Zugegeben, für den ersten Beitrag in dieser lockeren Reihe ist es vielleicht nicht die beste Idee ein Gestein zu wählen, von dem die wenigsten jemals etwas gehört haben. Geschweige denn, es zu Gesicht bekommen haben. Denn es ist vergleichsweise selten. In ganz Deutschland gibt es nur zwei handvoll Vorkommen, in den wenigsten davon tritt Diatomit tatsächlich als Festgestein auf. In Europa sieht es nicht viel besser aus. Trotzdem ist das Gestein interessant, weil es doch recht seltsame Eigenschaften hat. Vielleicht war die Wahl dann doch nicht so falsch.
Im Trias (Das war zu Zeiten, in denen es noch mit Pangäa nur einen einzigen Kontinent gab, aber schon Dinos über diesen trampelten) entwickelten sich in den Binnenseen erstmals Diatomeen, also Kieselalgen. Diese mikroskopisch kleinen Gebilde gibt es auch heute noch. Sie entnehmen aus dem Wasser Siliziumdioxid und bauen daraus filigrane Schalen, deren wahre Struktur oft nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar wird. Nach dem Tod sinken die Schalen zu Boden und bilden dickere Schichten. Wenn sich diese verfestigt haben und nicht gleich wieder zu feiner Kieselgur zerfielen, entstand Diatomit. Es handelt sich also um ein Sedimentgestein.
Diatomit ist meist gelb, hellbraun oder grau und weist keine sichtbare Kristallstruktur oder Mineralbestandteile und nur ganz selten sichtbare Hohlräume auf. Sichtbar durch eine geringfügig andere Färbung ist eine Schichtung, die bei der Ablagerung entstand. Parallel zu den Schichten lässt sich das Gestein relativ leicht spalten. Es ist mit einer Mohshärte um 3 relativ weich. Dunkle Einschlüsse im Gestein sind meist tierische und pflanzliche Fossilien, die die Zeiten so geschützt überdauert haben. Auch die enthaltenen Diatomeenschalen lassen sich übrigens noch unter dem (besseren) Mikroskop betrachten, dazu sind aber komplexe Verfahren notwendig. Sinnvoller ist es da, sich Kieselgur (weißes Pulver) zu besorgen. Die entstand genauso wie oben beschrieben und besteht auch aus den Diatomeenschalen. Nur liegt sie halt nicht in Gesteinsform vor.
frische Bruchstelle
fossile Blattreste im Diatomit
Neben der Farbe, der geringen Härte und der Schichtung ist das Gewicht ein wichtiges Kriterium zum Bestimmen. Diatomit ist in trockenem (!) Zustand sehr leicht und schwimmt auf Wasser. Nass hat es eine Dichte von über 2 und geht unter wie der sprichwörtliche Stein.
Ja, der Stein schwimmt tatsächlich
Verantwortlich dafür sind die vielen kleinsten Lufteinschlüsse in den Schalen der Diatomeen, die sich erst mit Wasser füllen müssen. Das passiert relativ schnell, denn Diatomit hat ein hohes Absorptionsvermögen. In der Industrie wird das unter anderem für Filter benutzt. Nitroglyzerin wird mit Kieselgur zu Dynamit und damit handhabungssicher. Früher wurde es auch als Poliermittel verwendet, woher die Bezeichnung "Polierschiefer" stammt. Natürlich kann man auch Unfug damit anstellen. Ein trockenes Stück Diatomit lässt sich auf die Zunge auflegen und klebt dort erst mal so fest, dass es nicht herunterfällt. Auf Selfies der Aktion verzichte ich mal.
Noch ein paar ernsthafte Fakten.
Klassifizierung: Gesteine > sedimentäre Gesteine und Sedimente > nicht-klastische silikatreiche Sedimente und sedimentäre Gesteine > kieselige Gesteine
typische Zusammensetzung: 66,5% SiO2, 7% Al2O3, 2,5% Fe2O3, 19% H2O; dazu noch MgO und CaO