Ich habe hier ja in diversen Beiträgen bereits einiges an Irrglauben aus dem linken Spektrum aufgegriffen, dass aus meiner Sicht einer sehr undifferenzierte Herangehensweise an ein Problem darstellt. Und ich habe auch schon oft hier versucht aufzuzeigen, wie tief gerade bei uns Deutschen die Angst vor den Kapitalmärkten sitzt.
Gerade unter den Verweigerer hat man oft Menschen sitzen, die sagen, dass der Kapitalmarkt unmoralisch sei. Ja, würde man dort investieren, würde man nur seine Geldgier offen zur Schau stellen. Und natürlich gibt es auch dort Akteure die sicherlich in einem dunklen Kellerschrank einen plutonischen Opferaltar haben und ihn huldigen. Keine Ahnung, wie das Ritual da so genau abläuft, aber ich habe bisher keine Leute kennen gelernt, die dies wirklich aktiv praktizierten.
Den die meisten Menschen die in den Märkten investiert sind, werden dies nicht tun, weil sie über Leichen gehen. Sondern weil sie sich Träume erfüllen wollen, weil sie ihre Rente absichern wollen oder weil sie ein freies und selbstbestimmtes Leben führen wollen. Das man dabei über Leichen gehen würde ist eine böse Unterstellung. So spende ich jedes Jahr eine vierstelligen Betrag an Projekte, die ich für wichtig halte oder ich deren mildtätige Arbeit zu schätzen weiß. Das ist gewiss keine Heldentat, aber so manch einer Schluck schon ein wenig, weil er realisiert, dass er gar nichts spendet. Gerade in dem Spektrum, dass gerne auf andere zeigt und von „Gier“ spricht. Nein, vielleicht will ich einfach nur in einer machtvollen Position heraus her entscheiden, wo etwas gefördert werden soll und wo ... lieber nicht.
Noch interessanter finde ich allerdings, dass gerade jene, die immer auf die „Geldgier“ sich berufen, gleichzeitig sehr sonderbare Vorstellungen vom Risiko haben. Den viele der Leute sind oft jene, die mit >95% Kapital am Kryptomarkt unterwegs sind und sich nun lauthals über „Manipulation“ und anderen Weltverschwörungen echauffieren. Jemand sagt mir mal, dass er nicht an den Kapitalmarkt will, weil ihm „10% nicht genug sei!“. Auf meinen Hinweis, dass man es mal mit Mintos versuchen solle und man da bis zu 14% kriegt, meinte man „Mit so kleinen Beträgen gebe ich mich nicht zufrieden!“.
Das ist dann der Moment an dem es mich ein wenig gruselt. Den ich würde hier eine schier zügellose Gier atthestieren und gleichzeitig ein extrem unreflektiertes Verhalten. Den was man verstehen muss ist, dass Rendite immer auch Risiko bedeutet. Wieviel Risiko man eingehen sollte um eine Rendite zu erreichen, darüber mögen sich die Gelehrten streiten. Aber diesen Zusammehang muss man sich einfach bewusst sein.
Ich selbst zähle mich zu den konservativen Anlegern mit einem progressiven Touch. Ich propangiere oft immer, dass mein Traum Titel 2+2 ist. 2% Kursgewinne, 2% Dividende und das jedes Jahr. Erfüllt ein Titel dies, bin ich hoch zufrieden, bin aber auch bewusst beim einen oder anderen Abstriche zu machen, solange es dann in Summe im Portfolio stimmt. So manch einer findet eine solche Anlagestrategie „langweilig“, da am Aktienmarkt durchaus das Doppelte drin ist. Und ja, meist kriegt man auch wesentlich mehr realisiert, aber ich strebe es nicht an, sondern sehe es eher als positiven Beifang an.
Bin ich damit nun Geldgierig? Weil ich der Nachtbar bin, der auf Konsum verzichtet und statt dessen sich ein wenig Geld an der Börse dazu verdient? Man mag ja durchaus auf das Großkapital einen Hass schieben, aber wieso geht man eigentlich bereits so etwas immer wieder im Kleinen an?
Und das dann die Leute mit dem Faktor 1000 in den Kryptomarkt gehen, stellt keine Geldgier da? Ich würde sogar von einer ausgeprägten Dummheit sprechen. Klar, ich würde durchaus empfehlen bei einem soliden Portfolio auch immer ein wenig in den Kryptomarkt zu streuen. Es ist eine risikante Wette, aber wenn sie aufgeht, hat man doch einiges gewonnen. Aber doch bitte nicht als Anlagestrategie!
Den gerade der Ruf, dass an der Börse ja nur Spekulanten sind, ist nun arg konstruiert. Im Gegenteil ich sehe mich als Investor an und verhalte mich dabei auch ähnlich als wäre dies mein eigenes Unternehmen. Ich will dort keine Rendite um jeden Preis, sondern ich will ein solides und nachhaltiges Unternehmen bei dem ich dann auch glücklichen Mitarbeitern in die Auge sehe und nicht beschämt den Blick abwenden muss. Würde der Geschäftsführer dann sagen, dass er nun einen Weg gefunden hat die Gewinne um den Faktor 100 zu erhöhen, würde ich ja auch sehr skeptisch nachfragen, wie genau das eigentlich funktionieren soll...
Den Geldgierig ist für mich immer nur dann jemand, wenn er auch bereit ist dafür über Leichen zu gehen. Ich selbst investiere grundsätzlich nichts in die Waffenindustrie auch wenn ich Aktien in dem Bereich regelmäßig „empfehlen“ muss, weil sie sehr gute Wachstumsaussichten haben. Aber ich will für mich persönlich kein Geld haben an dem Blut klebt. Insbesondere dann nicht, wenn es genügend zivile Unternehmen gibt, die ebenfalls gute Wachstumssichten haben. Was jeder dann gutheißen kann, obliegt am Ende eben seiner Entscheidung.
Und was ist mit den Tradern, die an der Börse ihre Wetten abgeben? Sind diese vielleicht geldgierig? Vermutlich hat auch dort der eine oder andere seinen Altar neben dem Rechner. Und ja, für mich ist diese Form des Kapitalhandels nichts. Aber man muss sich eben auch vor Augen halten, dass diese für den Markt eine zersetzende Wirkung haben. So abstrus es klingt, gerade dadurch, dass Leute ständig am Traden sind, verhindern sie eben auch, dass es zu einer hohen Volatilität kommt. Den der Markt bestätigt den Preis häufiger als er es tun würde, wenn nur wir Investoren dort unterwegs wären.
Gier für sich genommen ist ein ganz normales menschlichen Bestreben, was ich demnächst noch einmal aufgreifen werde. Es wird oft sprachlich verwechselt mit der „Habgier“, die ein
übersteigerte Streben nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen, und eng verwandt mit dem Geiz, der übertriebenen Sparsamkeit und dem Unwillen zu teilen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Habgier)
Lasst uns also Menschen danach beurteilen, was sie mit ihrem Geld machen und wie sie daraus gewonnene Macht einsetzen. Und nicht danach, dass sie irgendwie am Kapitalmarkt zugegen sind. Den dort sind auch Omas und Opas dabei, die ihre Rente aufbessern. Und ja, sogar einige meiner Kumpels, die ich mehr oder minder aus einer Privatinsolvenz gehievt habe und die wahrlich keine Vermögenden sind ... und trotzdem am Kapitalmarkt unterwegs sind.
Wenn jemand von den Linken mich fragt, wie ich Zinsen und Dividenden den mit meiner Moral in Einklang bringe. Dann sage ich oft, dass ich mich als jenen Parasiten sehe, der sich an das Großkapital klemmt und einen kleinen Teil von ihren Profiten absauge. Mikroskopisch gering für sie, aber wenn jeder sich einen kleinen Teil nimmt, haben die da oben eben auch weniger. Meist gibt es dann nur einen nachdenklichen Blick. Aber ja, revolutionärer Widerstand fängt eben am Ende auch erst einmal bei sich selbst im Kopf an und eben nicht mit einer Utopie (hinter dem man selbst nicht steht!).
Wer also nicht gierig nach Geld ist ... der sollte investieren und all seine Gewinne einfach spenden. Fertig. Die Welt wäre wesentlich besser als wenn man dies nicht tut oder alles auf eine Risikoanlage setzt bei der man am Ende verliert und eine selbsterfüllende Prophezeihung daraus macht.