Hallo Hivers und Freunde der Philosphie,
ich liebe es morgens im Bett zu grübeln. Derzeit beschäftigt mich das Thema "Was macht eigentlich eine Zeichnung zu einer Zeichnung?" oder genereller: "Was ist eigentlich Information"?
Hierzu habe ich schon gestern zwei Skizzen angefertigt, auf die ich hier gerne verweise:
@achimmertens/motivation
Heute Morgen habe ich den Gedanken vertieft und kam auf folgende "Erkenntnis":
Existiert ein Lied außerhalb unserer Gehirne?
Oder um es mit Platon zu fragen: Gibt es eine Welt der reinen Ideen, ohne einen materiellen Träger?
Diese Frage kann ich sicherlich nicht mit einem klaren "Nein" beweisen. Aber in unserem messbaren Universum hat jede Information einen physikalischen Datenträger.
Aber was ist eigentlich Information?
Nun vom Wort her etwas, das keine Form hat, etwas, das unabhängig vom physikalischen Träger existiert. "Alle meine Entchen" kann auf der Flöte oder auf dem Klavier gespielt werden, von dir oder mir.
Information hat das Potenzial ewig zu bestehen. Selbst wenn die Erde zerstört wurde, könnte jemand auf einen anderen Planeten alte Radiosignale empfangen und das Lied dort neu spielen.
Wie entsteht Information?
Fangen wir bei Null an, bei dem Nichts, einem leeren Blatt Papier. Jemand fügt mit Bleistift Striche hinzu und radiert sie wieder weg. Und plötzlich erkennen wir ein Gesicht. Da ist sie, die Information, geschaffen aus dem Nichts.
Nicht ganz, denn wir hatten das Bild eines Gesichts schon im Kopf und erkennen nun auf dem Bild, das was wir im Kopf haben. Wir zeichnen quasi das Abbild unseres Gehirnes.
Unser Gehirn spiegelt Erkenntnisse aus der Umwelt und speichert sie als Informationen ab.
Es scheint so, als ob Informationen nur innerhalb unserer Gehirne existieren.
Braucht man denn ein Bewusstsein für Informationen?
Antwort: Nein. Ein einfacher Taschenrechner, der sicherlich kein Bewusstsein hat, kann Informationen wahrnehmen (Tastendruck), verarbeiten und nach außen kommunizieren(Display). Aber Vorsicht bei diesem Gedankenkonstrukt: Der Träger der Informationen ist nicht der Taschenrechner. Es ist das Gehirn, das den Rechner bedient. Der Kalculator verarbeitet nur Stromimpulse, bzw. setzt eine zuvor programmierte Logik um.
Dennoch wage ich zu behaupten, dass primitive Lebewesen, die in der Lage sind Licht zu erkennen und sich dorthin auszurichten, kein Bewusstsein haben.
Im Gegensatz zur Entscheidungstreffung. Lebewesen, die sich aufgrund verschiedener Informationen und verschiedener Optionen entscheiden müssen (kalt vs. warm/ dunkel vs. hell/ Nahrung vs. Gefahr/…) haben nach meiner Ansicht ein minimales Bewusstsein, das diese Kriterien abwägt.
Wann entstand die erste Information?
Die erste Information entstand dort, wo ein System für sich entscheiden musste, ob die Information gut oder schlecht ist.
Dazu bedarf es Wahrnehumgen der Informationen (Sinnesorgane).
Information hat einen informellen Wert für das System. Also auch ein genetischer Bauplan ist eine Info.
Deswegen behaupte ich, dass Informationen von einem System als für sich relevant definiert werden. Ein System erzeugt damit Informationen. Informationen brauchen immer einen Interpreten, sonst existiert die Info nicht.
Diese Interpretation kann aus meiner Sicht nur ein System mit einer Komplexität mindestens in der Größenordnung eines Virus leisten.
Gibt es Informationen auf dem Mond?
Auf dem Mond gibt es vor allem Steine in unterschiedlichen Größen. Sie beeinflussen sich durch ihre Eigenschaften (Größe, Härte, Gewicht,…). Eigenschaften sind aber keine Informationen, solange der Mensch sie nicht dort hineininterpretiert.
Der Mond hat keine Lieder gespeichert. (Noch nicht :-))
Auf dem Mond gibt es kaum komplexe Systeme, evtl. Gravitationssysteme (Gezeiten) oder Weltraumwetter, aber nichts was rückkoppelt und Entscheidungshilfen bräuchte.
Was bedeutet das für uns?
Für mich bedeutet es erst einmal eine klarere Definition des Begriffes. Schließlich arbeite ich in der Informations-Terchnologie-Branche.
Aber auch einen weiteren Schritt weg von Platons Ideenwelt. Und damit leider auch ein Stück Entromantisierung. D. h. meine selbstgeschriebenen Lieder werden aufhören zu existieren, sobald sie keiner mehr hört.
Aber es ist zum einen ja nicht bewiesen, dass es die Welt der Seelen und Ideen nicht gibt und zum anderen hält unsere physikalische Welt noch viele Überraschungen parat. Wer weiß, was alles in Neutrinos gespeichert ist und welcher Geist sie interpretiert.
In diesem Sinne werde ich weiter mit freuden Zeichnungen lesen und erstellen.
Achim Mertens