Wenn ich heute über Technik nachdenke, merke ich, wie schwer es geworden ist, ihren Anfang zu bestimmen. Sie ist einfach überall. Aber irgendwann muss es diesen ersten Moment gegeben haben, an dem ich ihr bewusst begegnet bin.
Vielleicht war es das Telefon im Flur mit der Wählscheibe. Oder die Musiktruhe im Wohnzimmer – Plattenspieler und Radio in einem Möbelstück. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich weiß nur: Diese Geräte gehörten nicht uns Kindern. Sie gehörten den Erwachsenen. Und genau dort beginnt meine persönliche Geschichte mit Technik.
„Wenn ich versuche, mich zu erinnern, entsteht eine Art technologische Zeitlinie meines Lebens …“
Eine persönliche Zeitlinie
Ende der 1960er – Technik gehört den Erwachsenen
Erste bewusste Begegnungen mit Technik. Wählscheiben-Telefon im Flur. Musiktruhe im Wohnzimmer (Plattenspieler + Radio).
Schlager aus den 60ern. Technik ist teuer und fast ein „Heiligtum“. Kinder benutzen Geräte nicht – sie beobachten. Eine meiner stärksten Erinnerungen: Wenn das Telefon klingelte, war es oft mein Vater, der beruflich unterwegs war. Und mich wollte er immer sprechen.
Frühe 1970er – Mein erstes eigenes Gerät
Das erste Stück Technik, das wirklich mir gehörte: Ein kleines batteriebetriebenes Transistorradio, überall dabei, englischsprachige Musik entdecken (Abgrenzung zum Schlager der Erwachsenen). Technik wird zum ersten Mal Teil der eigenen Identität.
Mitte / Ende der 1970er – Musik wird teilbar
Der nächste große Schritt: Der Kassettenrekorder. Plötzlich konnte man: Musik aus dem Radio aufnehmen, eigene Kassetten erstellen, Musik mit Freunden tauschen. Das bedeutete aber auch: stundenlang auf einen Song warten. Aufnahme neu starten, wenn der Moderator hineinredet. ständig neue Batterien kaufen. Musik hören kostete damals Zeit und Energie.
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Ende der 1970er – Erste eigene HiFi-Anlage
Weihnachtsgeschenk: eine Schneider Kompakt-Stereoanlage. Ich war ehrlich gesagt enttäuscht. Ich wollte: einzelne Komponenten, Geräte später austauschen, meine Anlage selbst zusammenstellen. Diese Enttäuschung führte zu etwas Neuem: Ich begann nach der Schule zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Saisonarbeiten, Baujobs – oft half ich beim Vater eines Freundes, der Fliesenleger war. Der Bruder eines Freundes hatte sich mit Gerüstbau selbständig gemacht.
1985 – Der Heimcomputer
Mit Beginn meines Studiums in Automatisierungstechnik kam der nächste große Sprung. Heimcomputer. Zur Auswahl standen damals: Commodore C64 und Schneider CPC
Unser Dozent riet uns: Wartet ein paar Wochen. Ihr werdet selbst merken, welcher Computer zu euch passt. Ich wartete natürlich nicht. Ein gutes Angebot führte schnell zum C64. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung – dort gab es viel mehr Möglichkeiten zu basteln und zu lernen.
Ende der 1980er – Technik wird Beruf
In der Ausbildung arbeiteten wir mit echten Mikroprozessoren: 8085, 8086, Z80
Programmiert wurde in: Assembler, BASIC, CP/M, SPS. Dazu kamen PID-Regler und Steuerungen. Software steuerte plötzlich reale Maschinen. Das war eine ganz andere Verantwortung als beim Heimcomputer.
Automatisierung und Medizintechnik
Mein erster beruflicher Einstieg: SPS-Programmierung. Entwickelte halbautomatische Prüfabläufe für Platinen. Später wechselte ich in die Medizintechnik. Entwicklung digitaler Systeme um wiederkehrende Abläufe zu automatisieren. Der PC wurde dabei mein ständiger Begleiter. Von PC-DOS, MS-DOS, bis zu Windows und später auch Linux.
Netzwerke und Infrastruktur
Ein weiterer Schwerpunkt wurde Netzwerktechnik. Ich installierte Netzwerke bei: Freunden, kleinen Firmen, Selbstständigen. Damals meist 10-Mbit Ethernet. Fehlersuche war oft ein Albtraum. Ein defektes Kabel oder unsaubere Verbindung – und das ganze Netz stand.
Vor dem Internet – BTX
Noch bevor das Internet alltäglich wurde, arbeitete ich mit BTX (Bildschirmtext). Mit Freunden, einer hatte von seinem Vater einen größeren Kurierdienst übernommen, entwickelten wir eine interaktive Plattform zur Reduktion von Leerfahrten (OMS-2000). Technik dafür: GPS, D2 Mobilfunk, zentrale Plattform. Im Grunde ein früher Vorläufer moderner Logistikplattformen.
Vieles davon wirkt heute selbstverständlich. Damals (1990-1995) war es ein gefördertes Experiment.
Frühe Online-Zeit – Modems und ISDN
Die ersten Verbindungen ins Netz: Akustikkoppler (0,3k), 2.8k Modems, später 56k. Der große Fortschritt kam mit ISDN (64k), mit geeigneter teurer Hardware (aktive ISDN-Karte AVM B1) konnte man zwei Leitungen bündeln (128k). Jetzt konnte man stabil online arbeiten.
Ich begann Webseiten zu erstellen: für Freunde, für Vereine, für Selbstständige inklusive Infrastrukturplanung. Solange Technik eine Herausforderung war, machte sie besonders viel Spaß.
Mobile Kommunikation
Durch meinen Beruf war Erreichbarkeit wichtig. Ich begann mit dem B-Netz. Später kam mein erstes richtig mobiles Telefon - Ein Motorola-Klapphandy mit ausziehbarer Antenne. Erstaunlich gute Funkqualität für diese Zeit.
Frühe Smartphones
Noch lange bevor Apple oder Samsung den Markt dominierten, hatte ich bereits ein frühes Smartphone. Damit konnte man: E-Mails schreiben, Fotos machen, Termine verwalten. Damals fühlte sich das schon wie Zukunft an.
Heute – Technik als Werkzeug
Heute nutze ich Technik anders. Nicht mehr primär beruflich, sondern als Werkzeug für Gedanken, Austausch und Dokumentation. Zum Beispiel: Schreiben, Reflektieren, Publizieren. Technik unterstützt den Prozess – sie steht nicht mehr im Mittelpunkt.
Die eigentliche Entwicklung
Wenn ich zurückblicke, sehe ich eine interessante Bewegung:
- Technik war zuerst selten und zentral
- Dann wurde sie persönlich
- Später Werkzeug
- Dann Infrastruktur
- Und heute ist sie einfach Begleiter im Alltag.
Schlussgedanke
Wenn ich heute darüber nachdenke, habe ich eine erstaunliche Entwicklung miterlebt.
- Von der Musiktruhe im Wohnzimmer zum Smartphone in der Hosentasche.
- Von der Wählscheibe zu globalen Netzwerken.
- Von Kassettenaufnahmen aus dem Radio zu Musikbibliotheken, die in Sekunden verfügbar sind.
- Und vom Heimcomputer, auf dem man Programme noch aus Zeitschriften abtippte, hin zu Systemen, die heute mit Hilfe künstlicher Intelligenz Texte formulieren – und ganze Prozesse im Hintergrund mitdenken.
Technik hat sich ständig verändert. Was sich dabei aber kaum verändert hat, ist etwas anderes: die Neugier. Der Wunsch zu verstehen, wie Dinge funktionieren. Probleme zu lösen. Neue Möglichkeiten auszuprobieren.
Früher bedeutete das: Kassetten aufnehmen. Computer programmieren. Netzwerke aufbauen.
Heute bedeutet es vielleicht: Gedanken aufschreiben. Erfahrungen teilen. Oder einfach beobachten, wohin sich diese technische Welt noch entwickelt.
Wenn ich eines gelernt habe, dann: Technik kommt und geht. Aber die Neugier darauf bleibt.