… sondern der Anfang einer Kapitulation.
Beinahe sprachlos
Es passiert relativ häufig, wenn ich mir zwischendurch eine kurze Auszeit gönne und die aufs Abstellgleis verschobenen Gedanken reaktiviere und mich ruckzuck in einen Dialog mit mir selbst verstricke. Traurigerweise versumpfen nur allzu oft die, in dieses waghalsige Unternehmen investierten, überaus hohen Erwartungen regelmäßig in Sphären, komplett abgekoppelt der Realität oder, noch um Längen schlimmer, dümpeln in einem gemütlich anheimelnden Small Talk dahin, wie ihn Karl-Otto Mustermann Tag für Tag am Abend mit seinem Fernseher führt. Außerdem wurde mir auf diesen Exkursionen bewusst, inmitten eines solchen Gedankenscharmützels, vehement und geradezu stur, mich dem Vorhaben zu beugen, das Heft des Handelns unter meine Fittiche zu bekommen. Wenn mir im Laufe eines solchen verbalen Gerangels, zudem droht, die Alleinherrschaft als Drehbuchautor einzubüßen, fordere ich aus meiner selbst gezimmerten Notlage heraus unerbittlich nach den sagenumwobenen Antworten auf die nie gestellte Fragen.
Die prompt folgende Reaktion meines zweiten, konstant in der Mittelmäßigkeit angesiedelten Ichs, fällt folgerichtig von Mal zu Mal als Opfer der Langeweile unter den Tisch.
Klappe zu – Affe tot.
Wege in und aus der Sprachlosigkeit sind auf meinem geistig verwilderten Terrain in der Tat miserabel ausgeschildert. So unzureichend wie Autobahnen, die sich erst auf den letzten Metern als wahre Sackgassen entpuppen oder überflüssigerweise in einem planerisch nicht schlüssigen Kreisverkehr enden. Mit Google Earth sind solche Strecken fast ausnahmslos nur mit Engelsgeduld ausfindig zu machen – und wenn endlich gefunden, liefert Street-View keine passenden Bilder. Unter diesen Begebenheiten erscheint es mir plausibel, wenn körpereigene Partikel, wie eine Schuppe auf der Kopfhaut, den Aufstand gegen das beinahe Unerklärbare mit Ignoranz begegnen.
So reihen sich Irrungen und Verwirrungen zwischen meine liebgewonnen, nicht mehr missen wollenden Vergnügungen. Vergleichbar mit der erfolgreich endenden Suche nach dem viel diskutierten und nur selten angetroffenen wachen Geist. – Der Pizza, die nicht in der Schachtel, sondern nachhaltig im Gedächtnis kleben bleibt, der Erdbeermarmelade, die in ihrer Unentschlossenheit ständig die Seiten der Brotscheibe zu wechseln gedenkt, dem Glücksgefühl nach erfolgreicher Ortung eines Popels im linken Nasenloch oder der tiefenentspannten Masturbation mit passendem Hinterkopfkino.
Ihnen nachzuhecheln oder gar zu widersetzen, ergibt so wenig Sinn, wie einen Sherpa damit zu beauftragen, den alten Schreibtisch von Onkel Carlo auf den Gipfel des K2 zu schleppen, nur weil der extrovertierte, in die Jahre gekommene Kletterer die Botschaft seines Erfolges an das Volk in den Tälern auf dem Gipfel seines ureigenen Wahnsinns unterschreiben möchte.
Ließe sich aus dem vorangegangenen Satz ein verwertbarer Gedanke ableiten, der die Kraft in sich birgt, mich über den 3. Tag jeden Monatsanfangs hinwegzuheben, weil ich mit den dann fälligen Überweisungen, die für mein Bankkonto nicht wirklich Gutes verheißen, miserabel umzugehen weiß, könnte Hoffnung aufkeimen, den richtigen Weg in die Sprachlosigkeit eingeschlagen zu haben? Wobei uns hier der Konjunktiv unweigerlich erahnen lässt, möglicherweise doch auf dem ausschließlich für uneinsichtige Dickköpfe gezimmerten Holzweg gelandet zu sein.
Nicht zu vergessen, dass es immer noch zu klären gilt, wohin mich der eingeschlagene Weg letztlich führen soll? Rein oder raus aus der Sprachlosigkeit?
An einen anderen Ort? Zwischen Magen, Bauch, Milz und Leber verfestigt sich kontinuierlich die Überzeugung, beim Zusteuern in die Sprachlosigkeit, stünden mir womöglich besser ausgebaute Wege zur Verfügung, als es im umgekehrten Fall zu erwarten scheint.
Werfen wir somit einen genaueren Blick auf die mir zur Verfügung stehende Ausschilderung. Wobei dieses Experiment möglicherweise überall, allerdings nie in Frankreich funktioniert. Denn das richtungsweisende Schild, das dir während einer Durchquerung von Paris am häufigsten entgegen lächelt, ziert die Beschriftung 'Toute les directions'. Wie hilfreich diese Information letztlich ist, zeigt sich spätestens dann, wenn du nach einer Stunde bemerkst, dass du geradewegs auf Nizza zusteuerst, obwohl du eigentlich die Abendfähre in Calais erreichen solltest.
Es kann somit durchaus sein, dass Verkehrshinweiszeichen als Fingerzeig in die Sprachlosigkeit eher zu vernachlässigende Dienste leisten. Die Realität fest ins linke Auge geklemmt, sollte ich mir in Erinnerung rufen, es in der Vergangenheit, während der spätabendlichen, mühseligen Grabungen durch das Fernsehprogramm (mit ausgedehntem Zwischenstopp im Dschungelcamp bei RTL) im Labyrinth des vorsätzlich produzierten Wahnsinns, es nahezu bis in die Sprachlosigkeit geschafft zu haben. Beinahe identisches Potenzial an wirksamen Betäubungsmitteln liefert rezeptfrei die eine oder andere überregionale Tageszeitung, unzählige Kanäle auf YouTube, die dich minütlich darüber auf dem Laufenden halten, dass du längst nicht mehr frei darüber entscheiden kannst, bei welchem Bäcker du welche Brötchen zu welchem Preis kaufen kannst. Ich bin längst (nach deren Einschätzung) vom medialen Einheitsfutter abhängig und damit unfähig eigene Entscheidungen zu treffen. Wundere sich also zukünftig niemand, wenn ein knüppelhartes Roggenbrötchen sich am Sonntagmorgen lasziv in deinem Brotkorb räkelt, obwohl du mit dem festen Willen die Bäckerei betratst, ein frisches Baguette zu erwerben. Sollte Vergleichbares jemandem widerfahren, kann ich lediglich den Rat aussprechen, künftig dem Internet die kalte Schulter zu zeigen, da es mit Sicherheit nicht als Wegweiser in die Sprachlosigkeit taugt. Möglicherweise gebe ich mich auch einem Irrtum erlegen und wer ausnahmslos auf die Tuchfühlung zur Sprachlosigkeit bedacht ist, wird in der Netzstrumpfhose sein Glück finden.
Ich bin gleichwohl noch immer auf der Suche nach dem einzig gradlinigen Zugang ins Zentrum der Sprachlosigkeit. Verbale Entgleisungen, abgesondert von Politkern jeglicher Couleur, kolportiert durch alle zugreifbaren Medien, könnten richtungsweisend sein. Das Problem dabei, dass der Highway ins sprachliche Nirwana sich rasch als Schotterpiste entpuppt, weil dem demokratisch eingesetzten Asphaltierer jegliches Grundwissen für seine vom Wähler auferlegte Aufgabe fehlt. Was den sich selbst überschätzenden Volksvertreter indes nicht davon abhalten kann, sich die nächste Fuhre leerer Worthülsen der immerzu präsenten Lobbyisten eintrichtern zu lassen. Dieser Umstand lässt mich wiederum Hoffnung schöpfen, letztlich, abseits jenes Molochs, noch die richtige Abbiegung zu erwischen.
Denn anstatt mich vom mit dem von Floskeln aufgeschäumtem Abgeordneten-Gewäsch ohne Umwege in die Ratlosigkeit driften zu lassen, malträtiere ich meinen mir verbliebenen Verstand mit der Frage, was überhaupt in der Rangfolge eher kommt, der Wahnsinn oder die Sprachlosigkeit? Sind beide miteinander verwandt, verschwägert oder lediglich dicke Kumpels? Was schmerzt weniger und wie sieht es mit den Heilungschancen aus?
Wer stellt überhaupt die Rezepte aus?
Wenn ich dort, nämlich in dieser Sprachlosigkeit, endlich einmal angelangt bin, will ich diesem Vakuum danach überhaupt noch entweichen oder einigen wir (der leidlich unbegabte Fremdenführer und ich) uns auf das sagenumwobene, mit Mythen umrankte Stillschweigen, das ab dem Moment jedoch auf morschem Fundament steht, da nur noch vom Wahnsinn gestützt wird?
Das klingt für mich nach Mehrfamilienhaus und einem unberechenbaren Abenteuer.
Nicht aufwendig, einladend angerichtet und dazu noch lecker.
Ideen für das Abendessen oder so einfach zwischendurch.
Da mir vom Mittagessen noch ein Blätterteigröllchen mit Spargel-Füllung übrig blieb, wird es kurzerhand kalt portioniert, auf dem Teller verteilt und mit einem großen Esslöffel voll Chili-Tomaten-Salsa garniert. Der Schafskäse ist Pflicht und die geräucherte Wurst vom Nachbarn, dem ich die Steuererklärung aus den Tiefen ins Präsentierbare befördert habe. Zwiebellauch und selbst gemachtes Gewürzsalz bilden den Abschluss.
Es muss am Abend nicht unbedingt üppig sein. Warum nicht einfach mal ein wenig Blattspinat oder frische Mangoldblätter, ein paar gewürzte Zucchini-Scheiben, belegt mit einem Gemisch aus Parmesan und Kokosflocken und einem frischen Krautsalat?
Die Spinatblätter in Butter mit einer klein gewürfelten Zwiebel und etwas frischem Knoblauch anschwitzen, mit Salz, Pfeffer, Muskat und einem Löffel Crème fraîche abschmecken. Die Zucchini-Scheiben kräftig würzen und mit der Käse-Kokos Mischung belegen. Auf das Backpapier und im Backofen 15 min. ausbacken. Den Krautsalat bereitet jeder zu, wie es ihm passt. Mir genügen Joghurt, Senf, Kräutersalz, Pfeffer, Olivenöl und frisch geriebener Knoblauch. Schnittlauch darf nicht fehlen.
Immer das große Ganze zu erkennen, kann verdammt schmerzhaft sein.
Mein Song der Woche: The Waterboys - The whole of the moon
Das Lied entstammt dem Album This is the sea und fand rasend schnell den Weg in mein, aus Emotionen gezimmerte Schatzkammer für die Lyrik der besseren Sorte.
Worum geht es in den Zeilen von Mike Scott, dem Frontman der Waterboys? Es beginnt damit, dass er mit dem Schwärmen für die Personen beginnt, die stets in der Lage sind das große Ganze (the whole of the moon) zu erfassen und damit umgehen können. Er selbst, der gerade mal mit der nahen Zukunft hantieren kann, blickt aus dem Schatten in das grelle Scheinwerferlicht. Doch dann kristallisiert sich heraus, dass es genau die Personen waren, die mit dieser Fähigkeit beschenkt wurden, an jener auch verendeten. Scott dachte nämlich insbesondere an Syd Barett und Jimi Hendrix, die an dieser großen Gabe gescheitert waren.
Mike Scott selbst, sagte dazu: „Ich schrieb das Lied, als ich 26 Jahre alt war und entdeckte, dass es so viel mehr gab, als ich je gewusst hatte. Es gab so viel mehr zu lernen, als mir in der Kultur, in der ich aufgewachsen war, auch nur angedeutet worden war. Ich war sehr erstaunt darüber, und mir wurde klar, dass es Menschen gab, die in ihren Vorstellungen und Erfahrungen viel mehr Informationen hatten als ich. Und das hat mich zu diesem Song inspiriert.“