Der Beitrag - Hätte, wäre, wenn - Die Zeitreise zu sich selbst von über Vergangenheit, Entscheidungen und die Frage, ob man sein jüngeres Ich vor manchen Wegen bewahren würde, hat mich länger beschäftigt und einige eigene Gedanken ausgelöst.
Nicht jede Kurve war ein Umweg
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Wenn ich an mein jüngeres Ich denke, fallen mir viele Momente ein, in denen ich heute wahrscheinlich anders entscheiden würde.
Als Kind wollte ich Pilot werden. Mich faszinierten Düsenjets, Geschwindigkeit und die Technik dahinter. Ich verschlang Comics, Geschichten und alles, was mit Fliegerei zu tun hatte. Für mich war das damals Freiheit.
Später änderte sich mein Blick auf vieles. In der Zeit, als die Bundeswehr für mich real wurde, prägten Friedensbewegungen und gesellschaftliche Diskussionen mein Denken stark. Ich nahm selbst an Friedensbekundungen teil und mein Wunsch wandelte sich. Plötzlich wollte ich nicht mehr Teil von etwas sein, das im schlimmsten Fall gegen Menschen eingesetzt wird. Ich wollte helfen.
So führte mich mein Weg in die Medizintechnik. Nicht einfach nur Technik, sondern lebenserhaltende Medizintechnik. Technik bekam für mich einen anderen Sinn. Gleichzeitig erkannte ich während meiner Ausbildung aber auch, dass nahezu jede technische Entwicklung zwei Seiten hat. Dass dieselbe Technik schützen, helfen oder eben auch Schaden anrichten kann. Eine Zeit lang ging das sogar so weit, dass ich mit Computern am liebsten gar nichts mehr zu tun haben wollte. Das Negative überlagerte in meinem Kopf alles andere. Erst später verstand ich, dass Technik selbst weder gut noch böse ist. Entscheidend ist oft der Mensch dahinter und der Fokus, den man setzt.
Natürlich gab es unterwegs viele Gedanken vom Typ „Was wäre wenn“. Gerade in stressigen Phasen dachte ich manchmal, ich hätte lieber Jurist oder Steuerberater werden sollen. Alles schien dort geordneter, sicherer und klarer. Ironischerweise sitze ich heute über einer fehlerhaften Steuerabrechnung und ärgere mich über eine hohe Nachzahlung, die ich durch eigene Fehler verursacht habe.
Und trotzdem: Ich glaube nicht, dass ich meinen Weg wirklich tauschen möchte.
Nicht jede Entscheidung war klug. Manche Wege waren unnötig steinig und manche Erfahrungen hätte ich mir gerne erspart. Aber genau diese Erfahrungen haben meinen Blick auf Menschen, Verantwortung und das Leben geprägt.
Vielleicht ist Frieden mit der Vergangenheit nicht, alles gutzufinden. Denn selbst dort, wo wir heute klare Warnzeichen erkennen, waren Gefühle, Hoffnung oder Sehnsucht damals oft stärker als jede Vernunft. Vielleicht bedeutet er eher, anzuerkennen, dass selbst Umwege Teil der eigenen Geschichte geworden sind.
Die Vergangenheit war. Die Gegenwart zählt. Und vielleicht ist genau das der einzige Ort, an dem wir unserem zukünftigen Ich überhaupt noch begegnen können.
Einen Brief an mein zukünftiges Ich würde ich heute vermutlich deutlich einfacher halten als früher.
Vielleicht nur die Erinnerung, Gelegenheiten nicht ständig aufzuschieben. Mehr zu reisen. Orte zu sehen, solange sie erreichbar sind und die Welt noch offen genug dafür wirkt.
Denn je älter ich werde, desto stärker spüre ich auch, wie viel Unsicherheit inzwischen über vielen Zukunftsplänen liegt. Geopolitische Spannungen, gesellschaftliche Veränderungen und das Gefühl, dass Planungssicherheit längst nicht mehr selbstverständlich ist.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute manches bewusster nutze als früher. Nicht leichtsinnig, aber auch nicht mehr nur wartend auf den „perfekten Zeitpunkt“. Mit etwas mehr Achtung vor dem, was kommen könnte. Aber eben auch mit dem Wunsch, das Leben trotzdem nicht nur im Konjunktiv zu verbringen.