Hello Friends,
after the pleadings in the last session were cancelled, because one case was dropped and the other was dismissed, my instructor announced that I would be released. I would have been there twice now. From now on I could do the whole thing on my own.
That means that I can represent the prosecution in court completely independently without my instructor. I knew this moment would come. But I didn't expect it so soon. After all, so many things can happen that I'm not prepared for!
But well, what must be must be. I'm here to learn, after all. And where better to learn than in practice?
Then, last Wednesday, the call came. Could I take over the session duty on Friday for a short period of time? He said he thought I was up to it and would then give me a quick release. Of course I agreed. What choice did I have 😅. Anyway, I was very happy to be one of the first to be released.
Then at lunchtime we went through the files together and he told me what sentences he would plead to on the basis of the files. Of course, I have a free hand in the trial. Depending on the course of the proceedings in the trial and the behaviour of the accused, everything can change.
Can the offence be proven at all? If so, what are the mitigating and aggravating circumstances**? Is there a confession? Has the damage been made good? Has the offender apologised? Does he show remorse? What previous convictions does he have? Was the offender's culpability impaired at the time of the offence (e.g. due to a blood alcohol level of 2.2 per mille)? Is he a serial offender? These and many more aspects play a major role.
Nevertheless, it is important for us trainee lawyers to have a guideline to orient ourselves by. After all, we lack experience in sentencing. When should the accused be imprisoned for two months and when for eight months? How many day sentences are there for a drunk driving offence if the offender has no previous convictions? You learn that over time.
I didn't have much time to prepare afterwards. That same evening there was an event for trainee lawyers at Schloss Saareck and the next morning I was allowed to take part in a large-scale search. A good thing that not every trainee lawyer has.
At least I had most of Thursday to prepare.
There were eight procedures on the list. Everything was there, from sneaking benefits to drunk driving to dangerous bodily harm. The fact that total sentences were to be formed for several proceedings, taking into account old sentences, added special spice. It is not easy to form these in the heat of the moment if you have never done it before, but I fought my way through it and am now fit in this subject.
The next morning it got serious. There was no turning back. Before I drove to the court, I dressed in my finest threads, because there is a dress code for prosecutors in court, which was explicitly pointed out to us in the introductory courses. Men are supposed to wear dark suits, preferably black, a white shirt and a white tie. In the courtroom, the robe is worn on top of that. Fortunately, the trainees can borrow them free of charge beforehand.
With the robe on my arm and a briefcase full of files and notes, I arrived at the court. I didn't know the building yet, but local courts are small and usually don't have many hearing rooms. After passing through the gate, I found the courtroom on the first floor right away.
The proceedings went well. The judge was very friendly and treated me like a real, experienced prosecutor. There was no puppy protection. Still, I didn't feel pressured by it. Naturally, unforeseen events came up, but I could deal with that. One appeal was rejected because the defendant did not appear, once the judge outbid me in the sentence and I was even allowed to acquit one defendant. That's a nice feeling (as long as the person is really innocent).
Only twice did I have to call my instructor. Because certain actions (waiver of appeal, e.g. discontinuation of proceedings under § 154 of the Code of Criminal Procedure) are not allowed to be carried out by trainees without consulting their instructors or other prosecutors involved.
After almost 4 hours the session was over. I had made it. I was thrown in the cold water and swam. The first hurdle in the legal traineeship has thus been taken.
Now I'm curious to see what awaits me next. The station at the public prosecutor's office lasts another 1.5 months. How many more times will I be on duty at the sessions? I hope I'll get to do it a few more times. Maybe after the station I'll sign up to continue doing session duty. Because we can do that voluntarily besides working in the other wards and it is also recommended as preparation for the second exam. Besides, there's also a little bit of money for it 😊. That would really boost my trainee teacher's salary of around €1300 gross.
Deutsch
Hallo Freunde,
nachdem die Plädoyers im letzten Termin ausgefallen sind, weil ein Verfahren eingestellt und das andere vertragt wurde, kündige mein Ausbilder an mich freizugeben. Ich wäre ja jetzt zwei Mal dabei gewesen. Ab jetzt könnte ich das ganze auch allein machen.
Das heißt, dass ich vor Gericht vollkommen eigenständig ohne meinen Ausbilder die Staatsanwaltschaft vertreten darf. Ich wusste das dieser Moment kommen würde. Aber ich hatte ihn nicht so schnell erwartet. Schließlich kann so viel passieren, auf dass ich nicht vorbereitet bin!
Aber gut, Was muss das muss. Ich bin ja da, um zu lernen. Und wo lernt man besser als in der Praxis?
Am vergangenen Mittwoch kam dann der Anruf. Ob ich nicht kurzfristig den Sitzungsdienst am Freitag übernehmen könnte. Er traue mir das zu und würde mich dann noch schnell freigeben. Natürlich habe ich zugestimmt. Was hatte ich auch für eine Wahl 😅. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, dass ich einer der ersten bin, die freigegeben werden.
Mittags gingen wir dann gemeinsam die Akten durch und er sagte mir, auf welche Strafen er nach Aktenlage plädieren würde. Natürlich habe ich im Prozess freie Hand. Je nach Gang des Verfahrens in der Verhandlung und dem Benehmen des Angeklagten kann sich alles ändern.
Kann die Tat überhaupt bewiesen werden? Wenn ja, welche strafmildernden und welche strafschärfenden Umstände liegen vor? Gibt es ein Geständnis? Wurde der Schaden wiedergutgemacht? Hat sich der Täter entschuldigt? Zeigt er Reue? Welche Vorstrafen hat er? Lag zum Zeitpunkt der Tatbegehung eine verminderte Schuldfähigkeit vor (zb wegen 2,2 Promille im Blut). Ist es ein Serientäter? Diese und noch viel mehr Aspekte spielen eine große Rolle.
Trotzdem ist es wichtig uns Referendare einen Richtwert vorzugeben, an dem wir uns orientieren können. Immerhin mangelt es uns an Erfahrung in der Strafzumessung. Wann soll der Angeklagte für zwei und wann acht Monate in Haft? Wie viele Tagessätze gibt es bei einer Trunkenheitsfahrt, wenn der Täter keine Vorstrafen hat? Das lernt man mit der Zeit.
Viel Zeit zum Vorbereiten blieb mir danach nicht. Denn am selben Abend war noch eine Veranstaltung für Referendare im Schloss Saareck und am nächsten Morgen durfte ich noch an einer groß angelegten Durchsuchung teilnehmen. Ein Glück, das nicht jeder Referendar hat.
Zur Vorbereitung blieb mir immerhin der Großteil des Donnerstags.
Es standen acht Verfahren auf der Liste. Von Erschleichen von Leistungen über Trunkenheitsfahrt bis hin zur gefährlichen Körperverletzung war alles dabei. Besondere Würze brachte der Umstand, dass bei mehreren Verfahren Gesamtstrafen unter Einbeziehung alter Urteile gebildet werden sollten. Diese im Eifer des Gefechts zu bilden ist nicht ganz einfach, wenn man das noch nie gemacht hat, aber ich kämpfte mich da durch und bin jetzt fit in diesem Thema.
Am nächsten morgen wurde es dann ernst. Es gab kein Zurück. Bevor ich zum Gericht fuhr, hüllte ich mich in meinen feinsten Zwirn, denn vor Gericht gibt es eine Kleiderordnung für Staatsanwälte, auf die wir in den Einführungslehrgängen explizit hingewiesen wurden. So sollen Männer dunkle, am besten schwarze, Anzüge tragen, ein weißes Hemd und eine weiße Krawatte. Darüber kommt dann im Gerichtssaal die Robe. Die können die Referendare sich zum Glück kostenlos vorher leihen.
Mit der Robe auf dem Arm und der Aktentasche voller Akten und Notizen kam ich zu Gericht. Das Gebäude kannte ich zwar noch nicht, aber Amtsgerichte sind klein und haben meist nicht viele Verhandlungsräume. Nachdem ich die Pforte passiert hatte, fand ich den Gerichtssaal auf Anhieb im ersten Stock.
Die Verhandlungen liefen gut. Der Richter war sehr freundlich und behandelte mich wie einen echten, erfahrenen Staatsanwalt. Da gab es keinen Welpenschutz. Trotzdem fühlte ich mich dadurch nicht unter Druck gesetzt. Natürlich kamen unvorhergesehene Ereignisse, aber damit konnte ich umgehen. Ein Einspruch wurde verworfen, weil der Angeklagte nicht erschien, einmal überbot mich der Richter im Strafmaß und einen Angeklagten durfte ich sogar sogar freisprechen. Das ist ein schönes Gefühl (sofern derjenige wirklich unschuldig ist).
Nur zwei Mal musste ich meinen Ausbilder anrufen. Denn bestimmte Handlungen (Rechtsmittelverzicht wie zb Einstellung des Verfahrens nach § 154 StPO) dürfen Referendare nicht ohne Rücksprache mit ihren Ausbildern oder anderen beteiligten Staatsanwälten durchführen.
Nach knapp 4 Stunden war der Sitzungsdienst dann auch schon vorbei. Ich hatte es geschafft. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und bin geschwommen. Die erste Hürde im Referendariat ist somit genommen.
Jetzt bin ich gespannt, was mich als nächstes erwartet. Die Station bei der Staatsanwaltschaft dauert noch 1,5 Monate. Wie oft werde ich noch den Sitzungsdienst übernehmen? Ich hoffe, dass ich noch ein paar Mal in den Genuss komme. Vielleicht melde ich mich nach der Station, um weiterhin den Sitzungsdienst zu übernehmen. Denn das können wir freiwillig neben der Arbeit in den anderen Stationen und das wird uns auch als Vorbereitung auf das zweite Examen empfohlen. Außerdem gibt es dafür auch ein klein wenig Geld 😊. Das würde mein Referendarsgehalt von brutto rund 1300€ ganz schön aufwerten.