Der geringste Zweifel
Was bedeutet es eigentlich, sich nach dem geringsten Zweifel zu richten? Ist es nicht so, dass wenn ich eine Handlung plane und ich habe auch nur den geringsten aller Zweifel daran, dass diese Handlung möglicherweise bei jemandem Leid erzeugen könnte, ich diesem nachgehen sollte?
Wenn ich ahne, dass der Zweifel berechtigt sein könnte, selbst wenn er nicht auf der Basis meines eigenen Denkens und Fühlens erfolgt ist, sondern jemand anderer mir diesen Zweifel gibt, hat der Zweifel nicht dennoch seine Berechtigung?
In der Unüberschaubarkeit der derzeitigen Ereignisse, wäre der Zweifel nicht sogar der beste Ratgeber, den ich haben könnte?
Mich beschäftigt die Tatsache, dass Menschen die Impfung fürchten. Und ich fürchte sie ebenfalls. Wie so viele andere Dinge, die es zurzeit zu fürchten gilt.
Im Prinzip sind wir modernen Menschen nicht viel anders, als diejenigen, die wir als primitiv bezeichneten. Wir alle glauben an etwas und dieser Glaube ist eine sehr starke Kraft.
Ich bin, seit ich von der Gentechnik hörte, hin und hergerissen, ob ich an die Errungenschaften dieser Technik nun glauben soll. Doch die Frage scheint im Grunde nutzlos, denn wenn so viele andere an sie glauben, so ist das Feld der Überzeugung so groß, dass mein eigener Unglaube wohl wenig ins Gewicht fällt.
Ob ich will oder nicht, ein Teil von mir akzeptiert diesen Glauben. Obwohl ein anderer Teil solches nicht will. Der Mensch ist widersprüchlich.
Dieser Teil, der es nicht will, der findet sich auch in der Perspektive von vielen anderen Menschen wieder, die etwas nicht glauben wollen. Wo der Wille nicht da ist, kommt der Schmerz, wenn man jemandem etwas aufzwingt. Meine Furcht ist daher nicht so eindimensional, wie sie sich im ersten Moment anhört.
Was ich weniger fürchte, ist vielleicht eine Impfung und ihre mögliche schädliche körperliche Wirkung. Ich fürchte weitaus mehr die psychische. Wenn Menschen nicht wollen, dass man ihnen etwas gibt oder sie zu etwas zwingen wird, dann entwickeln sie enorme Widerstände dagegen.
Alles ist im Grunde eine Glaubensfrage, auch alle Wissenschaftstheorien, die nicht gerade mit solchen Themen wie Schwerkraft oder sonstigen von keinem angegriffenen Theorien zu tun haben.
Doch dort, wo die Kontroverse vorhanden ist, selbst wenn man sie zu ignorieren sucht, droht der Konflikt zu einem Krieg zu werden.
Es ist vollkommen sinnlos, ja sogar tragisch, wenn versucht wird, alle Menschen unter das Dach eines Glaubens zu einen, denn solches ist unmöglich.
So stelle ich mir also vor, dass der Zweifel diejenigen erreicht, die in der Impfforschung arbeiten, die diese Stoffe herstellen. Warum nicht einfach so tun, als hätte man eine Impfung erfunden und dann füllt man die Ampullen mit Vitaminen, die keinem schaden?
Wir kennen den Placebo-Effekt, das muss man dann eben auch dazu sagen. Es könnte durchaus sein, dass der Glaube, man würde Gift zu sich nehmen, tatsächlich solcherlei Reaktionen auslöst, die einem eine Vergiftung suggerieren, nicht? Wer aber an ein Therapeutikum glaubt, würde der eben so reagieren, dass er annähme, er wäre geschützt?
Man kann das nicht ganz von der Hand weisen, weil wir Menschen nun mal so sind, dass wir etwas glauben oder nicht glauben. Du kannst es einfach nicht verhindern. Ein Thema, das so stark in die Welt hineingebracht wird, dass niemand mehr daran vorbeikommt, was ist das anderes als ein Glaubenskrieg?
Zurück zu meiner Angst.
Ich weiß, was es bedeutet, jemanden gegen seinen Willen zu etwas zu zwingen.
Woher weiß ich das? Ich weiß es aus Erfahrung, da ich bereits solches tat oder aber versuchte. An meinem kleinen Kind beispielsweise. Den Schmerz, den es meinem Kind und in der Folge auch mir selbst verursachte, das ist der Moment, der großen Kummer und Schuld verursachte. Will ich, dass möglichst viele meiner Mitmenschen dieselbe Erfahrung machen? Nein. Definitiv ein Nein zu dieser Frage.
Es wird aber dazu kommen, oder ist es bereits, dass die einen den anderen ihren Willen aufzwingen werden, weil ihnen ihrerseits ein Wille aufgezwungen wurde. Kein Weg führt vorbei an dem Schmerz, den dieses auslöst.
Mein Zweifel ist berechtigt.
Ich weiß, aus Erfahrung, aus meiner Familiengeschichte und aus der Menschheitsgeschichte, dass solcher Zwang zu Unglück und zu tiefster Verzweiflung führt. Niemand kann sich davon frei machen, er mag diese und jene Gründe für sein Fühlen und Handeln anführen, er mag diskutieren bis in die Ewigkeit und doch wird er es nicht schaffen, die Verletzungen zu verhindern, die damit einhergehen, sich gegen und über den Willen eines anderen zu stellen.
Wir alle werden zu Tätern, wenn wir solches auf der Ebene der Wissenschaft allein diskutieren, denn Wissenschaft schafft Wissen, nicht aber Weisheit.
Wir ahnen in unserem tiefsten Innern, dass wir hier keine Wissenschaftsdebatte führen. Wir führen eine Glaubensdebatte. Weil, machen wir uns nichts vor, letztlich basieren alle Handlungen und Weltanschauungen auf unserer Wahrnehmung und letztlich eben darauf, wie wir diese Welt als Einzelne interpretieren.
Die Welt ist zu groß, um sie letztlich zu verstehen.
Die Menschen zu unterschiedlich, um sie zu einen. Der Versuch des Einens und des Gleichmachens ist es, der Krieg verursacht.
Den Peiniger davon abhalten zu wollen, mir Pein zuzufügen, wen will ich eben auch beschützen? Nur mich selbst? Wohl kaum. Ich will denjenigen, der sich im Recht fühlt, mich zu zwingen, vor seiner Schuld bewahren. Wo ich doch genau weiß, dass diese Schuld so immens groß werden kann, dass der Täter sie nicht zu tragen vermögen wird.
Wir ahnen, dass das Begraben und Ignorieren von Schuld einen üblen Kreis zieht. Wo ein Täter sich schämt und sich seine Tat nicht eingestehen vermag, dort will er sie nicht wahr haben. Und indem er diese Wahrheit ablehnt und in den Untergrund schickt, wirkt sie umso stärker weiter in ihm.
Die stärkste negative Kraft scheint diejenige zu sein, die man mit aller Macht zu bekämpfen und zu verbannen sucht.
Der übelste Täter, das ist der Teil eines jeden von uns, der sich vor sich selbst erschreckt und diesem Schrecken zu fliehen versucht. Doch Flucht ist unmöglich, denn das, was einer bei sich nicht schauen will, das sieht er bei anderen. Diese anderen werden dann seine Feinde.
Was anderes als Feindschaft haben wir, wenn wir glauben, dass wir Menschen Biowaffen füreinander sind?
Man macht uns glauben, wir wären einander eine tödliche Bedrohung und die Königsklasse dieses Glaubens ist die schiere eigene Existenz. Kein Messer, keine Pistole in der Hand, kein Flugzeugbomber ist mehr nötig, keine atomare Bedrohung oder terroristische Gruppe ist mehr nötig, uns von der Feindschaft zu überzeugen. Die bloße physische Existenz ist nun als ausreichend ausgerufen worden, uns in Feindschaft zu begegnen. Wie traurig, wie aberwitzig. Wie unglaubwürdig, am Ende.
Gibt es dafür eine Heilung, eine Lösung, eine Alternative?
Sicher.
Zunächst mal, zu erkennen, wer wir selbst sind. Die Verletzungen durch den Willen der anderen, die uns als Kinder diesen Willen aufzwangen, die Schmerzen aufzuarbeiten, zu heilen und den verletzten Teil zu re-integrieren, denn auch wir sind nun als Erwachsene zu Tätern geworden, weil wir es internalisiert haben, dieses Zwanghafte.
Lernen, einem anderen zuzuhören und Fragen zu stellen, das ist immer ein guter Anfang. Die Begegnung zu suchen statt sie zu meiden.
Diese Aufgabe hat sich gerade zu einer der schwierigsten überhaupt entwickelt. Die Menschen, die auf die Straße gehen, um zu demonstrieren, die wollen die Begegnung mit denen, die Feinde überall sehen.
Die schlimme Zurückweisung ist die, bei der einem Menschen, der für den Frieden ist, gesagt wird, er sei ein Hassender, ein Gewalttäter und Leugner. Noch schlimmer ist es, wenn jedes Gespräch verweigert wird, keine Frage aufgenommen wird und man den Friedenswillen des anderen einfach ignoriert. Dieses ist die wohl fürchterlichste Erfahrung von Menschen. Wenn man so tut, als wäre der andere Luft. Nicht antwortet.
Es bleibt, diese mühsame Arbeit im Alltag aufzunehmen. Solchen Menschen Freundlichkeit zuteil werden lassen, die sich vor dem anderen fürchten. Die Aussage, über den eigenen Schatten zu springen, ist daher von einer tiefgründigen Bedeutung, denn es ist wahr: Diesen Schatten zu überwinden und freundlich zu sein im Herzen und nicht nur auf den Lippen, mitnichten die größte Herausforderung eines jeden von uns.
Lasst uns für den Frieden arbeiten.
The slightest doubt
What does it actually mean to be guided by the slightest doubt?
Isn't it so that if I am planning an action and I have the slightest doubt that this action could possibly cause suffering to someone, I should look into it?
If I suspect that the doubt might be justified, even if it is not based on my own thoughts and feelings, but someone else gives me this doubt, is the doubt not nevertheless justified?
In the complexity of current events, wouldn't doubt be the best advice I could have?
I am concerned with the fact that people fear vaccination. And I fear it too. Like so many other things to be feared at the moment.
In principle, we modern people are not much different from those we described as primitive. We all believe in something and this belief is a very strong force.
Ever since I heard about genetic engineering, I have been torn between whether to believe in the achievements of this technology. But the question seems basically useless, because if so many others believe in it, the field of belief is so large that my own unbelief is probably of little consequence.
Whether I like it or not, a part of me accepts this belief. Even though another part does not want it. Man is contradictory.
This part, which does not want it, is also found in the perspective of many other people who do not want to believe something. Where the will is not there, the pain comes when you force something on someone. My fear is therefore not as one-dimensional as it sounds at first.
What I fear less is perhaps a vaccination and its possible harmful physical effects. I fear far more the psychological one.
When people do not want to be given something or are forced to do something, they develop enormous resistance to it.
Everything is basically a matter of faith, including all theories of science that are not exactly related to such topics as gravity or other theories not attacked by anyone.
But where the controversy exists, even if one tries to ignore it, the conflict threatens to turn into a war. It is completely pointless, even tragic, if attempts are made to unite all people under the roof of one faith, because such a thing is impossible.
So I imagine that the doubt will reach all those who work in vaccine research, who produce these substances. Why not just pretend to have invented a vaccination and then fill the ampoules with vitamins that do no harm to anyone?
Tricking ourselves
We know something like the placebo effect, so that's what we have to say about it. It could well be that the belief that you are taking poison actually triggers such reactions that suggest poisoning, right? But if you believe in a therapeutic agent, would you react in such a way that you assume you are protected?
You can't completely dismiss this, because we humans are like that, we believe or don't believe something. You simply cannot prevent it. A topic that is brought into the world so strongly that no one can get past it, what is that other than a war of faith?
Back to my fear. I know what it means to force someone to do something against his will. How do I know this? I know it from experience, since I have already done or tried to do such things. On my little child for example. The pain it caused my child and subsequently myself, that is the moment that caused great sorrow and guilt. Do I want as many of my fellow human beings as possible to have the same experience? No. Definitely a no to this question.
But it will come to the point that some will impose their will on others, do that already, because a will has been imposed on them in turn. There is no way around the pain that this brings about.
My doubt is justified.
I know, from experience, from my family history and from the history of mankind, that such coercion leads to misfortune and to deepest despair. Nobody can free himself from it, he may cite these and those reasons for his feelings and actions, he may argue until eternity, and yet he will not succeed in preventing the injuries that come with standing against and above the will of another.
We all become - are already - perpetrators if we discuss such things on the level of science or law alone, for science creates knowledge, but not wisdom. We know deep inside that we are not engaged in a scientific debate here. We are conducting a debate of faith. Because, let us not delude ourselves, all actions and worldviews are ultimately based on our perception and ultimately on how we as individuals interpret this world.
The world is too big to understand in the end. People are too different to unite them. It is the attempt to unite and to make equal that causes war.
To prevent the torturer from inflicting pain on me, who do I want to protect? Only myself? I don't think so. I want to protect the one who feels he has the right to force me from his guilt. When I know exactly that this guilt can become so immense afterwards that the perpetrator will not be able to bear it.
We suspect that burying and ignoring guilt draws an evil circle.
Where a perpetrator is ashamed and cannot admit his deed, there he does not want it to be true. And by rejecting this truth and sending it underground, it works all the stronger in him.
The strongest negative force seems to be that which one seeks to fight and banish with all one's might. The most evil perpetrator, that is the part of each of us that is afraid of itself and tries to flee this horror. But escape is impossible, because what one does not want to see in himself, he sees in others. These others then become his enemies. Children are not spared from this.
What other than enmity do we have when we believe that we humans are biological weapons for one another?
We are made to believe that we are a deadly threat to each other and the king of this belief is the sheer existence of our own. No knife, no pistol in our hands, no plane bomber is necessary anymore, no nuclear threat or terrorist group is necessary to convince us of the enmity. Mere physical existence has now been proclaimed sufficient to meet us in enmity. How sad, how ludicrous. How incredible, in the end.
Is there a cure, a solution, an alternative? Sure.
First of all, to recognize who we ourselves are. The injuries caused by the will of others, which as children forced this will on us, to work through the pain, to heal it and to reintegrate the injured part, because we too have now become perpetrators as adults, because we have internalized it, this compulsiveness.
Learning to listen to another and to ask him questions is always a good start. Seeking the encounter instead of avoiding it.
This task has just become one of the most difficult ones of all. The people who go out into the streets to demonstrate, they want to meet those who see enemies everywhere. The terrible rejection is the one where a person who is for peace is told that he is a hater, a violent and denier. It is even worse when every conversation is refused, no question is taken up, and the other person's will for peace is simply ignored. This is probably the most terrible experience of human beings. When one pretends that the other is air. Not answering. Not arguing.
It remains to take up this tedious work in everyday life. To give kindness to those people who are afraid of the other. The statement to jump over one's own shadow is therefore of a profound meaning, because it is true: to overcome this shadow and to be friendly in the heart and not only on the lips, is by no means the greatest challenge of each of us.
Let us work for peace.
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