Auf eigene Faust der klassische Trek von Jiri zu Everest Base Camp durch die wunderschöne nepalesische Landschaft mit vielen kleinen Dörfern, Tempeln und netten Bewohnern
18.10.1995, Ankunft Kathmandu
Unsere erste Reise in die weite Welt. Wir unternehmen sie zu viert und organisieren alles alleine. Die Fotos sind eingescannte Dias, so ist die Farbigkeit wie Schärfe nicht mit heutigem Maßstab zu messen.
Birman Airlines von Frankfurt, Zwischenlandung in Dubai, Umstieg wir in Dhaka, Bangladesch, in ein viel kleineres Flugzeug. So bleibt ein Berg von Rucksäcken auf dem Rollfeld liegen, die vielen Passagieren in Kathmandu dann fehlen.
Durbar Square
Der erste Schock – Öffentliches Badezimmer
Der zweite Schock – die Schlachtstraße hinter unserem Hotel
19.10. Kathmandu
Besichtigung vom alten Kathmandu, Durbar Square mit Kumari Tempel – wir haben das seltene Glück (wirklich so selten?), die lebende Göttin Kumari zu sehen. Das arme erst sechsjährige Kind zeigt sich sichtbar gelangweilt für zwei Sekunden am Fenster.
Durbar Square
Heilige Sadhus
Mit dem Taxi nach Bodnath und Pasumpatinath. Dichter Verkehr, löchrige Straßen. Bodnath Stupa ist überwältigend. Groß und bauchig mitten auf einem runden Platz. Gerade zieht eine betende, singende und musizierende Lamaisten-Gruppe um sie herum. Rote Gewänder, gelbes Hemd (oder T-Shirt), kahler Kopf. Der auch bei Frauen.
Stupa Bodnath
Auch Nonnen rasieren sich die Haare
Bodnath
In Pasumpatinath gibt es viele Tempel, für uns Nicht-Hinduisten nicht zugänglich. Sie reihen sich am Ufer des Bagmati Flusses, der leider eher an eine Kloake erinnert. Badende Kinder, badende Affen, Asche der verbrannten Leichen. Die werden an sogenannte Ghats gelegt, ca. 2×2 m große Betonpodeste, aus Holzscheiten wird um sie ein Scheiterhaufen errichtet und die Toten verbrannt. Sämtliche Reste dieser Beerdigungen landen im Wasser.
Pashumpatinath
Ghats – Verbrennungsstellen
Mit Nussschalenschmuck
20.10. – Bhaktapur, Patan
Die nahe Königstadt Bhaktapur ist (fast) autofrei, die Touristen zahlen 50 Rs Eintritt. Die Straßen mit Ziegelsteinen gepflastert, rot und viel sauberer als Kathmandu. Fast keine Touristen. Idyllische Winkel, schöner fünfstöckiger Tempel, Seitengassen voller Ziegen, Schweine, Hühner und Hunde, die Tiere funktionieren als Biomüllverwerter. In den Tempelhöfen wird auf dem Boden Reis getrocknet, Männer hocken in den Türen ihrer Werkstätten oder Läden. Alles wird ohne Hektik verrichtet. Elend sieht man hier weniger. Mittags mit dem Bus nach Patan, die dritte Königsstadt.
Bhaktapur – Trocknen vom Reis
Reis liegt überall
21.10. – Busreise nach Jiri
Auf dem Terminal großes Chaos, es ist noch dunkel. Die Rucksäcke werden auf dem Dach verstaut, wir binden sie als Diebstalsicherung mit Seil zusammen. Die Sitze im Bus sind so eng, das einer auf der Lehne sitzen muss. Lieber machen wir es uns zwischen den Gepäckbergen auf dem Dach bequem. Nach Jiri sind es 130 km, dafür brauchen wir mehr als 14 Stunden. Dann geht es selbst im 1. Gang nicht mehr. Die Kupplung stinkt und streikt, sie wird repariert und wir schaukeln weiter. Über zwei 2.700 m hohe Pässe langsam dem Ziel entgegen.
Auf dem Busdach zum Dach der Welt
Die Lodge in Jiri ist gut, 20 Rs/Doppelzimmer. Wir machen im Zimmer unsere Rucksäcke auf und, oh Schreck, Zdeneks und mein ganzes Geld ist weg. Samt Geldbeutel. Gut über 1.000, -DM. Die Pässe und Permits sind zum Glück da, auch unser Flugticket nach Hause. Und fairerweise haben uns die Diebe 1000 Rs übriggelassen. Wir sind daraus dermaßen schlecht gelaunt, dass wir kaum essen können. Nachhinein betrachten wie es als Entwicklungshilfe. Eine unfreiwillige. Wir handeln die zwei Träger auf 250 Rs herunter und zahlen die Hälfte im Voraus. Zum Glück haben Sepp und Gudrun genug Geld mit, das kann für uns alle reichen.
22.10. – Jiri-Bhandar
Jiri
Um 6.00 aufstehen, die zwei Träger sin 15- und 16-jährige Jungs in abgelaufenen Turnschuhen. Wir müssen oft auf sie warten, sie sind offensichtlich nicht sehr bergerfahren, lächeln aber ständig. Der erste Checkpoint in Shivalaya, das Wetter ist schön, die Gegend auch, die Häuser und das Leben um sie herum sehen idyllisch aus. Unterwegs treffen wir nicht so viele Touristen.
Schlachttag
23.10. – Bhandar-Sette
Kleine Stupas stehen in jedem Dorf
In der Früh wolkenloser Himmel, es ist schön warm. Überraschung – unsere Träger sind uns nicht weggelaufen. Abstieg ins Tal, kurz nach Bhandar der zweite Checkpoint in Kenja. Unsere Träger (wir wissen jetzt, dass sie Ram und Dzaikurmar heißen) essen mit den Fingern Dhal Bhat (Reis mit Linsensoße, das tägliche Essen der Nepalesen). Kenja ist ein sehr schöner kleiner Ort, bestehend aus einer gepflasterten und sauber gefegten Gasse zwischen den Häusern, vor dem Eingang Bänke und Tische.
Ab Kenja geht’s fast 1.000 Höhenmeter rauf nach Sette. Es tauchen immer Lodges auf, jedoch außerhalb der Ortschaften wesentlich einfachere. Ländliche Idylle mit Ziegen, Kuh, jeder Menge Hühner, Hund und vielen kleinen Kinder. Durch die Strohdächer steigt Rauch auf. Die plattgestampfte Erde ist sauber gekehrt, alles sieht einfach, aber nicht armselig aus. Auch die Tiere sind wohlernährt. Um 14.00 sind wir in Sette. Die erste Lodge gehört einem der älteren Bruder vom Dzaikurmar. Klar, dass er hier über Nacht bleiben will, obwohl es noch früh am Tag ist.
Ram kocht für uns
Abends gibt es Momos zum Essen, gefüllte Teigtaschen. Der einzige Raum ist Küche und Stube in einem, so können wir bei der Herstellung der Momos zuschauen. Noch um zehn abends hören wir unter unserem Fenster die Trägerkarawanen singend vorbeilaufen, nur im Licht der Taschenlampen. Die ersten am nächsten Morgen ziehen schon um fünf vorbei. Wieder singend.
24.10. – Sette-Solung
Passhöhe Lamjura
Abmarsch 7.30, durch Rhododendronwald 1.000 m Steigung zum Lamjura Pass (3.550 m), immer wieder an Lodges vorbei. Um 9 Uhr erleben wir eine teilweise Sonnenfinsternis. Am Pass zwei schöne Häuser mit Lodge und kleine spielende Kinder mit nackten Hintern. Der Sicherheitsschlitz in der Hose bleibt so lange offen, bis das Kind sauber wird. Praktisch, windelfrei.
Keine Windel notwendig
Im Tal Junbesi, offensichtlich eine reichere Ortschaft, zwei Gompas, Strom. Von hier 1 ½ Stunden nach Solung auf einem schmalen Pfad. Beziehen Mount Everest Lodge mit Khumbu Blick.
25.10. – Solung-Charikhola
Die weißen Riesen sind da! Nicht vielleicht der Everest, aber auf jeden Fall die Khumbu Berge.
Von Junbesi über einen Bergrücken ins nächste Tal, dann Aufstieg zum Taksindu Pass (3.050 m). Schon seit gestern läuft ein Hund mit uns. Wir steigen nach Nuntala ab. Ein fünf Tage dauernde Fest kulminiert heute. So wie in den letzten Tagen werden Menschen und Hauseingänge mit orangenen Ketten aus Tagetes geschmückt, selbst Hunde und Kühe werden damit behängt. Es wird musiziert und getanzt.
Wir steigen ab bis auf 1.700 m zu der Hängebrücke über den schäumenden Gletscherfluss Dudh Kosi, was Milchfluss bedeutet. Hier verabschiedet sich unser Kukur (nepalesich Hund) von uns, der Streuner, der uns zwei Tage begleitet hat. Entweder traut er der schwankenden Hängebrücke nicht, oder ist hier Ende von seinem Revier. Noch 600 Höhenmeter nach Charikhola. Unsere Träger bleiben bei jeder Chautara stehen, machen Rauchpausen und schäkern mit den Dorfschönheiten. Und vor uns ist noch ein langer Weg. Den ganzen Tag ist es sonnig und warm, wir laufen in T-Shirts und kurzen Hosen. Endlich Lodge, wir sind müde.
26.10. – Charikhola-Nangbug
Schwere Dokos
Heute ein scheinbar einfacher Weg auf den steilen Hängen oberhalb des Dudh Kosi, ohne große Höhenunterschiede, durch urwaldartige Vegetation. Zahlreiche Karawanen in beiden Richtungen. Träger mit ihren hoch über den Kopf beladenen Dokos (Tragekörbe), oft barfuß oder mit Gummilatschen. Ruhen sich oft aus, indem sie die bis 80 kg schweren Dokos an T-förmigen Stöcken abstützen. Sie übernachten direkt am Weg, am kleinen Lagerfeuer kochen sie Tsampa und Gemüsesuppe. Unterwegs sind auch viele Mullis. Wir überholen mühsam eine etwa 30 Tiere zählende Karawane, die kleinen zähen Lastenträger haben schönen Kopfschmuck und bimmelnde Halsglocken.
Es geht ständig zum Bach runter, dann den Hang rauf, steinig, Treppen und wieder Abstieg zum nächsten Bach. Auf diese Weise summieren sich die Aufstiege auf 1.400 HM, wir mit Zdenek schaffen noch 300 m mehr, da wir nach Lukhla aufsteigen, um den Rückflug zu bestätigen. Lukhla ist ein hässlicher, dreckiger Ort. Abstieg nach Nangbug, wo die anderen eine Lodge ausgesucht haben. Es ist eine Streusiedlung, in welchem dieser weitverstreuten Häuser warten unsere weichen Schlafsäcke auf uns? Halb sechs, bald wird es dunkel. Wir bleiben auf einem schmalen Weg zwischen den Steinmauern, plötzlich sehen wir hinter einer Biegung Ram und Dzaikurmar stehen. Die Lodge ist noch ein ganzes Stück weit weg, ohne diesen Zufall hätten wir sie nicht gefunden.
Lodge in Nangbug
27.10. – Nangbug-Namche, 3.450 m
Diese Lodge hat uns sehr gefallen. Sauber, sehr nettes junges Wirtspaar, außer uns keine Gäste. Frühstück, wir schauen der Vorbereitung von Kiutchia zu, dem Milchtee, probieren dann auch. Es schmeckt nicht, ich habe es mir aber noch viel schlimmer vorgestellt.
Om mani padme hum
Wenn wir um 7.30 aufbrechen, sind die meisten Karawanen schon unterwegs. Morgen ist in Namche der Samstagmarkt, so herrscht hier ein Verkehr wie auf einer Autobahn. Bloß ist der Weg nur schmal und die breiten Dokos lassen sich nicht gut überholen. Dazu kommt noch Gegenverkehr, Touris, die zurück nach Lukhla ziehen. Hinter Lukhla sind zahlreiche Baumaterialschlepper unterwegs. Sie tragen dicke, etwa 2,5 m lange Holzbohlen auf dem Rücken den Berg nach Namche hoch, geschätztes Gewicht 80 kg.
Die Gummilatschen werden geschont
Bei den insgesamt etwa sechs Hängebrücken staut sich der Verkehr. Sie wecken wenig Vertrauen, wackeln viel, die Drahtseile, die als Geländer dienen, sind für den europäischen Begriff von Sicherheit weit auseinander und die oft morschen oder fehlenden Bodenbretter lassen einen tief in die schäumenden Fluten blicken. Gegenverkehr ist nicht möglich und Tiere haben immer Vorfahrt.
Nach den Hängebrücken kommt der letzte 600 HM Aufstieg nach Namche, in der Nachmittagssonne bewältigen wir schwitzend den steilen Hang.
Gleich verlieben wir uns in diesen zauberhaften Talkessel mit den hufeisenförmig geordneten Häusern, der für unsere Augen, Ohren und Nase voller exotischer Eindrücke ist. Der Ort ist klein, voller Touris und Verkaufsbuden. Die Thamserku Lodge ist gut, aber WC und Kaltdusche sind außerhalb und nicht vom Besten. Freundlicher Empfang von Bemba Chuteen und Mama Thamserku.
Namche Bazar
28.10. – Namche Bazar
Wir gehen auf den Markt, er bietet vor allem Nahrungsmittel, im Staub des festgestampften Bodens ausgebreitet oder in Plastikkanistern angeboten. Die Inhalte der Dokos werden herausgezogen und auf eine Plane gelegt: Kekse, Tee, Zigaretten, Nudeln, Häufchen aus Tomaten oder Gemüse, Säcke mit Mehl, Zucker, Salz, Blechkanister mit Ghe, geklärter Butter. Ein Riesenandrang, Sherpas, Tibeter, dazwischen ein paar Touris. Oberhalb von Namche kann man einen Everest Blick erhaschen.
Tibeter auf dem Markt
Am Nachmittag unternehmen wir gemeinsam einen Akklimatisierungsspaziergang auf die Hügel zwischen Namche und Kumjung und Kunde, gehen am Heli-Landeplatz Syangpoche vorbei. Wir sind hier in 4.000 m Höhe, das merkt man an der Atmung schon.
Das von Bemba und Mama vorbereitete Festmahl ist das letzte richtige Essen auf dem Trek zum Everest Basecamp. Suppe, Krautmomos, Gemüsereis, Apfeltasche. Alles sehr gut. Dann noch Besichtigung der Familiengompa im Dachgeschoß – sieht sehr kostbar aus.
Namche liegt sehr idyllisch
Gompa in Namche
Die Träger sind nicht gekommen, wir haben uns am Nachmittag daran geeinigt, dass wir weiter ohne sie gehen, nur das Notwendigste mitnehmen und sie nach Hause schicken.
29.10. – Namche-Orsho, 4.200 m
Everest mit der kleinen Wolkenfahne, versteckt hinter Nuptse und Lhotse
Ausgesetzte Wege
Steinterrassen zwischen Steinhäusern
Begegnung, beide überrascht
Die Grundstücke in den Dörfern werden mit Steinmauern abgegrenzt
Wir brechen auf. Erste Station Kloster Tengpoche. Mönche im Alter von vier Jahren bis zu Greisen, ein deutscher Entwicklungshelfer macht Führung. Nudelsuppe in einer Lodge am Kloster, am Nachmittag weiter, mal sehen, bis zu welchem Dorf wir es schaffen. In Pangpoche ist es noch zu früh, Shomare gefällt uns nicht, OK, im Reiseführer steht, dass es in Orsho auch eine Lodge gibt. Es ist nur ein kleines ärmliches Häuschen. Küche mit offener Feuerstelle, hinter einem speckigen Vorhang ein Lager mit Pritsche. Alles verrußt. Sepp und Gudrun beschließen im Zelt zu schlafen. Ein 22-jähriger Junge, am Feuer hockt seine 16-jährige Verwandte, schönes Gesicht, aber sehr schmuddelig. Trotzdem ein netter Abend mit Nudelsuppe. Ich kann dann nicht einschlafen, unser Lager ist von der offenen Kochstelle, wie üblich ohne Abzug, sehr verraucht, was die Sauerstoffzufuhr in der Höhe von 4.200 m noch mehr verringert.
Kloster Tengpoche, im Hintergrund die Schönheit Ama Dablam
Stupa vor dem Tengpoche Kloster
Tengpoche, Zentrum des Buddhismus im Khumbu
Mandala aus farbigem Sand wird sorgsam gefertigt
Orsho
Köchin in Orsho
30.10. – Orsho-Lobuche, 4.900 m
Morgen eiskalt, auch innen. Stehen erst um 7 auf. Zum Frühstück wie immer ein big Pot black Tea in einer blumengemusterten Thermoskanne, dazu wieder unsere von zu Hause gebrachte Müsliriegel. Marschieren auf und ab am Fluss Imja Khola entlang bis nach Pheriche. Blick nach Dingpoche und Island Peak. Durch schönes Pheriche Tal bis Dhughla, schon 4.600 m hoch. Hier obligatorische Rara soup, salzige Brühe mit Rara-Nudeln. Kopfweh, ich bin müde und hab keinen Appetit.
Die imposante Ama Dablam (6.812 m) begleitet uns mehrere Tage
Fröhliche Mädels begegnen müden Trekkern
Pangpoche liegt sehr malerisch
**Dingboche, im Hintergrund Island Peak, 6.189 m
Kloster in Pangpoche, hinten Ama Dablam
Steinplatten mit der Mantra Om mani padme hum
Stumme Begegnung mit einer Yakdung Sammlerin
Gleich nach Dhughla steiler Anstieg 300 m, hier sieht es plötzlich hochgebirgig aus. Oben an der Kante viele Steinmännle und „Grabsteine“ für verunglückte Bergsteiger. Weiter nicht mehr so steil bis Lobuche. Dort drei Lodges, viele Zelte von organisierten Gruppen (Hauser, Summit Club,…) durch Steinmauern abgegrenzt, mit Zelt-Klos, alles primitiv, der Unrat wird direkt vor die Tür geschüttet. Die Yak-Fladen werden gesammelt und an die Steinwände ordentlich geklatscht, schön getrocknet und in kleine Dung-Mauern gestapelt. Heiz- und Kochmaterial.
Yakdung wird mit Stroh vermischt an die Mauern zum Trocknen geklebt
Und dann ordentlich aufgeschichtet
Gedenkstelle für verunglückte Bergsteiger
Nach Lobuche
Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet, ca. um vier Uhr, wird es saukalt. Unser Lager in der Lodge, mit jeweils 10 Schlafplätzen oben und unten, ist fast voll. Halb fünf kriechen wir in der oberen Reihe in die Schlafsäcke. Davor bestellen wir das Abendessen, diesmal was Neues, Hashbrowns with cheese, gestampfte und gebratene Kartoffeln, und dösen bis sechs. Das Essen ist fertig, ich spüre die Höhe, esse mehr aus Pflicht, dazu Aspirin. Da wir im Bett essen, fallen wir gleich danach in die Schlafsäcke. Ich bekomme Schnupfen und Halsweh, es sind aber viel mehr geschwollene Schleimhäute, durch die 4.900 m Höhe verursacht.
31.10. – Lobuche-Everest Base Camp, 5.350 m
Himalaya-Schneehühner
Pumo Ri
Mit dem Aufstehen beeilen wir uns nicht, warten auf die Sonne. Waschen uns Augen und Zähne, dann big Pot black Tea und Müsliriegel, Abmarsch. Der Weg ist steinig, nicht wie bis jetzt, sondern durch Moränen auf und ab über Geröll oder große Steinblöcke. Auf der 5.000 m Höhe stoßen wir mit unseren Plastikflaschen auf die in Europa nicht erreichbare Höhe.
Im Vordergrund Kala Patar (schwarz), dahinter Pumo Ri, 7.161 m
In der weiten Welt der Moränen wird in jedem Frühling der Everest Base Camp *errichtet
Nuptse, Lhotse, dahinter Everest
Unendliche Moränenlandschaft
Nuptse
In Gorak Shep auf 5.100 m Mittagspause. Bin wie in Trance. Kopfweh ist nicht das Schlimmste, Körper und Geist trennen sich bei mir, fühle mich wie hinter einer Glasscheibe von anderen getrennt. Bin ich höhenkrank? Darf ich weitergehen? Voran erkenne ich, dass es schon ernst ist? Will aber nicht, dass meinetwegen Programm geändert wird, stehe auf und gehe wie ein Automat weiter. Alle meine Kraft konzentriere ich auf die Tritte, für andere Empfindungen wie Müdigkeit oder Kopfweh kein Platz, keine Kraft mehr. Moränen ziehen sich endlos vor uns hin. BC soll drei Stunden entfernt sein. Am Anfang so was wie ein Weg, abgetretene Steine, Schuhspuren im Staub dazwischen, Steinmännle. Die werden aber rarer, bald keine mehr. Wir sind alleine im steinernen Meer, laufen von Moränenhügel zu Moränenhügel in der Hoffnung, dass nach dem nächsten das Everest BC kommt, vergebens. Sind schon vier Stunden unterwegs. Unsere Vorstellung, dass BC auf einer kleinen Wiese, mit Steinmauern umgeben liegt, erweist sich als falsch. Um uns herum gibt es keine ebene Fläche weit und breit. Es wird unheimlich, und die Kräfte lassen nach. Hinter einem Steinblock finden wir eine ca. 3×4 m grob von Steinen geräumte Fläche, mit einem Steinwall umschlossen. Diesen winzigen Platz erklären wir für unseren persönlichen BC, wir sind auf 5.350 m Höhe. Es gibt hier ein paar Bambusstangen und Rest einer Holzkiste. Daraus und aus Papierunrat machen wir ein kleines Feuerchen. Zelt wird gebaut, schnell Suppe und Birnenkompott aus der Dose. Deutliche Minusgrade. Ich zittere am ganzen Körper, teils ist es sicher Erschöpfung, nicht nur körperliche. Im Zwei-Mann-Zelt eine qualvolle Enge zu viert, Durst und leichte Übelkeit lassen keinen Schlaf zu. Ich liege gekrümmt wie ein Hund zu Füßen der drei größeren, kann erst kurz schlafen, wenn Zdenek nachts aufs Klo raus muss. Die Nase verstopft, atme die kalte trockene Luft mit dem Mund ein, der Hals ist ganz ausgetrocknet. Die ganze Nacht hören wir Grollen von Eis- und Steinlawinen, hoffentlich trifft nicht ein Brocken unsere Behausung.
Unser persönliches Base Camp
Alpenglühen auf Himalaisch
01.11. – Base Camp-Gorak Shep, 5.100 m
Morgen ist meine Brille im Zelt mit einer Eisschicht überzogen, das Aufstehen eine Überwindung. Auf die Sonne kann man nicht warten, die kommt erst am späten Vormittag hierher. Ein genauerer Blick, wir sind etwas oberhalb des Gletschers gelandet, das Everest BC muss unter uns sein, zu dieser Jahreszeit aber verlassen. Schnell weg hier aus der Gefriertruhe! Wir versuchen, den äußeren Rand der Moräne zu erreichen und weiter an der Gratflanke des Kala Patar hochzukommen. Sepp und Gudrun verlieren wir aus den Augen, ich bin müde, aber das komische Gefühl im Kopf ist nicht mehr so intensiv, dafür schwinden die Kräfte. Endlich oben, 5.545 m, Aussicht auf den Everest mit Nuptse, Lhotse. Ein Blick in die Karte, aber auweh!, wir sind nicht auf dem Kala Patar, sondern auf seinem Bruder, der näher an Everest liegt, dafür aber „nur“ 5.527 m hoch ist. Gipfel auf “Kolar Patar” getauft. Ist mir eigentlich egal, auf welchen Steinhaufen ich hinaufgekeucht bin. Abstieg zum Gorak Shep unproblematisch, der zweite Teil sogar nicht über Moränen, sondern auf schmalen Wegen, dann durch den ausgetrockneten sandigen Seegrund.
Everest mit Südsattel
Aufstieg zum “Kolar Patar”
Gorak Shep,
Himalayan Lodge
Ich schaue nur noch auf meine Füße, komme mir vor wie in einer endlosen Sandwüste, die Sonne knallt dazu auf unsere Köpfe. Gehen wahnsinnig langsam, das Ziel vor Augen will nicht näher kommen. Ich zwinge mich aufzuschauen, an den Hängen grasen Yaks in verschiedenen Farbkombinationen von weiß, braun, schwarz. Endlich ist Gorak Shep erreicht, Himalayan Lodge, wir trinken big Pot Lemon Tea, essen Pfannkuchen mit Marmelade. Erst halb zwei, wir belegen unseren Lager, ziehen die Isomatten und Schlafsäcke auf die erstbeste etwas ebene und nicht vollgeschissene Fläche hinterm Haus (menschliche wie tierische Exkremente gleich vertreten), legen uns in der Sonne hin und schlafen. Es ist zwar auch in der Sonne unter null, der leichte Wind ist eisig kalt, aber unsere dicken Schlafsäcke schützen uns gut.
Kräftesammeln am Nachmittag, heute haben wir fertig
Um fünf Sonne weg, schnell in die Lodge. Zuerst Essen bestellen, es dauert immer mindestens eine Stunde, bis es gekocht wird. Es wird auf Lehmöfen ohne Rauchabzug zubereitet, kleine Zweiglein und Yakdung werden von unten hineingeschoben. Wir sitzen im dunklen Raum um einen kleinen Bullofen, haben zum Heizen einen Pappkarton mit Yakdung bekommen, schieben die Yak Fladen mit den Händen rein und pellen mit den gleichen Händen Kartoffeln, die wir zum Essen auf Blechtellern bekommen haben. Mit Salz und Dung schmecken sie uns hervorragend. Dazu Lemon tea. In mir breitet sich eine große Zufriedenheit aus. Obwohl diese Lodge ziemlich das dreckigste ist, was wir hier bis jetzt erlebt haben. Back to the roots. So mag ich es! Ein Steinbau mit Lehmboden, die Wände mit verstaubten und zerrissenen Plastikplanen oder hier und da mit schmuddeligen Pappkartonresten behangen. Die Matratzen zerrissen, strotzen vor Schmutz. Kein Wunder, in diese Höhe wird alles auf dem Buckel tage- uns wochenlang hochgetragen. So entschuldigen wir es. Um sechs geht die uns zugeteilte Ration an Yakdung aus, die Dunkelheit wird nur durch eine ständig protestierende Gaslampe in der Kochecke unterbrochen, so legen wir im Schein unserer Stirnlampen die Isomatten auf dem Lager aus und fühlen uns einigermaßen wohl. Um halb sieben haben wir Nachtruhe. Voll angezogen, damit wir in der Früh nicht in die eiskalten Klamotten steigen müssen. Auch die Schuheinlagen schlafen mit uns im Schlafsack. Aus der Küche dringt unbekümmertes Lachen und Gespräche der fünf jungen Nepalis, die wahrscheinlich gegen Kälte, Schmutz und Rauch resistent sind und gute Laune verbreiten.
02.11. – Gorak Shep-Periche
Den schönsten Blick auf den Everest gibt es vom Kala Patar
Zdenek am Kala Patar, Everest mit Wolkenfahne
Ruhige Nacht. Lemon tea gegen den Husten, Aspirin, und der Abstieg kann beginnen. Zdenek mit Sepp besteigen noch den richtigen Kala Patar, wir mit Gudrun schlafen aus, sie hat geschwollene Augen, was lustig ausschaut, sie aber zu Tränen bewegt. Schon wieder 14 Stunden im Bett verbracht, Katzenwäsche in einer Schüssel vor der Lodge, auf dem von innen gebrachtem Wasser bildet sich auch in der Sonne im Nu eine dünne Eisschicht. Gegen elf Abmarsch, in Lobuche eine Cola, dann der steile Abstieg nach Dhughla. Hier endlich hört der mehrtägige Druck im Kopf auf. Durchs schöne Flusstal nach Periche, bleiben in der ersten Lodge.
03.11. – Periche-Tengpoche
Besichtigung das „Hospital“ in Periche, weiter gemütlich über Pangpoche – auch ein Kloster, das Dorf ursprünglich mit wenig Touris, Terrassenfelder. Mittagspause mit Rindfleischsuppe am „Straßenrand“. Um 3.30 in Tengpoche, wir bauen das Zelt im Rhododendronwald auf. Um vier eine Puja, Zeremonie im Kloster. Wir schauen ca. eine halbe Stunde zu. In dem Gebetsraum ist es kalt und dunkel, ein monotones Murmeln, ab und zu durch Schellen und blasen ins Muschelhorn unterbrochen. Die Mönche trinken dabei was Heißes (Tee oder Buttertee?), eingehüllt in dicke Wollmäntel. Wir essen am Feuer in der Lodge, mit Everest Blick aus dem Fenster. Beim Sonnenuntergang schimmert er rot zwischen den aufgebauschten Wolken. Nachts nicht mehr so kalt, wir schlafen mit Zdenek unter freiem Himmel zwischen den dichten Rhododendren. Sternenklarer Himmel, um uns herum grasende und grunzende Yaks. Friedliche und eher scheue Tiere, wir brauchen keine Angst haben, nur hoffe ich, dass mir keiner einen warmen Fladen ins Gesicht fallen lässt. Einmal muss ich ein neugieriges Tier wegscheuchen.
Tengpoche
Abschied
Brücke unter Phortse
So sind typische Brücken konstruiert
4.11. - Tengpoche-Namche
In der Früh schläft ein Yak drei Meter von uns. Zdenek steht auf zum Fotografieren, ich döse noch. Um halb sechs die erste Zeremonie im Kloster, es ist noch stockdunkel. Im Fenster stehend, blasen die Mönche in riesige Muscheln. Wir lassen uns Zeit mit Frühstück. Gudrun und Sepp laufen die kürzeste Strecke nach Namche (ca.3-4 Stunden), wir zwei möchten über die andere Talseite. Zuerst vom Kloster steiler Abstieg zum Imja Kola Fluss. Die Brücke wurde erneuert, versichern uns die Mönche. Der Weg wird selten begangen, wir können ihn nicht finden, jeder bahnt sich den Weg durch die Rhododendren für sich. Ich stoße bald auf den steilen Pfad, rufe, warte auf Zdenek, laufe runter zum Fluss. Zdenek nicht da. Habe Angst um ihn, endlich kommt er voller Blätter und Zweige im Haar heruntergepurzelt. Bin froh, dass ihm nichts passiert ist. Die schmale Brücke besteht aus zwei Stämmen, die über den reißenden Bach gelegt sind. Glitschig. Der Weg nach Phortse ist schön, steil und einsam. Das Dorf hoch auf einem Sporn zwischen zwei Flüssen, mit Terrassenfeldern und Steinmauern dazwischen. Abstieg zum Dudh Kosi, hier gibt es eine traditionell gebaute steinerne Brücke. Aufstieg nach Kumjung. Ich bin sehr müde und immer langsamer, es ist schon drei Uhr, und wir wollen noch das Everest View Hotel anschauen. Endlich 4.000 m erreicht, Kumjung, dann eine Felsrippe. Zdenek nimmt mir unter meinem Protest den Rucksack, ich kann aber trotzdem nicht schneller laufen.
Endlich das dumme Hotel, von Japaner für die Touristen gebaut, mit einem Hubschrauberlandeplatz. Es ist hässlich, innen ungemütlich kahl, passt vom Stil her überhaupt nicht hierher. Steinboden, dunkles Holz, große Glasflächen, wirkt sehr abweisend. Trotzdem 250$/Nacht. Darum auch menschenleer. Der einzige Pluspunkt ist die verglaste Giebelseite mit Everest Blick. Heute aber Sicht gleich Null.
Nach Namche kommen wir schon bei Dunkelheit. Nach dem langen Tag finde ich doch noch Energie zum Duschen, da es seit Kathmandu das erste Mal warmes Wasser gibt.
05.11. – Namche-Lukhla
Abschied vor der Thamserku Lodge
Abschied von Bemba Chuteen und Mama Thamserku, es war nett mit ihnen. Wir nehmen Geschenke und Briefe mit nach Marktoberdorf für Tsering. Bekommen noch Lunchpaket von Mama, machen ein Abschiedsfoto vor der Thamserku Lodge. Ich rede unterwegs mit dem Träger, kann mein Nepali noch mal anwenden, bin froh, wenn ich ihn verstehe und er mich. Mit 22 Jahren war er nie weiter von zu Hause weg als paar Tage Fußmarsch. Nie zur Schule gegangen, kann nicht lesen und schreiben, Träger auf Lebenszeit, ohne andere Perspektive, aber fröhlich.
In Lukhla um vier, ich liefere mir noch mit Sepp einen Endspurt den letzten Hang hoch ins Dorf. Zdenek geht den Flug bestätigen, ich zu der ersten Polizeistation seit Kathmandu, um den Gelddiebstahl aus dem Bus zu melden, Sepp macht Quartier. Die Lodge direkt am Check-in des Flugplatzes, 100 Rs für Doppelzimmer.
Polizeistation. Der Polizist ist unangenehm, hat in seinem Zimmer weder Strom noch Papier zum Schreiben, will nichts bestätigen, kann lateinische Schrift nicht lesen. Ich soll alles aufschreiben und vom Wirt ins Nepalesische übersetzen lassen. Das tue ich.
06.11. – Lukhla-Kathmandu
Gepäckabgabe gleich vor der Tür, abgewogen zusammen 36 kg. Wir müssen uns auf der Gepäckwaage wiegen, habe mit Schuhen und Bauchtasche 51 kg. Also doch Gewicht abgenommen. Mein Polizeiwachmeister heute in Uniform, verweigert mir aber die Unterschrift.
Die Landebahn wird hergestellt: Frauen klopfen die Steinbrocken klein, Männer verbreiten den so hergestellten Splitt auf die künftige Runnway, immer zu zweit. Der eine hält die Schaufel am Stiel, der andere zieht an einer Schnur, die am Schaufelblatt befestigt ist. Mechanisation. Hubschrauber da, Gepäck rein, wir rein, in zwei Reihen gegeneinander, 20 Personen. Das Gepäck liegt zwischen uns in der Mitte, mit einem Netz abgedeckt. Fliegen niedrig über grüne Terrassen mit schmalen Getreidefeldern, am Hang klebende kleine Weiler. Der Flug dauert über ½ Stunde.
In Kathmandu schnell ins Hotel, duschen, ausruhen. Im Norbu Lingha bekommen wir zwei Zimmer im 5. Stock auf der Dachterrasse. Tisch, Plastikstühle, Sonnenschirm, Sicht über Kathmandu. Und das alles nur für uns vier. Bestellen per Telefon in der Rezeption Essen zu uns rauf, mit hochgelegten Füßen schlagen wir uns die Bäuche voll. Sonne, warm, Urlaub.
Am Nachmittag im Reisebüro. Eine Exkursion in den Chitwan Nationalpark, drei Tage und zwei Nächte für 55 $, Vollpension, Transport, Zimmer mit Bad und Programm. Abendassen im Pizzarestaurant, was nicht bedeutet, dass es italienisch schmeckt. Mit der Master Card holen wir Geld.
07.11. – Kathmandu
Kulturtag. Croissant in German Backery in Thamel, zu Fuß zu der Swayambunath Stupa. Über den heiligen Fluss Bhagmati, der eher wie ein Abwasserkanal und Müllkippe zugleich ausschaut. Derzeit wenig Wasser. Neben dem Abfall und einem toten Hund wird im Fluss Reis und Gemüse gewaschen und am Ufer gleich gekocht. Daneben spielen Kinder im Wasser, wird Wäsche auf großen Steinen gewaschen und Notdurft verrichtet.
Swayambunath liegt auf einem 100 m hohen Hügel, breite Treppe von unten bis zum Gipfel, gesäumt von Souvenirverkäufern und Bettlern. Oben wahnsinnig voll, irgendein Fest, Reis, Blüten werden geopfert, mit roter Paste alles Heilige verschmiert. Dazwischen springen Rhesusaffenhorden, die mit lautem Gekreische alle essbaren Opfergaben gleich verspeisen. Räucherstäbchen und Butterlampen brennen auf den Opferstellen, die Gläubigen wirken sehr gelassen. Bei uns will sich kein heiliges Gefühl einstellen.
Zu Fuß zum Museum of History. Sepp gibt auf und geht alleine ins Hotel. Die Straße ist heiß und staubig. Endlich Museum, aber oha, Dienstag geschlossen. Und heute ist Dienstag. Ich will nach Kirtipur, eine kleine Stadt in der Nähe, soll wie im Mittelalter ausschauen, ohne Autos, ohne Fahrräder. Die Gassen dazu zu steil (und kaputt). Zdenek gibt auch auf, will zum Goethe-Institut. Wir mit Gudrun nehmen ein Moto-Rikscha, fahren an der Tribhuwan University vorbei. Leicht bergauf, Rikscha hat Panne. Wir sind wahrscheinlich zu schwer.
Shopping
In Kirtipur die Wege zwischen den Häusern mit offenen Abwasserrinnen, alles im hohen Stadium des Verfalls. Freilaufende Ziegen, Hunde, Enten, Hühner. Auf jedem offenen Platz wird Reis getrocknet und gesiebt. Wir schauen interessiert zu, alles macht einen sehr friedlichen Eindruck. Auf einem Platz Teppichknüpfereien, lachende Mädchen, schnelle gekonnte Bewegungen, wir dürfen sie beobachten. Schade, dass wir uns hier nicht länger umschauen können.
Mit Taxi zurück, in New Road kaufen wir für unseren Abendschmaus europäisch ein: Thunfisch, Luncheon Meat, Tomaten, Zwiebeln, Käse, Brot, Nachtisch, Getränke. Lassen dort fast 1000 Rs. Sepp döst auf unserer Terrasse, Zdenek noch nicht da. Kommt erst in der Dunkelheit, da sind wir schon beim Essen. Lauer Abend, sitzen auf der Terrasse bei hitzigen Diskussionen über die Dritte Welt, Rettung der Menschheit, Rolle des Europäers. Ohne eine Lösung für die Welt gefunden zu haben geht’s um 9.00 ins Bett.
08.11. – Kathmandu-Chitwan
Zdenek will nicht mit uns in den Urwald im Süden, lieber noch in die Berge, nimmt einen Bus nach Pokhara. Wir drei besuchen die Elefanten. Busterminal, Stau und Smog, es dauert eine Stunde, bis wir Kathmandu verlassen. Die Hauptstraße nach Indien ist sehr schlecht, eng und voller Lastwagen. Entlang des reisenden Trisuli Flusses. Ankunft Chitwan 13.00, weiter geht es mit dem Jeep über eine Furt zur Lodge. Rundherum Lehmhütten, arm, einfach, aber sauber. Gehe alleine spazieren durchs Dorf. Ein Junge gesellt sich zu mir, zeigt sein Haus, seine Felder. Habe leider außer Kaugummi nichts bei mir, auch kein Geld.
In der Lodge sind wir nur fünf Gäste, wir und zwei Schwedinnen. Führung durchs Dorf, zu den Elefanten und ihren Mahuts, hungriges Warten aufs Essen. Endlich ist es da, wir essen alles, träumen aber vom Brathähnchen und Kuchen. Halb acht kriechen wir unter die Moskitonetze. Tiefe schwarze Nacht, es gibt hier kein Strom.
09.11. – Chitwan-Sauraha
Erster Programmpunkt – dreistündiger Spaziergang durch den Urwald. Unser Quide und sein Helfer sind mit Bambusstöcken ausgestattet. Beobachtungen von Nashörnern, Elefanten, vielleicht Tigern und Leoparden werden versprochen. Auch weitere ca. 30 Touris in anderen Gruppen hoffen diese Tiere zu sehen. Mit einem Einbaum werden wir ans andere Ufer gebracht, als erste Gruppe haben wir die höchste Chance. Es geht durchs dichte, sieben Meter hohe Elefantengras, dazwischen dicke riesige Bäume, aus denen Einbäume hergestellt werden, ihre Samenkapseln liefern Baumwollersatz. Elefantengeräusche im grünen Dickicht, auf dem sandigen Weg Spuren von Rhinos, Elefanten, Wildkatze, Hochwild, Schlange. Zu Gesicht bekommen wir sie aber nicht. Auf einem Baum Rhesusaffenfamilie, dann noch eine Gruppe Languren mit schwarzem Gesicht und grauem Fell. Andere Tiere sind auf uns nicht neugierig. Wir werden auf den Nachmittag vertröstet. Mit Einbaum zurück, vorbei an mit Reisstroh beladenen Einbäumen. Zum Mittagessen Fleischkloß, Krautfrikadelle, Bohnen, Pommes. Gut.
Um zwei geht es zu Fuß durchs Dorf zu Elefantenhaltestelle. Einsteigen über Treppe oben mit Plattform, die grauen Riesen legen Rückwärtsgang und parken an der Konstruktion. Der Mahut sitzt barfuß direkt hinter den Ohren auf dem Elefantenkopf, in der Hand einen kurzen dicken Bambusstock. Auf jeden Elefanten passen vier Passagiere, die mit einem Holzgeländer am Tierrücken gehalten werden.
Wir schaukeln durch ein grünes Dickicht, das uns bis zu den Schultern reicht, sehen ab und zu diese riesigen Baumwollbäume, die als Orientierung in der Landschaft dienen. Auf einer Lichtung plötzlich Rascheln, eine Rhino-Mama mit Kind, lässt sich von uns nicht stören, grast ruhig zwei Meter von uns. Dann Vorführung der Arbeit mit dem Elefanten. Unsere Elefantendame soll uns einen Tunnel in die grüne Masse bahnen, die uns jetzt weit über die Köpfe reicht. Mit Stimme und gezielten sanften Stockhieben wird sie dazu gebracht, mit dem Rüssel alles aus dem Weg zu räumen, menschenarmdicke Äste, Lianen, Gestrüpp. Dann mit den Füßen umknicken. Die Schlingpflanzen reist sie aus dem Boden, manchmal wird sie mit dem Stock ermahnt, noch gründlicher zu arbeiten, damit auch wir mit den Köpfen durchkommen. Wenn wir uns umdrehen, bleibt hinter uns ein richtiges Loch in dem Blattwerk. Noch läuft uns ein Rhino-Bulle über den Weg und der Ausflug ist beendet. Zurück im Dorf setzen wir uns in die German Backery, bestellen Kuchen und Kakao. Der Wirt prophezeit Regen für heute Nacht, was in dieser Jahreszeit ungewöhnlich sein soll.
Bei Kerzenlicht nepalesisches Buffet: Reis, Linsensoße, Kartoffeln mit Bohnen, Hähnchenfleisch, scharfe Tomaten, Krautsalat und dünnes Linsenbrot. Alles gut außer Hähnchen. Das wurde mit Haut und Knochen in kleine Teile gehackt, so ist es voller Knochensplitter und Federesten. Das Linsenbrot ist gelb, fett und schmeckt wie Kartoffelchips. Wir sollten eine Nachtbeobachtung der Krokodile unternehmen, nach dem Essen fängt es aber zu tröpfeln an. Die Beobachtung fällt richtig ins Wasser.
10.11. – Sauraha-Kathmandu
Ein starker Regen hat mich aus dem Schlaf gerissen. Er will nicht aufhören, es schüttet wolkenbruchartig bis in die Morgendämmerung. Mache mir Sorgen, ob der Fluss dadurch nicht sehr ansteigt, wir müssen mit dem Jeep über die Furt zur Straße. Und zuerst die 7 km Schlammpiste zum Fluss bewältigen. Um zehn Einsteigen in den offenen Jeep. Immer noch dichter tropischer Regen. Wir werden patschnass, dann müssen wir den ganzen Tag triefend im Bus sitzen. Da jetzt Trockenzeit herrscht, haben wir keine Anoraks mitgenommen. Ich frage in der Rezeption nach einer Plane. Ja, sie werden es organisieren. Ein Mann kommt mit einem sichelartigen Messer und schneidet kurzerhand drei riesige grüne Blätter von der dekorativen Pflanze neben der Stroh-Rezeption. Er drückt jedem ein Blatt in die Hand mit den Worten watter protection, jungle umbrella und lacht herzlich. Das tut mir leid, die Blätter sind sehr schön, das habe ich nicht gewollt (zu Hause recherchiert: Elefantenohr, Blatt kann menschengroß sein). Unser umbrella schützt nur unseren Kopf, alles andere lässt sich bei der Schaukelei nicht schützen und wird sowieso nass.
Wie befürchtet, sitzen wir sieben Stunden nass im Bus, denn so lange dauert die 150 km lange Fahrt. Es regnet immer noch und wird merklich kühler. Mein jungle umbrella bringe ich mit ins Hotel, ich möchte es als Souvenir nach Hause nehmen. Kommen in Dunkelheit an, Zdenek schon da, gehen zu zweit chinesisch essen, Sepp und Gudrun essen im Hotel.
11.11. – Kathmandu
Einkaufstag. In Thamel Fastfood breakfast house “Pumpernickel”, paarweise Shopping bis Mittag, dann gemeinsam ins tibetische Restaurant. Nachmittag relaxen auf unserer Terrasse, ich gehe alleine in die Stadt. Hurra! Durch die nepalesischen Viertel, in die Innenblocks zu den kleinen Stupas. Alleine beobachtet man intensiver, ungestörter. Kaufe eine aus Bambusblättern gemachte runde Platte, die zum Reinigen von Reis dient. Durchmesser ca. 60 cm, in die werde ich mein großes Elefantenrohr vorsichtig für den Transport nach Europa falten. Zum Abendessen mit dem Taxi zum neuen Hotel Vajra, im alten Stil errichtet und etwas teurer. Das Essen für uns alle kostet 1200 Rs = 35,-DM.
12.11. – Kathmandu
Letzter Tag, allgemeine Unlust noch etwas zu unternehmen. Croissant Frühstück mit Eiern und Müsli für 50 Rs, mittags essen wir mit Zdenek japanisch, auch etwas teurer, Speisen für 100 Rs = 2,80 DM, sonst 60-90 Rs. Japanische Schrift, auch die Übersetzung ins Lesbare verrät nicht, ob es sich um ein Getränk, Fleisch oder Nachtisch handelt. Dann schlendern wir langsam zum Stadion, was für Zdenek bei allen Reisen obligatorisch ist. Auf der Paradewiese irgendein militärisches Fest. Als Abschluss unserer Nepalreise am Abend ins hotelnahe Restaurant Thamel mit typisch nepalesischer Küche. Altes, schön renoviertes Haus, rote Ziegeln und dunkles Holz, Kellner in Leinengewändern. Man sitzt mit eingezogenen Beinen am niedrigen Tisch (nicht bequem), ohne Schuhe, bei Kerzenlicht. Ein Menu aus neun Speisen für ganze 450 Rs = 13,- DM, sehr teuer. Leider kommen die Gänge nicht hintereinander, es wird alles auf einmal auf die Teller geklatscht, bis es spritzt. Ein Einheitsbrei entsteht. Das alles in zwei Durchgängen.
Beim Essen wird über die deutsche Politik diskutiert, was wir noch im Hotel auf der Terrasse vertiefen. Vier Personen, vier Meinungen, vier politische Parteien. So politisch bunt ist unsere Gruppe.
13.11. – Kathmandu-Dhaka
Das letzte Mal zum Frühstück durch die „Schlachtgasse“ hinter unserem Hotel, wir springen zwischen den blutigen Pfützen, gerade wurde ein Ochse direkt auf dem lehmigen Boden geschlachtet, das Fleisch dampft noch. Solche Einblicke zusammen mit der Art, Hähnchen zu portionieren, hat uns in Nepal zu Vegetariern gemacht.
Mit Taxi zum Flughafen, Namasté, Norbu Linkha, Namasté, Kathmandu, Namasté Everest. Aus dem Flieger Berge gut sichtbar, bis Namche liegt Schnee. Andere Trekker sprechen von Lawinen in Gokyo. In Dhaka werden unsere Pässe eingesammelt, wir werden in ein Hotel mit Bussen gebracht. Am Flughafen mehr und aggressive Bettler, die Stadt aber macht einen sauberen Eindruck, gepflanzte Bäume, schönere Autos als in Nepal, weniger untätig am Straßenrand hockende Männer. Niemand verrät uns, wann es weiter geht. Im Hotel kann Zdenek nonstop Fußball gucken im Fernseher, es gibt nicht viel anderes zu tun. Schwülheiß bis in die Nacht. Abendessen, um 23.00 werden wir abgeholt. Nachtflug, 3x Plastikessen. In Frankfurt Nebel. Bei Gudruns Eltern Mittagsessen, saure Nieren mit Nudeln. Das exotische will kein Ende nehmen.
Zufrieden zu Hause angekommen. Diese erste Reise in die hohen Berge hat uns geprägt, es war ein Beginn von einer Leidenschaft. Seitdem sind wir dann noch oft auf eigene Faust in der (fast) ganzen Welt auf die hohen Berge gestiegen. Nepal mit seinen herzlichen Menschen, friedlicher Religion, mit einer ungeahnten Ursprünglichkeit außerhalb der Touristenpfade, den wunderbaren Bergen haben wir aber besonders ins Herz geschlossen und haben es später immer wieder besucht.
Helena
[//]:# (!worldmappin 27.63677 lat 86.23109 long Mt.Everest Trek from Jiri to Everest Base Camp d3scr)
[//]:# (!worldmappin 27.80498 lat 86.71246 long Mt.Everest Trek from Jiri to Everest Base Camp d3scr)
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