und
, danke für eure Kommentare und sie sind sehr aufschlussreich. Ich möchte daher meine Sicht der Dinge als Fazit der bisherigen Diskussion ziehen: Die Börse wird oft als Inbegriff des freien Marktes bezeichnet, weil sie jederzeit Ankaufs- und Verkaufspreise nennt und Transaktionen ohne Ansehen der Person ausführt. Doch genau das ist ihr Trugschluss:
Die Börse löst keine realen Probleme, sie verspricht auch keine Lösung – genauso wenig wie ein Kasino das Glück garantieren kann.
An der Börse wird nicht mit Dingen gehandelt, die jemand braucht. Es wird mit Erwartungen gehandelt, mit Hoffnungen auf Wertsteigerung oder Angst vor Verlust.
Was dort den Besitzer wechselt, sind Titel auf bereits bewertete Lebenszeit anderer – z. B. Aktien, die nichts anderes sind als Ansprüche auf künftige Dividenden, also auf zukünftige Leistungen Dritter.
Das bedeutet: Die Börse ist kein echter Marktplatz für Bedürfnis und Angebot, sondern ein sekundärer Tauschplatz für symbolische Rechte, die auf vergangener Leistung basieren.
Die An- und Verkaufspreise, die dort transparent ausgewiesen werden, täuschen Objektivität vor –
tatsächlich spiegeln sie aber Momentaufnahmen kollektiver Stimmungen, die von Algorithmen, Stimmungen, Nachrichten und strategischer Manipulation geprägt sind.
Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) ist nicht Ausdruck eines fairen Wettbewerbs, sondern eine Gebühr für Teilnahme am Spiel – ähnlich wie die Marge im Kasino.
Fazit:
Die Börse ist kein freier Markt im anthropologischen Sinne.
Sie ist ein formal regulierter Spielfeldmarkt, in dem weder Mangel befriedigt, noch Bedürfnis erkannt, noch Lösung angeboten wird.
Was sie erzeugt, ist Liquidität für Kapital – nicht Lebensqualität für Menschen.
RE: Was ist ein freier Markt? - Ein Essay über Mangel, Freiheit und die Wirklichkeit des Wirtschaftens