Guten Tag,
vor einer Woche habe ich einen Contest für Mathe Beweise gemacht. Trotz Interesse einiger User gab es leider nur einen Hivian, der wirklich mitgespielt hat. Es ist vielleicht etwas viel verlangt, sich in seiner Freizeit mit dem schwierigsten Universitätsfach auseinander zu setzen, aber ich verspreche es lohnt sich.
Einleitung
In der Schule wird den meisten Kindern Mathe mies gemacht. Hier heißt es stur Formeln lernen und das Geodreieck genau anlegen. Im Studium ist das anders, man lernt hier Definitionen, die meist logisch aufeinander aufbauen: Die natürlichen Zahlen kommen vom Zählen, dass jeder Mensch kennt. Die ganzen Zahlen sind die natürlichen Zahlen mit Negativbereich. Die rationalen Zahlen entstehen durch das Verlangen Multiplikation rückwärts also Division zu machen, was passiert wenn man einen Kuchen auf vier Leute aufteilt? Brüche entstehen. Nun geht es ans eingemachte, jetzt will man die Lösung zu "Wurzel 2", also welche Zahl muss ich mit sich selbst multiplizieren damit das Ergebnis 2 ist. Die Antwort: Die irrationalen Zahl "Wurzel 2". Zum Schluß wird's komplex, dabei ist es ganz einfach. Wir lernen in der Schule: man darf keine Wurzeln aus negativen Zahlen ziehen, was ist wenn man das aber doch will? Meet die komplexe Zahl i für die gilt i²=-1. Damit können alle Wurzeln aus negativen Zahlen gelöst werden.
Beweise
Beweisen, beweisen, beweisen um nichts anderes geht es an der Uni. Man lernt keine Formeln mehr, man ergründet sie. Gerade einfache Beweise sind eigentlich gar nicht schwer, aber für viele gibt es eine Blockade. Die ist bei mir damals zum Glück sehr schnell gefallen, aber für viele stellt sich die Frage: wie und warum macht man das Ganze? Das "wie" will ich mal kurz umschreiben auf das "warum" kommen wir später. Bei einem Beweis versucht man eine Formel oder Regel aus anderen Formeln und Regeln abzuleiten. Ganz wichtig dabei: Die Formel nicht mit sich selbst oder einer Folgerung aus ihr herzuleiten.
Ein ganz primitives Beispiel wäre der Beweis zu 0.999...=1 . Eigentlich mag ich den Beweis ganz gerne weil man ja intuitiv vermuten könnte, dass 0.9 Periode kleiner als 1 ist, vielleicht sogar die Zahl mit dem kleinstmöglichsten Unterschied zu eins, aber nein, es ist genau eins denn:
1/3 = 0.333... -->3/3 = 0.999...
und da wir wissen 3/3 = 1, wissen wir:
1 = 3/3 = 0.999...
Warum macht man Beweise
Bei Mathe weiß ich es nicht genau. Um zu zeigen, dass man klug ist? Für unsere echte Welt kann man aber aus Mathe herleiten, dass fast nichts logisch ist und immer wenn jemand sagt "Das ist doch logisch!"Könnt ihr das sagen "ehem, also eigentlich ist Logik ja ein viel enger gefasster Begriff und das, was du sagst, ist vielleicht plausibel aber noch lange nicht logisch". Damit macht man sich beliebt auf jeder Party!
Es ist schwer zu erklären. Ich habe auch nie verstanden warum ich ein Musikinstrument spielen oder malen soll. Ja, ihr lest richtig, ab dem Universitätslevel wage ich es Mathematik einen künstlerischen Aspekt zu zuschreiben. Dass ITler und Physiker manchmal ausversehen etwas mit den Erkenntnissen von Mathematikern anfangen können ist eigentlich eher sekundär, der Mathematiker knobelt gerne und es interessiert ihn kaum ob man das mal anwenden kann. Wie ein Rapper braucht der Mathematiker nur Stift, Block und eine Aufgabe. Wer versucht seine Lösungen in der Fachliteratur zu finden hat eigentlich schon verloren.
Die Schönheit
Es ist vielleicht schwer greifbar warum man relativ klar von schönen und hässlichen Beweisen reden kann. Grundsätzlich zählt Einfachheit und Verständlichkeit. Einfachheit ist leichter objektiv zu bewerten in der Anzahl der Schritte. Verständlichkeit ist wesentlich subjektiver, aber meiner Meinung nach der wichtigere Aspekt.
Ein gutes Beispiel wäre der Beweis für die Existenz von unendlich vielen Primzahlen. Ich weiß noch genau, dass die Musterlösung hier drei Schritte vorgesehen hatte und ich sie mit zwei Schritten lösen konnte :^).
Angenommen es gibt endlich viele Primzahlen, dann können wir sie alle miteinander multiplizieren und uns den Nachfolger des Produkts P+1 angucken. Dieser muss eine Primzahl sein, da P durch alle bekannten Primzahlen teilbar ist und die Lücke in jeder Zahlenreihe mindestens 2 ist. Da P+1 eine Primzahl ist, aber nicht teil der (angeblich) vollständigen und endlichen Menge an Primzahlen ist, haben wir einen Widerspruch zu unsere Annahme.---> Es gibt unendlich viele Primzahlen.
Sauberkeit ist auch ein Kriterium, dass durchaus mal zum Punktabzug führen kann, also wenn man wichtige Teilaspekte unterschlägt oder unwichtige aufnimmt, für letzteres gibt es natürlich nur selten Punktabzug aber es ist sehr hässlich.
Ein Teaser für Fortgeschrittene
Zu guter letzt möchte ich eine Aufgabe für alle die stellen, die bis hierhin gelesen haben und nur müde gähnen konnten: Beweise dass n^4 für jedes n Element N entweder auf eins, sechs, null oder fünf endet. Anders formuliert: warum hat n^4 nur zwei Restklassen modulo 5?
Ich bin an der Aufgabe selber gescheitert und kenne die Lösung nicht. Ich würde eine vollständige Induktion ansetzen, aber bis jetzt hilft mir das nicht weiter... Viel Spaß!