Genauer gesagt, diejenigen, die sich selbst als solche bezeichnen.
Mir wurde in der vergangenen Woche das Vergnügen zuteil, diesen Beitrag von @hornet-on-tour zu verschlingen. Der Mann, der seine Hornisse in Form einer »Honda« von Blüte zu Blüte chauffiert, gibt darin wortreich all das preis, was er an Erfahrungen auf Steem, Hive oder einer anderslautenden Blockchain bislang eingesammelt hat.
… und ganz am Ende seines Beitrages, als ihn offensichtlich das Gefühl heimsucht, alle Buchstaben des Alphabets bereits mehrfach durch die Mangel gedreht zu haben, drängelt sich ihm die Frage auf, ob er nicht längst wie ein Politiker klinge?
Ein Bedenken, welches ich spontan (also, aus dem lockeren Ärmel heraus) mit einem klaren „Nein“ hätte vom Tisch fegen können, wäre da nicht das berühmte Ringelspiel der Fragen, das in meinem Kopf zu rotieren begann. Wie klingt ein Politiker in allumfassender Art und Weise? Wer kann überhaupt als ein Solcher mit gutem Gewissen bezeichnet werden? Wo versteckt sich augenblicklich die Person, die mit der Fähigkeit ausgestattet sein sollte, sein gesamtes Handeln zum Wohl der Bürger eines Staates verpflichtend einzusetzen?
Da die Anfrage in meinem einst mühsam von Gotteshand implantierten System, ob derzeit aktive Bürger mit dem aus dem Griechischen stammenden Substantiv »Politiker« (aber ebenfalls als Subjekt im Satzbau unterwegs) kompatible erscheinen, keine verwertbare Reaktion hervorrief, entnahm ich der Schublade den altbewährten Radiergummi und ersetzte den Politiker durch Volksvertreter und (wahlweise) Abgeordneten. Jetzt erst wurde das zuvor so schweigsame System aktiv und fühlte sich offenbar zu dem Hinweis gezwungen, dass zwar beide auserwählten Komparsen sich wie Politiker fühlen mögen, jedoch in dessen „Dienstkleidung“ nie hineinwachsen werden.
Ein durchaus dienlicher Hinweis. Doch ohne meinen Belang tangierend, herauszufinden, wie weit sich die Hornisse auf dem Japaner von den Dummschwätzern in Parlamenten und auf Marktplätzen unterscheidet? Ich beließ daher meine Ersatzspieler in der Startelf und machte mich auf die Suche. Von zeitnah bis länger her – aber trotzdem unterhaltsam und oft unvergessen.
Der absolute Spitzenreiter aus der Neuzeit scheint mir dabei der momentan zuständige Insolvenzverwalter der Deutschen Bundeswehr, Boris Pistorius, der da lauthals die Marschroute ausgibt: »Wir müssen kriegstüchtig werden.« Damit diese Kröte besser verdaut werden kann, liefert der Mann aus dem Wahlkreis Osnabrück noch Ketch & Majo nach: »Aber, ganz wichtig, auch der Mentalitätswechsel in der Gesellschaft ist richtig. Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte, und das heißt, wir müssen kriegstüchtig werden, wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.«
Dieser Mann denkt (ein ansonsten seltenes Gebaren bei Bürgern mit Mandat) somit auch an die innigsten Wünsche der Deutschen und insbesondere an Opa Oswald, der (möglichst vor seinem Ableben) ohnehin längst in einen Krieg ziehen wollte, um (so zumindest seine Erklärung) der Welt zu beweisen, dass Deutschland auch einen Krieg gewinnen kann.
Dieser Aufforderung zur Erhaltung aller Errungenschaften (koste es, was es wolle) nahm dann liebend gerne Markus Söder auf, der die Zukunft seines Königreiches so sieht: »Bayern ist anders als Berlin, wir lehnen wokeness, cancel culture und Genderpflicht ab. Bei uns darf man essen, was man will, sagen und singen, was einem gefällt. Wir sind vielen wohl zu erfolgreich.«
Jetzt kann ich diesen Pistorius auch verstehen. Der Feind lauert wahrlich überall.
Über ein gemeinsames Repertoire an deutschem Liedgut sollte eine Sonderkommission entscheiden. Wie dies im Einklang mit Bayern funktionieren kann?
Nichts einfacher als das. Man holt Angela zurück ins deutsche U-Boot. Denn über diese Frau wusste der Bayer Horst Seehofer dies zu berichten: »Sie glauben gar nicht, wenn man jeden Tag direkt neben Angela Merkel am Tisch sitzt, verliert man alle Eigenschaften eines bayerischen Löwen. Man wird wirklich zahm.«
Der Einschätzung von Herrn Seehofer nicht folgen kann wohl Oskar Lafontaine, der mit seiner öffentlich abgegeben Behauptung »Merkel ist die gefährlichste Frau Europas, weil sie weder was vom Euro noch vom Finanzsystem überhaupt verstehe«, noch eine „Schippe“ auf die Glut gab. Gleiches behauptete man übrigens auch über ihn, als er als Finanzminister die Märkte stärker regulieren wollte. Vergesslichkeit – die sollte im Beipackzettel zu jedem „Politiker“ als Nebenwirkung nicht vergessen und fett gedruckt hervorgehoben werden.
Belassen wir noch für einen Augenblick unser Augenmerk auf der Alpenregion. Dort sah sich Peter Ramsauer in der Pflicht und gab seine Einschätzung zur Einwanderungspolitik dem Magazin Mittelstand-Digital kund: »Deng Xiaoping hat einmal gesagt: 'Wenn man die Fenster zu weit aufmacht, kommt auch viel Ungeziefer mit rein.' Das heißt – übertragen auf die Einwanderungsproblematik -, dass wir aufpassen müssen, dass wir neben den Fachkräften nicht auch x-beliebige Wirtschaftsflüchtlinge mit ins Land holen.«
Kritische Anmerkungen auf das Zitat ließ bei Markus Söder das Beschützer-Gen erwachen und so stellte der ein für alle Mal klar: »Der Freistaat Bayern ist - schimpfen Sie mich nicht, wenn ich das sage – das barmherzigste Bundesland in Deutschland.«
Der Urvater des politischen Klartextes, Franz Josef Strauß, angesprochen auf die Nachfrage des Journalisten Bernd Engelmann, welche Rolle der Offizier für wehrgeistige Führung (FJS) während der Nazi-Diktatur spielte, verriet nur so viel: »Was wir in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören – in ihre Löcher.«
Den Nachfragenden, ob er gegen Herrn Engelmann gerichtlich vorzugehen gedenke, ließ er wissen: »Gegen Ratten und Schmeißfliegen führe ich keine Prozesse.«
Zum Abschluss meines Rundgangs durch das politisch geprägte Vokabular lege ich noch zwei Beweise vor, die widerspiegeln, wie dehnbar die Aufgabe “das gesamte Handeln zum Wohl der Bürger eines Staates verpflichtend einzusetzen”, ausgelegt werden darf/kann. Und Menschen Inhalte (wie die nun folgenden) massenhaft unter dem Deckmantel Politik verbreiten.
Dieter Görnert - Kreisvorsitzender der AfD in Nürnberg: „Am besten das Pack zurück nach Afrika prügeln“. „Auf der Stelle erschießen, dann wird sich das ganz schnell legen“.
Der Mann weiß genau, was er Deutschland schuldig ist – wegweisende Ratschläge!
Marcel Grauf, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Christina Baum und Heiner Merz (Baden-Württemberg), offenbarte seine Sicht auf die Dinge in einer Korrespondenz zwischen AfD Mitgliedern, NPD Funktionären und rechten Studentenverbindungen.
»Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde. Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. Sieg Heil!
Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet!«*
Die Zeitschrift Kontext veröffentlichte diese Chat-Protokolle. Marcel Grauf reichte Klage beim Oberlandesgericht in Karlsruhe ein, die abgelehnt wurde, da das Gericht keinen Hinweis darauf erkennen konnte, die Protokolle seien, in welcher Form auch immer, manipuliert.
Mein Fazit: sollte keinen Gedanken mehr daran verschwenden, ob seine wortreichen Berichte sich lesen würden, als stammten sie aus der Denkschmiede der Clique, die sich zwar Politiker nennt, allerdings von dessen Aufgaben keinen Schimmer hat.