An der Börse handelt ich bereits seit Jahren und habe entsprechend als Buy&Hold-Anleger meine Erfahrungen. Ich besitze ein erfolgreiches Studium im Bereich Wirtschaft. Ich „wirke“ bei vielen Steuererklärungen und berechne Kredite im sozialen Umfeld. Ja, ich habe sogar meine Finger im Kryptoumfeld und weiß daher auch wie emotionale Achterbahnfahrten damit aussehen.
An eines habe ich mich bisher allerdings nicht heran gewagt: Aktienoptionen. Zumindest die grundlegende Theorie dahinter ist durchaus bekannt und eben auch während des Studiums mitunter öfters mal durchgerechnet worden. Aber ich gehöre zu den Leuten, der unklassische „Finanzprodukte“ immer mit einer gewissen Skepsis beurteilt. Gerade dann, wenn es um irgendwelche Hebel geht, lehne ich immer dankend ab. Nicht das diese nicht funktionieren können, aber hohe Rendite ist hohes Risko und ein Hebel erhöht eben diese. Und ich will gar nicht schnell reich werden – ich bin ja noch jung ;)
Trotzdem lese ich mich momentan massiv in den Bereich ein und betreibe Recherche, da ich gerade die Stillhaltergeschäfte sehr interessant finde. Ja, genau jene die in den Jahren nach 2008 massiv in der öffentlichen Kritik standen und als Hexenwerk gebranntmarkt wurden. Das allerdings eigentlich vollkommen zu unrecht, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Grundidee hinter Optionen ist recht einfach. Es sind Finanzderivate, also keine eigenen Anlagen, sondern welche die sich auf ein „Underlying“ (z.B. einer Aktie) beziehen. Es handelt sich im Kern um einen Vertrag. Und zwar um Kaufverträge (Calls) und Verkaufsverträge (Puts). Für jeden dieser Verträge gibt es nun einen Käufer und einen Verkäufer.
Stellt Euch folgendes Szenario vor: Eine Person besitzt einige Aktie mit einem aktuellen Kurs von 100€, ist aber momentan nicht bullisch für den Markt und rechnet damit, dass diese abstürzen könnte. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern enorm z.B. 70€.
Eine andere Person ist bullisch für diesen Titel eingestellt und glaubt daran, dass dieser Titel noch weiterhin ansteigen wird und seinen positiven Trend fortsetzen wird. Er eröffnet daher nun an einer Terminbörse einen „short put“ und verkauft diesen für eine Prämie von 5€. Die andere Person sieht dies und schlägt sofort zu.
Sie zahlt die 5€ an den Verkäufer und realisiert damit einen Verlust von 5€, die unwiederbringlich für sie verloren ist. Der Käufer erhält das Geld direkt gut geschrieben und beginnt dahin eine passive Rolle am Markt einzunehmen. Er kann nicht mehr direkt auf das Geschäft einwirken und wird zum „Stillhalter“.
Entwickelt sich nun der Markt schlecht wie der Käufer es vorhergesehen hat und der Titel ist am Terminende nur noch 80€ wert, hat er einen Käufer an der Leine, der ihm diese für 100€ abkaufen muss. Er hat damit nur 5€ Verlust realisiert und 15€ verhindert. Der Verkäufer der Option kann nichts machen und muss die Aktien zum zugesicherten Preis in sein Depot aufnehmen.
Entwickelt sich der Markt besser als es der Käufer vorhergesehen hat und der Titel ist am Terminende nun 120€ wert, dann passiert etwas interessantes. Für den Käufer ist eine Option immer nur ein „Kann“, nicht jedoch ein „Muss“. Er kann die Option auch verfallen lassen und sein über den Vertrag zugesichertes Recht nicht nutzen. Davon wird er natürlich auch gebrauch machen, da er vom Verkäufer der Option nur 100€ kriegen würde. Ein direkter Verkauf an der Börse ihm jedoch 120€ einbringt. Der Verkäufer ist trotzdem glücklich. Er hat keine Aktie bekommen, jedoch immer noch die Prämie.
Optionen sind also grob gesagt eine Form von „Versicherung“ für einzelne Marktakteure um ihr Risiko zu begrenzen und an jemand anderen weiter zu reichen. Der Volksmund deklariert dies nun oft als Spekulation, die die Volatilität am Markt anheizt. Genau das Gegenteil ist aber üblicherweise der Fall, da man eben beginnt Marktrisiken kalkulierbar gemacht werden können.
Wieso ich mich dafür interessiere? Weil ich immer wieder Aktien habe, deren Kurs ich aktuell für überbewertet halte, grundlegend aber ein großes Interesse daran habe diese zu erwerben. Traditionell legt man dann einen Kaufkurs darauf fest und hält still in der Hoffnung, dass der Kurs nach unten läuft und er ausgelöst wird. In dieser Zeit verdiene ich nichts und gleichzeitig steigt der Kurs meist noch, so dass man noch weiter von seinem Ziel entfernt ist.
Verkaufe ich statt dessen Optionen, kassiere ich für die Wartezeit eine Prämie und bekomme im Risikofall genau das, was ich bei einem regulären Kauf auch kriegen würde: Die Aktie zum Wunschpreis. Und steigt der Kurs statt dessen an, kommt die Prämie in die Kriegskasse und eine neue Option wird geschrieben. Somit verdient man auch in der Wartezeit noch etwas dazu.
Aber Optionen können doch ein unbegrenztes Risiko bedeuten! Ja, nämlich immer dann, wenn der Short Put von mir unter dem Strike läuft und ich einen höheren Preis zahle als ich es am Markt tun würde. Und wenn die Aktie auf 0€ geht, ist alles verloren. Jeder Buy&Hold-Aktionär wird nun herzhaft lachen, da dies eben eher selten vorkommt und er eben das geiche Risiko hat: Kurse schwanken eben! Denn seine Strategie ist es eben, solche Phasen dann notfalls einfach auszusitzen. Immerhin hat er eben Aktien im Depot, die er ohnehin gekauft hätte. Ein Risiko mit dem ich gut leben kann.
Umgedreht kann man dies natürlich auch invers spielen und statt sich einem Kauf von Aktien zu verpflichten, statt dessen einen bestimmten Verkaufspreis zu setzen. Steigen die Kurse hat man das nachsehen, da man am Markt einen größeren Gewinn realisieren könnte. Verstreicht die Option, hat man trotzdem noch die Prämie. Im schlimmsten Fall verkauft man eben eine Aktie zu einem Preis, zu der man sie sowieso verkauft hätte und sollte dann eben auch kein „Was wäre wenn!“-Spiel mehr machen.
Natürlich gibt es unterschiedliche Strategien beim Optionshandel. So kann man beliebige Kombinationen zwischen Call und Puts kaufen/verkaufen um sein Risiko wiederum abzusichern zu lasten der eigenen Rendite. Oder man kann nachjustieren, wenn man merkt, dass die grundlegende Idee des Underlyings gut war, nur das Timing bescheiden war. Und ja, man kann natürlich auch Optionen wieder verkaufen bzw. Zurückkaufen und muss gar nicht bis zum bitteren Ende warten.
Denn je kürzer der Zeitraum, umso geringer die Unsicherheit und umso weniger Wert wird die Option. Man kann also auch nur 50% der Strecke mitnehmen und dann rausgehen. Spielarten gibt es hier sehr viele, die teilweise auch sehr riskant sein können und gleichzeitig Zeit kosten können. Ich bin aber eher daran interessiert ein wenig das bisherige Buy&Hold mit zusätzlichen Prämien zu bereichern und nicht daran interessiert groß ins Trading einzusteigen.
Trotzdem ist dies für den Einstieg keine kleine Sache und ein doch recht großer Schritt. So sind die Preise bei den meisten Banken wirklich zum Brüllen oder man kann nur Kaufen, aber nicht verkaufen.
Vielleicht also doch der Schritt endlich mal direkt ein Konto bei einem professionellen Broker zu holen, da man auf diese Weise auch gleich einen viel größeren internationalen Zugriff auf Aktien bekommt. Da gibt es doch einiges zu lesen. Zudem mir Margin-Handel zu suspekt ist – die Theorie ist klar, aber gerade für den Einstieg will ich lieber ein reines Cash-Konto haben, so dass alle Optionen auch gedeckt sind. Das schmälert die Möglichkeiten natürlich etwas, aber es geht hier primär nicht ums reich werden, sondern um etwas zu lernen ;)
Momentan liebäugel ich mir Captrader, die mit 2€ pro Optionshandel recht billig scheinen, im deutschsprachigen Raum unterwegs sind. Mit 5€ pro Aktienhandel auch recht günstig sind und bei einer Mindestanlage von 2000€ auch kostenfrei. Die Software macht einen soliden Eindruck auf mich und läuft sogar unter Linux. Was will man mehr?
Warum sind Optionen also nicht verbreiteter? Nun das liegt daran, dass es einige Krähenfüsse daran gibt, die es für Privatanleger uninteressant macht. Nicht jeder möchte in seiner Freizeit in einem Broker einarbeiten. Klar! Wesentlich bitterer sind allerdings, dass Optionen am Aktienmarkt sich zumeist auf 100 Underlyings beziehen. Eine Option auf Wirecard decken? Macht dann 17k€ bitte! Das sind dann Summen bei denen sich so manch einer schon das Gesicht verzieht und ein zu großes Einzelrisiko sehen würde (und das zu recht!).
Natürlich kann man nun auch auf billigere Titel handeln und braucht dann entsprechend weniger. Aber der Geldbedarf ist schon größer und wenn der deutsche Anleger etwas hasst, dann sind es Einschränkungen. Selbst dann, wenn er sie gar nicht nutzen möchte :) Wir sind hier mehr „Riskenorientiert“ und nicht „Chancenorientiert“, wie es die meisten Angelsachsen sind.
Trotzdem finde ich das Thema sehr interessant und möchte mich auch weiterentwickeln. Dadurch das man es auch problemlos neben den Beruf mit begrenzter Zeit machen kann, macht es für mich attraktiv und ich werde mich weiter mit dem Thema befassen und auch eine entsprechende Kriegskasse anfertigen. Kann also durchaus noch eine Weile dauern bevor es losgeht (und ihr dann hier etwas davon lest). Immerhin wird man noch durch die Dividendensaison dafür müssen... *hust ;)