Die USA hält den Weltrekord im demokratisch gewählte Regierungen stürzen, und wahrscheinlich auch darin, Diktatoren zu installieren. The bekanntesten Beispiel sind der Iran 1953, Guatemala 1954 und Chile, vor allem unter Allende.
Aber warum haben die USA das getan?
Die ersten beiden Beispiele fallen in die Zeit des „Red Scare“, der Kommunismuspanik, als die USA befürchteten, sie könnten eines Tages von kommunistischen Staaten umzingelt sein, wenn sie nicht in den natürlich Verlauf eingriffen. Allende, so wurde befürchtet, wolle einen sozialistischen Staat einführen und Chile wäre dann der erste „Dominostein“.
Aber das ist nicht die Erklärung, oder präziser ist es nur ein zeitweiser Teil davon. Die „Angst vor dem Kommunismus“ ist nur die Ausrede des Zeitgeistes.
Geschichte
Alle Imperien zu allen Zeiten haben versucht, in der Macht zu wachsen und größer zu werden. Das ist nicht einmal unbedingt weil alle Imperatoren blutdürstig waren. Es ist liegt vielmehr in der inhärenten Logik eines Imperiums, zu wachsen.
Denn je größer dein Imperium, desto mehr Soldaten hast du und desto sicherer bist du vor anderen Staaten oder Imperien. Außerdem nimmt die Länge der Grenze, die du beschützen musst, im Vergleich zum eingeschlossenen Land (und der Bevölkerung) stark ab, wenn das Imperium wächst.
Ein Kreis mit dem Radius 1 hat den doppelten Umfang (6,28) von seinem Inhalt (3,14).
Aber ein Kreis mit dem Radius 10 hat nur 1/5 des Umfangs (62,8) von seinem Inhalt (314).
Bedenke dann noch, dass ein Sieg dem Imperium wertvolle Beute und Sklaven bringt, was die eigenen Leute glücklicher macht, und es ist einfach zu sehen, warum sich selbst friedfertige Imperatoren zum Krieg genötigt sehen.
Die moderne USA
Natürlich ist die USA nicht mehr damit beschäftigt, das eigene Territorium auf Kosten der Nachbarn zu vergrößern.
In der modernen Welt hat sich ein Teil der direkten Kriege auf die politische oder ökonomische Ebene verlagert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die potentiellen Kosten eines Krieges im Land (mit den Nachbarn) deutlich größer geworden sind, während die Bedeutung der Kriegsbeute für den Staatshaushalt gewaltig abgenommen hat.
Aber eine Sache hat sich nicht verändert: Wenn du nicht mein Freund bist, bist du mein Feind.
Diese Schlussfolgerung war Grund für die Römer und andere, eine beachtliche Anzahl Klientelstaaten einzurichten, wenn die Eroberung nicht gewinnbringend oder zu riskant war.
In der Nachkriegswelt bedeutete das entweder die Länder des Warschauer Pakts oder die NATO-Mitglieder, militärisch gesprochen. Deutschland war für beide Seiten Pufferstaat sowie Schlachtfeld im Falle eines Krieges. Doch auf dem politischen Feld sind die Grenzen nicht so schwarf gezogen.
Die bloße Existenz eines Staates mit anderen Ansichten, selbst wenn dieser völlig friedfertig ist, aber insbesondere wenn er direkt an das Imperium angrenzt, ist ein Affront der nicht toleriert werden kann.
Das ist der Grund, warum die NATO-Osterweiterung mit den Baltischen Staaten eine Art selbsterfüllende Prophezeiung eines imperialen Russland war, wie es jetzt auf der Krim oder in Syrien tätig ist. Die Nato hat ihr Wendeversprechen gebrochen und ihre Mitglieder direkt an die russische Grenze gesetzt.
pic from Socio-Economics History Blog
Auf dem amerikanischen Kontinent war die bloße Existenz eines sozialistischen Staates eine solche Bedrohung, und die USA reagierten entsprechend skrupellos. Im Mittlere Osten war die Kontrolle des Ölflusses der entscheidende Punkt. Manchmal waren die Eingriffe nur monetär, manchmal direkt militärisch mit faulen Ausreden (Massenvernichtungswaffen).
Die Entscheidung, ob verdeckte Aktionen, Invasionen oder lediglich ökonomische Sanktionen durchgeführt werden erfolgt fast ausschließlich aus politisch-ökonomischen Gründen. Was ist der billigste Weg, das Ziel zu erreichen?
Es ist sogar recht einfach, zumindest im Nachhinein, die Entscheidungswege zu erkennen.
Lasst uns einen Blick auf einen berühmten gescheiterten Versuch der USA werfen, eine Bedrohung an ihren Grenzen loszuwerden: Kuba.
Am Anfang war die USA der Revolution von Castro positiv gegenüber eingestellt. Aber dann legalisierte er die kommunistische Partei und nahm in Zuge einer Landreform von US-Bürgern besessenes Land in Besitz, um es an Kubaner zu verteilen.
Das kam in den USA nicht gut an und die erste Reaktion waren ökonomische Sanktionen (die heute immer noch ein Thema sind).
Als Castro daraufhin 1960 ein Handelsabkommen mit den Sowjets schloss, wies US Präsident Eisenhower die CIA an, einen Coup zu organisieren. Ein Jahr später attackierten US Bomber Kuba, um die Landung in der Schweinebucht zu unterstützen, die dennoch grandios scheiterte.
Wenn man auf die Grafik schaut (wahrscheinlich zu klein auf Steemit, Direktlink kann man leicht die Fragen und Entscheidungen sehen.
Ist das Land ein Klientelstaat? Nein
Ist es ein Feind? Ja
Sind militärische Aktionen erfolgversprechend? Nein (1959, Agrarreform)
Verhandlungen erfolgversprechend? Nein
→ Sanktionen (erlassen) oder Regime Change (CIA: Erstelle eine Angriffstruppe)
Und als die Truppe als stark genug erachtet wurde, haben wir diesen Pfad:
Sind militärische Aktionen erfolgversprechend? Ja
Gegnerisches Regime hat internationale Legitimität? Ja (Anmerkung: das ist wohl ein sehr ambivalenter Punkt. Zu teuer/riskant etwas dagegen zu tun kann auch sein.)
→ verdeckte feindliche Intervention
Kann Militär von Regierung gelöst werden? Nein
Interne Front vorhanden/aufbaubar? Nein
→ Unterstützung von Exilgruppen (die dann später in der Schweinebucht gelandet sind)
Wie ihr sehen könnt ist es eigentlich recht einfach, und fast jede imperialistische Entscheidung kann mit diesem „Leitfaden“ nachvollzogen werden. Beispiel Russlands Aktion, um die Krim zurückzuholen: Ihr könnt die rechte Seite bis zum letzten Punkt verfolgen, wo ein Mix aus Rebellenunterstützung und einer direkten Invasion (unter falscher Flagge) stattgefunden hat.
Und wenn man z.B. Afghanistan und die umliegenden Länder nimmt, ist man (heute) auf komplett auf dem linken Pfad.
Ich hoffe, ihr habt jetzt ein besseres Verständnis globaler Politik und die Gründe für bestimmte Aktionen.