Gerade engere Freunde und Bekannte sind oft ein wenig von meinem Lebensstil verwirrt. Auf der einen Seite gelte ich als sehr sparsamer Mensch, der nur sehr wenig zum Leben braucht. Auf der anderen Seite bin ich aber auch jemand, der sich oder anderen gerne mal etwas gönnt. Hier und da braucht es einfach auch mal ein richtig gutes Steak in der Pfanne und man muss es sich auch mal gut gehen lassen.
Dies verwirrt zunächst meist ein wenig. Den bin ich nun sparsam oder doch eher verschwenderisch? Mir fällt diese Frage immer ein wenig schwer zu beantworten, weil ich mich weder als das eine noch das andere sehe. Zum einen habe ich eben eine Anlagesicht auf viele Dinge. Am liebsten ist mir der Euro für den ich nicht arbeiten musste und ich ihn über eine Anlage erhalten habe. Dieser tut mir beim Ausgeben eben nicht so sehr weh. Entsprechend neige ich dazu oft bei einer größeren Anschaffung diese ein wenig mehr in die Zukunft zu pushen, das Geld irgendwo anzulegen und dann vom ersten Rückfluss mir entsprechend das gewünschte zu kaufen.
Es versteht sich von selbst, dass diese Art von Anlagestrategie nicht beliebig skaliert. Den selbst bei extrem guten Anlagen kriegt man max. 10% wieder und müsste somit immer noch 10 Jahre warten bis man das Geld überhaupt erste wieder raus hat. Mal ganz abgesehen davon, dass eben auch mal etwas schief laufen kann und die Kurse ganze abstürzen und man auch ein wenig ein Tief aussitzen muss. Ich denke aber, dass es wichtig ist sich eine solche Denkweise anzueignen und einfach mal den Konsum ein wenig in die Zukunft zu schieben.
Ist der Rechner wirklich schon so alt, dass man einen neuen braucht oder tut er es vielleicht doch noch ein Jahr? Muss ich mir ein Spiel auf das ich scharf bin wirklich bereits jetzt kaufen (wo ich vielleicht sowieso keine Zeit habe) oder warte ich einfach nochmal 8 Monate und kaufe es dann mit Rabatt? Es wird mir dann im Zweifel immer noch genauso viel Freude bereiten und vielleicht stellt sich ja sogar bis dahin heraus, dass es gar nicht so gut war und man kann gleich verzichten ;)
Der zweite Aspekt den ich oft Preise geht in eine andere Richtung und nicht darum temporär die Anschaffung zu verschieben. Sondern vielmehr die Anschaffung selbst in Frage zu stellen. Hierfür stelle ich mir immer die Frage, wie oft in der Woche ich einen Gegenstand wirklich brauche. Muss es wirklich das beste und edele Küchengerät sein? Wenn man es nur 2x im Jahr braucht, tut es das billige mitunter auch problemlos. Brate ich häufig etwas, dann tut vielleicht eine edele Bratpfanne eben doch mehr für einen.
So habe ich z.B. einmal einen Kumpel beim Kauf des Fernsehers beraten. Wie oft in der Woche er fern sieht? Vielleicht 3x die Woche 2 Stunden. Sind also 6 Stunden von 168 Stunden. Oder 24 Stunden vom 672 Stunden im Monat. Muss es da wirklich der wandfüllende riesige Bildschirm sein oder tut es da vielleicht auch die etwas kleinere Variante mit der man genauso gut fern sehen kann?
Wie man diese Frage für sich beantwortet ist eine Sache, die man individuell abklären muss und ich auch in keinster Weise irgend jemand madig machen will. Wer häufig fern sieht und Abends auf der Couch liegt, der soll sich ruhig ein gutes und großes Gerät holen. Wer aber nur sporadisch guckt, braucht vielleicht keines und kann dies auch am Rechner tun oder sich eben eine etwas kleinere und günstigere Varianten holen. Der Kumpel holte übrigens einen kleinen Fernseher und kaufte sich dafür im gleichen Jahr noch ein neues Bett. Lektion verstanden ;)
Man sollte eine solche Denkweise natürlich nicht übertreiben, da sie eben ab einem gewissen Punkt blödsinnig wird (Opportunitätskosten!), aber gerade bei größeren Anschaffungen sollte man durchaus ein wenig eine solche Bedenkzeit einführen und einmal objektiv die Anschaffung überdenken. Den machen wir uns nichts vor. Der Mensch ist ein Konsument und will dies auch permanent tun. Darum neigen wir dazu bei einem spontanen Kauf immer etwas mehr zu holen als wir es eigentlich benötigen. Es gibt zwar Leute, die diesem widersprechen würden, aber ich unterstelle diesen Leute immer eine unreflektierte Selbstbetrachtung.
Schlimmer noch ist aber, dass viele Leute sich dieser übermäßigen Konsumhaltung bewusst sind und es trotzdem tun. In einem solchen Fall empfehle ich immer ein wenig mit sich selbst zu dealen und zu sagen: Wenn ich hier nun ein wenig einspare und etwas billigeres nehme, genehmige ich mir einen netten Restaurantbesuch als „Belohnung“. Idealerweise sollten die Kosten da dann nicht höher sein als das was man eingespart hat. Aber man kann sich auf diese Weise auch ein wenig selbst kontitionieren.
Wer einen solchen Ansatz regelmäßig fährt, kann einiges an Geld bei seinen Anschaffungen einsparen. Was man dann mit dem Geld macht ist jedem selbst überlassen. Idealerweise investiert man dies um langfristig seinen Handlungsspielraum zu steigern. Im Zweifel verkonsumiert man es halt. Aber eben dann vielleicht eben dort konzentrierter, wo man es wirklich braucht und es für einen den größten Nutzen stiftet.
Es geht eben nicht unterm Strich darum möglichst sparsam zu leben, sondern es ist eben einen über den finziellen Weg betriebene Selbstreflektion darüber, was man wirklich braucht und wie man sein Leben zufriedener gestalten kann. Und deswegen landet nun übrigens ein edles Steak in eine recht gute Pfanne auf einem billigen Herd ;)