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Nachdem ich mit meiner bisherigen Handhabung des Themas bereits Unmut hervorgerufen habe, was mir leid tut, kommt hier endlich die Auflösung. Worauf will ich hinaus, woher kommt die Kaufkraft des Geldes und schlussendlich das Geld selbst?
Ich schicke noch voraus, dass ich positiv überrascht bin über die Resonanz im Kommentarbereich zu meinem vorigen zweiten Beitrag zum Thema "Auch nach weitergehenden Betrachtungen und Blicken in die Geldgeschichte: Weit und breit keine Geldeinführungen in Sicht!", die deutlich stärker war als beim ersten Betrag, und die war schon beachtlich!
Darum nochmal vielen Dank an die Kommentatoren und nochmal die Bitte um Verzeihung, Verständnis und Geduld für die im vorigen Beitrag beschriebene ungewöhnliche Handhabung der Beantwortung der Kommentare! Ich behalte sie weiterhin bei zwecks Übersichtlichkeit und geradliniger Abschreitung des roten Fadens bei diesem komplexen, umfangreichen Thema Geldwesen.
Ich bitte zu beachten, dass es nach wie vor um "Geld" und dessen "Einführung" gemäß meinen ganz am Anfang im ersten Beitrag Geld einführen ist absolut unmöglich! gegebenen Definitionen dieser beiden Begriffe geht!
Dass diese Definitionen sinnvoll, vollumfänglich brauchbar und für ein umfassendes Verständnis des Geldwesens optimal geeignet sind, hoffe ich und bin da zuversichtlich. Das wird sich in diesem und weiteren Beiträgen weisen.
Auf die Anregungen und Anmerkungen zu weiteren Definitionen vor allem zu "Geld" und zur "Geldigkeit" monetärer Phänomene komme ich zu gegebener Zeit mehr als einmal zurück.
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Erwartungsgemäß hat mich niemand widerlegen und hat darlegen können, wie man denn Geld einführen kann. Durch die beiden Beispiele im ersten Beitrag und im zweiten Beitrag die detaillierte, untaugliche "Herleitung" der Kaufkraft des Hallero durch den Zecher aus dem ersten Beispiel habe ich Anknüpfungspunkte und gleichzeitig weite Angriffsflächen für Widerlegungen geboten.
Der Knackpunkt, der eine Geldeinführung unmöglich macht, ist die fehlende, da unmögliche Kaufkraftzuweisung durch Verkäufer und Käufer an die einzelne Geldeinheit, ohne die die Bestimmung eines für beide Tauschpartner (Verkäufer und Käufer) befriedigenden Tauschverhältnisses unmöglich ist.
"Aber verdammt nochmal, es gibt doch Geld, und das schon seit Jahrtausenden! Also muss es doch irgendwann mal irgendwie irgendwo eingeführt worden sein!" So oder ähnlich wird es sich manch einer meiner werten Leser - wahrscheinlich nicht erst jetzt - denken.
Es ist entstanden, ganz klar, aber nicht zentral gesteuert an einem Stichtag schlagartig von Null auf Hundert eingeführt worden. Wie das vonstatten gegangen sein musste und jederzeit könnte, beschreibt der mE zentrale Fundamentpfeiler aller Geldtheorie und des umfassenden Verständnisses des Geldwesens, das
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Plakative Darstellungen sind normalerweise nicht mein Ding, aber hier muss es ausnahmsweise sein, um die überragende Bedeutung herauszustellen. Die immense Tragweite und Wichtigkeit der durch dieses Theorem vermittelten Erkenntnisse und Sichtweisen werde ich hier und in weiteren Beiträgen ausrollen.
Es ist Zeit für die im Titel angekündigten Aussagen von 3 Autoren, die sich intensiv mit dem Geldwesen befasst und viel darüber geschrieben bzw. in Videos gesprochen haben.
Einer davon ist der Urheber des Regressionstheorems, Ludwig von Mises, den ich bereits im ersten Beitrag zitiert habe, und zwar aus genau dem Werk, in dem er sein Theorem vorgestellt hat, nämlich "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel". Das war ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, der aber offensichtlich nicht bemerkt wurde.
Vor von Mises zitiere ich die beiden anderen Autoren, hier der erste:
Woher kommt der Wert des Geldes?
Gott sei Dank hat der wohl größte Ökonom des 20. Jahrhunderts schon eine Antwort auf diese Fragen gegeben:
Ludwig Heinrich Edler von Mises (29.09.1881 - 10.10.1973)
Hier die drei wichtigsten Werke:
Theorie of Money and Credit [Anm.: Das ist der englische Titel von "Theorie des Geldes und der Umlaufmittel".]
Die Kaufkraft des Geld wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
In meinem oben genannten Beispiel, war ich als Dönerkäufer Geldanbieter und der Dönerverkäufer war Geldnachfrager. Meine Nachfrage nach einem Döner entsprach also dem Geldangebot und das Angebot von Gütern, also der Döner, entsprach der Geldnachfrage.
Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage bestimmt also den Preis.
Hier befinden wir uns aber jetzt in einem unlösbaren Zirkelschluss, denn ich habe ja gesagt, dass Geld nachgefragt wird, weil es Kaufkraft hat und, dass die Kaufkraft des Geldes durch die Nachfrage nach Geld und das Angebot von Geld bestimmt wird.Aus diesem unlösbaren Zirkelschluss hilft uns Mises mit seinem Regressionstheorem heraus.
Die Kaufkraft des Geldes hat nach Mises eine Zeitdimension.
Die Menschen halten heute Geld, weil sie wissen, dass es gestern Kaufkraft hatte und gestern hielten sie Geld, weil es vorgestern Kaufkraft hatte, usw.
Dieser Vorgang endet nach Mises genau an dem Tag, an dem ein Gut zum ersten Mal nicht aufgrund seiner eigentlichen nichtmonetären Verwendung getauscht wurde, sondern aufgrund seiner Verwendung als Tauschmittel.
Mises unterstützt hiermit die Geldtheorie von Carl Menger, dass Geld spontan am freien Markt als Sachgeld entstanden ist.
Das Tauschmittel, welches als Geld entstanden ist, muss also in der Vergangenheit z.B. als Rohstoff einen Wert gehabt haben, bevor es zu Geld geworden ist.“Consideration of the origin of the use of money and of the particular components of its value that depend on its monetary function suggest an obvious answer to this question. The first value of money was clearly the value which the goods used as money possessed (thanks to their suitability for satisfying human wants in other ways) at the moment when they were first used as common media of exchange. ”
["Die Betrachtung des Ursprungs der Verwendung des Geldes und der besonderen Komponenten seines Wertes, die von seiner Geldfunktion abhängen, legen eine offensichtliche Antwort auf diese Frage nahe. Der erste Wert des Geldes war eindeutig der Wert, den die als Geld verwendeten Waren (dank ihrer Eignung, die menschlichen Bedürfnisse auf andere Weise zu befriedigen) in dem Moment besaßen, als sie zum ersten Mal als gemeinsame Tauschmittel verwendet wurden. "]
[Übersetzt durch den Autor mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)][Die Fettschrift wurde aus dem Original übernommen.]
Stephan Haller , Mises Regressionstheorem oder woher kommt der Wert des Geldes?, am 8.3.2018
Nun der zweite Autor:
Wenn Marktteilnehmer feststellen, dass einige Güter mehr liquide sind als andere, werden sie anfangen diese zu horten, um besser für unerwartete Ausgaben vorbereitet zu sein. Diese zusätzliche Nachfrage ist die Entstehung der Funktion des Tauschmittels und erhöht den Preis (die Differenz wird heutzutage Liquiditätspremium genannt). Durch den Netzwerkeffekt werden die Marktteilnehmer zunehmend primär dasselbe Tauschmittel horten, bis es praktisch von jedem gehortet wird, und diese Phase "Geld" genannt wird. Dabei ist nicht notwendig, dass die Teilnehmer verstehen, dass ihre Hortneigung die Tauschmittelfunktion als Nebeneffekt hat (selbstverständlich kann aber umgekehrt das Verstehen diesen Nebeneffekt nicht verhindern).
Mises hat auf den Erkenntnissen von Menger aufgebaut, und argumentiert, dass diese zusätzliche Hortnachfrage (die Tauschmittelfunktion) nur bei liquiden Gütern entstehen kann, und eine andere Entstehungsweise gar nicht denkbar ist. Leute können sich z.B. auf einem bestimmten Tauschmittel nicht einfach einigen. Wenn wir also beobachten, dass ein illiquides Gut A gegen ein anderes Gut, B, gehandelt wird, wissen wir deduktiv, dass A in diesem Fall kein Tauschmittel ist. Entweder handelt es sich um einen direkten Tausch (Barter), oder B ist das Tauschmittel. Wenn wir also den Ursprung des Geldes an sich untersuchen, kann es gar keine Tauschmittel geben, und es muss sich um Barter handeln. Die Notwendigkeit, Liquidität zu besitzen, kann laut Mises auch vom Zeichengeld nicht umgangen werden, welches sie durch die staatliche Intervention in dem davor existierenden Geldmarkt erhält.
Diese sequenzielle Entstehung wird als das Mises’sche Regressionstheorem bezeichnet und leider oft missinterpretiert. Die Idee, dass ein Gut einen Preis haben muss, um als Tauschmittel zu fungieren, ist nicht primär österreichisch, und wurde bereits von Adam Smith präsentiert. Die Österreicher haben es um das Liquiditätskonzept erweitert.
Robert (Nachname nicht bekannt) , Österreichische Schule (Wiener Schule) Kryptoökonomie, am 23.3.2018
Nun noch kurz etwas von mir selbst:
Die Antwort auf die Frage aus o. g. Artikel „Wie würdest du Geld einführen?“ kann also nur lauten: „Gar nicht, weil das absolut unmöglich ist.“
Wie kommt das Geld zu seiner Kaufkraft, also seinem Preis?
[...]
Eine Frage, die es in sich hat und über die viele Ökonomen gebrütet haben, bis 1912 der wohl bedeutendste Ökonom nicht nur der Österreichischen Schule (ÖS) Ludwig von Mises in seinem bahnbrechenden Werk „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ – die mE beste Geldtheorie überhaupt – die Antwort fand, die bis heute Mises‘sches Regressionstheorem genannt wird. Das klärt auch gleich die genauso hochwichtige Frage mit:Wie entstand Geld ursprünglich?
oder anders formuliert:
Wie kam das Geld in die Welt?
Geld kann nicht eingeführt werden!, am 9.11.2017
In den beiden folgenden Beiträgen habe ich begonnen, die Entstehung von Geld und dessen Kaufkraft ausgehend vom Euro und der Gegenwart den von Ludwig von Mises vorgezeichneten Regress ausführlich und laienverständlich vorzunehmen.
Leider habe ich damals den roten Faden verloren, was nicht nochmal passieren soll, und habe ihn jetzt wieder aufgenommen. Der Regress führt übrigens bislang bis zum 4.8.1914 und wird baldigst fortgesetzt.
Ludwig von Mises, Autor: Ludwig von Mises Institute • CC-BY-SA-3.0
Zum Schluss noch die wichtigsten Sätze von Großmeister Mises, auf die wir alle drei uns beziehen:
Da dem Geld als solchem jede direkte Beziehung zu einem menschlichen Bedürfnis fehlt, kann das Individuum sich eine Vorstellung von seinem Nutzen und mithin von seinem Werte nicht anders bilden, als indem es von einer bestimmten Kaufkraft ausgeht. Diese Annahme aber wird begreiflicherweise keine andere sein können als die, welche dem augenblicklich auf dem Markte herrschenden Austauschverhältnis zwischen Geld und Ware entspricht.
Das einmal auf dem Markt in Kraft stehende Austauschverhältnis zwischen Geld und Ware übt also auch noch über den Augenblick hinaus eine Wirkung aus; es gibt die Grundlage, den Ausgangspunkt ab für die weitere Schätzung des Geldes. So erlangt der objektive Tauschwert der Vergangenheit für die gegenwärtige und künftige Schätzung des Geldes eine
bestimmte Bedeutung.Die Geldpreise von heute sind mit den Geldpreisen von gestern und vorgestern und mit denen von morgen und übermorgen durch ein Band verknüpft.
Mit dieser Feststellung allein ist jedoch eine vollständige Erklärung des historisch überlieferten Geldwertes nicht erreicht, sie ist nur hinausgeschoben. Wenn der Geldwert von heute auf den Geldwert von gestern, der von gestern auf den von vorgestern zurückgeführt wird, dann muß die Frage nach den Bestimmungsgründer [sic!], des ersten Geldwertes aufgeworfen werden. Zur Beantwortung dieser Frage leiten uns zwanglos die Erwägungen über die Entstehung des Geldgebrauches und der besonderen, auf der Funktion als Geld beruhenden Komponente des Geldwertes.
Der älteste historisch überkommene Geldwert ist offenbar der Wert der Geldgüter, den sie im Augenblick, als man sie zuerst als allgemeine Tauschmittel zu verwenden begann, wegen ihrer sonstigen Brauchbarkeit zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse besaßen.
Als das Individuum das erstemal in die Lage kam, einen Gegenstand nicht für den eigenen Konsum, sondern als Tauschmittel zu erwerben, da schätzte es diesen nach dem objektiven Tauschwerte, der ihm auf Grund seiner industriellen Brauchbarkeit auf dem Markte bereits zukam, und dann weiter erst wegen der Möglichkeit, ihn als Tauschmittel zu verwenden.
Der älteste Geldwert führt auf den Warenwert des Geldstoffes zurück.
Auf den historisch übernommenen Geldwert der Vergangenheit und Gegenwart wirken aber nicht nur jene Momente ein, welche die Wertgestaltung des Stoffes des Sachgeldes wegen seiner anderweitigen Verwendungsmöglichkeit beeinflussen, sondern auch jene, welche sich aus dem Geldgebrauch ergeben.
Nicht nur Nachfrage und Angebot zu industriellen Zwecken, sondern auch Nachfrage und Angebot zum Tauschmitteldienst beeinflussen den Wert des Goldes von dem Augenblick an, da man begonnen hatte, das Gold als Geld zu gebrauchen.
Aus der Tatsache, daß der objektive Tauschwert des Geldes stets einer Anknüpfung an ein auf dem Markte zwischen dem Geld und den übrigen wirtschaftlichen Gütern bereits bestehendes Austauschverhältnis bedarf, da das wirtschaftende Individuum anders nicht in der Lage wäre, ein Werturteil über das Geld abzugeben, folgt weiter, daß als Geld nur ein Objekt in Verwendung genommen werden kann, das in dem Augenblick des Beginnes seiner Tauschmittelfunktion bereits auf Grund anderweitiger Verwendung objektiven Tauschwert besessen hat.
Darin liegt eine Zurückweisung jener Theorien, welche die Entstehung des Geldes auf ein Übereinkommen zurückführen, in dem sich die Menschen dazu verstanden hätten, an sich wertlosen Dingen durch eine Fiktion imaginären Wert beizulegen, und eine Bestätigung der Mengerschen Hypothese vom Ursprung des Geldgebrauches.
Die Anknüpfung an einen bereits gegebenen Tauschwert ist nicht nur für das Sachgeld erforderlich, sondern gerade so auch für das Kreditgeld und für das Zeichengeld¹. Niemals wird ein Zeichengeld entstehen können, das dieser Bedingung nicht entspricht.
¹ [Anm.: damit ist ungedecktes Papiergeld (Fiat-Geld, z. B. Hallero 😉) u. ä. gemeint.]
[Mehrere Absätze eingefügt und Hervorhebungen durch den Verfasser]
Theorie des Geldes und der Umlaufmittel, 2. Auflage 1924, S. 86 f.
Also, meine Herren, wir drei sind uns doch hier einig, oder etwa nicht?!