Die Nacht war wie die letzte. Nur mit dem Unterschied, das ich nicht alle Schlafpositionen nutzen konnte. Am Morgen erwartete mich zuerst einmal ein weiter gesunkener Wasserstand.
Das Wasser ist weg
Und ein durch den Wald brechender Kleinwagen mit Angler, der die Buhne flussab bevölkerte und mich erstaunt zur Kenntnis nahm.
Wo man so hinfahren kann
Nach zwei Kaffee und Auflösung des Nebels ging es bei 7 °C gegen 08:30 Uhr vom km 465 los. Lange musste ich nicht fahren, beim km 469 fing die Zivilisation wieder an. Cigacice (Odereck, Tschicherzig) naht. Aber zuerst einmal gibt es rechts die Einmündung des Kanal Obrzicky. Es handelt sich um keinen Kanal nach deutschen Vorstellungen. In der Praxis ist das Gewässer nur mit Kajak oder Kanu befahrbar.
Brücken Cigacice
Während die vordere problemlos erschient, hat die zweite nur eine ausgewiesene Durchfahrtshöhe von 3,70 m und eine sehr beschränkte Durchfahrtsbreite. Hier ist Aufmerksamkeit gefordert.
Auffällig ist, dass die Häuser von Odereck teilweise sehr dicht an der Oder stehen.
In der fünften Buhne rechts nach der letzten Brücke findet sich die Marina.
Nach Cigacice gibt es erst einmal wieder Natur. Allerdings nicht ganz original. Schließlich ist Sonntag und Angler bevölkern jede Buhne. So auch am km 475, wo es am linken Ufer einen kleinen Anleger und einen Rastplatz gibt. Die Besonderheit hier: Die Stelle ist mit Ortskenntnis auch landseitig einigermaßen gut von der Ortschaft Krepa aus zu erreichen.
Anleger am km 475
Kurz vorm km 478 erwartet den Wassersportler die nächste Eisenbahnbrücke. Die Brücke sollte unbedingt in der Fahrrinne durchfahren werden.
Auch ein Transporter passt übrigens auf eine Buhne:
Parken
Das war allerdings nicht der Gipfel des Parkens am Angelplatz. Etwas früher stand schon mal ein kleiner Suzuki direkt auf dem Buhnenkopf. Dieser Angler ist aber auch nicht schlecht:
Parken
Am km 481 kündigt der Schilderwald die nächste Fähre meiner Tour an. Die Seilfähre in der Bauart, die ich schon kenne, bindet die Pomorsko an die Gegend südlich an.
Fähre Pomorsko
Danach gibt es erst mal wieder Natur.
Und natürlich: Angler
Nach einer weiteren Fähre und einer Brücke taucht Bedow auf.
Die Häuser stehen hier genau so knapp über dem Fluss wie im nächsten Ort Radnica.
Wie diese Häuser direkt an der Oder überdauern konnten, ist mir ein Rätsel. In Radnica ist übrigens in älteren Karten eine Fähre eingezeichnet. Die gibt es nicht mehr.
Dieser Kahn steht am km 509 in Gostchorze.
Leben und Tod
Es bleibt noch ein bißchen Zeit, angesichts solcher trauriger Bilder über Leben und Tod nachzudenken, dann erscheint Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) am Horizont. Und zeigt sich erst mal nicht von seiner besten Seite.
Crossen
Doch keine Bange, vom Wasser aus gibt es durchaus sehenswertes zu entdecken:
Am Ufer in Crossen
Crossen mit seinen rund 12.000 Einwohnern ist die letzte größere Stadt in Polen, die ich auf meiner Tour durchfahren werde. Eine Marina gibt es nicht, mitten im Ort vor der Brücke gibt es am km 514 eine Anlegestelle mit einer Slipstelle und hinter der Spundwand versteckt liegenden Stegen.
Brücke Crossen
Neben der Anglerinvasion gibt es auch sonst am Ufer noch einiges zu sehen:
Und für mich ein Novum: Polizeikontrolle bei Anglern in Polen...
Kurz vorm km 515 mündet links der Bober in die Oder. Er ist befahrbar, jedoch kommt man nach kurzer Fahrtstrecke an einen Staudamm.
Bobermündung
Dann geht es weiter mit Natur, die Stadt habe ich hinter mir gelassen. Zeit, sich nach einer Übernachtungsstelle umzusehen.
Nichts wie weg…
Doch zuvor wartet bei der Ortschaft Polecko am km 530 die letzte Fähre meiner Tour. Auch das ist eine Seilfähre.
Polecko
Am km 535 steht die Ruine der alten Zollstation.
Alte Zollstation
Und am km 540 habe ich auf Anhieb meinen letzten Übernachtungsplatz auf polnischem Gebiet gefunden. Um 15:20 Uhr und damit recht zeitig landete ich auf "meiner" Insel an. Idyllisch am rechten Ufer gelegen, hinter mir ein kleiner Binnensee, vor mir die Oder.
Auf der Insel
74,8 km bin ich gefahren. Es war interessant, den Wechsel zwischen unberührter Natur, kleinen Dörfern und Städten zu beobachten. Unzählige Angler am Ufer habe ich gegrüßt. Die Fahrt war nicht sonderlich anspruchsvoll, nur bei Brücken und Fähren war die volle Aufmerksamkeit gefragt.
Morgen werde ich Deutschland erreichen. Gegen Mittag sollte ich in Eisenhüttenstadt die erste Schleusung der Tour zu bewältigen haben.