Beim Edeka stand etwas Neues im Regal. Das musste ich natürlich sofort ausprobieren, und als höflicher Mensch lasse ich euch daran teilhaben.
Vom Wildwuchs-Brauwerk hatte ich vorher noch nie gehör, obwohl sie offenbar hier aus Hamburg kommen. Es gab zwei Aspekte, die ich besonders interessant fand. Der erste Aspekt findet sich auf dem vorderen Etikett.
Wenn jemand ein Craft-Bier braut, dann ist es meistens ein Pale Ale oder ein India Pale Ale. Das ist nichts Schlimmes, ich mag die ja gerne. Trotzdem hat es mich gefreut, dass hier jemand ein Lager produziert hat. Einfach mal ein Helles, das klingt nach einer angenehmen Abwechslung. Hauptsache es ist nicht zu süß. Warten wir's ab.
Die zweite Überraschung fand sich auf dem rückwärtigen Etikett.
Stimmt schon, es war nur eine Frage der Zeit, bis ich auf ein Bio-Bier treffe. Hopfen und Malz sind Bio, die Hefe ist normal und das Wasser ist ohnehin mineralisch. 4,7% Aklohol klingt ganz gut, denn dann knallt es nicht zu hart sondern ist eher was für den Genuss. Die Verwendung von Cascade-Hopfen statt dem mittlerweile modernen Citra verspricht einen relativ klassischen Geschmack, wobei ja auch Cascade ein recht fruchtiger Aroma-Hopfen ist.
Den Sprachunkundigen muss ich es wohl übersetzen. Sutsche bedeutet entspannt, ruhig, bedächtig, langsam, sacht. Sie versprechen ein Bier, mit dem man sich Zeit lassen kann. Das Richtige für den unaufgeregten, wortkargen Norddeutschen.
Aber genug der Äußerlichkeiten, nähern wir uns dem Inhalt.
Es riecht nach Bier, soviel weiß ich zu diesem Zeitpunkt schon. Als Handwerkersohn will ich es eigentlich aus der Flasche trinken, aber ihr sollt gerne einen Eindruck von der Farbe bekommen. Also habe ich eine Probierportion in ein Espresso-Glas gegeben. Kölsch-Trinker sollen an dieser Stelle mal schön den Mund halten, alle Anderen dürfen aufstöhnen.
Da kann man gut von einem kühlen Blonden sprechen, leicht trüb, feinperlig, mit schneeweißer, fester Krone. Aber kommen wir zum zentralen Punkt, dem Geschmackstest.
Oh ja, das ist gut. Die Werbung würde es wohl als feinherb bezeichnen. Es ist substanziell im Geschmack, mit klarer Hopfennote und mild nachklingendem, malzigem Abgang. Süffig, aber mit Charakter. Durchaus norddeutsch herb, wenn auch in der milderen Form. Ein Genuss bis zum letzten Tropfen. Da haben die Wildwüchsigen etwas Feines zustande gebracht.
Fazit
Dieses Bier kann ich unbedenklich weiterempfehlen. Schade, dass ich keine zweite Flasche mitgenommen hatte. Es hat ganz bestimmt nicht zum letzten Mal den Weg in meinen Kühlschrank gefunden.