Unlängst habe ich mit jemandem aus Süd-Korea zusammengearbeitet. Und hier gleich einmal eine kleine Watschn für uns: Menschen aus Süd-Korea nennen ihr Land Korea. Also, liebe Leute, lieber ORF, liebe Medien: es ist Korea, nicht Süd-Korea. Vielleicht ist die Frage ob wir Süd-Korea schreiben oder nur Korea aber auch eine tiefere?
Wer entscheidet?
Denn wer entscheidet denn nun über wie man ein Land, eine Kultur, oder gar eine Nation nennt. Die Leute, die dort leben, oder nur jene die dort geboren sind, oder eben jene deren Eltern von dort sind? Diese Diskussion wird manchmal unter „Blut“ (Abstammungsprinzip (1) vs. „Erde“ (Geburtsortsprinzip (2) geführt. Also bin ich ein Österreicher weil ich von österreichischem Blut (what ever that is?!) abstamme oder weil ich auf Österreichischer Erde (ebenso unklar was das ist) geboren bin.
Die eigene Wahl
Was hier ganz klar fehlt ist die ÖsterreicherInnenschaft „by choice“. Also all jenen Menschen, die nach Österreich gezogen sind und durch ihre eigene Entscheidung ÖsterreicherInnen geworden sind, also weder in Österreich geboren, noch Österreichische Eltern haben. Eine weitere, noch viel inspirierendere Kategorie sind all jene, die weder in Österreich geboren sind, noch von einer Österreichischen Elternschaft stammen, noch in Österreich leben. Kann man ÖsterreicherInn auf grund von Wert und Idee sein? Wie bestimmen wir also unsere Identität? Hinter diesen Fragen stehen andere unscheinbare Prinzipien:
| Fremdbestimmung vs. Selbstbestimmung | Nation-State |
|---|---|
| Das Kollektiv bestimmt über meine Identität vs. ich bestimme selbst (oder auch Mächtige entscheiden über Ohnmächtige? | Nation-State (3), ein Konzept, das von der Idee ausgeht, dass in einem eingrenzbaren (Staats-)Gebiet nur eine Kultur und Identität lebt. |
Ich möchte zu der Frage wo (Erde), von wem (Blut) oder durch wessen Entscheidung man zu einer Nationalität gekommen ist aber noch andere Ebenen dazu holen: Profession, Wesen, Liebe, Werte.
Foto: "I am dreaming of..." Kampagne by Generation Europa - Wolfgang Sieberth
Profession, Liebe, Wesen, Werte: Ich bin ein Wal
Ich arbeite als Kindergartenpädagoge in einer privaten Einrichtung in Wien. Eines Tages kommt ein Kind in der Früh herein und sagt einfach nur „miao, miaaao, Wolfgang, ich bin heute eine Katze!“. Ich akzeptiere und miaue zurück. Das Kind hat fast den ganzen Tag Katze gespielt. Es hat sich in einem anderen Wesen ausprobiert, mal geschaut, wie sich das anfühlt wenn man so tut als wäre man eine Katze. Was aber wenn in diesem Kind, in diesem kleinen Menschen das Wesen einer Katze auch drinnen ist. Müssten wir das nicht in die Benennung der Identität dieses Menschen einfließen lassen?
Was ist mit ruhigen Menschen, lauten Menschen, beobachtenden Menschen, tuenden Menschen, hörenden, sehenden, laufenden, gehenden, schwimmenden, singenden, pfeifenden, es gibt endlos viele Facetten des Menschlichen Agierens. Meine Beobachtungen als Fortbildner in der internationalen außerschulischen Jugendbildung zeigen ganz eindeutig: Nationalitäten beschreiben Menschen sehr, sehr unzureichend, ja sogar irreführend falsch. Wenn ich schreibe ich wäre Österreicher wissen die meisten wohl sehr wenig über mich. Schon eher wenn ich schreibe, dass ich ein Wal (nicht in steemischen Sinne, sondern wörtlich) bin. Wohl eher wenn ich schreibe, dass ich Pädagoge bin, ein Elektroauto besitze (und teile) am Land lebe, groß und schwer bin, langsam, es im höchsten Maße genieße zu schwimmen – ich bin ja ein Wal, wenn ich schreibe, dass ich Englisch fast so gut wie Deutsch spreche, weil ich auch in den USA aufgewachsen bin.
Alle Menschen, haben eine Vielfalt an Eigenschaften, die sich nicht durch eine Länderbezeichnung subsumieren lassen. Genau genommen fühle ich mich einem Kindergartenpädagogen aus Korea näher als einem Bankdirektor aus Österreich. Ich bin ein Wal und ich bin Pädagoge. Und, es ärgert mich jedesmal wenn mich jemand fragt woher ich bin und nicht akzeptieren will wenn ich sage: Ich bin ein Wal. Und das ist die gewaltige Chance von Plattformen wie Steemit. Auf einmal können wir selbst entscheiden wie wir uns darstellen wollen, wir haben es selbst in der Hand unsere Identität zu definieren. Es liegt nun an der Plattform, seinen NutzerInnen und technologischen Möglichkeiten das anzuerkennen. Wenn wir es schaffen einander in unseren eigenen Identitäten zu stärken, werden wir zu sehr viel mehr im Stande sein. Wir würden schlauer und könnten unsere waren Stärken nutzen! In der Zukunft wird es uns nicht mehr wichtig sein, woher jemand kommt oder welcher Religion er angehört, wir werden wissen wollen was er kann und was seine Ideen für die Zukunft sind. Denn das bestimmt den Erfolg eines Unternehmens. Nichts anderes.
Also was nun?
Lasst uns darüber sprechen und diskutieren. Lasst uns Tools entwickeln, wie wir uns unterstützen können, das anzuerkennen, was Leute wirklich sein wollen. Bei www.generationeuropa.eu arbeiten wir an diesen Ideen. Wir entwickeln Software aber auch pädagogische Konzepte für unsere Jugendprojekte.
Wer Lust hat, join the ride :)
Quellenangaben:
(1) Wikipedia/Abstammungsprinzip