Es hat von uns allen sehr viel abverlangt – bewusst oder unbewusst. Die ständige Anspannung durch das Gemisch aus Angst, Sorge, Wut, Ohnmacht, Zukunftsbangen, Funktionieren im Alltag und Initiative laugt aus. Wir sind alle im Dauerstress und eigentlich unendlich müde. Die Weihnachtszeit ließ sonst, bei allem hektischen Treiben, ein Gefühl von Vorfreude aufkommen. Spätestens am 24. fanden sich alle in ihrem Zuhause oder am Ort des Vertrautseins im Kreise lieber Menschen zusammen. Selbst das wird uns in 2021 wieder erschwert. Im Moment sind viele normale Vertrautheiten gestört und manch einer fürchtet sich sogar, auf die Familie zu treffen oder Freunden zu begegnen, weil man sich nicht mehr sicher sein kann, ob es vielleicht wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommt, auf die man eigentlich gar keinen Bock hat. Das beginnt ja schon bei der gegenseitigen Begrüßung – wagen wir eine Umarmung? Wir brauchen diesen emotionalen Halt! Das Treffen mit Menschen, bei denen ich sein kann wie ich bin, entspannen kann und im geistigen und gefühlvollen Austausch lebe. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer menschlichen Existenz. Erst das Miteinander lässt auch die eigene Individualität erblühen. Soziale Isolation und Einsamkeit bewirken geistiges und körperliches Absterben.
Es hängt viel von uns selbst ab, wie intensiv wir uns den bevorstehenden Konflikten aussetzen möchten. Nutzen wir die Möglichkeit, etwas zur Ruhe zu kommen, die eigene Entwicklung in diesem Jahr zu überdenken und unsere wirklichen Bedürfnisse zu erfühlen. Konsum und Dauerentertainment sind es bestimmt nicht. An der University of Southhampton wurde eine umfangreiche Studie zu „Nostalgie und Zukunft“ durchgeführt – übrigens gab den Anstoß dazu eine Doktorarbeit aus dem 17.Jahrundert. Damals entstand der etwas abwertende Ruf des Begriffs Nostalgie. Sie führe zu Sentimentalität, Traurigkeit und Antriebslosigkeit. Diese Ansicht wird in der Psychologie gegenwärtig nicht mehr vertreten, was vielleicht an der heute hoch technisierten Welt liegt, in der wir klar kommen müssen.
Zitat Professor Sedikides: „Wenn Menschen nostalgisch werden, tauchen sie in die Vergangenheit ab, zurück zu Erinnerungen, die ihnen bedeutsam und sinnhaft erscheinen. Die integrieren sie dann in ihr Leben. Die Nostalgie hilft den Menschen, ihre Gegenwart zu bewältigen und ihre Zukunft zu planen. In Experimenten sehen wir, wie Probanden, die nostalgisch werden, kreativer, optimistischer und interessierter am Lösen von Problemen sind. Der Soziologe Fred Davis beschrieb die Nostalgie mal als Bankkonto, auf das man seine wertvollen Erinnerungen einzahlt und von dem man abhebt, wenn man etwas davon braucht. Man kann damit durchaus in die Zukunft investieren.“
Nichts ist für nostalgische Stimmung besser geeignet als das Weihnachtsfest. Holt die Deko raus, die schon über Generationen das Familienleben begleiten. Gemischt mit den neu gestalteten schönen Momenten des Festes legt ihr die Basis für nostalgische Erinnerungen für eure Kinder. Und wenn wir ehrlich sind, es gibt, trotz allem, eine Menge, für das wir dankbar sein können. Die Buddhisten sage: Danken heißt Tanken Dankbar sein ist ein Lebens- und Heilungselixier – manchmal vergessen wir das.
Die bevorstehenden Festtage im Kreise liebgewonnener Menschen können für uns in diesem Jahr ganz besonders wertvoll sein. Vor allem den Kindern wollen wir eine unbeschwerte gemeinsame Zeit ermöglichen, die ein wenig über traumatisierende Erlebnisse hinweg helfen mögen. Wir können uns bewusst werden, welch großes Glück es ist, Freunde und Familie um uns zu haben. Miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig zuzuhören und dabei nicht abzukapseln und auszugrenzen, müssen wir wohl wieder neu erlernen. Der respektvolle und liebevolle Umgang miteinander erfüllt den Weihnachtsgedanken mit Leben.
Also freut euch auf die Begegnung mit euren Familien und Freunden und erhaltet euch die Unantastbarkeit der privaten Räume.
Ich wünsche euch friedliche Tage und ein besseres neues Jahr