Passend zum Wetter bzw. den Temperaturen dieser Woche ... ;)
Einführung
Der Körper hat eine sog. Körperkerntemperatur, die über verschiedene Regelkreise konstant gehalten wird. [1] Bei Belastung durch körperliche Aktivität oder hohe Außentemperatur (oder beides) kann der Körper auf verschiedene Weise Wärme abgeben:
- Wärmestrahlung
- Schweißbildung (und resultierende Abnahme der Oberflächentemperatur)
Findet körperliche Anstrengung in einer Umgebung mit hoher Temperatur statt, muß der Körper stärker gegen die innere und äußere Wärme arbeiten. Kann der Körper nicht schnell genug Wärme abgeben, wirkt sich das auf seinen Stoffwechsel aus und führt so zu weiterer Erhöhung der inneren Körpertemperatur.
Für Menschen (und auch Tiere, vor allem Großtiere wie Rinder) ist erhoben worden, wie sich Außentemperatur und relative Luftfeuchte auf den Körper auswirken. Ich erwähne die Rinder deshalb, weil sich dafür im Internet leichter Grafiken finden lassen als für den Menschen, zum Beispiel hier:
Cool Cows - Temperature Humidity Index
Als Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index oder Hitze(stress)-Index bezeichnet man eine Größe, die angibt, wie sich Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit auf den menschlichen Körper auswirken. Grob kann man sagen: Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto belastender werden Außentemperaturen ab 22 Grad wahrgenommen. So entspricht der Hitze-Index bei etwa 30 Grad und 10% Luftfeuchte dem Hitze-Index bei 24 Grad und 80% Luftfeuchte. Ein gutes Erklärungsvideo gibt es von Rebekka Krampitz aus dem Kachelmannwetter-Team:
Mehr oder weniger unabhängig von unserer subjektiven Empfindung (ob wir es warm mögen oder nicht) setzen wir unseren Körper also bei hohen Temperaturen und mittlerer bis hoher Luftfeuchte einer zunehmenden Belastung aus.
Welche Arten der Überhitzung gibt es?
Als Sonnenstich bezeichnet man die Folgen einer direkten Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf. Betroffen sind häufiger Kleinkinder wegen ihrer geringeren Kopfbehaarung, aber auch Erwachsene mit geringer oder ohne Kopfbehaarung sind gefährdet. Zeitlich, z.T. um mehrere Stunden verzögert, kann der Betroffene zu Schwindel, Erbrechen und heftigen Kopfschmerzen neigen. Dazu kommt ein hochroter, erhitzt wirkender Kopf, während der restliche Körper nicht erhitzt ist; in manchen Fällen auch eine Nackensteifigkeit.
Kommt es aufgrund körperlicher Anstrengung in heißer Umgebung zu hoher Flüssigkeits- und Elektrolytausscheidung durch das Schwitzen und wird der Flüssigkeitsverlust durch natriumarme Getränke auszugleichen versucht, kann sich ein extrazellulärer Flüssigkeits- und Natriummangel entwickeln, der zu schmerzhaften, aber ungefährlichen Muskelkrämpfen führt, die als Hitzekrämpfe bezeichnet werden. Gewöhnlich erhöht sich dabei die Körperkerntemperatur nicht.
Die Kombination von Hyperthermie (Erhöhung der Körperkerntemperatur) und extrazellulärem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel bezeichnet man als Hitzeerschöpfung oder Hitzekollaps. Teilweise unterscheidet man zwischen Elektrolytmangel-Hitzekollaps und Wassermangel-Hitzekollaps.
Von einem Hitzschlag spricht man, wenn zu den Sonnenstich-typischen Symptomen Übelkeit und Schwindel eine Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 40° und zunehmende Bewußtseinstrübung kommen. Auch Nackensteifigkeit und generalisierte Krampfanfälle sind möglich. Wegen des beginnenden Schocks ist die Haut trocken, der Betroffene schwitzt nicht.
Was mache ich als Ersthelfer?
Zunächst ist es wichtig, die betroffene Person aus der heißen Umgebung ins Kühle zu bringen und etwas Flüssigkeit zu geben (idealerweise natriumhaltiges Wasser). Je nach Schwere der Erkrankung ist die Person zu beobachten und bei starken Erschöpfungszeichen an den Rettungsdienst zu übergeben.
Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes werden Betroffene beobachtet und bei Bewußtlosigkeit in stabile Seitenlage gelegt, bei Bewußtsein in Rückenlage mit erhöht gelagerten Beinen. Beengende, wärmende Kleidung wird nach Möglichkeit entfernt und für Luftzirkulation gesorgt.
Im Fall eines Hitzschlages wird mit feuchten Tüchern gekühlt, um die Körperkerntemperatur auf 38° zu senken. Auch werden Patienten nicht flach, sondern mit erhöhtem Oberkörper gelagert.
Quellen
[1] D. Kühn, J. Luxem, K. Runggaldier: Rettungsdienst heute, 5. Auflage
[2] http://flexikon.doccheck.com/de/Hitzekollaps
Bild: Pixabay
Über die Reihe "Das Einmaleins der Notfallmedizin"
In dieser Beitragsreihe erkläre ich in loser Folge Begriffe aus der Ersten Hilfe und Notfallmedizin, die mir gerade wichtig sind. Grundsätzlich dient die Reihe auch dazu, mein eigenes Wissen aufzufrischen.
Bisher sind erschienen:
Das ABCDE-Schema
Die Anamnese
Der anaphylaktische Schock
Adenosin
Verbrennungen