Ich beziehe mich auf den Eintrag von und die dazugehörigen Kommentare.
Der Autor hat aus seiner Erinnerung (unzuverlässige Quelle) berichtet, was ihr Opa angeblich über Merkels Politik-Vergangenheit in der DDR zu wissen glaubte. Das dann noch ohne Bezug mit Stasi verknüpft und sich wiederum anscheinend auf den älteren Beitrag bezogen, der Merkel und Stasi in der Überschrift trug und ebenfalls im Artikel keinen Bezug von Merkel zur Stasi herstellt.
Da nach dem Überfliegen der Kommentare sich keiner anbot, der auf die Herkunft des Gerüchts
Frau Merkel war Ministerin für "Agitation und Propaganda"
einging - ob nun aus Unkenntnis oder aus mangelndem Willen zur Erklärung -, will ich nun einmal etwas genauer werden und zumindest erklären woher die Assoziation Merkel und Agitprop kommt.
Es hat sich auch in der Wikipedia niedergeschlagen.
Merkel war weder Mitglied der SED noch einer der Blockparteien. Sie war nicht in der zivilen oder der kirchlichen Opposition aktiv. Während ihrer Tätigkeit für die Akademie der Wissenschaften engagierte sie sich in ihrer FDJ-Gruppe. Nach eigenen Angaben war Merkel dort als Kulturreferentin tätig. Zeitzeugen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, sprachen davon, sie sei für „Agitation und Propaganda“ zuständig gewesen.[19][20]
Merkel hat das Agitprop dementiert und Kulturrefentin genannt.
Ausführlicher heißt es 2005 durch Ralf Georg Reuth bei Welt [19]
Sie selbst berichtete, sie sei Kulturreferentin gewesen und habe sich um die Bereitstellung von Theaterkarten gekümmert. Andere, die Langguth ebenfalls befragt, erinnern sich, daß sie "Sekretärin für Agitation und Propaganda" gewesen sei. Auf Unterlagen kann Langguth hier nicht zurückgreifen, denn es gibt sie offenbar nicht mehr, genauso wenig wie Angela Kasners Pflicht-Arbeiten in Marxismus-Leninismus.
Wohlgemerkt: FDJ-Gruppe, nicht Ministerin.
Ausführlicher die Runde gemacht hat das Buch vom selben Autor zusammen mit Günther Lachmann 2013 Das erste Leben der Angela M.
Rezensionen dazu bei ntv, Spiegel, focus, philosophia-perennis, eigentümlichfrei gehörten zu den ersten Einträgen bei meiner Suchmaschine.
Das stammt also nicht aus einer äußersten Ecke des Internets (da wird noch ganz anders über Merkel hergezogen und spekuliert).
Merkel hat innerhalb der DDR ein recht gutes, man möchte sagen nahezu privilegiertes Leben gelebt. Es war für sie dafür nicht ausschlaggebend ein weißer heterosexueller Mann zu sein. Auslandsreisen, Studium, Akademie der Wissenschaften.
Merkel war bis kurz vor dem Zusammenbruch der DDR nicht politisch aktiv.
Man kann nun reihenweise Hinweise darauf finden, dass sie dem SED-Regime nahestand oder ihm gegenüber zumindest nicht deutlich ablehnend. Ob aus ihrem persönlichen Verhalten,
dass ihr Vater der rote Kasner genannt wurde, oder die Kontakte von Clemens de Maiziere zu ihrem Vater (s. [19]), dieser Clemens nun wieder verwandt mit Lothar (letzter Ministerpräsident DDR), der wiederum mit Thomas de Maiziere,
dass Wolfgang Schnur (IM) beim DA (ihrer ersten politischen Station) sie in eine höhere Position gehievt hat, und sie trotz des Untergangs des DA unter Lothar (IM) dann Regierungssprecherin wurde.
Es gibt auch andere interessante Details in der DDR-Wende-Geschichte, wie was Lothar de Maiziere, Ibrahim Böhme und Gregor Gysi gemeinsam hatten (und viele weitere, die ich (noch) nicht kenne),
aber das belegt alles nicht hinreichend, dass Merkel in der Stasi war oder gar dort ein höheres Amt hatte.
Was man aber wiederum sagen kann, ist, dass es einen belegbaren Ursprung für die Assoziation Merkel+Agitprop gibt.
Genauso sicherlich für die Gerüchte um IM Erika (Merkel) oder IM Larve (Gauck).
Man könnte also statt zu schimpfen oder ergänzend zum Schimpfen, weiterhelfen das Märchen zu entmystifizieren und den wahren Kern herausarbeiten; aber vielleicht hat man indirekt damit nur wieder mit seiner eigenen Ignoranz geprahlt.