Liegt mir ein junger Mensch besonders am Herzen, dann bekommt er auch mal einen Crashkurs in Sachen Finanzen mit dem dringenden Appell sich umgehend damit zu befassen. Denn jedes verlorene Jahr wirkt sich zum Ende hin fatal aus. Üblicherweise gibt es zwei Kontraindikatoren warum Leute sich nicht damit befassen.
Zum einen ist es vertrauen. Gerade beim Thema Finanzen gibt es eine ganz natürlich Abneigung darin jemand anderen zu vertrauen und das zu recht. Denn gerade dann wenn jemand sich in diesem Thema aufdrängt, sollte man stets sehr hellhörig werden. Jene Menschen auf die ich zugehen haben dieses Problem üblicherweise aber nicht, da sie mich entweder bereits sehr gut kennen oder zumindest aber verstellen werden, dass ich in der Wertschöpfungskette nicht enthalten bin. D.h. ich habe nichts davon, dass ich es tue. Somit kann man nur noch die Expertise anzweifeln, was oft aber nicht getan wird.
Der zweite Punkt weswegen Leute nicht aktiv werden ist oft, dass sie sich selbst dort keine Fähigkeiten zutrauen und auch diese Einschätzung oft richtig ist. Gerade dann, wenn es um Geld geht, sollte man ein wenig vorsichtiger unterwegs sein. Oft unterschätzen die Leute aber die Eintrittsbarriere maßlos und die Hürden sind ganz andere. So hilft es oft einfach mal so eine Webseite einer Depotbank zu zeigen und einzelne Begriffe zu erklären und zu zeigen, wo man einige grundlegende Informationen einholen kann.
Man braucht sich nichts vor zu machen. Die Millenials sind fit in Websachen und man muss ihnen nichts beibringen, sondern nur ein wenig die Angst davor zu nehmen. Sehen sie die Prozesse erst einmal können sie dies in Rekordzeit meistern und sind damit bestens gerüstet auch an der Börse aktiv zu werden.
Doch sind diese beiden Hürden erst einmal genommen, kommt es zum eigentlichen Problem: Wo positioniere ich mich, damit mein Geld am Ende auch wächst? Mein ganzer Blog dreht sich am Ende darum sich diesem Thema langsam von verschiedenen Seiten anzunähern. Das Problem ist eben, dass es hier keinen goldenen Pfad gibt und es immer mehrere Antworten damit gibt. Würde es die perfekte Lösung geben, würde ja jeder an der Börse reich werden, was keineswegs der Fall ist. Genau dieses Wissen aufzubauen ist der wirkliche Knackpunkt.
Ein pfiffiger Kerl fragte mich neulich, ob er nicht zunächst an einem Börsenplanspiel teilnehmen sollte um sich erst ein wenig damit zu befassen. Grundsätzlich bin ich ein absoluter Freund davon sich Themen spielerisch zu näheren, allerdings gab ich ihm den Rat das nicht zu tun.
Zum einen ist es am Ende wieder nichts anderes als einen Vorwand zu suchen sich wieder um das Thema zu drücken. Die Leute verschieben ein eher belastenden Vorgang weiter in die Zukunft und machen lieber ein Planspiel und warten dann noch einmal ein paar Jahre hab, um dann das Ergebnis zu sehen. Kommt es dann noch zu einem Crash, können da auch mal ein paar mehr daraus werden.
Als ich jung war suchte ich mein Heil in einem Planspiel und legte fiktiv 5k€ an. Dieses sind inzwischen fast eine halbe Million wert. Ich holte dort einige unbekannte Firmen rein wie Google und Amazon, Volkswagen und Allianz. Danach vergaß ich das Planspiel und schaute erst vor einigen Jahren rein und mich traf der Schlag. Sicherlich hätte man damals irgendwann verkauft, doch hätte man auch nur einen Teil der Bewegung mitgenommen, wäre das richtig Kohle gewesen.
Hätte ich mein Geld damals allerdings so angelegt, wenn es um echtes Geld ging? Mitnichten! Denn diese riskante Verteilung hat man gemacht, da man einfach sein Geld lustlos auf einige Positionen geschoben hat, wo man den Eindruck hatte, dass sie langfristig interessant sein könnten. Bei echtem Geld wird man allerdings stets anders entscheiden.
Man hat plötzlich „Skin in the Game“ und beginnt damit sich genau zu entscheiden, wo man denn nun seine Kohle reinsteckt. Am Ende hat man halt stets im Hinterkopf wie hart man dafür eigentlich hat arbeiten müssen. Und dies führt üblicherweise dazu, dass man weniger riskant anlegt. Wer es nicht glaubt, sollte sich einfach mal bei einem Planspiel eine Million geben und sehen wie schnell diese weg ist. Glaubt ihr wirklich, dass ihr genauso verteilen würdet, wenn ihr nun eine echte Million hättet?
Gleiches gilt auch für jene Leute die irgendwelche fiktiven Depots führen um zu sehen, wie sich eine Entscheidung hätte ausgewirkt. All jene Titel, die man nicht ins echte Portfolio übernimmt, landen dann in einem fiktiven Depot. Was soll dafür der nutzen sein? Das man sich alle Jahre mal mit dem gruselt, was man alles verpasst hat und sich Vorwürfe macht? Trifft man eine Entscheidung sollte man auch dazu stehen.
Versteht mich nicht falsch! Eine gute Watchliste sollte natürlich jedermann haben. Aber fiktive Depots und Planspiele helfen einfach nicht wirklich weiter. Denn selbst wenn man sieht, dass diese besser gelaufen sind, sagt dies nur etwas über die Entscheidungen in der Vergangenheit aus und es heißt nicht, dass es auch etwas über die Zukunft aussagt.
Paper Trading und Planspiele sind höchstens dazu geeignet um die Bedienung und einige grundlegende Bedienungen und Konzepte zu lernen. Aber keineswegs um in irgend einer Weise an der Börse anzukommen. Tatsächlich hilft hier IMHO ein gutes Buch zum Thema lesen, Blogs zu lesen oder ein paar Videos bei Youtube zu sehen wesentlich mehr, da man sich fast alle diese Dinge auch dort gut aneignen kann.
Wichtig ist am Ende, dass man seinen Arsch hoch bekommt und irgendwo mal anfängt. Gerade den Neulingen rate ich daher zumeist einfach anzufangen und zwar nicht mit einem All-In, sondern nur ein paar hundert Euro im Monat. Bereits dieser kleine Betrag wird statistisch ihren Wohlstand zum Ende hin bereits enorm steigern. Da fast jeder ihn leisten kann tut es auch nicht so weh, falls es doch mal schief geht.
Trotzdem muss man sich mit den Entscheidungen befassen und erlebt auch die echten Crashs mit seinen Tiefs bereits voll mit und kann so sehen, was das ganze eigentlich Emotional mit einem macht, wenn es mal stark nach Süden geht. Genauso wie man sich selbst dabei beobachten kann, wenn es nach oben geht.
Denn gerade Neulinge (z.B. die in der Coronakrise eingestiegen sind) leiden meist zunächst an einem Gotteskomplex, weil sie nur den Weg nach oben kennen und denken, dass solche Erholungen normal seien. Dann packen sie mehr Geld rein und gehe daran zu Grund, wenn es mal wieder in die andere Richtung geht.
Nur dann wenn man wirklich Skin In The Game hat, kann man auch wirklich einige Dinge lernen ohne das man permanent in einem Spiel gefangen ist. Merkt man dann, dass man selbstsicherer geworden ist und ein Gefühl dafür bekommen hat, kann man langsam den Geldhahn aufdrehen und sich auch mit mehr reinwagen.
Alles andere wäre in etwa so als würde man sich nicht um seinen Haushalt kümmern, sondern versuchen dies erst zu lernen in dem man The Sims spielt und sich dann wundern, warum das im richtigen Leben so nicht klappt und warum der größte Teil der Arbeit nicht mit Müllrausbringen bereits getan ist.
Ich sage nicht, dass es leicht ist diesen Knoten zu durchtrennen und die Leute dazu zu bringen sich aktiv in dem Bereich zu bilden und einzubringen. Auch in meinem Freundeskreis kenne ich leider sehr viele Leute, die sehr lange überhaupt nichts unternehmen und in den Tag reinleben. Gerade jüngst erst hat ein 40-Jähriger erst gefragt, ob ich ihm mal eine kurze Einführung geben könnte, da er nicht versteht wie das mit den Aktien so funktioniert.
In dem Alter sollte man eigentlich bereits mehrfach über das Thema gestolpert sein und grundlegend wissen, wie eine Aktiengesellschaft funktioniert. Aber man darf es nicht unterschätzen wie belastend das Thema für einige Leute ist und sie entsprechend einen großen Bogen darum machen. Doch dies rächt sich halt gnadenlos zum Ende hin und wer dann noch ein paar Jahre lang lieber ein wenig Paper Trading betreibt, wird nie etwas werden.
Wir haben in unserer Gesellschaft zunehmend das Problem, dass Leute Risiko scheuen und selbst Führungskräfte sich nicht mehr trauen Entscheidungen und damit verbundenen Konsequenzen zu übernehmen. Auch dies ist ein riesiges Problem und wird sich in Unternehmen gnadenlos rächen. Zumindest bei seinen eigenen Finanzen sollte man aber mit dem rumgeeiere so schnell wie möglich aufhören und selbst die Verantwortung dafür übernehmen.
Auch wenn es einmal die Falschen sind. Denn gerade dadurch kann man auch unglaublich viel lernen und das lieber eben wenn man jung ist und wenig Kapital einsetzt als wenn man mit 40 anfängt und dann mit einem dicken Sparbuch die Fehler macht.
Ich hoffe ich habe heraus arbeiten können, dass ich Paper Trading nicht als Einstieg an der Börse empfehle für jene, die dort selbst aktiv sein könnten. Für mich sollte ein Mensch mit 20 Jahren langsam in der Lage sein mit Finanzen umgehen zu können. Wer Kinder hat, die noch nicht geschäftsfähig sind, kann man sie an das Thema durchaus gut mit Planspiele ranführen um den Umgang und Denkweisen zu erlernen. Diese haben dann aber eben meist auch noch kein eigenes Kapital oder die geistige Reife.