Christian Rieck ist Professor für Wirtschaftswissenschaften und Spieltheorie an der Frankfurt University of Applied Sciences. Auf seinem YouTube-Kanal mit rund 500.000 Abonnenten kommentiert er wirtschaftliche und politische Entwicklungen aus spieltheoretischer Perspektive.
Um das Geld besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Funktionsweise unseres heutigen Geldsystems, des Fiatgeldsystems: Wie entsteht dort überhaupt Geld?
Stellen wir uns ein konkretes Beispiel vor: Jemand gibt einem Schuster Leder und sagt, dass er in einer Woche fertige Stiefel dafür haben möchte. In diesem Moment entsteht eine Kreditbeziehung – das Leder ist bereits übergeben, die Stiefel sind noch nicht da. Es gibt also einen Schuldanspruch. Wenn der Schuster als zuverlässig gilt, kann dieser Anspruch weitergegeben werden, etwa in der Dorfkneipe, wo andere sagen: Den Schuster kennen wir, das passt schon. Der Schuldschein selbst wird damit zum Zahlungsmittel.
Im Kern funktioniert Fiatgeld genau über solche Mechanismen: Geld steht für nachgewiesene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, also für das Versprechen, in Zukunft etwas leisten zu können. Das Raffinierte daran: Solange diese Leistungsfähigkeit geprüft wird, ist jedes Stück Geld durch reale wirtschaftliche Möglichkeiten gedeckt.
Heute übernehmen vor allem Banken diese Prüfung. Wir delegieren an sie die Aufgabe, Kreditwürdigkeit zu bewerten und auf dieser Grundlage Geld zu schaffen – und wenn sie sich irren, haften sie mit ihrem Eigenkapital. Dadurch wird das System anreizkompatibel.
Ein großer Vorteil dabei ist, dass sich die Geldmenge automatisch an den Bedarf der Wirtschaft anpasst: Wenn viel produziert und gehandelt wird, entsteht mehr Geld; wenn Transaktionen abgeschlossen sind, verschwindet es wieder. Dieses im Wirtschaftsgeschehen entstehende endogene Geld unterscheidet sich von exogenem Geld, das von außen in ein System eingebracht wird.
Schulden sind die Entstehung von Geld. Immer dann, wenn jemand einen Kredit aufnimmt, wird neues Geld geschaffen – gewissermaßen „aus dem Nichts“. Das klingt oft irritierend, bedeutet aber nicht, dass dieses Geld keinen Gegenwert hätte. Der Gegenwert liegt in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Schuldners.
Das führt uns zu den anderen zwei Geldsystemen, das „Fürstengeld“ und die verknappte Währung, wie Bitcoin.
Zunächst einmal sind die beiden anderen Geldformen exogenes Geld. Viele Missverständnisse über Geld entstehen dadurch, dass Fiatgeld mit dem sogenanntem Fürstengeld verwechselt wird, obwohl beides konzeptionell unterschiedlich ist.
Fürstengeld ist im Kern ein Unterdrückungssystem.
Es funktioniert so, dass der Herrscher das Monopol auf die Ausgabe von Geld besitzt und von seinen Untertanen verlangt, dieses Geld später – etwa in Form von Steuern – wieder abzugeben. Um daran zu kommen, müssen sie Waren oder Leistungen liefern. Auf diese Weise kann der Fürst mithilfe des Geldsystems Ressourcen aus der Bevölkerung „herauspressen“, die sie ihm freiwillig nicht geben würden.
Historisch zeigt sich das etwa bei der Versorgung stehender Heere: Soldaten bekamen Geld zum Einkaufen bei Bauern, während die Bauern verpflichtet waren, dieses Geld später als Steuer zurückzugeben. So entstand ein stabiler, aber im Kern unterdrückender Kreislauf.
Was ist Knappheitsgeld?
Die Idee des Knappheitsgeldes besteht darin, dass etwas als Geld dient, dessen Menge physikalisch oder technisch begrenzt ist. Gold ist dafür der klassische Prototyp: Der vorhandene Bestand wächst nur langsam, und die Geschwindigkeit dieser Ausweitung lässt sich kaum verändern. Zugleich besitzt Gold Eigenschaften wie Haltbarkeit und gute Teilbarkeit, die es besonders geeignet als Geld machen. Genau diese Logik greift auch bei Bitcoin. In diesem Sinne ist Bitcoin als eine Art „digitales Gold“ gedacht – als knappe, exogen gegebene Geldform in der digitalen Welt.
Gleichzeitig beobachten wir, dass Zentralbanken seit Jahren Staatsanleihen in größerem Umfang aufkaufen – dies nennt sich Quantitative Easing. Formal geschieht das über den Kapitalmarkt, faktisch kommt es einer Staatsfinanzierung durch die Zentralbank nahe. In dieser Entwicklung beginnt Fiatgeld, schrittweise Züge von Fürstengeld anzunehmen: Geldschöpfung wird stärker staatlich geprägt, und der ursprünglich eingebaute Kontrollmechanismus über Risiko und Zinsen verliert an Wirkung.
Selbst wenn die Prognose eines Zusammenbruchs richtig ist, kann sie sich über Jahrzehnte hinziehen – so lange, dass jemand zu Lebzeiten ausgelacht wird, obwohl er historisch betrachtet recht hatte. Und so ist es auch hier: Es ist sehr sicher, dass unser Geldsystem irgendwann zusammenbricht. Wie schnell es zusammenbricht, lässt sich schwer sagen.
Ich zitierte aus folgendem Interessanten Artikel...
https://www.cicero.de/wirtschaft/christian-rieck-geldsystem-finanzsystem
English
Christian Rieck is a professor of economics and game theory at Frankfurt University of Applied Sciences. On his YouTube channel with around 500,000 subscribers, he comments on economic and political developments from a game-theoretic perspective.
To better understand money, it's worth taking a look at how our current monetary system, the fiat money system, works: How is money actually created?
Let's imagine a concrete example: Someone gives a shoemaker leather and says they want finished boots in a week. At that moment, a credit relationship is established – the leather has already been handed over, but the boots haven't arrived yet. There is therefore a claim to payment. If the shoemaker is considered reliable, this claim can be passed on, for example, in the local pub, where others say: We know that shoemaker, he'll be fine. The promissory note itself thus becomes a means of payment.
At its core, fiat money functions precisely through such mechanisms: Money represents proven economic capacity, that is, the promise of being able to deliver something in the future. The ingenious aspect of this is that, as long as this capacity is verified, every unit of money is backed by real economic potential.
Today, banks primarily perform this verification. We delegate to them the task of assessing creditworthiness and creating money based on this assessment—and if they make a mistake, they are liable with their equity capital. This makes the system incentive-compatible.
A major advantage of this is that the money supply automatically adjusts to the needs of the economy: When there is a lot of production and trade, more money is created; when transactions are completed, it disappears again. This endogenous money, created through economic activity, differs from exogenous money, which is introduced into a system from the outside.
Debt is the creation of money. Every time someone takes out a loan, new money is created—essentially "out of thin air." This often sounds perplexing, but it doesn't mean that this money has no value. The value lies in the economic capacity of the debtor.
Debt is the creation of money. This leads us to the other two monetary systems: "princely money" and scarce currencies like Bitcoin.
First of all, the other two forms of money are exogenous. Many misunderstandings about money arise from confusing fiat money with so-called princely money, even though the two are conceptually different.
Princely money is essentially a system of oppression.
It works by the ruler having a monopoly on issuing money and demanding that his subjects return this money later—for example, in the form of taxes. To receive it, they must provide goods or services. In this way, the ruler can use the monetary system to "squeeze" resources from the population that they would not give voluntarily.
Historically, this is evident in the provisioning of standing armies: soldiers received money to buy supplies from farmers, while the farmers were obligated to return this money later as taxes. This created a stable, but fundamentally oppressive, cycle.
What is Scarcity Money?
The idea behind scarcity money is that something serves as money whose quantity is physically or technically limited. Gold is the classic prototype: The existing supply grows only slowly, and the rate of this expansion is difficult to alter. At the same time, gold possesses properties such as durability and good divisibility, which make it particularly suitable as money. This same logic applies to Bitcoin. In this sense, Bitcoin is conceived as a kind of "digital gold"—a scarce, exogenously given form of money in the digital world.
At the same time, we observe that central banks have been buying up government bonds on a large scale for years—this is called quantitative easing. Formally, this happens via the capital market, but in practice, it is close to government financing by the central bank. In this development, fiat money is gradually beginning to take on characteristics of princely money: Money creation is becoming more heavily influenced by the state, and the originally built-in control mechanism over risk and interest rates is losing its effectiveness.
† ... Even if a prediction of a collapse is correct, it can drag on for decades—so long that someone might be ridiculed during their lifetime, even though, historically speaking, they were right. And so it is here: It is very certain that our monetary system will collapse at some point. How quickly it will collapse is difficult to say.
I quoted from the following interesting article...
https://www.cicero.de/wirtschaft/christian-rieck-geldsystem-finanzsystem