletas*geht die Böden in unseren Zimmern mit stinkendem Gift abwischen. Gegen was? Stört und nicht weiter, wir haben jetzt andere Prioritäten: waschen und essen. Zdenek springt sofort in die Dusche, was ein betonierter Raum mit Loch im Boden ist. Er steht schon nass drin, da höre ich seinen Schrei: Helena, was ist das, Hilfeee! Ich stürme rein, da muss ich aber gleich lachen. Auf dem Boden huschen viele ca. 10 cm große Kakarlaken umher. Ich versuche sie einzufangen, aber sie sind schneller und verstecken sich unterm Bett. Der nackte Zdenek muss sich vom Schock erst erholen. Nachts sitzen die Tierchen alle schön an der Wand, Jungs, euch werde ich in der Früh fotografieren. Aber da sind sie wieder in ihren Löchern verkrochen. Schade, waren echt riesige Exemplare.
21.3. Chisac – Sayaxché, 120 km, 1120 HM
Der Weg zu den Höhlen von Bombil Pek
Hinter Chisac gibt es viele Karsthöhlen. Nach einer Skizze finden wir den Pfad zur Höhle von Bombil Pek. Zuerst kann man noch radeln, dann sperren wir die Räder bei einer Gruppe Indios ab, die hier den Weg zu den Höhlen mit Macheten freischlagen. Im Hang sehen wir schon das Einstiegsloch in die Höhle. An Wurzeln lassen wir uns hinab, entlang einer gespannten Schnur gelangen wir in die Tiefe. Greta und Zdenek bleiben beim Eingang, ihnen ist es nicht geheuer. Wir anderen gehen mit Taschenlampen zwischen Stalaktiten uns Stalagmiten weiter hinein. Ich habe die hellste Lampe, so darf ich den Entdecker spielen. Es gibt Wasser auf dem Boden, und wir müssen die hängenden Stalaktiten im Auge behalten, sie hängen recht tief.
Und ab in die Tiefe
Wir haben eine Etappe von insgesamt 120 km nach Sayaxché vor uns. Auf einer Kreuzung verkauft ein Junge Kokosnüsse. Er schneidet mit der Machete gekonnt die Spitze ab, steckt ein Strohhalm durch das Fruchtfleisch, und schon ist der Drink fertig. Wirklich erfrischend. Und absolut gesund. Selbst Pauli, der seine Zähne mit Mineralwasser, trinkt Kokosmilch. Aber für Zdenek ist zu exotisch, er zieht es vor, sich eine warme und 5x so teure Cola zu kaufen.
Material fürs neue Dach wird vorbereitet
Und so sieht das Resultat aus
Von außen kuschelige Wohnhäuser
Ich fahre als erste los, plötzlich sehe ich ein überfahrenes Tier am Straßenrand liegen, da muss ich ein Foto machen. Es ist schwarz mit weißem Kopf, sieht aus wie ein Wiesel. Da trifft mich von hinten ein Schlag. Zdenek! Er ist in voller Fahrt in mich reingekracht. Hat gar nicht nach vorne geschaut! Meine Satteltasche ist ausgehängt und das Kettenblatts hat mich in die Wade gebissen.
Wellige Straße bis zum Horizont
Mittags vertilge ich Unmengen von Melonen, während die Jungs beim opulenten Mittagessen sitzen. Die Straße verläuft auf 50 km komplett gerade, es gibt nur lange Bodenwellen, auf und ab. Früher waren hier überall Regenwälder, heute sind es Viehweiden, hier und da sieht man kleine Dörfer. Ein leichter Gegenwind kommt auf und die Hügel hören nicht auf, ich habe das Gefühl nur noch bergauf zu fahren. Die Kilometermarkierungen auf der Straße zeigen, wie langsam sich die Strecke vor mir verkürzt. Noch fünfzig Kilometer, noch vierzig, . . . .
Sayaxché am Rio de la Pasión
Endlich Sayaxché. Meine Schultern, meine Handflächen und natürlich mein Hintern tun mir weh. Zu den 120 km haben wir noch über 1.000 Höhenmeter bewältigt.
22.3. Sayaxché – Flores
Nach der gestrigen Strecke mieten wir in der Früh für 100 Quezal ein Boot zu den Maya Ausgrabungen von Aguateca. Sie sind im Wald und nur über Wasser erreichbar. Das Boot fasst nur drei Leute, sagt der Bootsmann, wir überzeugen ihn aber, dass keiner von uns mehr als 45 kg wiegt. Ha ha.
Der Urwald badet seine Füße in den schmalen Strom, Einheimische angeln und waschen am Ufer. Der Urwald war Heimat der Mayas, hier haben Jaguare gelebt, und der heilige Vogel Quetzal, der dank seiner langen Schwanzfedern fast ausgerottet wurde. Die Reste der Vögel, die ihren Namen in der guatemalesischen Währung wiederfinden, leben heute in Reservaten. Etwas besser geht es dem Nationalbaum Ceiba, dessen Krone sich vielerorts über den Urwald erhebt.
Nach 1,5 Stunden steigen wir aus, ein nasser Pfad führt durch Schilf bergauf unter das grüne Blätterdach. Dia Ausgrabungen sind frei zugänglich. aber auch zugewuchert, man sieht stufige Pyramiden und verschiedene Stelen. Es ist ein besonderes Erlebnis, es so nicht restauriert zu sehen. Nicht alle sind interessiert, Greta legt sich auf der ersten Stufe in die Sonne, auch Zdenek taucht in den Urwald nicht ein. Ihm erscheint es etwas gefährlich. Jaguare?
In Sayaxché packen und weiterfahren, 60 km nach Flores.Es ist eine 1 km kleine Halbinsel im Petén Itza See, ein ein touristisches Gebiet, kleine Pensionen und Kneipen reihen sich entlang der Lehmstraßen, statt einer Uferkolonnade nur ein Pfad. Leider wurde auf einer Seite der Halbinsel ein gepflasterter Weg errichtet, und schon wird die verschlafene Idylle verschwinden.
Flores
23.3. Flores – Tikal , 63 km, 700 HM
Heute steht Tikal, Guatemalas berühmtestes Maya-Denkmal, auf dem Programm. Wir fahren mit dem Boot auf die andere Seeseite, dort können wir auf einer unbefestigten Straße radeln. Die anderen wollen in Tikal übernachten, Zdenek möchte für die Nacht nach Flores zurückkehren, in das nette Hotel mit Blick auf den See. In Tikal besichtigen wir schnell möglichst viele Pyramiden, Zdenek will noch nach Flores zurück radeln, ich nehme mir mehr Zeit zwischen den herrlichen Bauten und komme mit dem Bus nach.
Hier darf die Frau vorne radeln. Sicherheitshalber, falls wirklich ein Puma kommt
Das Gebiet ist sehr groß, aus dem Urwald ragen nur die höchsten Pyramiden. Die meisten von ihnen können bestiegen werden, obwohl die hohen Treppen ziemlich steil sind, über 45°. Von oben gibt es einen schönen Blick über die waldgrüne Weite. Es ist schwer vorstellbar, dass Tikal in seiner größten Blütezeit unglaubliche 300.000-500.000 Einwohner gehabt hat. Siebzig Prozent der Fläche ist noch nicht erforscht und ausgegraben.
Tikal in einem Urwaldmeer
Die steilen Stufen darf man bei manchen Pyramiden besteigen
Tikal stand jahrhundertelang unter der Kontrolle von Teotihuacan in Mexiko, nachdem sein Häuptling Große Jaguar Tatze von mexikanischen Kriegern getötet worden ist. Im achten Jahrhundert hat sich Tikal aus dem Joch befreit und hat die größte Blütezeit mit intensiver Bautätigkeit erlebt. Der Beginn des 9.Jahrhundert hat jedoch, wie in ganz Mittelamerika, das Ende der Maya-Kultur bedeutet. Warum? Es bleibt ein Geheimnis.
Vor unserem Hotel in Flores
In Flores gehen wir mit Zdenek im Dunkeln in den See baden. Wir tasten uns von einer Betonplatte ins Wasser, es ist wunderbar sauber und warm. Als wir aus dem Wasser kommen, ist Zdenek erschrocken: ich habe den Schlüssel vom Hotelzimmer verloren! Wir leuchten ins Gras, gehen langsam den Pfad zurück. Schon geben wir auf und überlegen, wie wir es auf Spanisch im Hotel erklären werden, da glitzert etwas im Gebüsch. Der Schlüssel!
24.3. Flores – Livingston, 25 km, 250 HM
Es geht nach Rio Dulce Treffpunkt 8:45 Uhr an einer Kreuzung 15 km von Flores, wir wollen diese langweiligen 250 km durch die unendliche grüne Leere motorisiert überqueren. Dort angekommen Umstieg
auf ein Boot Richtung Meer auf die Karibikküste. Das Boot ist dank unserer Räder bis zum Rand voll, für unsere Füße gibt es kaum Platz.
Haciendas am Ufer des Rio Dulce
Die Stadt Livingston liegt am Rio Dulce Delta. Hier lebt eine schwarze Minderheit, die nach dem Jahr 1800 aus entlaufenen Sklaven von den Karibikinseln gebildet wurde. Sie haben auch eine eigene Sprache – Garifúna, eine Mischung aus afrikanischen Dialekten mit Kreolisch und Französisch.
John, ein Garifúna, bringt uns in eine Herberge. Einfach, nicht besonders sauber, aber anscheinend hygienisch genug, denn wir wurden nicht von Flöhen oder Wanzen belästigt. Sympathische ist auf jeden Fall, dass es keine Formalitäten wie das Vorzeigen eines Reisepasses oder die Anmeldung in ein Gästebuch gibt. Wir zahlen einfach im Voraus und alles ist geregelt.
Livingston
Noch am Abend fahren wir mit Badesachen am Strand entlang zu irgendwelchen Wasserfällen, es soll angeblich ein Naturwunder sein. Es geht am Strand über zahlreiche Mangrove-Wurzeln in Sand, ein schöner nasser Trail. In den Wasserfällen gibt es kein Wasser, man kann aber in einem kleinen Tümpel baden. Auf dem Rückweg ist schon mehr Flut, wir fahren komplett durchs salzige Wasser, das Rad, unsere Schuhe, Kleidung, alles mit Salz konserviert.
Unser Schwarzer John empfiehlt uns die beste Garifúna Kneipe, also gehen wir dort zum Abendessen. Eine dicke schwarze Frau lobt uns ihre Garifúna Spezialität, ohne die wir Garifúna Livingston nicht verlassen können. Wir bestellen es also alle, ohne zu wissen, was auf uns zukommt. Nach einer Weile serviert sie uns tiefe Schüsseln mit dünner Bananen-Suppe, in der ganze Krabben samt Füßen schwimmen. Also tot sind sie schon. Die Jungs knacken mit den Zähnen die Panzer, seltsamerweise sogar Zdenek und Pauli, die sich sonst beide eher konservativ ernähren. Der bloße Anblick von den Krabbenbeinen, die ihnen aus dem Mund hängen, nimmt mir den Appetit, ich muss hier raus. Da laufe ich lieber hungrig durch die Stadt. Sie ist voll von schwarzen Männern in ausgeleierten Achselshirts und mit Rasta Frisuren unter Strickmützen, üppigen Frauenhintern und süßen kulleräugigen Babys. Kein Indio weit und breit.
Die Garifúna Suppe mit schwimmenden Krabben
Morgen früh radeln Kame und Dasda noch nach Honduras, Greta lässt sich vom Mitkommen nicht abschrecken, obwohl sie sich heute wieder verloren hat und unser Hotel nicht finden konnte. Der Verzweiflung nahe wurde sie von Gasda nur 100 Meter von unserer Unterkunft gefunden.
25.3. Livingston 10 km, 100 HM
Am frühen Morgen hören wir die drei gehen. Wir befreien die seit gestern verrosteten Räder von der Salzkruste und buchen eine Bootsfahrt auf die andere Seite des Rio Dulce. Es gibt dort Mangrovenwälder, die ich unbedingt sehen möchte, ein schmaler Kanal führt zwischen den verflochtenen Wurzeln, überall schwimmen viele Kormorane und Reiher. Alles ist mit Wasser überflutet, voller Schlingpflanzen und absolut unpassierbar. Dann verengt sich der Fluss und wir ankern. Ein Fußpfad führt zu einer Waldlichtung mit zwei Hütten. Halbnackte Eingeborene, etwas Vieh, ein paar Kokospalmen, sonst rundum der Dschungel. Sehr friedlich, sehr einfach.
Mangroven
Am Nachmittag radle ich alleine durch die Umgebung, aber alle Wege enden bald im Dschungel. Sehr elend aussehende Dörfer, ich fühle mich ins Mittelalter versetzt. Zdenek hat versucht mir zu verbieten, hier alleine herumzustreichen, ohne Erfolg.
26.3. Livingston – Quiriguá, 76 km, 500 HM
in unserer Karte ist ein dünner Strich durch den Urwald eingezeichnet, aber die Einheimischen schütteln nur mit dem Kopf. Wir wollen es dennoch probieren. Ein Boot bringt uns auf die andere Seite vom Rio Dulce, er setzt uns nach einer Stunde Fahrt an einem kleinen Strand aus, ein Pfad windet sich nach oben und unten, aus dem kurzen Stück auf der Karte werden es 40 km.
In Santo Tomás stoßen wir auf die Straße, von hier aus ist es zu unserem Ziel in Quiriguá noch 80 km. Zuerst biegen wir zu einer Tankstelle ab, wo ich um Öl bitte, um nach dem gestrigen Salzbad Kette und Pedale zu schmieren, und wie ich stolz bin, es auf Spanisch geschafft zu haben, schwinge ich mich in den Sattel und fahre fort. Auf dem Weg sagt mir Zdenek, dass er und Pauli auch ihre Fahrräder schmieren wollten, aber sie konnten es nicht sagen, und ich habe an sie nicht gedacht. Was mir nachhinein leid tut.
Wir kommen auf die Hauptstraße, die wohl verkehrsreichste Verkehrsader Guatemalas, da sie die Hauptstadt mit dem einzigen karibischen Hafen von Puerto Barrios verbindet. Wir haben keine andere Wahl, auf beiden Seiten gibt es Berge, kein anderer Weg. Oft müssen wir vor den rasenden Lastwagen in den Straßengraben weichen, keine gute Radelstrecke. Dazu gibt es heute keine einzige Wolke am Himmel, und obwohl ich mich mit hohem Faktor einschmiere, kann ich spüren, wie meine Haut schmort, und die Sonnencreme fließt mit dem Schweiß in die schon sehr stinkenden Handschuhe. Zdenks Thermometer zeigt 43°C an.
Auf dem halbem Weg kommt noch die Hauptstraße vom Norden aus Tikal dazu. Ab hier werde ich die restlichen 40 km mit dem colectivo (Minibus) fahren. Es ist bereits vier Uhr nachmittags, ich möchte nicht in der Dunkelheit auf dieser schrecklichen Straße fahren. Zdenek mit Pauli fahren weiter, mich bringt einer zur Haltestelle, nach Quiriguá genieße ich das Colectivo. Das abgesprochene Hotel haben wir wieder ganz für uns alleine. Sie können natürlich für uns kochen. Wollen wir Fleisch, Reis, Salat? Ja oder nein? Wenn nicht, Pech, es gibt keine andere Wahl.
27.3. See Izabal, 60 km, 700 HM
Wir mögen es hier und beschließen, noch eine Nacht hier zu bleiben und nicht diese schreckliche Straße nach Guatemala-Stadt zu radeln und dort am Flughafen zu übernachten.
Stelen in Quiriguá
Die heilige Schildkröte
Zuerst radeln wir zu den Ruinas außerhalb der Stadt. Die Straße verläuft entlang der Bahngleise, die hier die Kolonialherren zu den Bananenplantagen gebaut haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde alles verstaatlicht, setidem wachsen die Gleise mit Büschen zu. Die Haupt-Sehenswürdigkeit sind die bis zu 10 m hohe Stelen. Quiriguá war lange unter der Kontrolle des nahegelegenen Copan im heutigen Honduras. Erst der Häuptling Donnerhimmel hat seinen Copanischen Rivalen Achtzehn Kaninchen besiegt, und hat seitdem begonnen, in einem Fünf-Jahres-Rhythmus hohe Stelen zu bauen. Auch seine Nachfolger Ende der Himmelskuppel und Nefrithimmel haben die Tradition fortgesetzt. Im 9. Jahrhundert ist diese Kultur verschwunden. Den Grund für das Veschwinden der ganzen Indio-Kulturen im Mittelamerika wurde von den Archäologen bis heute nicht gefunden.
Bananenplantage
Die Schutzfolie wird hochgekrempelt
Mit Machete teilen
Ein Bad, in dem Spinnen und anderes giftiges Getier getötet wird
Verpacken, noch grün und hart
Als Kontrastprogramm für Ausgrabungen besuchen wir eine Bananenverpackungsfabrik in unmittelbarer Nähe. Alles ist für Neugierige frei zugänglich. Eine große offene Blechhalle in der Mitte der Plantagen, von ihnen laufen horizontale Seilbahnen mit den Bananenstöcken unters Dach, wo sie Indios mit Macheten portionieren und in große Bottiche mit Desinfektion tauchen. Die Frauen teilen und sortieren sie weiter, wiegen sie ab und schichten sie auf dem Förderband in die Kisten mit der Aufschrift Del Monte. Die Bananen sind alle grün, ich habe versucht, eine auf den Boden gefallene zu essen. Sie sind steinhart, lassen sich nicht mal schälen.
Letzter Punkt des Kulturprogramms ist ein Ausflug über die Hügel zum See Izabal, 30 km weit. Es soll ein Erholungsgebiet sein, also sind wir mit Badebekleidung ausgestattet. Serpentinen bergauf, zum See flitzen wir im angenehmen Schatten der Gummibäume. Die Bäume haben schräg eingeritzte Rinde, darunter befestigte Schalen, in die der Latex abtropft.
Einmal kurz entspannen ist erlaubt
Das Dorf Mariscos liegt direkt am Seeufer. Wir wählen eine Kneipe am Ende des Dorfes mit einer großen überdachten Terrasse, die in einen steinigen Strand übergeht. Niemend da, zum Essen gibt es das obligatorische Huhn mit Reis. Dann machen wir Urlaub, baden und schaukeln in den Hängematten. Das Wasser ist so warm, dass es in der 40°C Hitze nicht viel erfrischt.
Für den Rückweg geben mir die Jungs 20 Minuten Vorsprung. Seltsamerweise haben sie mich nicht eingeholt, so setze ich mich unter dem Berg im Schatten zu einem Stand mit Wassermelonen, und gönne mir eine, und otro (noch eine) und otro. Endlich kommt schweißgebadet Zdenek an und will nicht glauben, dass ich nicht per Anhalter gefahren bin. Um sich abzutrocknen legt er seine Brille auf einen Stein. Wir fahren weiter, als Zdenek nach 2 km feststellt, dass er schlecht sieht. Brille! Wo ist die. Oh, auf dem Stein, also zurück, die Melonenverkäuferin winkt ihm schon mit der Brille in der Hand entgegen.
Es gibt einen Stromausfall in Quiriguá, also gibt es ein Candle-Light-Dinner, um halb neun gähnen wir in der Dunkelheit, so gehen wir zum letzten Mal in Guatemala schlafen. Ohne Strom gibt es leider keine Klimaanlage.
28.3. (10 km, 100 VM)
Der Fernbus bringt uns ins Zentrum von Guatemala-Stadt, so besichtigen wir noch den Hauptplatz, essen dort das letzte mal. Viele Sehenswürdigkeiten bietet die Hauptstadt nicht.
Guatemala-City hat uns wieder
Hauptplatz
Souvenirs
Wir kommen um 4 Uhr am Flughafen an, Der Flug geht um sechs. Räder einpacken und uns umziehen. Wir schaffen es knapp bevor Check-in schließt. München begrüßt uns mit Schnee.
Packen in der Flughafenhalle
Kame hat ein paar Tage später gemailt, dass Greta, die sie irgendwo vor Honduras wie erwartet verloren haben, überfallen wurde. Die Details kennen wir nicht, Greta schweigt. Und Kame übertreibt gerne.
Guatemala ist für uns ein exotisches Land, die Menschen pflegen ihre Traditionen, tragen ihre bunten Kleider aus selbst gewebten Wollstoffen, sind freundlich und hilfsbereit. Die Sicherheitslage soll aber nicht unterschätzt werden, das Land hat auch seine Probleme. Viele verschollenen Maya-Städte mit ihren Stufenpyramiden und die wilde Natur machen das Land interessant. Buntes Guatemala.
Helena
[//]:# (!worldmappin 16.51927 lat -90.18879 long Guatemala per Fahrrad, Sayaxché d3scr)
[//]:# (!worldmappin 15.82808 lat -88.75222 long Guatemala per Fahrrad, Livingston d3scr)
[//]:# (!worldmappin 15.42479 lat -89.08501 long Guatemala per Fahrrad, Lago de Izabal d3scr)
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