Ich glaube, dass am Anfang oft echte Gefühle im Spiel waren. Vielleicht nicht immer auf beiden Seiten gleich tief oder gesund, aber für den, der darin steckt, fühlt es sich zunächst oft sehr real an. Gerade deshalb sind toxische Beziehungen wahrscheinlich auch so schwer zu erkennen. Sie beginnen selten offensichtlich zerstörerisch. Häufig entsteht zuerst Nähe, Vertrauen oder das Gefühl, endlich verstanden zu werden. Erst später verschieben sich Grenzen langsam und beinahe unmerklich. Zumindest habe ich es so bei einer Bekannten erlebt, wo es selbst für uns außenstehende lange gedauert hat, bis wir es gesehen haben.
Ich finde den Vergleich mit einer Sucht gar nicht unpassend. Nicht weil Liebe selbst eine Droge wäre, sondern weil emotionale Abhängigkeit irgendwann stärker werden kann als die eigene Klarheit. Und vielleicht zeigt das auch, warum Wissen allein oft nicht genügt. Viele verstehen rational längst, dass ihnen etwas schadet und schaffen den emotionalen Schritt trotzdem nicht sofort. (Kenne ich z.B. aus dem Job. Manchmal muss man jemanden, obwohl es für beide Seiten offensichtlich wurde, durch Kündigung zu seinem Glück helfen.)
Genau deshalb finde ich Deinen Gedanken interessant, dieses Wissen nicht nur oberflächlich zu vermitteln, sondern wirklich verständlich zu machen. Vielleicht könnte man damit tatsächlich manche Wege früher erkennen — sowohl bei Beziehungen als auch bei anderen Entscheidungen im Leben.
RE: Hätte, wäre, wenn - Die Zeitreise zu sich selbst