Gestern fast 100 Kilometer mit dem alten Bike von Düsseldorf nach Aachen getadelt und die APP zeichnet nur 11000 Schritte auf. War aber sicherlich fünfmal soviel...
Die Tour war bis Garzweiler im grünen Bereich. Doch dann kam der Regen und der Wind. Bei Temperaturen knapp um über null und stürmischen Gegenwind war schon kurz nach Beginn der Regengüsse die Hose komplett durchnaesst. Die Wolfsjacke gab unter den Permawasserfällen zwei Stunden später den Geist auf und fortan wurde es frostig kalt. Nach Einbruch der Dunkelheit leitete mich Google durch kilometerlangen Morast. Die Füße durchtränkt von den kalten Fluten, die Muskeln in der Kälte machten die Tour zu einer Leidensprüfung der besonderen Art. Da wo Fahhradwege sein sollten waren Morast und Absperrungen. Es regnete dabei ununterbrochen weiter in der endlosen Dunkelheit des weiten Landes. Irgendwann erreichte ich Aldenshoven. Es folgten noch 20 Kilometer auf und ab wieder gesperrte Radwege, deren Sperrungen mich aber nicht mehr interessierten - denn ich wollte nur noch ankommen. Busse fuhren keine mehr. Kurz vor dem Ziel musste ich wieder 5 Kilometer Umweg fahren (Gottlob einige davon mit Rückenwind) weil diesmal die Querung der A44 nicht möglich war und der Radweg durch unendlich viel und tiefen Morast ersetzt worden war. Aergerlich war dabei das bei Beginn dieses Radweges keine Sperrung und Hinweise auf die Unpassierbarkeit existierten.
Die Oberschenkel waren am Ende Proviant schon längst verbraucht und ich fühlte mich wie in den fields oft Flandern im ersten Weltkrieg. Es ging wieder bergan und nur noch der Kopf sagte: "Du schafft das. Körpereigene Endorphine liessen die Qualen verschwinden. Die Beine traten in die Pedale - jedoch nur noch unendlich langsam.
Zumindest hatte es nach 5 Stunden aufgehört zu regnen. Oben auf dem Berg angekommen bot sich kurz ein toller Blick auf das einige Kilometer entfernte Aachen. Noch ein letzter kurzer Anstieg und noch eine Kurve - noch 800 Meter bis zum Ziel. Es ging steil Berg ab - ohne Helm - 60 oder auch 70 km/h. Der Wind pfeifte mir um die Ohren. Einfach nur noch rollen und gleiten. Herrlich. Sowas hätter ich mir all die Kilometer und Stunden vorher.Vergessen der kilometerlange Morast hinter dem Tagebau Garzweiler in der Nähe von Erkelenz. vergessen die Erschöpfung, vergessen die Kälte, wenn auch nur für eine Minute und den mit Abstand schnellsten und schoensten Teil der ganzen Tour. Dar war mein Ziel erreicht in tiefer Dankbarkeit und Liebe. Kein Wildschwein hat mich in der Dunkelheit zerlegt, nur Gero ein toller und lieber Jagdhund zerfetzte meinen Nässeschutz an den Schuhen. Sein Besitzer, ein bodenständiger deutscher Jäger liess ihn jedoch nicht lange gewähren und erklärte mir den Weg aus dem Morast in den Google mich im irgendwo zwischen Garzweiler und Aachen geschleust hatte.
Mein mehr als 30 Jahre alter Drahtesel hatte duchgehalten. Kein Platten im Morast in der Dunkelheit bei stroemenden Regen - kein technischer Defekt. Ich danke Herr Gott dem allmächtigen dafür, dass er seine Hand schützend über mich hielt....
Es war auf den letzten 50 Kilometern eine Tour der Leiden eine Prüfung der eigenen Leidensfähigkeit, deren schoenster Teil die letzten 800 Meter waren. Befreit und unbeschwert - mit drei Stunden Verspätung - der Liebe entgegen die es so gut mit mir meinte...
Danke & Waldmannsheil!