Wer ein wenig im Netz unterwegs ist und sich mit den Möglichkeiten des Geldverdienens beschäftigt wird auf kurz oder lang über sogenannte binäre Optionen stolpern. Begibt man sich ein wenig auf der Suche danach, wird man viele Angebote im Netz finden bei denen gezeigt wird, wie einfach man damit Geld verdienen kann. Mit wenig Geld Abends immer ein wenig handeln und am Ende dann richtig Kohle verdienen. Klingt nach einer Sache, die man sich einmal näher ansehen sollte!
Die Idee hinter solchen binären Optionen ist eigentlich relativ simple. Um diese zu verstehen, sollte man allerdings erst einmal verstehen, was genau Optionen sind. Es handelt sich hierbei in der Börsensprache um ein sogenanntes "bedingtes Termingeschäft". Also ein Termingeschäft, dass an eine Bedingung gekoppelt ist. Hierbei wird üblicherweise ein Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem vereinbarten Preis verkauft.
Ich möchte Optionshandel hier nicht ganz vertiefen, da es eine recht komplexe Thematik sein kann in der es viele unterschiedliche Facetten gibt. Doch die Grundidee dahinter ist eigentlich recht einfach. Stellt Euch vor, dass ihr Bauer seid und nun regelmäßig Weizen produziert. Der Müller im Ort würde gerne Euren Weizen kaufen, aber dieses ist ja eben noch nicht da und muss erst wachsen. Da dieser Sommer scheinbar wieder sehr warm wird und er fest mit einer Dürre rechnet und somit einem Anstieg des Preises, ist er in großer Sorge!
Ihr räumt ihn ein am Ende des Sommers den Weizen zu 50€, was den aktuellen Preis entspricht zu verkaufen. Dafür gibt er Euch nun heute 10€ in die Hand. Dies nennt man dann "Optionsprämie". Wenn nun der Herbst gekommen ist, hat er das Recht (Nicht die Pflicht!) bei Euch entsprechend seinen Weizen für 50€ einzukaufen. Sollte nun die Dürre nicht eingetreten sein und die Preise momentan im Keller sein, kann er auch von seiner Option zurücktreten und nichts kaufen. Das ist dann ärgerlich für Euch, da ihr Euch einen neuen Kunden suchen könnt, aber die Optionsprämie könnt ihr einstreichen und behalten. Sollte das Wetter doch schlecht gewesen sein und die Preise z.B. bei 70€ liegen, würde er vermutlich kaufen und sich eben darüber freuen den Weizen günstig zu erhalten.
So ähnlich entstanden die ersten Optionen. Es sichert die Geschäfte beider Seiten ein wenig ab. Die eine Seite kann etwas dazu verdienen, die andere kann Preise einplanen, die sonst vielleicht unberechnenbar gewesen wären. Man sichert somit also seine Geschäfte ein wenig ab.
Binäre Optionen sind nun grundsätzlich eine ähnliche Idee. Der Name binär sagt aber schon, dass es eben nur zwei Optionen gibt. Man setzt dabei auf einen Rohstoff, eine Aktie oder irgend eine andere verbriefbare Sache. Diese erwirbt man mit einer radiklen Bedingung. Wird diese Bedingung erfüllt, bekommt der Käufer einen festgelegten Betrag. Wird die Bedingung nicht erfüllt, wird diese wertlos und er verliert alles.
Klassischerweise ist die Bedingung, dass eine Sache in einer bestimmten Zeit in ihrem Wert entweder steigt oder sinkt. So könnte die Bedingung sein, dass in 15 Minuten der Kurs um 5% gestiegen ist. Erfüllt sich dies, bekommt man Geld oben drauf und seinen Einsatz zurück, ansonsten verliert man seinen Einsatz. Ich spreche daher bei so etwas gerne auch von einer "Wette", da es eigentlich die Idee recht gut beschreibt.
Wie funktioniert dies in der Praxis? Der Broker vermittelt zwei solcher Wetten. Einer der auf steigende Kurse setzt, einer der auf fallende Kurse setzt. Der Gewinner bekommt dann den Einsatz des Anderen. Da der Broker es eben nicht nur just for the fun macht, erhebt er eine Spread, also eine kleine Gebühr die er sich von beiden Seiten einverleibt und sich darüber finanziert.
Es ist also so ein wenig wie ein Münzwurf um einen Euro bei dem jeweils eine Seite den Euro des anderen bekommt und der Spielleiter sich immer ein paar Cent abzweigt. Während man hier die Chancen noch als gleichwertig und fair einstufen würde, ist dies bei einem komplexen Marktvorgang wie "steigende Preise" schon ein wenig schwieriger. Den ob diese Bedingung erfüllt wird oder nicht, lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Zuviele Faktoren können theoretisch auftreten und einem ein Strich durch die Rechnung machen.
Verlockend ist hierbei für Einsteiger insbesondere, dass die Idee dahinter sehr leicht verständlich ist und man eben auch mit recht geringen Beträgen dabei ist. Wenn man die Kurse nur genau genug vorhersagt, kann man entsprechend leicht Geld verdienen. Wäre da doch nur nicht das Wörtchen "Wenn"! Den auf dem gleichen Weg, kann man seine Kohle auch wieder sehr fix loswerden.
So wird jeder in einem größeren Unternehmen einen Kollegen kennen, der irgendwann anfängt von "binären Optionen" zu schwärmen und zu erzählen, dass man damit richtig Schotter machen kann! Wie geht man damit um? Ein meditatives Grundtraining über FOMO abhalten und einfach mal ein Jahr warten. Meist ist der Kollege immer noch da und spricht nicht mehr über binäre Optionen. Spricht man ihn darauf an, wird oft nur ein "mache ich nicht mehr!" kommen und eingestanden werden, dass man das Geld verloren hat.
Was dafür die Ursachen sind, darüber kann man lange sinnieren. Fakt ist, dass viele Anbieter solcher Optionen einen schlechten Ruf haben und unter Verdacht stehen Kurse zu ihrem Gunsten zu manipulieren. Fakt ist aber auch, dass viele Leute sich hoffnungslos in ihren Fähigkeiten überschätzen und somit echte Profis ein leichtes Spiel haben. Selbst wenn man eine gute Strähne hat, kommt es meist irgendwann zum Punkt an dem man das gewonnene Geld wieder verdient. Und so mancher dieser Zocker vergisst auch noch, dass da eine Steuer drauf kommt und das alles sowieso kein Nettogewinn ist.
Würde ich also binäre Optionen für Euch empfehlen? Es gibt ein ganz klares "Nein" als Antwort, da ich solche Arten des Handelns für hochriskant halte und man sich viel zu leicht die Finger daran verbrennen kann. Normales Trading kann schon sehr arg nach hinten losgehen, bei verbrieften Bedingungen wird es eher schlimmer als besser. Dies hat aus meiner Sicht nicht mehr das Geringste mit Investieren zu tun, sondern eben mit echtem Zocken. Da kann man auch zum Glückspielautomat gehen, der ähnlich viele Parameter zum Bewerten zulässt, aber immerhin meist ne höhere Ausschüttungsrate hat.
Ihr wollt stets in Investitionen gehen in denen ihr die Möglichkeit habt eine schlechte Phase auszusitzen. Besteht diese Möglichkeit nicht, würde ich immer einen großen Bogen um ein Produkt machen. Erspart Euch die Kopfschmerzen Euch in diese Thematik erst einzuarbeiten! Schnelles Geld gibt es nicht und wird es auch nie geben. Aber der Handel mit Kryptos z.B. ist etwas, dass man zumindest ein wenig prognostizieren kann und eben auch notfalls aussitzen kann.
Und macht Euch nichts vor! Wenn ihr mit so etwas anfang, investiert ihr auch gleich immer einen Teil Eurer privaten Freizeit. Vergesst bitte diese nicht auch noch mit einzupreisen, da ihr um diese beraubt werdet. Rechner man das alles zusammen, bleibt am Ende bei den meisten Menschen ein eher klägliches Ergebnis zurück.
Dann eben doch lieber Aktien, die man einmal kauft und dann ruhen lässt ohne das man viel dafür tun muss. Übrigens betrifft diese Rat in erster Linie binäre Optionen. Normale Optionen können durchaus sinnvoll sein! Dennoch sind auch sie meiner Meinung nach eher ein Instrument für Fortgeschrittene!