Die eigentliche Arbeit ist nicht mit der erfolgreichen Suche beendet. Sie beginnt eigentlich erst, wenn wir wieder zu Hause sind. Besonders Anfänger unterschätzen den Zeit- und Arbeitsaufwand, der am heimischen Schreibtisch ansteht. Das wird nicht mit den 2 Stunden am Beispielfundort abgehen. Die Funde müssen gesichtet werden, eine Feinreinigung steht an, sie müssen bestimmt, noch mal sortiert, in Form gebracht, montiert, teilweise manipuliert (freiätzen...), und in die Sammlung eingearbeitet werden. Jede Menge Arbeit also. Wie geht man es an?
Zuerst mal mit dem einfachen Part. Die Mineralien kommen aus dem Rucksack in eine kleine Stiege, falls das nicht schon im Auto passiert ist. Dann wird erst mal die Ausrüstung wieder i.O. gebracht, bevor wir uns den Fundstücken widmen. Damit sollte man sich nicht allzu viel Zeit lassen.
Zuerst werden die Stufen, so das noch nicht im Feld geschehen ist, so weit grob gereinigt, dass man die Kristalle auf der Stufe mit all ihren Merkmalen auch erkennen kann. Zu bedenken ist dabei, dass eine Menge wasserlöslicher Minerale gibt. Dummerweise sind darunter auch sehr seltene. Wenn solche Minerale in der Literatur zur Fundstelle vorkommen, muss auf eine Nassreinigung verzichtet werden. Alles andere kann mit Wasser und Pinsel freigelegt werden. Ist das erledigt und die Stufe wieder trocken (!) kommt sie unter die Lupe oder, wenn vorhanden, unters Stereomikroskop. Letzteres ist bequemer und man entdeckt auch schneller die interessierenden Details. Der Anfänger oder der Neuling an einem bestimmten Fundort wird sich sehr schwer tun, die Dinge, die er da sieht, einem konkreten Mineral zuzuordnen. Es geht eher darum festzustellen, wo auf der Stufe Kristalle sitzen. Das sollte man gründlich tun, manches versteckt sich nämlich.
Das sind kleine Kristalle von Dufrenit, ein nicht gerade häufiges Mineral. Ohne genaue Durchmusterung landet so etwas im Abfall. Die Spitze des gelben Markers links im Bild ist 0,5 mm breit und es geht um den dunklen Kristall in der Bildmitte. Man sollte also gründlich arbeiten und sich Zeit lassen.
Ist die Stufe durchgemustert und eventuell kleine Kristalle gekennzeichnet (diese kleinen, selbstklebenden Marker), muss sie in Form gebracht werden. Das kann natürlich nicht mit dem Hammer passieren, dafür gibt es einfache (umgebaute Rohrzange) bis hochteure (Steinspalter aller Art) Werkzeuge. Was dabei zu beachten ist, schreibe ich mal in einem eigenständigen Beitrag. Es folgt die Feinreinigung, meist das Entfernen von Rost oder organischen Bestandteilen, die auch einen eigenen Beitrag wert ist. Anschließend wird das Mineral in der Dose montiert, die eine entsprechende Kennzeichnung erhält und wird, heute meist am Computer, erfasst.
Die Dose ist für den Micromount (MM)- Sammler meist 28 x 28 mm breit und um die 21 mm hoch. Für Kleinstufen gibt es auch solche in anderen Abmessungen. Die eigentlichen MM- Dosen sind in drei Ausführungen erhältlich, die sich in der Farbe des Bodens unterscheiden. Es gibt sie mit einem Boden in gasklar, weiß oder schwarz. Welche man nutzt, ist meist Geschmackssache.
Zwei MM- Dosen und eine für Kleinstufen.
Bei "normalen" Montagen wird das schwarz oder weiß sein. Dabei wird das Stüfchen so auf den Boden aufgekittet, dass die interessierenden Mineralien gut durchs Mikroskop oder die Lupe zu sehen sind, wenn der Deckel der Dose abgenommen wird. Der Kitt ist ein spezieller Kitt aus dem Fachhandel. Sonstiger handelsüblicher Kitt ist nicht geeignet (Fensterkitt etc.). Durch die Befestigung in der Dose und den Deckel sind die Mineralien gut geschützt. Kristalle, die man beim erneuten Betrachten ewig suchen würde (das Duftenit oben) werden mit einem Marker auf dem Stüfchen gekennzeichnet (auch Fachhandel). Kleine Einzelkristalle können so nicht auf den Boden gekittet werden, die kommen auf einen Sockel. Nur so kann man sie vernünftig betrachten. Was das für ein Sockel ist, ist ebenfalls Geschmackssache und eine Frage des Aufwandes. Die Ideen reichen von einer groben Borste über Streichholzabschnitte bis zu Kegeln aus dünnen, angespitzten Rundhölzern oder Plastmaterial. Es gibt noch einige andere Montagemöglichkeiten, die allerdings selten angewendet werden. Damit kann dann erst mal der Deckel drauf.
Es folgt der Schreibkram. Irgendwie wollen wir unser Mineral auch nach Jahren noch wiederfinden und sagen können, wo wir es her haben und was es ist. Dazu hat sich folgende Vorgehensweise im Zeitalter des Computers bewährt:
Jedes Mineral, das in die Sammlung kommt, wird mit einer fortlaufenden Nummer versehen, getrennt nach Kleinstufe und MM. Dazu gibt es jeweils ein Tabellenblatt in einer Tabellenkalkulation. Dort werden die Eingangsnummer, das Mineral, die Variante (Quarz kann als Bergkristall, Rosenquarz, Milchquarz etc auftreten), die Paragenese (Einzelheiten zur Kristallform, Matrix, Besonderheiten...), der Ort, der konkrete Fundort, die Koordinaten, Funddatum sowie Daten zum Erwerb (Eigenfund, Kauf, Tausch) eingetragen. Es ist auch eine gute Idee, die Tabellenblätter regelmäßig auszudrucken und zu archivieren. Für den Anfänger mag das entbehrlich erscheinen. 1000 Stufen später ist es das dann nicht mehr. So eine Sammlung, gerade auch Lokalsammlungen, hat nur einen wissenschaftlichen Wert, wenn eindeutige Daten vorliegen.
Die Dosen selbst werden noch beschriftet. Auf die Unterseite kommen die enthaltenen Minerale, der Fundort, eventuell das Funddatum kurz. Ich nutze dazu computerbeschriftete Klebeetiketten. Oben auf die Dose kommt ein weißer 8mm- Klebepunkt für die Eingangsnummer, evtl. das Hauptmineral sowie ein farbiger 8 mm- Punkt zur Kennzeichnung einer Fundlokalität oder einer Mineraliengruppe. Alles, was bei mir aus der Oberlausitz stammt, hat beispielsweise einen blauen Farbpunkt, das Erzgebirge einen roten. Die Döschen kommen dann sortiert nach Eingangsnummer in Schublade oder Pappschachtel. Damit findet man sie ja schnell und eindeutig wieder, egal nach was man gerade sucht. Es gibt noch andere Ordnungssysteme, die aber wesentlich mehr Platz und Arbeitsaufwand erfordern.
Bleibt die gute Frage, wie man nun eigentlich feststellt, was man da hat. Das ist, insbesondere für den Anfänger, sehr schwierig und - ihr ahnt es - auch einen eigenen Beitrag wert.
Sieht irgendwie ähnlich aus, wenn man es nicht wie oben die Bilder zusammen sieht. Ist aber etwas völlig anderes. Oben Baryt, unten Gips.
Sieht unterschiedlich aus, ist aber beides Malachit (jeweils die Aggregate mit grüner Färbung). In blau im oberen Bild Azurit.
Weiß man nicht, was man da vor sich hat, kommt ins Eingangsbuch unter Mineralbezeichnung erst mal ein Fragezeichen. Ein Name taucht dort nur auf, wenn man sich 100% sicher ist. Auch bei 98% kommt hinter den angenommenen Namen ein Fragezeichen.
Zum Schluss ein paar allgemeine wie wichtige Hinweise. Es gibt giftige (Arsen), gesundheitsschädliche (Asbest) und radioaktive (teils sehr hübsch aussehende Uran- und Thoriumstufen) Minerale. Insbesondere bei der Bearbeitung, aber auch bei der Aufbewahrung sind die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Ein weiteres Problem ist die Feindschaft von hartem Mineralabrieb oder Staub (Quarz, Korund...) mit feinmechanischen und optischen Geräten. Das heißt für die Praxis, ein Zusammenkommen von Bearbeitungsrückständen mit dem Mikroskop muss unbedingt verhindert werden. Die Bearbeitung (auch: Nur mal kurz was abknipsen!) muss also in einem anderen Raum erfolgen, will man lange Freude an seinen Geräten haben. Und nicht zuletzt: Bearbeitet die Funde zeitnah und sammelt nicht bis zum Winter. Weil, da hat man ja Zeit. Irgendwann hat man drei Beutel mit der Nummer 13 auf dem Tisch liegen und weiß nicht mehr so genau, wo die eigentlich herkamen.