Zugegeben - die Frage "Welchen Kocher soll ich mitnehmen?" habe ich nicht erfunden. Sie ist so alt wie die outdoor- Bewegung und führt regelmäßig zu kontroversen Meinungen bis Streit. Viele haben dazu schon ihre Meinung kundgetan. Ich noch nicht. Hier also meine Ansichten dazu.
Auf mehrtägigen Touren wird man meist einen Kocher mitnehmen. Die Alternative sind kalte Küche oder die Feuerstelle der Altvorderen. Kalte Küche ist lästig und die Feuerstelle lockt (zumindest in Mitteleuropa) Menschen an, mit denen man gerade nicht kommunizieren möchte. Bleibt der Kocher. Den muss man allerdings a) transportieren können - eventuell einschließlich Brennstoff - und b) muss er dort, wo man hin will auch funktionieren. Letzteres ist keineswegs immer selbstverständlich. Was gibt es also an Kochern?
Ein kleines Sammelsurium. Links ein Spirituskocher mit Patrone, dahinter ein kleiner Kocher für Feststoffe, davor eine Gaskartusche. Zwei Multifuelkocher, links umgebaut auf Gas, rechts umgebaut für Benzin. Das rote Behältnis ist die Flasche fürs Benzin mit Pumpe. Bei der Dose handelt es sich um einen Notkocher mit Brennpaste.
Kocher für Flüssigbrennstoffe
Die waren früher weit verbreitet und wurden heute, zumindest bei Otto Normalverbraucher, von den Gaskartuschenkochern verdrängt. Es gibt sie für verschiedene Brennstoffe (Spiritus, gereinigtes Benzin, Mehrstoffbrenner) und Größen (Vom kleinen Spiritusbrenner, den manche in abgewandelter Form noch aus dem Chemieunterricht kennen dürften bis hin zu kiloschweren Geräten mit mehreren Brennstellen). Die Vorteile: So ein Kocher funktioniert auch in größeren Höhen und bei tiefen Temperaturen. Und die modernen Vertreter sind sehr leistungsstark. Einen Liter Wasser für den Morgenkaffee bringt man recht schnell zum Kochen und auch größere Mahlzeiten sind kein Problem. Allerdings gibt es auch entscheidende Nachteile. Man muss den Brennstoff mitnehmen. Für den Benzinkocher ist das gereinigtes Benzin. Dafür werden nicht nur stolze Preise aufgerufen, es ist auch nicht überall erhältlich. Natürlich kann man Normalbenzin verwenden, aber das führt zu einer Reihe von Problemen. Die Bedienung der Kocher ist teilweise gewöhnungsbedürftig, ebenso wie der erzeugte Geräuschpegel. Daneben brauchen sie eine regelmäßige Wartung (Dichtungen, Düsen, Pumpe), will man im Gelände keine Überraschung erleben. Trotzdem sind sie die beste Wahl für Rucksackreisende (Mehrstoffkocher) und solche mit Kfz (Spirituskocher mit Patronen). Was nicht verschwiegen werden soll: Die Kocher finden sich im eher höheren Preissegment.
Gaskocher
Sind beliebt, weil sie einfach zu bedienen sind. Auch die Töpfe werden relativ wenig verschmutzt. Es gibt solche, bei denen man die halbvolle Gaspatrone nach Benutzung wieder vom Kocher trennen kann und solche, bei denen das nicht geht (Stechpatronen). Der Liter Kaffeewasser ist relativ schnell erwärmt und es braucht keine langen Vorbereitungszeiten. Aber es gibt auch handfeste Nachteile. Der größte: Bei niedrigen Temperaturen sinkt die Heizleistung rapide und die Patronen können nur teilweise entleert werden. Der Effekt tritt nicht erst im Winter, sondern schon bei einstelligen Temperaturen im Plus-Bereich auf. Gegen diesen Effekt gibt es Patronen mit einer Wintermischung, die aber nicht für alle Systeme erhältlich sind und auch nur geringfügige Besserung bringen. Nicht zu unterschätzen sind ungewollte wie unfallträchtige Gasaustritte beim Hantieren oder Transport. Die Gaskartuschen sind nicht überall unkompliziert erhältlich, müssen also aus der Heimat mitgeführt werden. Wer nur bei moderaten Temperaturen draußen den Kocher anwerfen will und das auch nur wenige Tage, der ist mit einem Gaskocher mit abnehmbarer Kartusche gut ausgerüstet.
Feststoffkocher
Die dritte große Gruppe von Kochern. Die Modelle reichen vom einfachen Esbit- Kocher, den manche noch aus Bundeswehr- Zeiten kennen sollten bis hin zu hochteuren Holzvergaser- Öfen. Genau so unterschiedlich ist auch der Gebrauchswert draußen. Die genannten Esbit- Kocher (und auch Notkocher mit Brennpaste) sind relativ billig und haben ein geringes Gewicht und Packvolumen. Nur - richtig kochen kann man damit nicht. Sie sind ein Notbehelf zum Erwärmen von Fertignahrung und auch als solcher zu verwenden. Die überwiegende Mehrzahl der heute benutzten Feststoffkocher sind Holzkocher. Es gibt zwei Arten. Bei der ersten, heute eher nicht mehr gebräuchlichen, wird einfach der Brennstoff in ein einfaches Behältnis gegeben und entzündet. Die Flammen erhitzen den Topf und damit die Nahrung. Die anderen arbeiten nach dem Vergaserprinzip. Aus dem Holz wird ein entzündliches Gas gewonnen, was sich dann entzündet und zum Kochen benutzt wird - was diverse Vorteile hat, vor allem aber die im Brennstoff steckende Energie besser ausnutzt. Feststoffkocher haben vor allem den Vorteil, dass man keinen Brennstoff mitführen muss. Was man benötigt, ist meist in der Natur ausreichend vorhanden, ohne dass man ganze Wälder abholzen müsste. Ein paar trockene, dünne Ästchen, trockenes Moos oder Gras findet man quasi überall und zu jeder Jahreszeit. Aber auch hier gilt: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Zuerst einmal ist die Bedienung der Vergasermodelle nicht einfach. Je kleiner (und damit transportabler) das Modell, desto schwieriger. Es braucht eine längere Übungszeit, bevor man damit losziehen kann. Ein zweiter Nachteil sind die sich an den Töpfen ablagernden Rückstände, die auch bei größter Übung nicht zu vermeiden sind. Die überträgt sich schnell an andere Ausrüstung und sind schwer zu beseitigen. Die größeren und leistungsstarken Modelle sind nicht im Rucksack zu transportieren.
Mein Fazit: Für den Gebrauch bei längeren Outdoortouren sind Multifuelkocher, die mit Gas oder Flüssigbrennstoff betrieben werden, am besten geeignet. Fährt man mit Kfz und kommt täglich zu diesem zurück, ist ein Spirituskocher mit Patrone eine gute Wahl. Die Patrone verhindert das Auslaufen des flüssigen Spiritus und es bilden sich in unbelüfteten Räumen auch keine zündfähigen Gasmischungen wie bei Gaskochern, falls mal was schiefgehen sollte. Feststoffkocher sind nur etwas für spezielle Anwendungen tatsächlich abseits jeglicher Zivilisation.