~ English Version underneath, just keep scrolling ~
Ich kann mich noch genau daran erinnern, als meine kleine Schwester ihre ersten Worte sprach. Statt Mama und Papa, waren ihren ersten Worte Dodo für Dorothea und Eda für Elisabeth, meine grosse Schwester und ich. Einem Kind zuzusehen wie es langsam eine Sprache lernt fand ich unheimlich interessant - das ausprobieren von Vokalen, aneinanderreihen von Silben und falls ein Wort dabei richtiges Wort herauskommt - das Aufhellen der Gesichter der Erwachsenen und die Freude das es lernt sich auszudrücken.
Ich habe es schnell als selbstverständlich angesehen meine Schwester zu verstehen und mich selbst auszudrücken. Als ich English lernte fand ich es faszinierend, dass es für manche Wörter in anderen Sprachen keine Übersetzung gibt, wie beispielsweise “Vorfreude”, “Fernweh" oder “Hygge” im dänischen. Ich lernte wie vielseitig meine Sprache ist und dass ich mit nur wenigen Worten meine Emotionen beschreiben kann.
Als ich vor ca zwei Jahren nach Malaysia zog wurde es mir erst wieder bewusst wie es sich anfühlt wenn einem die Worte fehlen. Mein ganzes Leben - Arbeit, Freunde, Umfeld - alles fand in English statt und obwohl ich doch schon gute English Kenntnisse hatte, hatte ich einige Schwierigkeiten, MICH auszudrücken. Mein erstes Feedback von meinem Manager war, ich würde viel Thingy and stuffy sagen und würde damit riskieren, dass mich meine Kollegen eventuell nicht ernst nehmen würden.
Ich fühlte mich als wurde mir ein Teil meiner Persönlichkeit geklaut.
Ich konnte mich nicht mehr so ausdrücken, wie ich es gewöhnt war, mir fehlten oft Begriffe (besonders bei der Arbeit) und ich konnte nicht mehr so gut Witze machen wie früher. Ich war jetzt die weniger lustige, weniger intelligente, weniger authentische Version von mir. Ausserdem, fehlte mir meine Muttersprache. Ich begann mehr deutsch-sprachige Musik zu hören, Serien zu schauen und Rituale wie Sonntags Tatort schauen wurden plötzlich wichtiger für mich.
Das Wort “Wortschatz” im deutschen sagt viel mehr aus als das englische “Vocabluary”. Es ist ein Schatz an Wörtern über den wir verfügen und wir fast als selbstverständlich ansehen, bis er nicht mehr da ist. Aber kein Schatz ist für immer auf dem Meeresboden verloren.
Was ich aber daraus gelernt habe, man kann sich einen neuen Schatz zusammen suchen und sich dabei ganz neu entdecken. Ich merkte schnell, dass ich Wörter in meinen Sprachschatz aufnahm deren volle Bedeutung ich im deutschen nicht kannte, aber den Kontext verstand in dem ich es benutzen konnte. Dadurch wurde ich auch viel offener für Themen, die durch die Bedeutung im Deutschen ich eher gemieden habe. Eins der Themen ist beispielsweise “Spiritualität”. Im Deutschen klang mir das immer viel zu “whoo whoo” und Religion zu sehr nach Kirche, einfach nur aufgrund der Bedeutung die ich diesen Wörtern einst gegeben habe.
Mittlerweile fühle ich mich sehr viel wohler mein ganzes Leben in Englisch zu führen und neue Themen für mich zu entdecken. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich selbst wenn ich deutsch rede einige meiner Redewendung eins zu eins vom englischen übersetze und dann erst merke, dass das nicht sehr “deutsch" klingt. Ich glaube anstatt etwas von meiner Persönlichkeit zu verlieren habe ich viel dazu gewonnen und mich neu entdeckt.
Für mich, Englisch hat sich zu zu einer Sprache entwickelt die viel mehr vom Herzen kommt als von anstatt von meinem Kopf. Ich glaube der Grund dafür ist, dass ich keine gesellschaftliche Bedeutung den Wörtern gebe und die Wörter einfacher zu mir kommen, wenn ich kreativ bin. Ist es nicht interessant wie sehr sich unsere Perspektive verändern kann?
Das ist auch der Grund weshalb ich eher in Englisch schreiben werde. Ich werde jedoch auch Deutsche Passagen hier integrieren, um nicht die Verbindung zu meinem eigenen Wortschatz zu verlieren.
Alles Liebe,
P.S.: Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzähl mir davon!
P.P.S: Magst du den zweisprachigen Post? Lass mich dein Feedback hören!!
~ English Version ~
I can vividly remember the moment my little sister said her first words. Instead of the regular mum and dad her first words were Dodo (Dorothea) and Eda (Elisabeth) - standing for my older sister and me respectively. It was a fascinating experience to watch a child slowly discover the language - try out various vocals, connect different syllables, and, whenever a real word emerged, to see adult faces lighting up and a small child getting filled with joy after learning how to express oneself.
Very soon I took it as as a matter of course to be able to understand my sister and to express myself. As I learnt english I found it fascinating that there are words which do not have a translation to other languages, just like “Vorfreude”, “Fernweh" or “Hygge” in danish. I noticed how “rich” my language actually is and how easy to describe some emotions without many words.
Two years ago, after moving to Malaysia, I realised once again what it feels to struggle with language. My whole life - work, friends, environment - switched to English in an instance. Previously seeing myself as having great English skills, man, had I struggled to express myself! My first feedback I received was about me saying “thingy and stuffy” all the time. My manager explained to me that I'm facing the risk of not being taken seriously by my colleagues, would I continue like this.
It felt like some part of my identity got stolen.
I couldn’t express myself as I was used to. I often did not know important terminology (especially in a professional environment). And I could not be as funny as I wanted to be. I suddenly became the less funny, the less intelligent, the less authentic version of myself. Really missing my mother tongue, I started listening to more german music, watching more german TV shows and getting indulged into the German "rituals", such as watching “Tatort” - a famous 40+ years old crime TV series on Sundays.
The word “Wortschatz”/ “word treasure” is expressing much more than the english “vocabulary”. It is describing a literally treasure of words which we own and we are taking for granted until it isn’t there anymore. But just like in fairytales, no treasure is forever lost in the deep blue sea.
What I learnt out of this experience is that you can search for your new treasure and can discover yourself anew in the process. I soon caught myself using the English words for which I could even not find a proper German substitute. The fact that we assign particular meaning to words in different languages - was also the reason for me to become much more open to topics that I usually avoided while in Germany, e.g. “spirituality” and "religion". In German spirituality always sounded too “whoo whoo” for me, religion - too much like a dogma (and had too many connections to church as a physical object). All of this - just because of the associations I have attached to these words.
Meanwhile I feel much more confident to live my whole life in English and I actually enjoy discovering new topics for myself. While speaking German, I sometimes catch my expressions not really sounding "german" anymore due to translating some phrases word for word from English to German. Nevertheless, despite losing a part of my personality throughout this challenging but exciting journey, I discovered even more about myself.
English started to be a language which comes much more from the heart than from my head as I feel from the cultural attachments of the words and flows much easier to me when being creative. Isn’t it interesting how much our perspective can switch sometimes?
That is also one of the reason I might write more in english here, but still include some german ones too, in order to not loose the connection to my personal Word Treasure.
Lots of love,
P.S.: Did you made similar experiences in your life? Let me know about it!
P.P.S.: Do you like the multi-language post? Let me know your feedback!