Hi Steemians,
Ich hatte mir überlegt einen Artikel über Determinismus bzw. (Willens-)Freiheit zu schreiben. Da ich vorher auf Steemit über diesen Artikel von (Danke für deinen Artikel! 😊) gestolpert bin und diesen für sehr informativ und gut geschrieben halte, habe ich diese Idee jedoch verworfen bzw. etwas angepasst. Die Frage, die für mich offengeblieben ist und die man vermutlich nur beantworten kann, wenn man nicht an den freien Willen 'glaubt', ist, wie sich das Ganze anfühlt oder aber auch, wie man zu der Schlussfolgerung gekommen ist, dass man nichts frei wollen oder entscheiden kann.
Determinismus - ja oder nein?
Willensfreiheit - ja oder nein?
Ich habe weder Philosophie studiert, noch die Löffel mit Weisheit gefressen, das Folgende ist also nur eine Schilderung meiner laienhaften Auffassung zu diesem Thema - meine Gedanken und Fragen, die ich mir immer mal wieder in unregelmäßigen Abständen zu diesem Thema mache bzw. stelle. Dieser Text ist auch keinesfalls so zu verstehen, dass ich die Darstellungen von für falsch halte – wie sie selbst schreibt: Hier gibt es kein richtig oder falsch, gut oder schlecht, wahr oder nicht wahr. Diejenigen, die sich Gedanken über solche Themen machen, kommen zu einer Wahrheit, die individuell für sie Bestand hat…aber was ist schon Wahrheit? 😉
Warum habe ich diesen Titel gewählt?
Das vollständige Zitat Chuck Palahniuks, aus dem Film Fight Club, lautet:
You're not your job. You're not how much money you have in the bank. You're not the car you drive. You're not the contents of your wallet. You're not your fucking khakis. You're the all singing, all dancing crap of the world.
Ich finde es ziemlich passend, denn so fühle ich mich in etwa, wenn ich mal wieder die Sinnhaftigkeit des Lebens infrage stelle, die 'echte' Freiheit suche und dabei zu dem Entschluss komme, dass alles was ich tue wohl nach meinem Empfinden in festen Bahnen verläuft bzw. so verläuft wie es verlaufen muss. Hier kommt dann dieses vermeintlich bequeme Schicksal ins Spiel. In lianaakobians Artikel gab es zwei schöne Abbildungen, die einmal die deterministische Weltsicht und die Voraussetzungen für Willensfreiheit illustrieren. Zur Erinnerung (Da ich die Abbildungen nicht ungefragt kopieren wollte, habe ich es selbst nochmal schnell gebastelt):
Deterministisches Bild
Willensfreiheit
Für mich sieht das Ganze etwas anders aus, in etwa so:
Ich erkenne an, dass es verschiedene Handlungsmöglichkeiten (A, B, C, D, E) gibt, jedoch denke ich, dass auch ein etwaiges Umentscheiden, das Wechseln zwischen zwei Handlungen nicht dem größeren deterministischen Weltbild widerspricht. Was, wenn auch dieses Umentscheiden nur Teil der Vorbestimmung ist?
Auch ich debattiere gerne mit meinen Freunden über solche Themen in der Küche, bei einem Glas Wein o.Ä. und das führt zu genau den gleichen Fragen z.B. nach 'Schuld' im Kontext von Determinismus, der Frage, ob 'bei Rot über die Ampel gehen' nun freier Wille ist oder nicht. Ob es so ist oder nicht – ich weiß es nicht, aber es fühlt sich nicht so an für mich! Es fühlt sich nicht so an, als wäre ich frei und nach dem Lesen von lianaakobians Artikel dachte ich besonders beim letzten Absatz
Willensfreiheit ist für mich die unmittelbare Erfahrung die ich bei einem Entscheidungsprozess empfinde. Dieses Gefühl ist nicht messbar also liegt es an uns selbst zu entscheiden, was für uns persönlich Willensfreiheit ausdrückt.
an das eingangs erwähnte Goethe Zitat:
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.
Ich meine das nicht abwertend, ich habe nur oft das Gefühl, Menschen betiteln Handlungen als 'frei' und erhalten sich damit eine Illusion, weil es kein besonders schönes Gefühl ist, wenn man bemerkt, dass man es eben nicht ist. In solchen Momenten, wenn ich glaube zu realisieren, nicht frei zu sein und nicht frei sein zu können, fühle ich mich ziemlich genau so:
You are not a beautiful or unique snowflake. You're the same decaying organic matter as everything else. (Chuck Palahniuk)
Wenn meine Gedanken um diese Freiheitsfrage kreisen, fühle ich mich ziemlich unbedeutend, wertlos, klein und so als würde mir jeglicher Wind aus den Segeln genommen werden. Meine Gedanken überschlagen sich dann und ich fange an Alles in Frage zu stellen. Mit Allem meine ich tatsächlich nicht nur die Frage nach der Willensfreiheit, sondern auch die Frage nach dem 'Großen Ganzen', die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest‘. 😉
Wann passiert mir so etwas?
Vornehmlich dann, wenn ich technische Themen für mein Studium lernen muss. Physik, Mathematik, Naturwissenschaften – Wissenschaften, die vermeintlich dazu geschaffen sind Sinn zu stiften, Dinge zu erklären und der 'Wahrheit' ein Stück näher zu kommen. Dennoch sind auch diese Wissenschaften menschengemacht. Wenn ich beispielsweise Physik lerne, kann mich das regelrecht in eine Sinnkrise stürzen: Warum verstehen wir Menschen, dass 2+2=4 ist, warum können wir diesen Text überhaupt verstehen, im Gehirn verarbeiten und deuten? Die Antwort scheint banal: Aufgrund von Evolution, kultureller Entwicklung und Lernen. Sprache hat sich entwickelt, Mathematik hat sich entwickelt, wir Menschen haben uns entwickelt und in der heutigen Zeit sieht man besser als je zuvor wie schnell sich Technik entwickelt.
Doch wie kann ich etwas als wahr anerkennen, wenn wir Menschen es vorher selbst definiert haben? Das heißt auch: Wie kann ich die Aussage, Menschen seien frei, als wahr anerkennen, wenn Menschen das durch menschengemachte Sprache, menschengemachte Theorien und Werte postulieren und definieren?
Ich fühle mich in solchen Momenten gefangen im 'Gefängnis des Lebens, meines eigenen Geistes'. Mir fällt es schwer zu abstrahieren und allzu oft muss man besonders im technischen Bereich Dinge einfach mal 'hinnehmen'. Ich kann integrieren, differenzieren, Maxwell‘sche Gleichungen anwenden und doch bleibt für mich immer die Frage nach dem 'Warum?' und 'Wieso?'.
„Warum kann ich nicht alle Atome oder Moleküle auf der Welt zählen?“
„Entscheide ich selbst was ich denke oder steht das vorher schon fest?“
„Kann ich mich mit meinen eigenen Gedanken selbst bescheißen? Wiederholt sich nicht im Grunde alles?“
Alle Antworten die ich auf solche Fragen bekomme, erscheinen mir nicht wirklich wahr. Im Grunde fühlt es sich so an, als seien alle Erklärungen hilflose Versuche etwas in eine Theorie, ein Modell oder Schema zu pressen, um es mit Annahmen erklären zu können. Weil wir es (noch) nicht besser wissen oder erklären können, zum aktuellen Standpunkt.
Vielleicht widerlegt zukünftig ein Physiker mit neuen Modellen die aktuellen physikalischen Gesetze?
Warum aber kommen mir all diese Fragen in den Sinn, wenn ich mich initial ‚nur‘ danach gefragt habe, ob ich in meinem Handeln frei bin?
Ein befreundeter Philosoph sagte zu mir, dass mein Problem dem klassischen 'Leib-Seele-Problem' entspricht und wenn ich in solchen Momenten in meinem Gedankensalat Denken, Wollen, Leib, Seele, Wahrheit, Freiheit und das alles nicht sortiert bekomme, erscheint mir alles sinnlos.
Die Katze beißt sich immer dann in den Schwanz und ich drehe mich gedanklich im Kreis, wenn ich mir die Gründe vor Augen halte, warum ich denke, dass alles vorbestimmt ist und wir nicht frei handeln.
Nehmen wir mal das Beispiel 'verlieben': Wenn man sich verliebt, WILL man das dann? Ist Verlieben eine aktive Entscheidung, eine freies WOLLEN? Immerhin sagen viele Menschen wenig später Dinge wie: „Ich WILL mein Leben mit dir verbringen“; „Ich habe mich dazu entschieden mit diesem einen Menschen alt zu werden“. Ist das wirklich so? Oder sind wir Menschen auch nicht bei dieser, von vielen als die 'schönste Sache der Welt‘ betitelten Sache, Sklaven des biochemischen Kraftwerks, genannt Körper?
Das Essentielle ist das Gefühl, welches solche Überlegungen in mir auslöst und was mich zuweilen zur Überzeugung bringt, dass ‚Dasein‘ sinnlos ist.
Das folgt Friedrich Nietzsche:
Denken wir diesen Gedanken in seiner furchtbarsten Form: das Dasein, so wie es ist, ohne Sinn und Ziel, aber unvermeidlich wiederkehrend, ohne ein Finale ins Nichts: die ewige Wiederkehr. Das ist die extreme Form des Nihilismus.
Und ohne diesen Sinn entbehrt Freiheit auch einer Sinnhaftigkeit.
Wenn ich meine Freiheit in Frage stelle, überschlagen sich die Gedanken so sehr, dass es sich nach kurzer Zeit anfühlt, als wäre ich in einem schlechten Traum gefangen. Es fühlt sich an, als dissoziiert mein Geist, als trenne er sich von meinem Körper. In gewisser Weise ist das Gefühl paradoxerweise aber auch befreiend. Ich falle von der sinnbildlichen Matratze in ein tiefes, schwarzes Loch des Nichts, des nicht Verstehens, des Ungewissen. Ich bin ein Quadrat in einem Kreis, meine Gedanken sind die Kreise und mein Verstand ist das Quadrat – ich ecke an, bis alle Gedanken weggefegt sind. Dann stellt sich Ruhe ein. Weißes Rauschen in meinem Kopf. Es fühlt sich nicht negativ an, eher wie Innehalten oder Annehmen. Entschleunigend, als hätten meine Gedanken einen Zeitversatz.
Klingt trotzdem alles ziemlich düster, oder?
Diese Momente halten mir vor, wie unbedeutend unwichtig ein einzelner Mensch ist, besonders gemessen am Kosmos, am Universum.
Wenn mein Gehirn bei solchen Fragestellungen schon kapituliert, was sollte ich mit meinem freien Willen, so ich einen hätte, anfangen? Ich könnte mich dazu entscheiden mehr zu studieren, mehr zu lernen, alles Wissen in mich aufzusaugen, um meiner gesuchten 'absoluten Wahrheit' näher zu kommen. Allerdings sehe ich mich selbst nicht als intelligent genug an, jemals diesen Punkt zu erreichen. Mit all meinen Bestrebungen komme ich maximal bis auf 'den Rand' des Problems, werde ihn aber nicht überschreiten und lösen werde ich dieses Problem schon gar nicht. Es fühlt sich an, als wären meine Gedanken gefangen. Ich würde gerne mehr verstehen, begreifen und mithilfe dieses Verstehens, des Ergründens der Wahrheit letztendlich frei sein.
Doch:
Wer bin ich schon?
Was bin ich schon?
Ich könnte eine philosophische Abhandlung über mein eigenes, zusammengestückeltes Weltbild basteln, aber auch das wäre im Grunde sinnlos, denn das wäre dann möglicherweise (!) nur wieder meine Bestimmung, meine Aufgabe und mein Werk bis meine Zeitdauer t irgendwann abgelaufen ist.
Gibt’s auch was Positives? Fazit?
Nachdem ich diesen Text nun runtergetippt habe und auch diesen durch einen Zufall (oder war das vorgesehen? 😜) mit Bekannten besprochen habe, kann ich das Ganze nochmal selbst kritisch reflektieren. Eines ist klar: man kann sich unendlich lange mit dieser Thematik beschäftigten und mit Sicherheit davon verrückt werden. Man kann zu dem Entschluss kommen, sich vom Balkon stürzen zu müssen, weil das Leben keinen Sinn hat.
Das habe ich offenkundig nicht getan 😉
Wie in ihrem Artikel beschreibt, muss man zwischen bedingter und unbedingter Freiheit unterscheiden. Hier folge ich dem Konstrukt der bedingten Freiheit, wie es auch Peter Bieri beschreibt:
Auch wenn die Naturgesetze bestimmen, was wir tun und denken, können wir uns unter Berücksichtigung der jedem Menschen gegebenen Bedingtheiten als frei verstehen.
Emotional aufgeladen und unzufrieden, neige ich dazu diese bedingte Freiheit mit 'der Wahl zwischen Mars und Snickers' zu vergleichen. Pure Rebellion, das Ergreifen einer Option, die nicht zielführend ist, sehe ich in diesem Kontext jedoch auch nicht als frei an. Unser Wille ist durch die Art unseres 'Daseins' und in Folge dessen aufgrund von Naturgesetzen, Moral, Gesetzen, Regeln usw. eingeschränkt. Und genau dieser Vergleich, dieses Gefühl ist die Krux an der Geschichte und macht mich unzufrieden, führt zu der Wert- und Sinnlosigkeit. Emotionen!
Zum Abschluss möchte ich aus diesem Grund noch ein wenig Goethes Zitat 'auseinander nehmen‘:
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.
Wenn sich jemand fälschlicherweise für frei hält, bedeutet das, es muss auch freie Menschen geben. Also solche, die 'wirklich' frei sind und sich nicht nur dafür halten. Nach der Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema, bin ich aktuell der Meinung, man müsste Goethe (sofern man könnte) antworten: Nicht die Freiheit oder Unfreiheit macht einen zum Sklaven, sondern der Anspruch die Qualität des eigenen Daseins am falschen Konstrukt messen zu wollen!
Man kann nur verlieren, wenn man nach etwas strebt, das nicht möglich ist.
At the end of the day: At least I don't feel like a unique snowflake.
Aber ich bin bedingt ['frei‘ / beliebiges Wort einsetzen], im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, mich durch diese Erkenntnis be ['freit‘ / beliebiges Wort einfügen] zu fühlen!
Much ado about nothing!
Eigentlich kann ich das Posten ja auch sein lassen, braucht es auch nicht zu liken, zu sharen oder sonst was…you know 😛
Trotzdem will ich eure Meinung dazu wissen…ob ich das wohl wirklich will? Argh!
Eure Marla ✮
Mehr zu meiner Person hier :)
Wer möchte kann mir auch gerne auf Instagram folgen!
Btw: Ich kann auch witzig sein!
"Literaturverzeichnis" 😊
Bieri, P. (2001). Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. München: Hanser.
Palahniuk, C. (2005). Fight Club: a novel. New York, NY: WW Norton & Company.