Schwere Kost für meine mäßig eingerichtete Denkzentrale – zumal mitten im frühmorgendlichen Aufgalopp. Der nachrichtenorientierte Blätterwald ist zwar bereits durchwandert (was heutzutage keiner sonderlich erwähnenswerten Hirnanstrengung bedarf, da lediglich die Nackenmuskulatur durch das permanente Kopfschütteln gefragt scheint), der Duft des frisch aufgebrühten Kaffees verbreitet sich im Raum, und ich brühte auf (über) dein noch nicht vollständig geschlüpftes Ei der sprachlichen Vielfalt.
Kein einfaches Unterfangen, wie ich feststellen muss. Bevor ich nun deinen zweiten Wohnsitz aufsuche, um dort die Einrichtung zu inspizieren, vorab ein paar wenige Anmerkungen.
Die uns gegebene Möglichkeit des verbalen Austausches (also das Hilfsprogramm, das wir als Sprache bezeichnen) ist und bleibt für immer ein Werkzeug, Gegenstand und Instrument. Die Frage stellt sich lediglich, wie gut wir mit diesem Tool umzugehen wissen. Im richtigen Moment das vermeintlich exakt Richtige in Worte zu packen, gehört zu jener Herausforderung, an der die Mehrheit der Plaudertaschen scheitert. Da liefert auch die KI nicht das passende Steigeisen. Jenes Reservehirn, welches sich permanent im Licht seines Erfolges sonnt, kann lediglich an dem feilen, was unsere Schraubstock auf der Werkbank im hinteren Teil der Denkfabrik freigibt. Ich fasse es in andere Worte: Wenn du stets nur Scheiße ablieferst, kannst du im besten Fall „nur“ Kompost erwarten. Der erhoffte Edelstein bleibt ein ewiger Wunsch.
Eine Sprache scheint mir vollkommen emotionslos. Das Paket mit den persönlichen Empfindungen wird der Sprache erst mit den mehr oder weniger sorgsam ausgesuchten Worten einverleibt. Und, was dies betrifft, bemühe ich mich, der Worte eines Paketzustellers, der mir folgenden Rat erteilte: Nimm diese Lieferung nicht an. Da ist nur Scheiße drin. Damit war auch dies geregelt: Nicht jedes Paket enthält auch hilfreiche Emotionen.
Und vielleicht ist Irritation genau dort sinnvoll, wo wir zu schnell davon ausgehen, verstanden zu haben.
Bei diesem Punkt erreicht dich meine volle Zustimmung. Wenn meine Frau mich mit ihrer subjektiv erstellten Diagnose konfrontiert, ich hätte höchstwahrscheinlich nicht mehr alle Tassen im Schrank, bedeutet dies den Startschuss für die komplette Horde lebensfroher Irritationen in mir.
Beste Grüße 😉
RE: Wenn Sprache irritiert