Vor ein paar Tagen war ich bei uns am See. Eine befreundete Familie hatte eingeladen, und dort traf sich eine größere Gruppe junger Leute, irgendwo zwischen achtzehn und zwanzig. Die Eltern waren auch da, und so ergab sich ganz selbstverständlich, dass wir ein Stück abseits saßen und doch nah genug dran waren, um mitzuhören. Keine aufgesetzte Situation, eher dieses leise Dabeisein, bei dem man mehr aufnimmt, als man eigentlich beabsichtigt.
Die Gespräche waren gar nicht oberflächlich, im Gegenteil. Es ging um Themen, die Gewicht hatten, um Meinungen, um Einordnungen. Und trotzdem lag vor jedem ein Smartphone. Es gehörte einfach dazu, fast wie ein weiteres Glas auf dem Tisch. Immer wieder ein Klingeln, ein kurzes Aufleuchten, ein Blick nach unten. Auffällig wurde es vor allem in den Momenten, in denen es im Gespräch etwas kniffliger wurde. Kaum kam eine Unsicherheit auf, griff jemand zum Handy, suchte nach Antworten und brachte sie direkt wieder ein. Oft waren es Stimmen von Influencern, Zitate, die schnell verfügbar waren, aber nicht unbedingt aus Quellen, denen man wirklich vertrauen würde.
Wir, die wir etwas weiter weg saßen, kamen darüber ins Gespräch. Nicht im Sinne von „früher war alles besser“, eher als vorsichtiger Vergleich. Wie es war, als Informationen schwerer zugänglich waren. Als man Dinge länger aushalten musste, weil es keine sofortige Antwort gab. Man war gezwungen, selbst zu denken, manchmal auch länger im Unklaren zu bleiben, bis sich ein Bild ergeben hat.
Heute Morgen bin ich über einen Artikel 1 gestolpert, der genau in diese Richtung ging. Darin wurde eine Studie erwähnt, die sich mit den Eigenschaften verschiedener Generationen beschäftigt hat. Menschen, die in den sechziger und siebziger Jahren aufgewachsen sind, hätten bestimmte Stärken entwickelt, die heute seltener geworden sind. Beim Lesen hatte ich immer wieder dieses Bild vom See im Kopf.
Weniger Komfort bedeutete damals oft, dass man selbst Lösungen finden musste. Nicht, weil man es wollte, sondern weil es keine Alternative gab. Geduld war keine bewusste Tugend, sondern Teil des Alltags. Dinge wie zum Beispiel ein Brief dauerten einfach länger und man lernte, damit umzugehen. Und auch im Miteinander war vieles direkter. Gespräche ließen sich nicht verschieben oder ersetzen, man musste sich wirklich aufeinander einlassen.
Heute ist das anders, und das ist ja nicht nur schlecht. Vieles ist einfacher geworden, zugänglicher, schneller. Aber vielleicht verändert diese Geschwindigkeit auch etwas Grundsätzliches. Wenn Antworten immer sofort verfügbar sind, bleibt weniger Raum für eigenes Durchdenken. Wenn jede Unsicherheit direkt aufgelöst wird, wird Geduld kaum noch trainiert. Und wenn Meinungen jederzeit abrufbar sind, verschwimmt vielleicht auch die eigene Haltung ein Stück weit.
Ich merke, dass mir diese Themen wichtig sind, sowohl im Privaten als auch im Beruf. Bei meinen Kindern habe ich das Gefühl, dass eine gewisse Balance gelungen ist. Sie nutzen die Möglichkeiten, aber sie können auch ohne sie denken und entscheiden. Im Arbeitsalltag ist das manchmal schwieriger. Ergebnisse kommen oft schnell und sind auf den ersten Blick schlüssig, aber wenn man Monate später wieder ansetzt, fehlt manchmal die Tiefe. Dann merkt man, dass es weniger eigene Gedanken waren als gut aufbereitete Perspektiven.
Vielleicht ist es genau das, was man sich immer wieder bewusst machen muss. Die Werkzeuge sind da, und sie sind hilfreich. Aber sie sollten nicht das eigene Denken ersetzen. Eher begleiten. Und vielleicht braucht es manchmal genau diesen kleinen Moment des Innehaltens, bevor man zum Smartphone greift. Nicht, um die Antwort zu suchen, sondern um sich erst einmal selbst eine zu geben.
1 If You Grew Up in the 1960s or 70s, You Learned These 12 Life Lessons the Tough Way
If you came of age in the 1960s or 70s, your childhood was noisy, unsupervised and full of trial and error. You learned a lot by falling down, getting back up and trying again.