Das Jahr nährt sich nun langsam dem Ende. Gerade haben wir Weihnachten hinter uns gebracht und damit zumindest für die Christen das wichtigste Fest. Eine angeblich immer so besinnliche Zeit, die bei näherer Betrachtung meist dann doch eher mit gegenseitigen Streit und Konsum verbracht wird. Nichts desto trotz kann man sich irgendwie dem kulturellen Sog nie ganz entziehen.
Früher war das alles mal einfacher, da war es eben jene Zeit über die man sich über Geschenke hat freuen können. Nun kommt man aber eher in ein Alter in dem man diese eher vergibt als diese zu erhalten.
Für mich ist es traditionell auch immer die Zeit ein wenig sich mit dem Thema Spende auseinander zu setzen. Ich mag zwar die ganze Zeit hier über die Möglichkeiten der Finanzoptimierung zu sprechen und Tipps dafür zu geben, wie man etwas mehr für sich jedes Jahr raus holen kann. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass ich gleichzeitig auch glaube, dass Wohlstand stets nie zum Selbstzweck da sein sollte, da es sonst einem nur den Charakter versaut.
Gerade wer sich wirklich für eine bessere Welt versucht einzusetzen, sollte dies eben nicht damit bewerkstelligen, dass er ständig Sand in das Getriebe streit, sondern vielmehr das er am Ende auch sein Umfeld an seinem Erfolg partizipieren lässt. Wer denkt, dass dieses handeln von altruistisch Motiven her rührt, der irrt gewaltig. Tatsächlich gibt es kaum eine höhere Glücksrendite als darauf jemanden glücklich zu machen… oder zumindest dann wenn man es versucht hat.
Traditionell halte ich mich dabei zumeist am Zehnt auf meine Kapitalerträge. Nicht mit der gewohnten Genauigkeit, sondern eben halt gerade so wie es passt und man es sinnvoll gerundet bekommt. Am Ende ist dies kein Betrag mit dem man die Welt verändern kann und gleichzeitig eben auch keiner, der mir besonders weh tut.
Ganz klassische würde man vermutlich an eine politische Partei investieren, die den eigenen Interessen am nächsten steht. Natürlich gäbe es diese auch. Allerdings halte ich absolut nichts davon. Auf der einen Seite halte ich es nicht für besonders demokratisch, wenn man mit seinem Geld in Entscheidungsprozesse eingreift. Jeder der politisch etwas verändern will, soll dies durch persönlichen Einsatz und für das Werben seiner Ideen machen und nicht nur, weil er Geld hat. Will ich da wirklich etwas ändern, muss ich auf die Straße gehen und nicht mit Schecks agieren.
Zum anderen tragen Parteien aus meiner Sicht nach nicht dazu bei die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sondern höchstens zu einen der aus ihrer Sicht besser ist. Wahre Ideale sind allerdings universell und eben nicht einem bestimmten Dogma unterzuordnen. So sehr man vielleicht von einer Sache überzeugt ist, wird am Ende niemand garantieren können, dass dies der richtige Weg ist. Zumindest kein reflektierter Geist.
Andere spenden natürliche gerne immer an kirchliche Einrichtungen. Leider nimmt eben die Kirche des fliegenden Spagetthi-Monsters keine Spenden an. Das Problem als Atheist oder Agnostiker ist ja eben, dass man nicht an irgendwelche Götter glaubt, sondern das der Mensch selbst seines Glückes Schmied ist. Wieso sollte ich also jemanden unterstützen, der an Fabelwesen glaubt oder mit brennenden Dornenbüschen spricht? IMHO eine guter Beleg dafür, wieso eine Gesellschaft sich ein solides Gesundheitssystem leisten sollte…
Aber die Kirchen tun doch auch sehr viele für die Allgemeinheit! Betreuen sie doch viele Hilfseinrichtungen. Man denke da nur mal an die anonymen Alkoholiker. Mich selbst widert es ehrlich gesagt an, wenn gerade Menschen in Notsituationen versucht wird Glaube zu vermitteln. Gerade in einem solchen Umfeld sollte der Mensch geschützt sein und seine Schwäche nicht ausgenutzt werden. Scientology lässt Grüßen!
Und wer ernsthaft toleriert, dass eine vergewaltigte Frau von einem Krankenhaus abgewiesen wird bzw. Geschiedene nicht mehr für solche Einrichtungen arbeiten dürfen, der soll zur Hölle fahren. Dies alles hat absolut nichts mit einem christlich humanen Weltbild mehr zu tun. Euer Gott erlaubt dem Menschen mit seinem freien Willen Fehler zu machen und dann sollten solche Regeln eben nicht existieren. Nein, da würde ich echte Probleme mit mir kriegen, wenn ich dahin spenden würde.
Wie sieht es also mit irgendwelchen Entwicklungshilfe ein? Tatsächlich kann man dort als eher reicher Menschen sehr viel für Menschen erreichen. Doch auch dies ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen erinnere ich mich gut daran, wie oft man irgendwelche Hochglanzprospekte danach zugeschickt bekommen hat. Das kommt auch alles von dem Geld, dass eigentlich für Projekte gedacht war. Ich will mit meiner Hilfe nicht den Wohlstand von Leuten in diesem Land finanzieren, die dann so tun als würden sie woanders helfen. Ich will das das Geld wirklich ankommt.
Zum anderen sind viele der Projekte selbst sehr zweifelhaft. Ich bin ein großer Freund davon Menschen beizubringen wie sie sich selbst versorgen können und nicht sie mit milden Gaben in einer Abhängigkeit zu halten. Ich will nicht das irgendwo Brunnen gebohrt werden, die man danach nur noch mit einer Siemens-Pumpe am Laufen halten kann. Die Leute soll dabei geholfen werden sich selbst zu helfen.
Vor ein paar Jahren gab es ein Projekt für DYI-Ladestadionen für Handys. Viele Menschen sind sich nicht bewusst wie wichtig diese gerade in Gebieten mit schlechter Infrastruktur sind und eben auch für das Zahlwesen immer wichtiger wird. Leider gibt es nicht überall vor Ort Strom, so dass mit kleinen Solarwagen ausgeholfen werden sollte, damit man bei einem Marktbesuch sein Handy laden konnte um wieder eine Woche über die Runde zu kommen.
Auf der anderen Seite halte ich nichts von nationalen oder regionalen Denken. Ich finde es immer beschämend, wenn die armen Afrikaner herhalten müssen. Es gibt auch viel Elend in Asien und Südamerika und ja auch hier bei uns in Europa gibt es viele Menschen in prekären Situationen. Ich halte nichts von Rassendenken für mich ist jeder Mensch auf der Welt genauso viel Wert und jede Form von positiver oder negativer Diskriminierung ist abzulehnen. Denn jede Entscheidung für eine Gruppe ist stets auch eine Entscheidung gegen alle anderen.
Ich mag Projekte bei denen Bildung im Vordergrund steht, da ich dies für die wertvollste Währung der Welt halte, die langfristig dafür sorgen kann, dass es in der Welt gedeiht, clever Lösungen für unsere Probleme gefunden werden und gleichzeitig auch die Freiheit fördert. Oder zumindest den Durst nach dieser. Ich feiere sehr Projekte z.B. von Chaos macht Schule. Wenn sich Fachleute mit Kindern hinsetzen um ein Handy von Grund an zu bauen.
Zwar mag es in einigen Ländern in den Bereich Kinderarbeit fallen, doch gerade in unseren Breiten kann dies ein sehr spannendes Projekt sein bei dem man viel über den Aufbau moderner Systeme zu lernen. Viel wichtiger allerdings noch, dass man in die Köpfe der Mensch den Funken pflanzt, dass man hinterfragt wie Dinge von Grund auf an funktionieren. Das man nicht nur Blackboxen kaufen kann, sondern diese auch selbst bauen kann und geschlossene Systeme sogar aktiv bekämpfen sollte. Schlichtweg weil es der einzige Weg ist den wir als freie Gesellschaft gehen können.
Ich mag auch sehr gerne ökologische Projekte. So sehr wie ich oft auf die Grünen wettere, bin ich doch ein sehr großer Freund der Natur und denke, dass wir viel mehr für diese tun sollten. Aber eben nicht in dem wir unser Gesellschaft zerkloppen und alles verbieten, sondern darin jenes zu fördern, was wirtschaftlich sinnvoll ist. Preisen wir nicht alle Kosten sinnvoll ein, kann der Markt nicht richtig funktionieren.
Die Aufforstung von Wäldern macht durchaus Sinn, sofern es dann eben auch echte Wälder sind und nicht nur irgendwelche Monokulturen, die sofort beim erst besten Stress allesamt umfallen. Besonders abstoßend finde ich, wenn „ökologisch denkende“ Menschen versuchen ihre Kreuzfahrt anschließend zu kompensieren. Für mich nichts anderes als ein moderner Ablasshandel. Wenn einem das alles so sehr am Herzen liegt, dann verzichtet man eben darauf und fliegt nicht in den Urlaub. Wer von anderen einfordert nachhaltig zu leben, darf sich nicht mit Spenden frei kaufen...
Es ist jedes Jahr am Ende immer das gleiche, da es nicht einfach ist etwas zu finden bei dem man sein Zehnt sinnvoll loswerden kann ohne dabei selbst in eine moralische Zwickmühle zu geraten. Etwas zu finden bei dem man etwas gutes tun kann und gleichzeitig nicht sich selbst indirekt daran zu bereichern. Etwas bei dem man nicht etwas neues erschafft, dass man danach dann bekämpfen muss.
Dieses Jahr wird es wohl eine Mischung aus Spenden an einige OpenSource-Projekte gehen. Diese leisten aus meiner Sicht eine universelle Arbeit. Als Technokrat glaube ich eben an den Fortschritt und das freier Code das Leben überall auf der Welt langfristig verbessern kann. Nicht kurzfristig, sondern langfristig. Man denke nur mal daran, wieviel Wissen heute überall auf der Welt bereit steht und nicht mehr einem Wissensmonopol unterliegt, nur weil man irgendwo aufgewachsen ist, wo man keinen Zugriff mehr darauf hat.
Gleichzeitig ist dies für mich ein aktiver Kampf gegen all jene Menschen, die mit ihren Allmachtsfantasien einen Überwachungsstaat erschaffen wollen. Eine Verweigerung führt langfristig dazu, dass man technologisch überrollt wird. Wir müssen offene Systeme schaffen, die den Menschen die Kontrolle über den Code geben und es erlauben diesen konsequent zu verbessern und Missstände abzustellen.
Ein Teil anderer Teil geht an eine Einrichtung, die sich um die Versorgung von Frühchen (und deren Eltern) kümmert. Dies mag zwar etwas sein, was gegen einige meiner oben aufgestellten Regeln verstoßen, allerdings denke ich, dass in diesem Gebiet oft sehr viel Leid innewohnt und es eben auch etwas ist, dass von der Gesellschaft gerne vergessen wird. Umso wichtiger das man zumindest versucht diese Menschen nicht alleine zu lassen.
Am Ende wird all dies nichts wirkliches verändern. Doch um die Welt in ein Utopia zu verwandeln hilft es bereits sich mit dem Gedanken zu befassen, wie man dies schrittweise tun kann und dann einfach einen ersten Schritt gehen. Mir selbst gibt es auch einen Teil der Kraft im nächsten Jahr noch stärker daran zu arbeiten einen zu verbessern, wenn man weiß, dass es am Ende nicht nur einem selbst hilft. Das gibt mir am Ende wesentlich mehr Energie als ständig jeden Morgen vor dem Spiegel: „Du bist erfolgreich!“ zu hauchen… ;)