Wir befinden uns noch immer in Norwegen und ich kann euch nicht mal genau sagen, wie lange wir bereits hier sind. Die Zeit vergeht und ich habe aufgehört die Tage zu zählen. Wenn man so lange wie wir unterwegs ist, vergisst man gerne mal das Datum oder den genauen Tag.
Vor zwei Tagen trafen wir ebenfalls einen Reisenden aus der Schweiz. Dominic ist seit Herbst 2017 mit seinem Bremer 'Freddy' unterwegs und befindet sich zur Zeit in Norwegen. Als ich erfuhr, dass er sich in der gleichen Gegend wie wir befindet, haben wir kurzerhand ein Treffen ausgemacht und uns für eine Wanderung verabredet.
Irgendwo im Nirgendwo trafen wir uns und verbrachten den ersten gemeinsamen Abend. Am Tag darauf planten wir gemeinsam zum Briksdalbreen zu fahren. Dies ist ein Ausläufer des größten Gletschers Europas: Den Jostedalsbreen
Nach einer kurzen Recherche im Internet wurde mir bewusst, dass dieser Gletscher ein beliebtes Touristen Ziel ist und wir dort wohl nicht alleine sein werden xD Nichts desto trotz machten wir uns gemeinsam auf den Weg und hielten Ausschau nach einem geeigneten Parkplatz für unsere Reisemobile.
Leider gestaltete sich die Parkplatz-Suche nicht ganz so einfach: Überall standen Parkverbote oder Abschrankungen verweigerten uns die Zufahrt. Uns blieb also nichts anderes übrig, als den Touristenparkplatz zu nutzen und für 6h 50 Norwegische Kronen zu zahlen. Der Tarif ist für norwegische Verhältnisse in Ordnung, dennoch reiht man sich zwischen vielen anderen Fahrzeugen ein und das Gefühl von einem überlaufenen Touristenort überkam mich bereits beim Parkplatz.
Bis zum Gletscher sind es vom Parkplatz etwa 3 km. Der 'Wanderweg' dorthin ist wirklich sehr schön in einem Tal gelegen und den Gletscher sieht man bereits von weitem. Wir entschieden uns die 'Rushhour' abzuwarten und erst etwas später zu starten. Gegen 15.30 machten wir uns auf und wurden erstmal von den zahlreichen Touristen Cars abgeschreckt. Diese durften weiter nach oben fahren und hielten vor dem Tax free Shop an. xD
Wir ließen uns nicht beirren und starteten am Anfang des Wanderweges. Dieser hatte nicht wirklich was mit wandern zu tun. Es war eher eine breite Strasse, welche ebenfalls mit einem Züglein befahren werden konnte. Dieses fuhr die Besucher, welche nicht laufen wollten, bis knapp vor den Gletscher.
Wir wussten, dass es eine weitere Route zum Gletscher gibt und wir beabsichtigen diese schnellst möglichst zu finden. Unzählige Menschen kamen uns auf dem Weg dorthin entgegen und wir waren froh nach kurzer Zeit den alternativen Weg gefunden zu haben. Dieser wurde als 'schwarze Route' gekennzeichnet und führte bis zum Gipfel über dem Gletscher.
Wir wussten nicht genau, wie lange diese Strecke sein würde und entschieden uns so weit zu wandern, wie es uns möglich war.
Sobald wir diesen Weg einschlugen, befanden wir uns alleine auf diesem Weg. Freudig machten wir uns auf zwischen Gletscherfluss und zahlreichen moosbewachsenen Steinen. Bald ging es über Stock und Stein und gutes Schuhwerk ist definitiv von Vorteil. Leider bemerkte ich bereits da ein Stechen in meiner Schläfe, hielt es allerdings nicht für weiter tragisch.
Als wir nicht ganz die Hälfte der Wanderungen hinter uns hatten, erwartete uns einen sagenhaften Ausblick über den Briksdalbreen. 500 Höhenmeter hatten wir bereits hinter uns, und weitere 800 erwarteten uns.
Leider wurden meine Kopfschmerzen stetig schlimmer und ich musste mich zusammenreissen noch weiter den Berg hinauf zu wandern. Ich bemerkte dass wir den strengsten Teil erst vor uns hatten und musste eingestehen, dass ich den kompletten Aufstieg wohl nicht meistern würde.
Nach weiteren 200 Höhenmetern an der Steilwand musste ich resignieren und entschied schweren Herzens umzukehren.
Es fuchste mich wirklich sehr, nicht den Gipfel zu erreichen, doch ich habe gelernt wie wichtig es ist am Berg auf den eigenen Körper und dessen Verfassung zu achten.
Ich wendete mich an Manu und er entschied sich, mich nach unten zu begleiten. Wir stiegen einige Meter ab und rasteten auf einem großen Felsvorsprung,. Meine Kopfschmerzen wurden immer heftiger und ich entschied mich vor dem Gletscher ein Nickerchen zu machen. Danach fühlte ich mich deutlich besser und wir begaben uns auf den Weg zurück zum Van. Dominic und seine Freundin Rebecca stellten sich der Gipfelwanderung und machten sich auf den Weg nach oben.
Leider ließen auch ihre Kräfte auf etwa 1100 m.ü.M nach und sie entschieden sich nach über 5h Steilwanderung den Abstieg in Angriff zu nehmen.
Davor machten sie dieses Foto:
Auch wenn ich diese Aussicht gerne persönlich gesehen hätte, war es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung umzukehren und auf die Zeichen meines Körpers zu hören. Am Berg ist eine gute Verfassung von Notwendigkeit, da bringt es nichts sich zu etwas zu zwingen.
Die Wanderung war dennoch ein schönes Abenteuer und ich habe die Zeit in den norwegischen Bergen wirklich sehr genossen und freue mich den nächsten Gipfel dann ganz zu meistern ;)
Wie sind deine Erfahrungen am Berg? Musstest du ebenfalls schon einmal eine Gipfelwanderung abbrechen?
Text. Sarah