Wer nicht für seinen Wohlstand arbeiten muss wird schwach. Das können wir in allen Lebensbereichen beobachten. Muskeln kann man beispielsweise nur aufbauen, wenn man genügend Sport treibt. Stubenhocker dagegen neigen eher dazu dick zu werden.
Deswegen hängt die Beständigkeit eines Regierungssystems unter anderem auch vom Grad der Dekadenz ab. Die Dekadenten haben die Fähigkeit verloren sich vor äußeren Einflüssen zu schützen. Besteht das Volk dagegen aus Kriegern, so reichen 300 Spartaner aus, um Europa vor den Persern zu retten.
Aber das größte Problem dürfte die innere Zersetzung sein. Lebt man wie die Made im Speckmantel, so hat man keinen Anreiz Eigenverantwortung zu übernehmen. Moral und Sitten verlieren an Bedeutung. Die Tradition wird nur noch halbherzig gelebt. Stattdessen gibt man sich dem Suff hin.
Im Calhoun-Utopie-Experiment hat man für Mäuse ein Paradies geschaffen. Die Mäuse hatten genug zum Essen, keine Feinde und genügend Platz. Die Mäuse waren schnell gelangweilt. Sie kümmerten sich nicht mehr um die Fortpflanzung und die Gewalt stieg rapide. Mäuse, welche sich nicht der Gewalt hingaben, verkamen zu einer Ego-Gruppe (die Schönlinge), bis sich die Mäuse mehr und mehr isolierten. Am neunhundertzwanzigsten Tag wurde die letzte Maus gezeugt. Charles Krüger hat dies gut in seinem letzten Video interpretiert. Er schlussfolgerte: "Unverdienter Wohlstand zerstört den Geist."
Nach der aristotelischen Staatsphilosophie hat jede Herrschaftsform eine gute und eine schlechte Ausprägung. Entweder dient sie der Gemeinschaft oder dem Eigennutz. Dabei spielt die Anzahl der Herrscher keine Rolle. Ich denke, dass sich langfristig jede Herrschaftsform zum Schlechten entwickeln wird, denn das Volk gibt seine Verantwortung an einem Herrscher ab. Das Ende, die Dekadenz weniger, liegt in der Revolution begraben, bis der Spaß von vorne beginnt.
Aus diesem Grund denke ich, dass der Schlüssel in der Anarchie liegt. Der Mensch wird nun dazu gezwungen Eigenverantwortung zu übernehmen. Man kann nicht mehr sagen, dass man nur Befehle befolgt hat. Jeder trägt seine Schuld selber mit sich.
Schlechtere Menschen sind in jedem System verdammt. An der Spitze einer schlechten Gesellschaft kann kein guter Herrscher stehen. Da spielt es keine Rolle, ob man in einer Monarchie oder in einer Anarchie lebt. Das System vernichtet sich ohne großes Zutun von selber.
Wieso sollte man aber die Freiheit einer guten Gesellschaft einschränken? Für mich gibt es da keinen Grund zu. Nur weil wenige Menschen schlechte Interessen haben, soll jetzt die ganze Gesellschaft leiden, oder wie? Nein, dem Menschen bleibt nichts anderes übrig als frei zu sein!