Krypto-Assets tauchen immer häufiger in Scheidungsverfahren auf. Anwälte berichten, dass vermögende Ehepartner Bitcoin und andere Token gezielt verschweigen.
Vermögende Ehepartner verschweigen in Scheidungsverfahren zunehmend ihre Bestände an Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Das berichten mehrere auf Familienrecht spezialisierte Anwälte. Die digitale Natur der Token erschwert die Aufdeckung und verzögert Einigungen vor Gericht.
In einem Fall, über den ein nicht namentlich genannter Anwalt berichtet, schöpfte eine Ehefrau Verdacht, nachdem sie handschriftliche Notizen mit langen Zahlenfolgen entdeckt hatte. Sie erwirkte gerichtliche Offenlegungs- und Einfrierungsanordnungen gegen ihren Ehemann und eine Krypto-Börse. Daraufhin musste der Mann einräumen, tatsächlich Krypto-Assets zu halten.
“Er sagte, er habe sie nicht angegeben, weil sie alt gewesen seien und es keine wirklichen Transaktionen mehr gegeben habe”, so der Anwalt. Der Wert der Bestände sei gering gewesen, dennoch gelte: “Man muss alle Vermögenswerte offenlegen.”
. “Früher parkten Menschen ihr Geld in Offshore-Treuhandstrukturen, Unternehmen und ähnlichem; das passiert natürlich immer noch, aber zunehmend sehen wir, dass es in Krypto geschieht.” In den kommenden zehn Jahren werde die Zahl solcher Fälle deutlich steigen, auch wegen der Popularität von Kryptowährungen bei jüngeren Generationen.
Auch bei Eheverträgen spielen digitale Vermögenswerte inzwischen eine Rolle. Werden erhebliche Bestände, darunter Krypto-Assets, nicht offengelegt, kann dies zur Unwirksamkeit eines Ehevertrags führen.
In Deutschland werden Bitcoin im Scheidungsfall wie andere Vermögenswerte behandelt. Leben Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wird auf Antrag berechnet, wie viel Vermögen beide zwischen Eheschließung und Zustellung des Scheidungsantrags hinzugewonnen haben. “Derjenige, der in dieser Zeit mehr hinzugewonnen hat, muss dann dem anderen die Hälfte dieses Zugewinns abgeben”, erklärt Rechtsanwalt Christian Solmecke im Gespräch mit BTC-ECHO. Durch die teils starken Kursschwankungen könne es passieren, dass Bitcoin am Stichtag sehr hoch bewertet werden, bis zum Verfahrensende jedoch deutlich an Wert verlieren. Das könne für den vermeintlich vermögenderen Partner “teures Pech” sein.
BTC-ECHO: Worauf sollte man unbedingt achten, wenn man Bitcoin und Co. vererben möchte?
Grundsätzlich erben die Erben das gesamte Vermögen – dazu zählen auch digitale Güter wie Bitcoin beziehungsweise ganz konkret die Zugangsmöglichkeit mittels Private Key zur Wallet. Dass auch digitale Güter, Konten & Co. vererbbar sind, lässt sich aus dem BGH-Urteil zum “digitalen Erbe” ableiten.
Hat der Erblasser den Private Key physisch zum Beispiel auf einem USB-Stick gespeichert, geht er sofort auf die Erben über. Ist der Private Key in einer Online-Wallet gespeichert, tritt der Erbe in den Vertrag zwischen Erblasser und Anbieter ein und hat daher nur einen Anspruch gegen den Anbieter auf Zutritt zur Wallet.
Wichtig ist, dass der Erblasser seinen Erben zum Beispiel im Testament mitteilt, welche Kryptowährungen in seinem Besitz sind und wie die Erben an diese kommen können. Sonst kann es passieren, dass dieser Vermögensteil unentdeckt bleibt.
Worauf sollte man bei der Schenkung von Bitcoin achten?
Hier muss im Zweifel Schenkungssteuer gezahlt werden. Maßgeblich ist der Tag der Schenkung. Wenn der Wert da sehr hoch war, schlägt das auch auf die Steuer durch. Man sollte also versuchen, die Bitcoin an einem Tag zu übertragen, an dem der Wert niedrig liegt. Allerdings sind manche Schenkungen von dieser Steuer befreit – zum Beispiel ein Geschenk an den Ehepartner unter 500.000 Euro, an ein Kind unter 400.000 Euro innerhalb von zehn Jahren.
English
Crypto assets are increasingly appearing in divorce proceedings. Lawyers report that wealthy spouses are deliberately concealing their Bitcoin and other tokens.
Wealthy spouses are increasingly concealing their holdings of Bitcoin and other cryptocurrencies in divorce proceedings, according to several lawyers specializing in family law. The digital nature of the tokens makes them difficult to detect and delays settlements in court.
In one case, reported by an unnamed lawyer, a wife became suspicious after discovering handwritten notes containing long sequences of numbers. She obtained court-ordered disclosure and freezing orders against her husband and a cryptocurrency exchange. As a result, the husband was forced to admit that he did indeed hold crypto assets.
“He said he hadn’t declared them because they were old and there hadn’t been any real transactions,” the lawyer stated. The value of the holdings was low, but the principle remains: “You have to disclose all assets.”
“People used to park their money in offshore trusts, companies, and the like; that still happens, of course, but we’re increasingly seeing it done in crypto.” The number of such cases will rise significantly in the next ten years, partly due to the popularity of cryptocurrencies among younger generations.
Digital assets are now also playing a role in prenuptial agreements. Failure to disclose substantial holdings, including crypto assets, can render a prenuptial agreement invalid.
In Germany, Bitcoin is treated like other assets in divorce proceedings. If spouses are subject to the statutory property regime of community of accrued gains, a calculation is made, upon request, of how much wealth each spouse has accumulated between the marriage and the service of the divorce petition. “The one who has gained more during this period must then give half of that gain to the other,” explains lawyer Christian Solmecke in an interview with BTC-ECHO. Due to the sometimes significant price fluctuations, it can happen that Bitcoin is valued very highly on the valuation date, but then loses considerable value by the end of the proceedings. This could be “expensive bad luck” for the supposedly wealthier partner.
BTC-ECHO: What should you absolutely consider when bequeathing Bitcoin and other cryptocurrencies?
In principle, the heirs inherit the entire estate – this also includes digital assets such as Bitcoin, or more specifically, access to the wallet via the private key. The fact that digital assets, accounts, and the like are also inheritable can be derived from the German Federal Court of Justice (BGH) ruling on “digital inheritance.”
If the deceased has physically stored the private key, for example on a USB stick, it passes directly to the heirs. If the private key is stored in an online wallet, the heir assumes the contract between the deceased and the provider and therefore only has a claim against the provider for access to the wallet.
It is important that the deceased informs their heirs, for example in their will, which cryptocurrencies they own and how the heirs can access them. Otherwise, this asset may remain undiscovered.
What should you consider when gifting Bitcoin?
Gift tax may be payable. The decisive factor is the date of the gift. If the value was very high on that date, this will also affect the tax. Therefore, you should try to transfer the Bitcoin on a day when its value is low. However, some gifts are exempt from this tax – for example, a gift to a spouse under €500,000, or to a child under €400,000 within ten years.
Ich zitierte aus folgenden Artikeln...
https://www.btc-echo.de/news/bitcoin-wird-thema-im-scheidungsfall-226247/