Ihr Lieben,
Ich berichtete bereits schon vor 2 Wochen ins Krankenhaus gekommen ist. Den älteren Beitrag hierzu findest du hier.
Einige Zeit ist vergangen und ich kann euch mitteilen, dass wir die Pflegesituation für alle erleichtert haben. Meine Oma wohnt seit diesen Mittwoch im Pflegeheim. Sie hat sich zu Beginn mit Händen und Füßen gewehrt und es war kein leichtes Unterfangen, aber sie ist angekommen.
In der Klinik konnte ich sie nicht besuchen. Umzug, Arbeit und ständige Besichtigungen unserer Wohnung machten es mir nicht möglich.
Heute habe ich mich dann mit meinem Vater am Pflegeheim verabredet. Wir wollen Oma besuchen. Ich zitterte am ganzen Körper. Hatte Angst vor dem was mich dort erwartet. Wie ist sie drauf? Wie sieht sie aus? So ein Klinikaufenthalt ist ja gerade in ihrem Alter nicht mehr auf die leichte Schulter zu nehmen.
Wir kamen herein. Oma saß in ihrem Rollstuhl, der Pfleger war vor Ort und verließ den Raum als wir kamen. Oma weinte als sie meinen Vater sah und freute sich überschwänglich.
Und dann sah sie mich und meinen Freund. Da war kein Halten mehr. Oma weinte Sturzbäche und holte kaum noch Luft. Sie freute sich ohne Ende. Meine Tränen unterdrückte ich. Oma hasst es wenn ich weine.
Ich ging kurz vor die Tür um einmal durchzuatmen und die Tränen zu trocknen.
Oma hat es gut dort. Das Pflegeheim wurde in diesem Jahr neu gebaut. Dementsprechend ist das Zimmer und auch das Badezimmer neu und lädt zum Wohlfühlen ein, auch wenn das bei Oma noch nicht so ankommen will.
Das Zimmer ist voller Bilder der Kinder und Enkel, Spiele und natürlich Knöpfe (Sie sortiert immer wieder Knöpfe).
Es war nicht leicht für mich. Oma ist mittlerweile mitten in der Demenz angekommen. Klare Momente gibt es selten und häufig kann man mit dem was sie sagt, gar nicht wirklich etwas anfangen.
Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis Oma sich gefangen hatte und nicht mehr weinte. Sie scherzte und lachte. Aber auch die Aggressionen die wir bereits kennen zeigten sich. Doch im Großen und Ganzen machte sie auf mich einen guten Eindruck.
Sie erzählte mir von den anderen Bewohnern. Die können nämlich alle nicht richtig essen.
,,Da kriege ich das Kotzen bei so Leuten."
Ja Oma hält damit nicht vorn Berg. Auch nicht vor den anderen Bewohnern. Leider eine Folge der Demenz.
Wir setzten Oma ihren neuen Strohhut auf und fuhren mit ihr nach draußen. Dort saßen wir in der Sonne, Oma im Schatten und wir schnackten. Sie berichtete von allerlei Erlebnissen und lachte immer wieder.
,,Deern, ich hätte so gerne einen farbenfrohen Hut. Nicht son einfarbiges Ding. Keine Ahnung wo der herkommt."
Ich pflückte eine Blüte im Garten ab und steckte sie Oma an den Hut. Und schon war sie happy. Morgen werde ich mal schauen ob ich meiner Oma (auch von euren lieben Spenden) einen schönen Sommerhut kaufen kann, der bunt ist.
Von meinem Vater bekam sie ein kleines Metallherz, das klingelt wenn sie es schüttelt. Auch das war ihr absolutes Highlight.
Mein Vater sieht langsam wieder aus wie ein Mensch. Er lernt gerade durchzuschlafen und wirkt erholt. Ein Zurück gibt es für Papa nicht mehr, da Oma mittlerweile nicht mehr alleine laufen kann.
Fazit:
Wir sind zufrieden solange Oma es ist. Wir sind beruhigt, weil wir wissen, ihr kann nichts passieren und sie ist in den besten Händen. Solange wir unsere Oma noch ein wenig auf der Erde behalten können und sich ihr Zustand nicht verschlechtert, sind wir alle glücklich.
Natürlich schreit Oma nach uns wenn wir gehen oder weint. Doch das ist laut dem Pfleger schnell vergessen, wenn man sie ablenkt. Klar fällt es uns schwer. Es hinterlässt eben doch das Gefühl von ,,abgeben". Aber wir wissen, dass wir sie zu Hause nicht optimal versorgen können.
Ich erinnere mich heute besonders an einen Satz, den meine Oma zu mir sagte, bevor die Demenz schlimm wurde.
Tags zuvor ist sie vollkommen ausgerastet, hat rastlos Taschen gepackt und wollte wegfahren. Sie zu beruhigen gelang mir nur nach einigen Stunden. Einen Tag später saß ich mit Oma am Tisch und hatte das Gefühl, ich könnte sie mit den Geschehnissen konfrontieren.
,,Oma was war denn gestern mit dir los? Das hat mir Angst gemacht. Du wolltest weg, hast dich nicht abhalten lassen, warst komplett unruhig."
,,Deern, ich bin und bleib deine Oma. Zumindest im Herzen. Wenn mein Kopf nicht mehr so mitmacht wie ich will, dann habe keine Angst. Du weißt wie deine Oma war und das da gestern? Da war ich nicht ich selbst."
Und das versuche ich mir immer wieder stakkatoartig zu sagen. Sie ist und bleibt meine Oma, egal was die Demenz aus ihr macht. Sie liebt mich und hat mich in ihrem Herzen.
,,Auch wenn nichts mehr von dir übrig bleibt, die Liebe zu dir hält ewig!"
Wie würde es euch in dieser Situation gehen? Oder was habt ihr (falls ihr so einen Fall in der Familie hattet) gegen das schlechte Gewissen gemacht?
Lasst es mich in den Kommentaren wissen.