Die Linke hat beim DIW eine Studie zu ihren Plänen zur Vermögensteuer in Auftrag gegeben. Aber man muss bezweifeln, dass sie das Gutachten auch gelesen oder verstanden haben, denn es widerlegt deren Pläne.
Die Linke fordert, dass die Vermögensteuer wieder erhoben wird. Bis zu einem Vermögen von 50 Millionen Euro steigt die Steuer von 1 auf 5 Prozent, in der Spitze auf bis zu 12 Prozent. Es gibt einen Freibetrag von 1 Million Euro und für Betriebsvermögen von nur 5 Millionen Euro. Das von der Linken und der Rosa- Luxemburg-Stiftung in Auftrag gegebene DIW-Gutachten umfasst 84 eng bedruckte Seiten.
Ausführlich wird zunächst simuliert, wie viel zusätzliche Steuern die Pläne der Linken einbringen könnten, aber zunächst „vor Anpassungsreaktionen“. Gemeint ist damit: Die Simulation erfolgt zunächst so, als ob die Reichen und Superreichen gar nicht auf die massive Steuerbelastung reagieren würden, also beispielsweise niemand wegziehen würde.
„Steuerpflichtige können ihre Investitionen und sonstige Portfolios sowie Finanzierungen anpassen. Insbesondere können sie im Ausland investieren, sofern Auslandsinvestitionen steuerbegünstigt oder steuerbefreit sind. Daher sollten Auslandsvermögen vollständig in die Steuerpflicht einbezogen werden. Dazu müssen noch bestehende Doppelbesteuerungsabkommen, die Auslandsvermögen von Inländern steuerfrei stellen, etwa bei Unternehmen oder Immobilien, auf die Anrechungsmethode umgestellt werden.“
Natürlich sagt das DIW das ihrem Auftraggeber nicht so klar, aber übersetzt heißt dies, dass das unmöglich ist.
Deutschland kann bestehende Doppelbesteuerungsabkommen nicht einseitig ändern, sondern braucht stets die Zustimmung des Partnerlandes.
Im Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA gilt beispielsweise die Freistellungsmethode für viele Unternehmensgewinne und Immobilien, und die USA hätten kaum ein Interesse, diese zugunsten einer Anrechnungsmethode zu ändern, die ihre eigenen Investoren schlechterstellt.
*Doppelbesteuerungsabkommen neu verhandeln?"
Neuverhandlungen solcher Abkommen dauern erfahrungsgemäß viele Jahre, oft ein Jahrzehnt oder länger, weil beide Parlamente zustimmen müssen. Zudem müssten über 90 deutsche Doppelbesteuerungsabkommen weltweit neu verhandelt werden, was diplomatisch und administrativ unrealistisch ist. In der Praxis würden Kapital und Investitionen lange ausweichen, bevor ein solches global koordiniertes System umgesetzt werden könnte.
Die Folgerung des DIW ist glasklar: Die Pläne der Linken ließen sich nur „bei konsequenter außensteuerlicher Absicherung beziehungsweise nur in Kooperation mit den OECD-Ländern sowie weiteren G20 Ländern“ sinnvoll einführen (S.50).
Diese Voraussetzung ist natürlich absolut wirklichkeitsfremd, weil sie voraussetzt, dass sich nahezu alle wichtigen Industriestaaten gleichzeitig auf identische Vermögensbesteuerungsregeln einigen. Schon deutlich kleinere Steuerprojekte der OECD, etwa Mindeststeuern für Unternehmen, haben trotz jahrelanger Verhandlungen nur teilweise und sehr verzögert funktioniert. Länder wie die USA, die Schweiz oder Singapur hätten zudem starke wirtschaftliche Anreize, einer solchen Koordination nicht zuzustimmen, weil sie dadurch Kapital anziehen könnten. Selbst innerhalb der EU scheitern regelmäßig Steuerharmonisierungen an nationalen Interessen, obwohl dort institutionelle Strukturen für Zusammenarbeit existieren.
Aber damit nicht genug. Das DIW sagt auch, dass die Pläne der Linken zu „erheblichen wirtschaftlichen Risiken“ führen würden. Internationale Großinvestoren würden bei der Umsetzung der Pläne „einen Umweg um Deutschland machen“ und der deutsche Wirtschaftsstandort würde deutlich belastet.
Hinzu kommt, dass das DIW Zweifel hat, ob die Pläne der Linken nicht gegen das Grundgesetz verstoßen würden. Auf Seite 33 heißt es, angesichts der hohen Steuersätze bestünden „größere verfassungsrechtliche Risiken“. Und auf Seite 52 wird vorgerechnet, dass die Gewinne Superreichen nach den Plänen der Linken „weitgehend wegbesteuert werden“ und diese „schleichend kalt enteignet“ würden.
Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, die Fraktionsvorsitzenden der Linken, haben ein Vorwort zu der Studie geschrieben, dem man anmerkt: Sie haben die – zugegeben fachlich nicht ganz einfache – Studie entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Wer weiß, vielleicht hat das DIW genau dies gehofft.
Ich zitierte aus folgendem Artikel...
Mein persönliches Fazit:
Ich halte mich heute mal lieber zurück mit meinem Fazit. Das ich kein Fan von Sozialisten oder sonst irgendwelchen Politiker bin sollten regelmäßige Mitleser schon wissen.
Aber mich interessiert Mal dein persönliches Fazit zu diesem Fundstück. 😜😇
English
The Left Party commissioned a study from the German Institute for Economic Research (DIW) on its plans for a wealth tax. However, it's doubtful they actually read or understood the report, as it refutes their proposals.
The Left Party is demanding the reintroduction of the wealth tax. The tax would increase from 1 to 5 percent on assets up to 50 million euros, reaching a maximum of 12 percent. There would be a tax-free allowance of 1 million euros, and only 5 million euros for business assets. The DIW report, commissioned by the Left Party and the Rosa Luxemburg Foundation, comprises 84 densely printed pages.
The report begins with a detailed simulation of how much additional tax revenue the Left Party's plans could generate, but initially "before any adjustments." This means the simulation is conducted as if the wealthy and super-rich would not react to the massive tax burden at all—for example, as if no one would relocate.
"Taxpayers can adjust their investments, other portfolios, and financing. In particular, they can invest abroad, provided that foreign investments are tax-advantaged or tax-exempt. Therefore, foreign assets should be fully included in the tax liability. To achieve this, existing double taxation agreements that exempt foreign assets of residents, for example, in the case of companies or real estate, must be converted to the credit method."
Of course, the DIW (German Institute for Economic Research) doesn't state this so explicitly to its client, but in essence, this means that it's impossible.
Germany cannot unilaterally amend existing double taxation agreements; it always requires the consent of the partner country.
For example, the double taxation agreement with the USA uses the exemption method for many corporate profits and real estate, and the USA would have little interest in changing this in favor of a credit method that puts its own investors at a disadvantage.
Re-negotiating Double Taxation Agreements?
Experience shows that renegotiating such agreements takes many years, often a decade or more, because both parliaments must agree. Furthermore, over 90 German double taxation agreements would have to be renegotiated worldwide, which is diplomatically and administratively unrealistic. In practice, capital and investment would be diverted for a long time before such a globally coordinated system could be implemented.
The DIW's conclusion is crystal clear: The Left Party's plans could only be meaningfully introduced "with consistent external tax safeguards or only in cooperation with the OECD countries and other G20 countries" (p. 50).
This prerequisite is, of course, completely unrealistic because it presupposes that almost all major industrialized nations would simultaneously agree on identical wealth tax rules. Even significantly smaller OECD tax projects, such as minimum corporate taxes, have only been partially successful and with considerable delay, despite years of negotiations. Countries like the US, Switzerland, and Singapore have strong economic incentives not to agree to such coordination because it could attract capital. Even within the EU, tax harmonization efforts regularly fail due to national interests, despite the existence of institutional structures for cooperation.
But that's not all. The DIW also states that the Left Party's plans would lead to "considerable economic risks." Large international investors would "take a detour around Germany" if the plans were implemented, and Germany's economic standing would be significantly burdened.
Furthermore, the DIW has doubts as to whether the Left Party's plans would violate the German constitution. On page 33, it states that, given the high tax rates, "significant constitutional risks" exist. And on page 52, it calculates that, under the Left Party's plans, the profits of the super-rich would be "largely taxed away," effectively "creeping expropriation."
Heidi Reichinnek and Sören Pellmann, the parliamentary group leaders of the Left Party, wrote a foreword to the study, which clearly shows that they either didn't read the study—admittedly not a simple one—or didn't understand it. Who knows, maybe that's exactly what the DIW (German Institute for Economic Research) was hoping for.
My personal conclusion:
I'd rather refrain from giving my conclusion today. Regular readers should already know that I'm not a fan of socialists or any politicians for that matter.
But I'm interested in your personal conclusion about this find. 😜😇